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Unterschätzte Gefahr im Garten: Bundestag berät über Mähroboter-Verbot zum Schutz von Igeln

  • Wildtierschutz Deutschland e.V.
  • vor 1 Stunde
  • 3 Min. Lesezeit

Klein aber oho! Igel sind nicht nur niedliche Gesellen, sondern als fleißige „Gartenpolizei“ überaus nützliche Gefährten, die ganz ohne Chemiekeule auf ihren nächtlichen Streifzügen eine Vielzahl von Larven und Insekten einsammeln. Doch der sympathische „Stachler“ schlägt seit einiger Zeit lautstark Alarm: Der Westeuropäische Igel steht mittlerweile offiziell auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Arten. In manchen Regionen wie Bayern hat sich sein Bestand in den letzten zwanzig Jahren sogar dramatisch halbiert.


Die Sensoren der Mähroboter sind nicht verlässlich darauf getrimmt, kleine Tiere zu erkennen. Bild: Igelpflege Rotenburg Wümme e.V.,
Die Sensoren der Mähroboter sind nicht verlässlich darauf getrimmt, kleine Tiere zu erkennen. Bild: Igelpflege Rotenburg Wümme e.V.,

Um auf diese alarmierende Entwicklung zu reagieren, liegt nun ein neuer, konkreter Vorstoß in der Bundespolitik vor: Ein aktueller Antrag der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Bundestagsdrucksache 21/6011) fordert wirksame Schutzmaßnahmen, um das Überleben der bedrohten Tiere langfristig zu sichern.


Vom Schwinden der Lebensräume und dem großen Hungern

Warum schwinden die Bestände unserer Igel so rasant? Die Ursachen für den Rückgang der Igel-Populationen sind vielschichtig und fast ausnahmslos menschengemacht:


  • Das fortschreitende Insektensterben: Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der konventionellen Landwirtschaft, aber leider auch in privaten Gärten, wird den Tieren buchstäblich die Nahrungsgrundlage entzogen. Wo keine Käfer, Spinnen oder Larven mehr leben, verhungern vor allem die Jungigel im Herbst.

  • Verlust natürlicher Lebensräume: Unsere Landschaften werden immer unbarmherziger aufgeräumt. Es fehlen dichte Hecken, Totholzhaufen und naturbelassene Waldränder.

  • Leblose Gärten: In Wohngebieten breiten sich sterile Schottergärten und monotone Rasenflächen aus, auf denen kaum ein Wildtier mehr Unterschlupf oder Nistmaterial findet.

  • Klimawandel & Verkehr: Hinzu kommen der dichte Straßenverkehr, der jährlich unzählige Opfer fordert, sowie der Klimawandel, dessen anhaltende Trockenperioden die Nahrungssuche im steinharten Boden zusätzlich erschweren.


Aufgeräumter Rasen, tödliche Falle: Mähroboter im Fokus

Im Tierreich haben Igel nur wenige natürliche Feinde, wie den Uhu oder den Dachs. Droht Gefahr, flüchten sie nicht, sondern rollen sich blitzschnell zur wehrhaften Stachelkugel zusammen. Gegen herannahende Autos schützt diese Taktik bekanntermaßen nicht – und auch nicht gegen die messerscharfen, rotierenden Klingen moderner Mähroboter.


Da diese autonomen Geräte vom Igel oft unbemerkt in den Abendstunden, in der Dämmerung oder sogar mitten in der Nacht laufen, trifft es die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere besonders hart. Sie werden durch unzureichende Sensoren von den Geräten schlicht überrollt. Die Folgen zeigen sich täglich in den Wildtierstationen: Igel mit tiefen Schnittwunden im Gesicht, abgetrennten Gliedmaßen und grausamen Verstümmelungen. Viele Pflegestellen arbeiten bundesweit weit über ihrer Belastungsgrenze und müssen wegen akuter Überlastung regelmäßige Aufnahmestopps verhängen.


Politik handelt: Der Antrag zum Mähroboter-Verbot

Der Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nimmt nun genau diese technologische Gefahrenquelle ins Visier. Die zentralen Forderungen wären ein echter Meilenstein für den lokalen Artenschutz:


  1. Nächtliches Betriebsverbot: Gefordert wird ein striktes Betriebsverbot für Mähroboter während der Nacht- und Dämmerungsstunden in privaten Gärten.

  2. Verbindliche Sicherheitszertifikate: Bis zum Jahr 2030 soll ein Zertifikat zur Pflicht für den Marktzugang in Deutschland werden. Zukünftig dürften nur noch zertifizierte, „igelsichere“ Geräte verkauft werden, die kleinere Wildtiere per hochentwickelter Sensorik zuverlässig erkennen und umfahren.

  3. Technische Koppelung: Optimal wäre außerdem eine Verknüpfung an einen Tageslichtsensor, sodass die Mäher mit Einbruch der Dämmerung automatisch stoppen.


Fazit: Artenschutz fängt vor der eigenen Haustür an

Wir von Wildtierschutz Deutschland e.V. begrüßen diesen politischen Vorstoß ausdrücklich! Ein nächtliches Fahrverbot ist ein hocheffektiver und längst überfälliger Schritt.


Doch niemand muss auf Gesetze warten, um ein Herz für unsere nützlichen Freunde zu zeigen. Bitte programmieren Sie Ihren Roboter schon heute so, dass er ausschließlich tagsüber läuft, wenn Igel schlafen. Lassen Sie zudem wilde Ecken mit Laub, Ästen und Unterholz im Garten zu. So schaffen wir gemeinsam sichere Lebensräume für unsere stacheligen Nachbarn.

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Quelle: Bundestagsdrucksache 21/6011 vom 19.05.2026


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