Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Fuchsjagd: Wenn die Not der Füchse am größten ist
Wahrheit oder Lüge - das Dilemma der Jäger Hören - „Ich schieße jeden Fuchs, den ich sehe!“, das sagt der Berufsjäger Paul Rößler. Wer sich für das Niederwild und seine Jagd interessiert, kommt an ihm und sein „Niederwildtestrevier“ nicht vorbei. Er betreibt intensive Fuchsjagd mit Falle und Büchse. Wie das funktioniert, beschreibt er eingehend in Podcasts und Jagdberichten. >>Petition: Tierquälerische Baujagd und Jagdhundeausbildung mit lebenden Füchsen In einem Artikel vom 11. Januar auf Pirsch.de („Füchse erfolgreich bejagen“) ist zu lesen, dass die Lock- bzw. Reizjagd auf den Fuchs eine der spannendsten Jagdarten überhaupt sei - ganz im Sinne von Karl Walch in seinem Video zur Jagd am Kunstbau: „Fuchsjagd macht Freude“. Anschaulich beschreibt Rößler, dass es am einfachsten ist, die Füchse in den tödlichen Hinterhalt zu locken, wenn für sie die Not am größten ist, also jetzt im Winter: Bei verharschtem Schnee, wenn es besonders schwer ist, an Beute zu kommen oder auch am Ende des Winters, wenn die Füchse schon Vorräte für ihren Nachwuchs anlegen, der zu diesem Zeitpunkt durchaus schon geboren sein kann. Im vergangenen Oktober schrieb Rößler ebenfalls in Pirsch über die Jagd [1]: „Aus Angst vor der moralischen Überheblichkeit der Gesellschaft versuchen wir uns zu rechtfertigen und schwafeln von Artenschutz.“ Im neuen Artikel greift er jedoch wieder in die Mottenkiste und schwafelt selbst von Artenschutz und Eindämmung von Krankheiten - Argumente, die längst vielfach widerlegt wurden [2]. In Luxemburg halbierte sich die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm innerhalb von 6 Jahren nach Einstellung der Fuchsjagd [3]. Paul Rößler dürfte selbst wissen, dass infolge der Jagd durch die freiwerdenden Reviere und einen höheren Anteil an Jungfüchsen mehr Wanderbewegungen stattfinden und dadurch Parasiten und Erreger schneller verbreitet werden. Im Podcast der „Jagdcast“-Serie: „Fuchsjagd, aber bitte richtig!“ aus dem Jahr 2022 äußert Rößler folgendes: „Man muss sagen, die Berechtigung für uns, oder die Privilegien, die wir als Jäger haben, können wir ausschließlich nur noch darauf begründen, dass wir einen Beitrag für den Artenschutz, den Naturschutz, oder auch der Gesunderhaltung, oder auch zur Schadensreduzierung haben. Das sind die vier Punkte, mit denen wir heutzutage auch tatsächlich argumentativ punkten können… Das Argument, die reine Freude an der Jagd ist heutzutage für die Gesellschaft nicht mehr akzeptabel und für die Politik auch nicht demnach, und das macht es uns schwierig und deswegen müssen wir die Ehrlichkeit besitzen, uns zu sagen: Okay, was machen wir wirklich und warum jagen wir was? Und wenn wir sagen, wir sind Naturschützer und Artenschützer, dann müssen wir es nicht nur sagen, dann müssen wir es auch sein.“ Jäger als Natur- und Artenschützer, kann das überhaupt sein? Ist es dann nicht ehrlicher, zu seiner Passion zu stehen? Für Rößler und andere Fuchsjäger ist das Töten von Füchsen Spiel, Spaß und Spannung. Wenn man möglichst kein Tier leben lässt und ganze „Gehecke“ (Würfe von Jungfüchsen) erledigt, ist das ganz in seinem Sinne, denn so bleibt noch genügend eigene „Beute“ für gemeinsame Treibjagden. Im oben genannten Artikel vom 11. Januar beschreibt er, wie er zum Jahresende mit Freunden einen, wie er es nennt, „herzlichen Jagdtag“ erlebt, bei dem die 15 Schützen dieser Niederwildjagd jeweils zwei Stück Wild erlegt haben. 30 Tiere, darunter Hasen, Fasane und mindestens eine Waldschnepfe fanden an diesem „herzlichen“ Tag den Tod. Wenige Tage zuvor postete Rößler ein Video auf Instagram, bei dem 19 mit Wärmebildkamera gefilmte Abschüsse von Füchsen nacheinander gezeigt werden, zelebriert mit flotter elektronischer Musik – ehrlicher hätte er kaum seine Leidenschaft des Tötens demonstrieren können. Warum dürfen Paul Rößler und andere Fuchsjäger aus Spaß und Freude Füchse töten? Warum darf das Töten allein aus Passion ausgeübt werden? Warum gibt es die Fuchsjagd überhaupt noch, obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz fehlt? Weniger als 10 % der Deutschen befürworten laut Umfrage des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2020 die Jagd auf den Fuchs obwohl wissenschaftliche Fakten die Sinnlosigkeit der Fuchsjagd belegen und der Politik keine gegenteiligen Fakten vorliegen? obwohl die Fuchsjagd weder tierschutzgerecht noch ethisch zu vertreten ist? In Luxemburg ist die Fuchsjagd seit 2015 verboten, weil es schlicht keinen objektiven Grund gibt, den Fuchs zu bejagen. Die Leitlinie der Regierung sei es, eine Verhaltensweise gegenüber Tieren zu fördern, die der aufgeklärten