• Lovis Kauertz

UNESCO-Welterbe-Auszeichnung als Vorwand zur Jagd von Wölfen

Das bayerische Isartal zeichnet sich durch eine reiche Kulturgeschichte der alpinen Landwirtschaft aus. Jetzt haben sich die Landwirte, die der UNESCO-Auszeichnung bisher eher skeptisch gegenüberstanden, mit Experten zusammengetan, um möglichst rasch die offizielle UNESCO-Anerkennung als Weltkulturerbe zu erhalten. Der Grund? Sie wollen das UNESCO-Siegel als Argument verwenden, um Wölfe und sogar Bären in der Region zu töten. Denn Wolf und Bär würden laut den Initiatoren den Bestand der alpinen Landwirtschaft und damit das UNESCO-Weltkulturerbe gefährden.

Die Vorteile der UNESCO

Dem UNESCO-Komitee wurde ein offizieller Antrag zur Förderung der Kulturlandschaft der Almen und der Weidewirtschaft vorgelegt. Das Isartal mit seinen Almen und seiner typischen Landwirtschaft gibt es nach Ansicht der führenden Experten schon seit prähistorischen Zeiten.

Bild: European Wilderness Society

Die UNESCO-Zertifizierung würde gemäß der Experten den Landwirten und Bergbauern viele Vorteile bringen. Das UNESCO-Siegel ermögliche die Sicherung staatlicher Förderung durch Bund und Land und öffne die Tür zur Finanzierung neuer Projekte. Am wichtigsten sei jedoch die Tatsache, dass der UNESCO-Welterbeantrag besage, dass die Weidetiere vor den großen Beutegreifern geschützt werden müssen.

Vorwand Wölfe und Bären zu töten

„Sobald der UNESCO-Antrag genehmigt ist, müssen die Behörden Maßnahmen ergreifen, um die Rückkehr von Wölfen und Bären zu stoppen“, meint ein Bauernfunktionär in Oberbayern. Und hier wird deutlich, warum die Menschen plötzlich diese UNESCO-Zertifizierung wollen. Die Initiatoren versuchen die UNESCO als Vorwand nutzen, um eine Wolfs- und Bärenfreie Zone zu schaffen, in der die Behörden dafür verantwortlich sind, jeden Beutegreifer, der Weidetiere bedroht, loszuwerden oder sogar zu töten.

Was dabei allerdings ignoriert zu werden scheint ist die Tatsache, dass der Schutz der Weidetiere von jeher ein wesentliches Element der traditionellen Weidewirtschaft war. Wenn die UNESCO also die Beibehaltung der traditionellen Praktiken befürworten würde, sollte es auch seitens der Weidetierhalter und mit Unterstützung der staatlichen Förderung möglich sein, geeignete Schutzmaßnahmen für die Tiere auf den Almen zu treffen.

Erforderlich ist die Umsetzung angemessener Tierschutzmaßnahmen

Es ist nur eine kleine Gruppe von Menschen, die glauben, der einzige Weg Weidetiere vor Wölfen und Bären zu schützen, bestehe darin Wölfe und Bären zu töten. Möglicherweise ist der Grund dafür, dass der Schutz der Tiere ansonsten nur mit größerem Aufwand möglich sei. Aufwand, wie ihn die Almbauern traditionell seit Jahrhunderten nicht gescheut haben. Tatsächlich heißt es im Antrag nur, dass Weidetiere geschützt werden müssen. Von der Jagd und dem Töten von Wölfen und Bären ist darin nicht die Rede.

Glücklicherweise gibt es viele Alpenbauern, die verstehen, dass geeignete Maßnahmen zum Schutz der Tiere erforderlich sind. Sie akzeptieren, dass dieser Aspekt Teil der Arbeit ist, die ein Bergbauer hat. Diese Landwirte arbeiten jetzt mit anderen Partnern zusammen, um ein großes internationales Projekt zu entwickeln, mit dem gezeigt werden soll, dass der Schutz der Tiere im Alpenraum neben dem Zusammenleben mit großen Beutegreifern möglich ist.

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Der Originalartikel ist auf Englisch unter dem Titel "UNESCO Designation To Justify Killing Of Wolves And Bears" auf wilderness-society.org erschienen

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