• Lovis Kauertz

Ostern 2022: Immer weniger Feldhasen

In den vergangen zehn Jahren ist der Bestand der Feldhasen in Deutschland weiter dramatisch zurückgegangen. Ein starkes Indiz dafür sind die jährlich im Rahmen der Jagd getöteten Tiere, die auch das sogenannte Fallwild, also z.B. Verkehrsopfer, beinhalten. So wurden 2011 noch 367.000 Tiere gezählt, während es 2021 nur noch 145.000 waren. Von der Jägerschaft verbreitete Zahlen, die einen angeblich positiven Entwicklungstrend wiedergeben, sind vorsätzlich irreführend und dienen wohl allein dazu, die Öffentlichkeit zu täuschen.

Immer weniger Feldhasen in Deutschland

Allein in NRW ist die Hasenstrecke in den letzten zehn Jahren um etwa 77 Prozent von einst 127.000 auf 29.000 zurückgegangen, in Niedersachsen um 68 Prozent von 88.000 auf 28.000. Und das ist keineswegs auf eine jagdliche Zurückhaltung, sondern vielmehr auf die Zerstörung von Lebensräumen und Nahrungsgrundlagen durch Landwirtschaft und Versiegelung zurückzuführen.


Bundesweit gilt der Feldhase gemäß der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Tierarten als im Bestand gefährdet. Die Jagdverbände betonen zwar unermüdlich, dass sie den Feldhasen, dort wo er ihnen gefährdet erscheint, jagdlich schonen. Tatsache ist aber, dass nach wie vor weit über 100.000 dieser Tiere – und das sind dann die, die sich reproduzieren könnten – erschossen werden.


Wir halten die Ergebnisse der regelmäßig seitens des Deutschen Jagdverbands veröffentlichen Daten zu bundesweiten Hasenzählungen – insbesondere, da sie unzulässigerweise auf ganze Landstriche hochgerechnet werden – für nicht seriös, und zwar aus folgenden Gründen:

  • An der Zählung nehmen ausschließlich Jäger oder Jagdpächter teil, in deren Revieren Feldhasen vorkommen. Jagdrevierinhaber ohne oder ohne bedeutende Feldhasenvorkommen werden mehrheitlich nicht an der Taxation teilnehmen. Die Bestandszahlen pro 100 ha Fläche reflektieren demnach die Zahl der Hasen in den „besseren“ Hasenrevieren und können schon alleine deshalb nicht auf die gesamte Fläche, die als Lebensraum für Hasen in Frage kommt, hochgerechnet werden. Sie sind nicht repräsentativ. Auch deshalb nicht, weil nur etwas mehr als zwei Prozent der Jagdbezirke überhaupt an der Taxation teilnehmen.

  • In Jagdrevieren, in denen gezählt wird, wird vornehmlich dort gezählt, wo auch Ergebnisse zu erwarten sind. Es gibt sehr viele Reviere, in denen auf der einen Seite der Feldhase vorkommt, auf der anderen aber überhaupt nicht.

  • Auf seinen Grafiken behauptet der Deutsche Jagdverband es gäbe in Deutschland 16 Feldhasen pro Quadratkilometer. Selbst wenn wir davon ausgehen, wie in einer Pressemitteilung der Jagdlobbyisten einschränkend vermerkt, dass es die 16 Feldhasen nur auf "Feldern und Wiesen" gibt, würden wir es bei einer landwirtschaftlichen Fläche von etwa 179.000 qkm mit einem Feldhasenbestand von insgesamt 2,86 Millionen Tieren zu tun haben. Solche Zahlen sind u.E. vorsätzlich irreführend. Bei einer Hasenstrecke von 145.000 Tieren hieße das, dass weniger als fünf Prozent des Bestands durch die Schrotflinten der Jägerschaft sterben würden. Tatsächlich dürften das aber eher 10 bis 20 Prozent sein. Dann kämen wir auf einen realistischen Gesamtbestand von etwa 750.000 bis 1,5 Mio. Feldhasen in Deutschland. Bei weniger seltenen Tierarten wie Wildschweinen, Rehen, Rabenvögeln und Füchsen werden pro Jahr 30 bis 50 Prozent des jährlichen Bestands dezimiert.


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