Gesellschaft des 21. Jahrhunderts gerecht wird. Wir Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die Gefühle und Schmerz empfinden, so der inzwischen verstorbene Staatssekretär im Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur Luxemburgs, Camille Gira [4], bei einer Pressekonferenz im Januar 2015. Es ist nicht vertretbar, die Tradition der Fuchsjagd in Deutschland noch länger aufrecht zu erhalten, weil eine kleine privilegierte Gruppe Freude und Lust beim Nachstellen und Töten dieser sensiblen, empfindungs- und leidesfähigen und für die Ökosysteme unverzichtbaren Tiere verspürt. +++ [1] Worum geht es bei der Jagd - Klartext vom Raubwildjäger [2] Fragen und Antworten - Fakten zur Fuchsjagd [3] Modell für Europa: Luxemburg ohne Fuchsjagd [4] Zum Tod von Camille Gira
- Zum Tod des luxemburgischen Staatssekretärs Camille Gira
Letzen Mittwoch ist Camille Gira, der luxemburgische Staatssekretär für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur, an Herzversagen verstorben. Zuvor hatte er während einer Rede zum neuen luxemburgischen Naturschutzgesetz, an dessen Ausarbeitung der maßgeblich beteiligt war, einen Schwächeanfall erlitten. Camille Gira, 2. Juni 1958 bis 16. Mai 2018 Camille Gira war ein ebenso engagierter wie erfolgreicher Fürsprecher ökologischer Belange. Mit umfangreichem Fachwissen, politischem Geschick und großem Engagement gelang es ihm, in seinen verschiedenen Ämtern Verbesserungen für den Natur- und Umweltschutz zu erreichen, oft gegen massiven Widerstand einflussreicher Lobbygruppen. Während seines Wirkens als Staatssekretär setzte er 2015 federführend ein ganzjähriges Fuchsjagdverbot durch, das seitdem von Jahr zu Jahr verlängert wurde. Luxemburg wurde damit zu einem Erfolgsmodell für funktionierenden Wildtierschutz und eine naturschutzorientierte Ausrichtung der Jagdgesetzgebung. Camille Gira wurde nur 59 Jahre alt. Luxemburg, Europa und die Welt verlieren mit ihm einen wichtigen Streiter für die Belange des Umwelt- und Naturschutzes im Allgemeinen und für die Füchse im Besonderen. Das Aktionsbündnis Fuchs trauert um ihn. +++ Lesen Sie auch: Luxemburg verlängert Jagdverbot auf Füchse
- Rechtsstreit Nationalpark Unteres Odertal – eine Chronologie
Hören - Erinnern Sie sich? Seit Mitte 2021 umschließt ein für Wildtiere kaum überwindbarer Drahtgeflechtzaun die Überflutungspolder eines der bedeutendsten Auen-Nationalparks Europas. Etliche Tiere sind während des künstlich herbeigeführten Hochwassers 2021/22 im Nationalpark Unteres Odertal im Landkreis Uckermark (Brandenburg) ertrunken oder im Zaun verendet. Zeugen sagen aus, dass das auch aktuell noch der Fall ist. Bei Hochwasser haben Rehe, Hirsche, Feldhasen und viele streng geschützte Tiere kaum eine Möglichkeit zu entkommen - sie ertrinken oder sterben an Erschöpfung. Der Zaun verhindert auch den Wechsel zwischen den jahreszeitlich unterschiedlichen Lebensräumen. Tiere im Nationalpark Unteres Odertal auf der Flucht vor dem Hochwasser. Video: Marko Bolz Seit nunmehr zwei Jahren klagen wir mit Hilfe von Naturschutzorganisationen, die in Brandenburg nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz anerkannt sind, vor den Gerichten in Potsdam und Berlin-Brandenburg gegen den Landkreis Uckermark. Doch die Gerichte nehmen sich viel Zeit, um dann juristisch nicht nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Hier eine kurze Chronologie: Dezember 2021: Erste Tiere ertrinken im Nationalpark oder verletzen sich tödlich beim Versuch, Zäune zu überwinden. Eine Bürgerinitiative lanciert eine Petition und rüttelt in den folgenden Wochen die Öffentlichkeit auf. Januar 2022 Beschwerde bei der EU-Kommission, Ergebnis: Wir mögen zunächst den Rechtsweg gehen. Februar 2022 Einleitung eines behördlichen Verfahrens gegen den Landkreis Uckermark. Schnell zeigt sich, dass die zuständige Landrätin nicht willig ist, die Zäune wenigstens zu versetzen. Es folgt der Antrag auf einstweilige Verfügung (Eilverfahren) beim Verwaltungsgericht Potsdam, den Zaun auf der Westseite des Nationalparks und Natura 2000-Gebiets abzubauen. Auf den öffentlichen Druck hin verkündet das brandenburgische Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz am 17. Februar zumindest die Verlegung eines Teils des westlichen Zaunes zu planen. Juni 2022 Schon mehr als drei Monate sitzt das Verwaltungsgericht eine Entscheidung im Eilverfahren gegen den Bau von Wildschweinzäunen im Natura 2000- und Vogelschutzgebiet Nationalpark Unteres Odertal aus. Deshalb wurde am 21. Juni 2022 durch die Berliner Rechtsanwältin Eva Biré Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht Potsdam eingereicht, damit die Einleitung eines Hauptsacheverfahrens. Oktober 2022 Es folgt eine Verzögerungsrüge: Das Eilverfahren wurde nach über sechs Monaten ohne erkennbaren Grund nicht zum Abschluss gebracht. November 2022 Beschluss im Eilverfahren: Dem Antrag auf einstweilige Verfügung wird vom Verwaltungsgericht Potsdam nicht stattgegeben. Beschwerde an das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg. Darin heißt es: „Der Beschluss des VG Potsdam ist fehlerhaft. Das Verwaltungsgericht unterlässt in mehrfacher Hinsicht eine tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Einzelfall und den Einwänden der Naturschutzorganisationen. Der Beschluss enthält nicht nur überwiegend allgemein gehaltene und floskelhafte Erwägungen, sondern ist im Übrigen an entscheidenden Stellen lückenhaft.