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Der Frühling gehört nicht nur uns - mehr Lebensraum im Naturgarten

  • Susanne Schüßler
  • vor 3 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Der Frühling beginnt – und wir genießen ihn. Doch während wir aufatmen, kämpfen viele Wildtiere ums Überleben.


Der Beginn von Frühling und Sommer wird von vielen Menschen als Aufbruch erlebt, als Zeit neuer Energie, als Moment, in dem sich Lebensfreude fast von selbst einstellt. Die Tage werden länger, die Natur erwacht, und mit ihr wächst das Gefühl von Leichtigkeit. Doch bei näherem Hinsehen stellt sich eine grundlegende Frage: Was bedeutet Glück eigentlich?


Für manche liegt es in Sicherheit oder Erfolg, für andere in Familie, innerer Ruhe oder im Gefühl, mit der Welt im Einklang zu sein. Immer deutlicher zeigt sich, dass Glück nicht allein aus dem eigenen Vorteil entsteht, sondern auch aus der Art, wie wir mit unserer Umwelt umgehen und mit den Lebewesen, die diesen Lebensraum mit uns teilen.


Beginnen Sie Ihren Naturgarten mit einer kleinen wilden Ecke
Beginnen Sie Ihren Naturgarten mit einer kleinen wilden Ecke

Die unsichtbaren Mitbewohner

Auch in Städten, die von Grünflächen geprägt sind, entfaltet sich ein oft übersehenes Leben. Wälder, Parks, Gärten, Kleingartenanlagen und botanische Gärten sind nicht nur Orte der Erholung, sondern Lebensräume. Vögel, Igel, Maulwürfe, Eichhörnchen, Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Rehe, Füchse, Wildkaninchen und Feldhasen leben mitten unter uns, häufig unbemerkt und doch in unmittelbarer Nähe.


Darüber hinaus leben Tiere in landwirtschaftlicher Haltung oder in menschlicher Obhut. Sie alle sind fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen, die ihr Leben nicht für uns, sondern für sich selbst leben. Ihre Würde hängt nicht davon ab, wie nützlich, vertraut oder sichtbar sie für uns sind, sondern allein davon, dass sie leben.


Wenn der Mensch Verantwortung trägt

Gerade zur Brutzeit wird deutlich, wie verletzlich viele Wildtiere sind. Mittlerweile stark eingeschränkte Nahrungsquellen erschweren das Überleben sowohl für die Elterntiere als auch für ihren Nachwuchs erheblich. Gleichzeitig nehmen menschliche Einflüsse zu. Verkehr, Bebauung und der Verlust natürlicher Rückzugsräume verändern die Bedingungen drastisch.


In solchen Momenten wird Hilfe oft missverstanden. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Menschliches Eingreifen ist nicht zwangsläufig ein Stören der Natur. Vielmehr kann es Ausdruck von Verantwortung sein, wenn Lebensräume bereits durch uns eingeschränkt wurden. Wer nicht wegschaut, sondern handelt, erkennt die Würde des Tieres an und trägt zu einem respektvollen Zusammenleben bei.


Der Garten als Schlüssel zur Vielfalt

Das neue Frühjahr und der kommende Sommer bieten die Chance, diese Haltung bewusst in den Alltag zu integrieren.


Beispiele dafür sind der eigene Garten oder der Balkon. Er kann eine sterile Fläche bleiben oder sich in einen lebendigen, paradiesischen Mikrokosmos verwandeln. Wer nicht nur nach ästhetischen Gesichtspunkten pflanzt, sondern sich informiert und gezielt auf heimische, nährstoffreiche Pflanzen setzt, schafft Lebensgrundlagen. Je mehr unterschiedliche Futterpflanzen vorhanden sind, desto größer ist die Vielfalt. Pflanzen aus pestizidfreier Zucht, eine Vielfalt an Blühzeiten und Strukturen sowie das Zulassen von „Unordnung“ verwandeln selbst kleine Flächen in wertvolle Rückzugsorte.


Ein scheinbar ungepflegter Bereich mit Laub, Totholz oder wilden Ecken ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern von ökologischem Verständnis. Dort finden Igel Schutz, Insekten Nahrung und Vögel Material für ihre Nester. Wer beginnt, solche Räume zuzulassen, verändert nicht nur den eigenen Garten, sondern oft auch den Blick der Nachbarschaft, wenn auch manchmal zunächst skeptisch.


42 Millionen Chancen

Rund 17 Millionen Gärten gibt es in Deutschland. Eine genaue Angabe zur Anzahl der Balkone liegt nicht vor, Schätzungen zufolge sind es derzeit etwa 25 Millionen.


Damit ergeben sich rund 42 Millionen potenzielle Lebensräume, die Wildtiere nutzen könnten.

Durchschnittlich leben in einem Quadratmeter Boden etwa 100 Regenwürmer. In einem naturnahen Garten finden sich darüber hinaus Millionen weiterer Individuen unterschiedlichster Arten. Was für eine enorme Bereicherung wäre das für all unsere kleinen wilden Tiere.


Tiere wollen ebenso essen und trinken wie wir. Für sie sind natürliche Lebensräume das, was für uns der Supermarkt ist. Auch wenn keine exakte Zahl darüber vorliegt, wie viele Gärten und Balkone naturnah gestaltet sind, liegt genau hier ein enormes Potenzial. Jeder einzelne Garten, jeder Balkon kann Teil eines großen Netzwerks werden, das Lebensräume verbindet und Artenvielfalt ermöglicht.


Es braucht dafür keine Perfektion, sondern Bewusstsein. Jeder Schritt zählt. Jede Blume, die Nahrung bietet. Jeder Quadratmeter, der nicht versiegelt wird. Jeder Moment, in dem wir uns entscheiden hinzusehen, statt wegzuschauen.


Glück als Haltung

Vielleicht entsteht Glück genau dort, wo wir beginnen, über uns hinauszudenken, wo Mitgefühl und Achtsamkeit nicht abstrakte Begriffe bleiben, sondern unser Handeln prägen. Der Frühling erinnert uns jedes Jahr daran, dass Leben sich entfalten will. Die Frage ist, ob wir ihm Raum geben.

Ein Garten, in dem es summt, raschelt und zwitschert, ist mehr als ein schöner Ort. Er zeigt, dass wir verstanden haben, dass unser Handeln darüber entscheidet, ob es still wird oder lebendig bleibt.

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Weiterführende Links für Inspirationen

 

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