• Facebook Social Icon
  • Twitter Social Icon
  • Instagram Social Icon
  • LinkedIn Social Icon

© 2011 - 2019 Wildtierschutz Deutschland e.V.                          Impressum / Disclaimer / Datenschutz / Fotografen / Kontakt / Förderer

Wildtierschutz Deutschland e.V. ist beim Amtsgericht Mainz im Vereinsregister 40782 eingetragen. Der gemeinnützige Verein ist nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftssteuer befreit (Steuernummer 08/667/0522/6, Finanzamt Bingen-Alzey). Spenden können steuerlich geltend werden. Wir arbeiten ohne Personalkosten!

“Problemwolf”: Ein Wort und zwei Welten

17 Dec 2017

Gegner des Wolfes arbeiten weiter an dem Prototyp “Problemwolf”. Die mittlerweile inflationäre Verwendung des Begriffs macht diesen allerdings nicht überzeugender. Was ist er denn nun eigentlich? Ein Tier, dass Probleme verursacht oder ein Tier, dass sie nur aufdeckt? Ein echter Problemwolf ist jedenfalls von Fachleuten klar und deutlich definiert und diese Definition auch international anerkannt. Nun ja…zumindest von Fachleuten. Aus deren Sicht gab es in Deutschland gerade mal einen einzigen Problemwolf. 

 

Speziell einige Teile der ländlichen Bevölkerung können mit dieser Definition augenscheinlich nichts anfangen. Bezieht man sein Wissen über den Wolf nur aus bestimmten Medien, könnte allgemein schnell der Eindruck entstehen, dass unsere Wolfspopulation mittlerweile nur noch aus Problemwölfen besteht. Dahinter steckt neben viel Unwissen auch viel Berechenbarkeit.

 

Es gibt mittlerweile ausreichend Menschen in Deutschland, die nahezu systematisch daran arbeiten, am Schutzstatus des Wolfes zu kratzen. Die Erfindung von Hybriden, die willkürliche Vervielfachung von Risszahlen und das Weglassen jeglicher Informationen zum Herdenschutz sind dabei nur einige Mittel, an welchen sich bedient wird.

 

 Es gibt mittlerweile ausreichend Menschen in Deutschland, die nahezu systematisch daran arbeiten, am Schutzstatus des Wolfes zu kratzen. Bild: Heiko Anders

 

Nach dem Motto “Masse statt Klasse” wird zusehends versucht, dass die Bevölkerung von einer ganz eigenen Definition des Problemwolfs überzeugt wird. Bei Politikern gelang das ja bereits in vielfacher Form. Merkwürdigerweise ist nahezu jeder dieser Politiker mit seiner Meinung allerdings schnell alleine gewesen und wollte wenig später von seinen Worten nichts mehr wissen.

 

Aktuellstes Beispiel ist Till Backhaus von der SPD. Forderte er vor kurzem noch einen strengeren Umgang mit Problemwölfen in Mecklenburg-Vorpommern, will er heute von einer neuen Landesverordnung zum Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen nichts mehr wissen. Eine solche Einsicht kann man sich von einigen Gegnern der Wölfe nur wünschen.

 

Viele Menschen halten weiter an einem Bild des Wolfes fest, welches wissenschaftlich schlichtweg nicht nachvollziehbar ist. Nun ist es die eine Sache, dass man eine solche offenkundig falsche Meinung vertritt. Traurig ist jedoch, dass man sie immer wieder medienwirksam verbreiten kann und auch tatsächlich immer wieder in den Medien einen Abnehmer dafür findet.

 

Kein Problemwolf im Odenwald

Ein Paradebeispiel für den regelrechten Missbrauch des Wortes “Problemwolf” ist aktuell der Odenwald in Hessen. Bergige, weitläufige Waldgebiete mit vielen Rückzugsorten und einer sehr geringen Bevölkerungsdichte. Die Region ist wie gemacht für große Prädatoren. Es war irgendwie naheliegend, dass früher oder später der erste Wolf dort auftauchen wird.