“ Dezember 2023 (!) Die Beschwerde wird abgewiesen, der Streitwert auf 45.000 Euro festgesetzt. Die Begründung des Oberverwaltungsgerichts bestätigt unseren Eindruck, dass hier bewusst Zeit geschunden wurde, um die Entscheidung im Eilrechtsschutz leichter zu haben. Nachdem jetzt aber das Eilverfahren abgeschlossen ist, kann mit einem Fortgang im Hauptsacheverfahren gerechnet werden. Hier wird das Gericht es weniger einfach mit der Entscheidung haben. Für den Eilrechtsschutz war es ausreichend, eine überwiegende Wahrscheinlichkeit des Obsiegens in der Hauptsache zu verneinen. Im Hauptsacheverfahren muss sich das Gericht dagegen dezidiert mit unseren Einwendungen auseinandersetzen und darf entscheidungserhebliche Rechtsfragen nicht wie das Beschwerdegericht offenlassen. Wildtierschutz Deutschland betreibt die Verfahren mithilfe der in Brandenburg klagebefugten Naturschutzorganisationen Freier Wald, Waldkleeblatt – Natürlich Zauche und BUND Brandenburg und wird dabei durch die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT) unterstützt. Weitere Informationen zum Thema Bitte unterstützen Sie uns: Wildtieren helfen und Artenvielfalt im Nationalpark erhalten
- Schweiz: Umgang mit dem Wolf gesetzeswidrig ...
mit einem Filmbeitrag von Rolf Hösli. Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Hören - Der rechtskonservative Öl- und Agrarlobbyist Albert Rösti, seit diesem Jahr Umweltminister der Schweizer Volkspartei SVP im Bundesrat der Schweiz, hat gegen den Willen der Mehrheit der Schweizer Wähler den präventiven Abschuss von Wölfen durchgeboxt. Jeweils vom 1. Dezember bis zum 31. Januar soll es demnach erlaubt sein, Wölfe präventiv zu töten. Eine Vertreterin der zweitstärksten politischen Kraft, der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SP), will vom Bundesrat wissen, warum hier „gesetzes- und verfassungswidrig gehandelt sowie die von der Schweiz ratifizierte Berner Konvention missachtet werde“. Nach der Berner Konvention ist der Wolf wie durch EU-Recht „streng geschützt“. Im Rahmen dieser Abschusserlaubnis wurden bis zum 21. Dezember bereits 24 Wölfe getötet, die meisten im südlich gelegenen Kanton Wallis. 800 Jäger hatten sich dafür beworben, eine Wolfstrophäe - das ist in der Schweiz erlaubt - mit heimnehmen zu können. Legal wurden insgesamt bereits 42 Wölfe im ablaufenden Jahr in der Schweiz geschossen. Rösti will die Wolfsrudel deutlich unter eine von Schweizer Wissenschaftlern für erforderliche erachtete Mindestpopulation von 20 Rudeln senken. Aufgrund der Beschwerden von Naturschutzorganisationen (u.a. WWF) beim Bundesverwaltungsgericht wurde die Erlaubnis Wölfe zu töten am 9. Dezember zunächst im Kanton Graubünden zurückgezogen. 350 NGOs aus 46 Ländern auf 6 Kontinenten, darunter auch Wildtierschutz Deutschland, haben dem Schweizer Bundesrat und der Berner Konvention ein Protestschreiben zugestellt [1]. Nicht nur seitens internationaler Umwelt- und Naturschutzorganisationen wird Rösti unter Beschuss genommen. Auch politisch steht Rösti unter Druck. Wie in einigen deutschen Bundesländern mit sehr hoher Wolfsdichte haben sich Präventivmaßnahmen wie Herdenschutzhunde, Elektrozäune und die Anwesenheit des Menschen bei der Reduzierung von Wolfsrissen auch in der Schweiz als bemerkenswert erfolgreich erwiesen: Die Zahl der von Wölfen getöteten Nutztiere (hauptsächlich Schafe) in der Schweiz ging im Jahr 2023 um 29 % im Vergleich zum Vorjahr (850 gegenüber 1.200) zurück, obwohl die Zahl der Wölfe gestiegen ist. Worüber in der Schweiz kein Lobbyist jammert, ist das im gleichen Zeitraum, Jahr für Jahr etwa 4.000 bis 6.000 Schafe in den Schweizer Alpen durch Abstürze zu Tode kommen. Kollateralschaden eben. +++ [1] Schreiben an Bundesrat und Berner Konvention Mehr über Wölfe in unserem Blog Der nachfolgende Filmbeitrag von Rolf Hösli zeigt auf, wo in der Schweiz Mängel des Herdenschutzes bestehen und wo bereits beachtliche Erfolge erzielt worden sind. Hösli ist Fürsprecher eines gesetzlich verpflichtenden Herdenschutzes.
