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Tag des Wolfes 2026: Warum das neue Bundesjagdgesetz eine gefährliche Sackgasse ist

  • Autorenbild: Lovis Kauertz
    Lovis Kauertz
  • vor 1 Stunde
  • 3 Min. Lesezeit

Der heutige Tag des Wolfes sollte eigentlich ein Grund zum Feiern sein. Die Rückkehr der Wölfe in Deutschland und Europa ist eine der größten Errungenschaften des Naturschutzes. Mit der Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz riskieren die Regierenden nicht nur die Artenschutzerfolge der letzten 26 Jahre, sondern opfern wissenschaftliche Fakten einem von Jagdlobbyisten gespeisten populistischen Aktionismus.


Das Bundesjagdgesetz ermöglicht die anlasslose Jagd und gefährdet des günstigen Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland | Bild: Michael Hamann
Das Bundesjagdgesetz ermöglicht die anlasslose Jagd und gefährdet des günstigen Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland | Bild: Michael Hamann

Jagdrecht statt Artenschutz: Eine politische Illusion

Seit April ist der Wolf als jagdbare Art ins Bundesjagdgesetz aufgenommen. Er hat unter der Voraussetzung eines günstigen Erhaltungszustands eine Jagdzeit von 1. Juli bis 31. Oktober. Was von manchen als „Lösung“ verkauft wird, ist bei genauerer Betrachtung ein gefährlicher Irrweg. Die Sorge ist berechtigt: Wenn die Bundesländer nun unkoordiniert in eine reguläre Bejagung einsteigen, droht ein bürokratischer und ökologischer Flickenteppich.


Zudem begibt sich die Politik mit dieser Gesetzgebung auf rechtlich dünnes Eis. Die pauschale Einordnung ins Jagdrecht steht im Widerspruch zum Schutzstatus nach EU-Recht. Dadurch wird nicht Rechtssicherheit geschaffen, sondern ein juristischer Scherbenhaufen provoziert, der am Ende weder dem Artenschutz noch den Weidetierhaltenden hilft.


Das Paradoxon: Mehr Wölfe, aber sinkende Risszahlen

Ein Blick auf die nackten Zahlen entlarvt die Rufe nach Abschüssen als Scheinargument. Obwohl die Wolfspopulation wächst, sinken die Risszahlen gerade auch in Bundesländern mit den meisten Wolfsterritorien. Der Grund ist simpel: Herdenschutz wirkt. Eine Bejagung verhindert keine Risse – das leistet nur die konsequente Sicherung von Weiden. Wölfe lernen durch die Jagd, Zäune zu respektieren. Ein ungeschütztes Schaf bleibt für einen Beutegreifer eine Einladung, völlig unabhängig davon, ob seine Artgenossen bejagt werden oder nicht. Der zunächst eingeschrittene Weg, mehrfach übergriffige Wölfe zu entnehmen, hätte auch im Bundesnaturschutzgesetz rechtssicher und wirksamer geregelt werden können.


Ein Blick auf die Fakten entlarvt die Rufe nach Abschüssen als rein emotional gesteuertes Scheinargument. Laut den aktuellen Daten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) hat sich der Bestand in Deutschland auf 219 Rudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzeltiere eingependelt. Doch während die Zahl der Territorien stabil bleibt oder in einigen Regionen nur noch langsam wächst, zeigt sich ein bemerkenswerter Trend: Die Risszahlen sinken gerade in den Bundesländern mit hoher Wolfsdichte.


Der Grund dafür ist simpel: Herdenschutz wirkt. Eine Bejagung verhindert keine Risse – das leistet nur die konsequente Sicherung von Weiden. Wölfe lernen nicht durch die Jagd, Zäune zu respektieren. Ein ungeschütztes Schaf bleibt für einen Beutegreifer eine Einladung, völlig unabhängig davon, ob seine Artgenossen bejagt werden oder nicht. Der zunächst eingeschlagene Weg, gezielt mehrfach übergriffige Einzeltiere zu entnehmen, hätte auch im Bundesnaturschutzgesetz rechtssicher und vor allem wirksamer geregelt werden können, ohne das gesamte Artenschutzrecht zu untergraben.


Das Risiko der sozialen Destabilisierung

Oft wird im Diskurs ignoriert, dass ein Wolfsrudel ein hochkomplexes Sozialgefüge ist. Ein unbedachter Abschuss – etwa eines erfahrenen Leittieres – kann fatale Folgen haben. Bricht die soziale Struktur zusammen, verlieren verbleibende Jungwölfe ihre Orientierung. Oft haben sie zum Zeitpunkt des Abschusses noch nicht einmal Jagdstrategien erlernt und praktiziert. In der Folge weichen sie auf leichtere Beute aus: Ungeschützte Weidetiere. Wer also glaubt, die Jagd würde die Risszahlen senken, bewirkt oft genau das Gegenteil und provoziert neue Konflikte, statt sie zu lösen. Diverse Studien weisen genau darauf hin.


Wissen statt Blei: Bewährte Strukturen in Gefahr

Deutschland verfügt über eines der besten Wolfsmonitorings in Europa. Doch dieses Wissen ist in Gefahr. Durch den Fokus auf die Jagd drohen bewährte Förder- und Beratungsstrukturen für Weidetierhalter wegzubrechen. Wenn Zuständigkeiten wechseln und der politische Wille sich vom Herdenschutz abwendet, bleiben die Tierhalter am Ende allein mit ihren Sorgen zurück.


Fazit: Verantwortung statt Jagdzeiten

Der Wolf ist kein Problem, das man „wegschießen“ kann. Er ist ein wesentlicher Teil unseres Ökosystems. Wer den Wolf ins Jagdrecht drängt, sucht keine nachhaltige Lösung, sondern einen Sündenbock. Echter Wildtierschutz bedeutet, die Ursachen von Konflikten anzugehen: durch verlässliche Unterstützung der Weidetierhaltung, durch Aufklärung und durch den Mut, Fakten über Emotionen zu stellen.

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