 

 Wir brauchen Medien mit Drang zur Aufklärungsarbeit und keine Medien, die sich von Menschen mit Interessenskonflikten vor den Karren spannen lassen. Bild: Michael Hamann

 

Nach der vor kurzem erfolgten Ankunft des ersten Wolfs im Odenwald, ließen die ersten Nutztierrisse nicht lange auf sich warten. Wenig überraschend, wenn keine der Schafherden über einen Grundschutz verfügt und sogar auf einer Seite ein kleiner Bachlauf einen Zaun ersetzen sollte. Doch das Problem ist wie so häufig nicht der mangelnde Schutz (hier der Artikel von OP-Online zum Wolf im Odenwald).

 

Dietrich Kübler (67, Landwirt und Jäger im Odenwald) sieht den Wolf als Problem, denn dieser hat sich bei seinen Rissen “zu nah an Behausungen herangewagt”. Nach der Logik des Landwirts bräuchte jeder Schäfer nur ein Haus neben seine Weide bauen. Herdenschutz made in Odenwald? So verlagert man Probleme um, aber löst sie sicherlich nicht. Folglich fordert er auch den “Abschuss des Problemwolfs”.

 

Mich würde interessieren, was dann mit dem nächsten Wolf im Odenwald passieren soll? Soll jeder zugewanderte Wolf erschossen werden, bis tatsächlich der erste sich vegan ernährende Wolf auftaucht? Der wasserscheu ist und bei dem bloßen Anblick eines Gebäudes in Angst erstarrt? Es soll ja einige Tier- und Artenschützer geben, die fernab jeglicher Realität leben. Wenn das die Realität sein soll, dann kann ich dem durchaus zustimmen.

 

Doch vielleicht ist er das ja tatsächlich. Der Prototyp “Wolf”, mit dem wir in Zukunft leben können. Doch wie viele gibt es davon und müsste so ein Wolf mit Gebäudephobie nicht auf einem anderen Planeten leben? Der nun von Niedersachsen nach Hessen gewanderte Wolf wird schließlich auf seiner Reise dem ein oder anderen Gebäude begegnet sein. Wolfsgegner verleugnen konsequent, dass menschliche Objekte für Wölfe keinen Auslöser von Scheu oder Angst darstellen.

 

Gefährlich ist an dem Verhalten des Wolfs erst einmal gar nichts. So haben Umweltministerium sowie Naturschutzverbände bereits einstimmig darauf reagiert. Ein Wolf ist kein Problemwolf, wenn er sich Siedlungen nähert oder auch in Siedlungsnähe ungeschützte Tiere reißt.

 

Der Satzanfang “der Wolf hat ja seine Daseinsberechtigung, aber…” endet ohnehin meist immer im Gegenteil. Dabei ist der Odenwald eines der idealen Wolfsgebiete, in der doch gerade die viel gepredigte Daseinsberechtigung vorhanden sein sollte. Daseinsberechtigung bedeutet bei Wolfsgegnern jedoch nur, dass der Wolf "da sein kann, wo ich nicht bin". Auch unter einer unkontrollierten Vermehrung verstehe ich etwas anderes. Der Unterschied zwischen "nicht existent" und einer "unkontrollierten Vermehrung" besteht jedoch für manche Personen aus einem einzigen Wolf.

 

Zur Unsicherheit der Bevölkerung tragen im Übrigen vor allem Menschen bei, die versuchen den Wolfsexperten zu spielen. Ich wünsche mir eine Ethik des Nichtwissens und des Hinterfragens. Stattdessen sehe ich nur eine immer größer werdende Zurschaustellung des Unwissens. Wir brauchen Medien mit Drang zur Aufklärungsarbeit und keine Medien, die sich von Menschen mit Interessenskonflikten vor den Karren spannen lassen. Medien, die verunsicherte Menschen abholen können und sie nicht ständig in ihrer Unsicherheit bestätigen.

 

Die Meinung eines echten Experten im Titel eines Artikels wäre da schon ein guter Anfang. Im Titel immer nur für Unruhe zu stiften und die Wahrheit dann am Ende im Kleingedruckten preiszugeben, trägt jedenfalls nicht gerade zur Bekämpfung der Verunsicherung bei.

 

Und die Wahrheit ist mittlerweile kein Geheimnis mehr: Herdenschutz.

 

 

Weitere Artikel und Videos zu Wildtieren finden Sie auf Wegweiser Wildnis

Mehr über Wölfe erfahren Sie hier

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Empfohlene Einträge

Bambi kann sich nicht sicher sein, dass seine Mutter den Herbst noch überlebt

1/9
Please reload

Aktuelle Einträge