- Der Bestand der Wölfe in Deutschland wächst nur langsam
Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Hören - Das erste Wolfsrudel nach der Ausrottung der Art in Deutschland gab es im Jahr 2000 in Sachsen. Im Monitoringjahr 2022/2023 zählten die Bundesländer 184 Wolfsrudel in Deutschland mit 439 erwachsenen Wölfen, 83 Tieren im 2. Lebensjahr und 634 Welpen (Wölfe im 1. Lebensjahr) und 183 weiteren Wölfen, deren Alter nicht näher bestimmt werden konnte. [1] Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2022/2023 somit 1339 Wölfe in Deutschland gezählt, ein Jahr zuvor waren es noch 1175 Wölfe, was einen Zuwachs von knapp 14 Prozent entspricht. Zuletzt gab es 159 Totfunde (11,9 Prozent des Bestands) im Vorjahr 148 (12,6 Prozent). Der Großteil der tot aufgefunden Wölfe kam durch Verkehrsunfälle um. Die amtlich bestätigten Wolfszahlen werden durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in Abstimmung mit den Ländern veröffentlicht. Wildtierschutz Deutschland geht davon aus, dass in Deutschland Platz für bis zu 5000 Wölfe ist. In einer vom Bundesamt für Naturschutz veröffentlichte Studie [2] aus dem Jahr 2020 gehen die Autoren bei unterschiedlichen Annahmen noch von 700 bis 1400 Wolfsterritorien aus, was einem Platzangebot für etwa 4500 bis 9000 Wölfen entsprechen würde. Weniger seriöse Schätzungen kommen aus dem Lager der Jagdverbände, die bereits gegen Ende des Jahrzehnts 14000 Wölfe in Deutschland sehen. Derzeit ist etwa ein Drittel der Gebietsfläche Deutschlands relativ dicht mit Wolfsrudeln besetzt. Die meisten Tiere befinden sich im Osten und Norden in den Bundesländern Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Südwestlich einer Linie Bremen – Dresden sind Habitate erst vereinzelt besetzt. Gemäß BfN und DBBW sind für den langfristigen Erhalt des Wolfes in Deutschland vor allem die erwachsenen, fortpflanzungsfähigen Individuen in den Wolfsterritorien maßgeblich. Daher konzentrieren sich die Bundesländer im Rahmen ihres Wolfsmonitorings auf die Erhebung der Anzahl der Wolfsfamilien (Rudel) und Wolfspaare. Dabei können auch zusätzliche Informationen erfasst werden, unter anderem Daten zu den in den Territorien nachgewiesenen Individuen. Bei den eingangs genannten Bestandzahlen handelt es sich nicht um Abschätzungen oder Hochrechnungen, sondern die Informationen basieren auf von Expertinnen und Experten nach einheitlichen Standards überprüften robusten Datensätzen. +++ [1] Pressemitteilung der DBBW vom 10. Oktober 2023 [2] Stephanie Kramer-Schadt et al.: Habitatmodellierung und Abschätzung der potenziellen Anzahl von Wolfsterritorien in Deutschland, erschienen in BfN-Scripten 556 (2000)
- Keine Herabstufung des Schutzes für Wölfe in der EU
Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Hören - Entgegen der Stimmen der sich als Sprachrohr der ländlichen Bevölkerung gerierenden Bauern- und Jagdverbände ist die überwältigende Mehrheit der Landbevölkerung in zehn EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, der Meinung, dass große Beutegreifer, darunter auch Wölfe, in der EU weiterhin streng geschützt sein und ein Recht auf Koexistenz mit dem Menschen haben sollten. So die Ergebnisse einer im November veröffentlichten repräsentativen Umfrage europäischer Tierschutzorganisationen, darunter u.a. der Deutsche Tierschutzbund [1]. Derzeit besteht die Gefahr, dass der Schutz der Wölfe herabgestuft wird, da die Europäische Kommission vermeintliche Belege prüft, die im Rahmen einer im September 2023 eingeleiteten nicht regelkonformen öffentlichen Konsultation erbracht wurden. Diese Prüfung könnte zu einem entsprechenden Vorschlag der Abstufung des Schutzes von Wölfen in Europa führen. Dieser Schritt würde die Bemühungen der letzten Jahre den Wolf in Europa wieder heimisch zu machen gefährden. Eine große Mehrheit (80 %) der Bürger, die in ländlichen Gebieten in Deutschland leben, bekennen sich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und des Artenschutzes als einer wichtigen Priorität der EU. Der Schutz von Wölfen und anderen großen Beutegreifern wird von mehr als zwei Dritteln der Befragten weitgehend unterstützt. Die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz von Nutztieren wird von drei von vier (76 %) Bürgern in ländlichen Gebieten in Deutschland als wichtiges Instrument angesehen und unterstützt. Mehr als zwei Drittel (68 %) sind der Meinung, dass die öffentliche Hand Mittel für solche Maßnahmen bereitstellen sollte. Zwei von drei Befragten (67 %) sehen die Tötung einzelner Wölfe nur dann als Option an, wenn Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere durchgeführt wurden und fehlgeschlagen sind. Dagegen ist nur 1 von 10 (10%) mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden. Dies ist ein starkes Statement gegen die ständigen Forderungen nach wolfsfreien Zonen und Jagdquoten für Wölfe in Deutschland. Angesichts dieser Ergebnisse fordern über 300 Tier- und Naturschutzorganisationen in Europa die Europäische Kommission und andere EU-Institutionen unter der Federführung der Eurogroup for Animals auf, den strengen Schutzstatus der Wolfspopulationen beizubehalten und weiterhin eine ehrgeizige Habitat-Richtlinie umzusetzen. +++ [1] Savanta (2023): Understanding Rural Perspectives. A survey on attitudes towards large carnivores in rural communities. [Ländliche Sichtweisen verstehen. Eine Umfrage zur Einstellung gegenüber Großraubtieren in ländlichen Gemeinden.] Weitere Beiträge über Wölfe finden Sie hier
- Europäische Kommission will den Schutzstatus von Wölfen in der EU herabsetzen
Die Europäische Kommission (EK) hat einen Vorschlag unterbreitet, den Schutzstatus von Wölfen von "streng geschützt" zu "geschützt" vorzunehmen. Abstimmen werden darüber die Mitgliedsstaaten. Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Eine Herabsetzung des Schutzes würde den Mitgliedsstaaten einen größeren rechtlichen Freiraum zur Tötung von Wölfen geben. Dadurch könnten die jetzt sich weitgehend positiv entwickelnden Bestände wieder gefährdet werden. Die Bemühungen zur Rückkehr der Wölfe hat dazu geführt, dass sich ihr Verbreitungsgebiet in den letzten zehn Jahren um 25 Prozent vergrößert hat. Etwa 20.000 Wölfe leben derzeit in der EU. Dieser Erfolg ist jedoch nach wie vor fragil, da sechs der neun grenzüberschreitenden Wolfspopulationen in der EU noch keinen günstigen Erhaltungszustand erreicht haben [1]. Die Entscheidung fußt weder auf der Basis belastbarer wissenschaftlicher Studien, noch auf dem Willen eines überwiegenden Teils der ländlichen Bevölkerung [2]. Wildtierschutz Deutschland hält eine Herabsetzung des Schutzes auch vor dem Hintergrund der europäischen Bemühungen zur Förderung der Biodiversität für falsch. Die Rückkehr der Wölfe führt zwar zu Konflikten mit Jägern und Landwirten und es gibt in sehr kleinem Umfang immer wieder Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere. Ursachen dieser Konflikte sind nicht etwa zu viele Wölfe, sondern ein noch weit verbreiteter Unwille, den erforderlichen Aufwand für den Schutz von Weidetieren zu betreiben. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Wölfe nach Jahrzehnten in Teile Europas zurückgekehrt sind, in denen das Wissen und die Praktiken des Zusammenlebens mit ihnen verloren gegangen sind. Die Entscheidung kommt nur wenige Tage, nachdem fast 300 Tier- und Naturschutzorganisationen die Europäische Kommission aufgefordert haben, einen möglichen Vorschlag zur Herabstufung auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stützen [3]. Wird der Vorschlag von den Mitgliedstaaten angenommen, könnten die Vertragsparteien der Berner Konvention auf der nächsten Sitzung des Ständigen Ausschusses im Dezember 2024 darüber abstimmen. +++ [1] Large Carnivore Initiative for Europe (2022) [2] Ergebnisse einer Umfrage zur Koexistenz mit dem Wolf [3] Schreiben NGOs an EU-Präsidentin von der Leyen (12/2023) Auch aktuell: Wölfin Gloria (GW954f) im Kreis Wesel ab dem 21. Dezember 2023 zum Abschuss freigegeben. Das NRW-Umweltministerium begründet die Verfügung u.a. damit, dass man künftig einen „ernsten wirtschaftlichen Schaden“ erwarte. Im Gegensatz zur Meinung der Naturschutzorganisationen sieht das Ministerium durch die Tötung der Wölfin keine Gefährdung des Erhaltungszustands der Population in NRW. Das obwohl Gloria eine von zwei, maximal drei gebärfähigen Wölfinnen ist und ein Kollateralschaden durch die Tötung weiterer Wölfe billigend in Kauf genommen wird.
- NRW: Sind fünf Wölfe eine Population in gutem Zustand?
Hintergrundinformation „Günstiger Erhaltungszustand“ Hören - Wie groß muss der Bestand einer Tierart sein, damit diese nicht vom Aussterben bedroht ist? Dazu lässt sich keine allgemeingültige Aussage machen, es hängt von vielen Faktoren ab und ist daher von Fall zu Fall unterschiedlich. Sicher jedoch muss er deutlich mehr als fünf Tiere und deutlich mehr als ein fortpflanzungsfähiges Weibchen umfassen. Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Tiere einer nach Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie streng geschützten Art dürfen u.a. nur dann ausnahmsweise getötet werden, wenn durch sie ein ernster wirtschaftlicher Schaden droht – aber nur dann, wenn der Erhaltungszustand ihrer lokalen Population günstig ist. Was aber ist genau die lokale Population? Bei großen und mobilen Tierarten wie dem Wolf zieht man als Abgrenzung die biogeografische Region heran – im hier beschriebenen Fall die atlantische Region Nordrhein-Westfalens. Diese umfasst das gesamte innerhalb von NRW gelegene Tiefland. In dieser Region leben derzeit nach aktuellem Wissenstand fünf Wölfe. Drei davon leben aktuell im Raum Schermbeck, darunter ein fortpflanzungsfähiges Weibchen, die Wölfin GW954f, besser bekannt als „Gloria“. Die Allgemeinverfügung, die am 20.12.2023 im Amtsblatt des Kreises Wesel veröffentlicht wurde, genehmigte die Tötung der einzigen fortpflanzungsfähigen Wölfin der genannten lokalen Population. Begründet wurde die Genehmigung mit dem durch Gloria entstehenden wirtschaftlichen Schaden und des angeblich gegebenen günstigen Erhaltungszustandes der Wolfspopulation. Die Naturschutzbehörden gaben sich darin redlich Mühe, den eindeutig schlechten Erhaltungszustand des isolierten Splittervorkommens von Wölfen schönzureden. Juristisch begaben sie sich damit auf sehr dünnes Eis, so dass die aktuelle Aussetzung des Vollzuges der Tötung aufgrund des Eilantrages und der Klage von BUND und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe zu erwarten war. Dünnes juristisches Eis ist auch die Darlegung, dass keine milderen Mittel als die Tötung des Wolfes verfügbar seien. Von 82 Rissereignissen mit Beteiligung der genannten Wölfin war in 65 Fällen nicht einmal der Grundschutz gegeben. Jahrelang wurde aufgrund des mangelnden Willens und des mangelnden Verantwortungsbewusstseins vieler Hobby-Tierhalter den Wölfen beigebracht, dass Schafe, Ziegen und kleine Ponys eine leichte Beute sind. Sogar auf Fotos von gerissenen Ponys in der Tagespresse waren zum Teil völlig untaugliche Zäune zu sehen. Auch nach fünf Jahren der Anwesenheit von Wölfen im Gebiet kommen nach wie vor viele Tierhalter ihrer Verpflichtung nicht nach, ihre Tiere minimal zu schützen. Die Leidtragenden sind, neben den Weidetieren und den weiterhin vom Abschuss bedrohten Wölfen, die Tierhalter, die für hinreichenden Schutz ihrer Tiere sorgen. Viele Beispiele etwa aus der dicht von Wölfen besiedelten Lüneburger Heide zeigen, dass von Anfang an gut durchgeführter Weidetierschutz funktioniert und die Wölfe es gar nicht erst lernen, dass sich hinter den Zäunen leicht verfügbare Beute befindet. Dazu müssen Zäune gut aufgestellt und gewartet, sowie mit genügend Stromspannung, gutem Abschluss zum Boden, intakter Erdung, ohne Schwachstellen am Weidetor etc. versehen sein. Der Abschuss der Wölfin Gloria ist nun zumindest kurzfristig ausgesetzt. Es ist zu hoffen, dass der Vollzug des Abschusses bis zur endgültigen Entscheidung im Verfahren ausgesetzt bleibt und dass im Rahmen des geltenden nationalen und europäischen Artenschutzrechts entschieden wird. Anderenfalls würde der Artenschutz mit Füßen getreten und der gültige Rechtsrahmen ad absurdum geführt. Man stelle sich vor, der winzige Bestand des Seeadlers in NRW, bestehend aus zwei Paaren und einigen noch nicht geschlechtsreifen Jungtieren, sollte dezimiert werden. Undenkbar, sollte man glauben – aber der Wolfsbestand in NRW ist nicht größer. Zum Thema: NRW-Umweltminister kann Wolfsrudel auslöschen Europäische Kommission will den Schutzstatus von Wölfen in der EU herabsetzen
- Willkommen Wolf - ländliche Bevölkerung für strengen Schutz
Appell für den strengen Schutz der Wölfe in Europa zeichnen Hören - „Willkommen Wolf“ war eine gemeinsame Initiative zur Rückkehr des Wolfes, die 2004 vom NABU und dem Volkswagen-Konzern ins Leben gerufen wurde. Für die Projektpartner war es eine echte Herzenssache, das schlechte Image, das dem Wolf nicht zuletzt durch den Grimm´schen Märchenschatz anhaftet, zu verbessern. Gemeinsam setzten sie mit Projekten wie „Der Wolf macht Schule“ auf sachliche Informationen. Die umfangreiche Aufklärungsarbeit mit Plakaten, Broschüren, Flyern, DVDs und eigens komponierten Wolfsliedern war ein Kernziel. Mit der „Tour de Wolf“ wurden Schulklassen durch Dutzende von Wolfsgehegen in ganz Deutschland geführt. An Kitas und in Kindergärten wurden Projekthandbücher inklusive Spiel- und Bastelideen verteilt. Es gab ein Wolfsmobil und im Museumsdorf in der Lausitz wurde eine multimediale Wolfsausstellung untergebracht. Der NABU baute ein Netzwerk von ehrenamtlichen Wolfsbotschaftern auf, als Ansprechpartner vor Ort und im Dialog mit Bauern, Schäfern und Jägern. Kurzum: Ein viel beachtetes Vorzeigeprojekt mit Erfolgskurs war entstanden. Wie sieht es denn nun nach fast 20 Jahren mit dem Wolf aus? Sind die Menschen bereit, mit ihm in friedlicher Koexistenz zu leben? Die Politik möchte aktuell den strengen Schutzstatus der Wölfe senken, aber wie bewertet dies die Bevölkerung? Dazu gibt es eine aktuelle Umfrage in 10 europäischen Ländern [1]. Demnach befürwortet 68 % der ländlichen Bevölkerung den Schutz großer Prädatoren wie Wölfe. „Die Rückkehr der Wölfe in Europa ist ein Grund zum Feiern, nicht zum Fürchten.“ Die Ergebnisse dieser Umfrage zeigen deutlich, dass die Mehrheit der Menschen, die in der Nähe von Wölfen leben, deren Schutzstatus befürwortet und bereit ist, mit ihnen zu koexistieren, auch wenn dies von manch einem anders dargestellt wird. Fundierte Daten und die Anerkennung der Bedeutung der biologischen Vielfalt sollten die Entscheidungen der Europäischen Kommission bestimmen, nicht die Interessen einiger weniger. Naturschützer wie der Biologe und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal sehen in der Rückkehr der Wölfe einen ökologischen Hoffnungsschimmer, denn Wölfe können in freier Natur einen wichtigen Beitrag für die Gesundung der als hoch bewerteten Bestände großer Pflanzenfresser wie Reh und Rothirsch leisten. Wir müssen der Natur wieder mehr Raum geben. Mit Blick auf den Wolf heißt das für den österreichischen Forscher: „Wir müssen lernen, mit ihm und nicht gegen ihn zu leben.“ Der BUND sagt: „Die Hoffnung auf einen „Herdenschutz mit der Waffe“ kann nur scheitern, da sie die Biologie des Wolfes ignoriert. Pauschale Abschussquoten oder Populationsobergrenzen lösen keine Probleme oder verringern keine Konflikte, sondern sie verstetigen oder verstärken Probleme. Es gibt weltweit keinen Nachweis, dass die Zahl von Nutztierrissen durch die Bejagung auf der Basis von festgesetzten Abschussquoten reduziert wird.“ [2] Was sagt der Präsident des NABU Jörg-Andreas Krüger ganz aktuell zum Wolf? Eine Herabstufung des Schutzstatus sieht er kritisch, weil „das am Problem vorbeigeht (…). Die Frage ist: Wie kriegen wir den Herdenschutz hin? Wir wissen von NRW, dass 65 % der angegriffenen Weidetiere nicht gut geschützt waren, in Niedersachsen sind es über 80 %. Wir müssen die Weidetierhalter dabei unterstützen, dass ihre Tiere vernünftig geschützt sind. Das muss finanziert sein. Wir brauchen natürlich das Mittun der Weidetierhalter und Weidetierhalterinnen. Der Abschuss wäre nur dann eine Lösung, wenn wir Wölfe wieder an den Rand der Ausrottung bringen (…). Der Wolf würde im Ökosystem wieder fehlen, das hat Deutschland international zugesagt, dass man das nicht will. Wir brauchen den Wolf ja auch im Ökosystem. Er gehört in die mitteleuropäischen Ökosysteme als ein Regulator, als Gesundheitspolizei…“ [3] Offenbar sind sich Bevölkerung, Experten und die beiden großen Naturschutzverbände weitgehend einig in puncto strengem Schutz für den Wolf. Umso wichtiger ist es, dass die Politik ebenso auf Aufklärung, flächendeckende Herdenschutzmaßnahmen und unbürokratische Hilfen für Weidetierhalter und -halterinnen setzt und sich nicht von wenigen „Schreihälsen“ leiten lässt. +++ [1] Savanta (2023): Understanding Rural Perspectives. A survey on attitudes towards large carnivores in rural communities. [Ländliche Sichtweisen verstehen. Eine Umfrage zur Einstellung gegenüber Großraubtieren in ländlichen Gemeinden.] [2] BUND für Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung und gegen Jagd auf Wölfe [3] Biodiversität: Der Wolf nur Feind oder auch Helfer? Mehr über Wölfe erfahren Sie hier
- Schliefenanlage – Blick hinter die Kulissen
Petition: Tierquälerische Baujagd und Jagdhundeausbildung mit lebenden Füchsen (mit vielen weiterführenden Links) Hören - Der zweite Weihnachtstag hielt eine besondere Überraschung für uns bereit. Seit Wochen regnete es Bindfäden und stürmische Böen sorgten für abgerissene Äste und sogar umgestürzte Bäume. Offenbar hatte der Wind auch mächtig an den Zaunelementen unserer örtlichen Schliefenanlage gerüttelt, denn diese hatten sich gelöst und Teile davon befanden sich verstreut auf dem Gelände des Teckelclubs. Die erstmals freie Sicht offenbarte, was bisher verborgen war: Ein künstliches Tunnelsystem, mehrere Kessel und das Fuchsgehege, in dem die Füchse „Vossy“ und „Zorro“ seit ihrem Welpenalter eingesperrt sind. Es sind Gebrauchsfüchse, sogenannte Schliefenfüchse, die dort zum Jagdtraining gehalten werden. Ihr Daseinszweck ist die Ausbildung der Erdhunde (Teckel und Terrier) für die Tötung ihrer Artgenossen bei der Baujagd. Der Sturm hatte das bewirkt, was wir uns so sehr wünschten, ein Blick hinter die Kulissen. Die dort vorbeigehenden Menschen hatten für wenige Stunden freie Sicht. Stellten sie sich Fragen wie: Was ist das für eine Anlage? Warum sind Füchse in Zwingern eingesperrt? Wozu dienen diese Gänge oder Tunnel und Kessel im Boden? Wir hofften, dass dieser Sturm die Herzen von Menschen erreicht, Gedanken bewegt und bestenfalls wachgerüttelt hat. So wie wir vor ca. 2 ½ Jahren wachgerüttelt wurden, als wir das erste Mal zwischen den Brettern des Zaunes hindurch diese Anlage erblickten. Seit dieser Zeit haben wir Wissen zur Jagdhundeausbildung und zu Schliefenanlagen, über die Baujagd und die Fuchsjagd im Allgemeinen gesammelt. Wir wissen sehr genau, für uns gibt es keinen Weg zurück, wir wollen den Tieren helfen – wahrlich keine leichte Aufgabe für uns. Füchse sind sensible empfindungsfähige Lebewesen. Wir sind der Meinung, was mit den Schliefenfüchsen geschieht, geht uns alle etwas an. Wenn wir uns auch nur für wenige Minuten die Perspektive dieser Tiere vor Augen führen und die Situation durch ihre Augen zu sehen versuchen, erkennen wir schnell die Einschränkungen, die ein gutes Leben für sie unmöglich machen. Ihr „Leben“ besteht aus Leiden wie Gewalt, Schmerzen und Angst. Es beschleicht uns ein starkes Ungerechtigkeitsgefühl, was ihre Behandlung betrifft. Wir fragen uns, wie die Teckelbesitzer es wohl fänden, wenn ihr Hund lebenslang in einem Zwinger eingesperrt wäre und man würde ihr Tier regelmäßig in Angst und Schrecken versetzen. Zugegeben etwas provokant, aber gar nicht so abwegig. Schließlich gehört der Fuchs zur Familie der Hundeartigen. Wie kann die unterschiedliche Behandlung ähnlicher Tiere gerechtfertigt werden? Betrachten wir uns selbst, erkennen wir, dass zu unserem Menschsein ein selbstbestimmtes Leben gehört. Damit übernehmen wir unseres Erachtens eine moralische Verantwortung, die die Verpflichtung einschließt, Bedürfnisse von Tieren zu berücksichtigen und geeignete Lebensbedingungen für sie zu schaffen. Dabei sollte das vorrangige Interesse eines Tieres, kein Leid zu erleben, Grund genug sein, ihm Schmerzen oder Angst und damit Leiden zu ersparen. Füchse leiden zu lassen, weil Fuchsjäger Spaß, Spiel und Spannung bei der Baujagd erleben möchten, ist aus unserer Sicht verantwortungslos und entschieden abzulehnen. Bist Du unserer Meinung und möchtest uns gern mit Deiner Stimme unterstützen, dann melde dich bei Aktionsbündnis Fuchs, Pro Fuchs Deutschland oder bei Wildtierschutz Deutschland. Wir sind sicher, dass wir über einen Sturm der Empörung einen Wandel herbeiführen können, denn Füchse verdienen Respekt, keine Verfolgung! +++ Wie die Baujagd abläuft und was den Fuchs in der Schliefenanlage erwartet erfahren Sie hier
- Modell für Europa: Luxemburg ohne Fuchsjagd
Hören - Jagdlobbyisten argumentieren immer gerne mit dem Fehlen natürlicher Feinde, wenn es um den jagdlichen Eingriff in Wildtierpopulationen geht. Zumindest bei Füchsen und anderen Beutegreifern in unseren Breiten ist das ein Fehlsch(l)uss. Seit 2015 ist in Luxemburg die Fuchsjagd verboten. Die Horrorszenarien, die seitens des lokalen Jagdverbands FSHCL, aber auch von den deutschen Kollegen seinerzeit projiziert wurden, sind nicht ansatzweise eingetreten: Umweltministerin Carole Dieschbourg bestätigte erst im vergangenen Jahr auf eine parlamentarische Anfrage der Opposition hin, dass es nach Jahren keine Indizien für eine Zunahme der Population der Füchse in Luxemburg gebe. Kontrollen und Zählungen mit Wildkameras würden eher auf einen stabilen, gleichbleibenden Bestand hindeuten. Selbst der Befall der Füchse mit dem Fuchsbandwurm ist seit dem Jagdverbot zurückgegangen. Wurde der Fuchsbandwurm 2014 noch bei 40 Prozent der Füchse diagnostiziert, waren es zuletzt unter 20 Prozent. Auch könne man den Füchsen nicht den Rückgang der Bodenbrüter oder gar der Biodiversität anlasten. So ist in Luxemburg das Feldhuhn bereits Anfang der 1980er-Jahre, trotz der damals noch intensiven Fuchsjagd, fast ausgestorben gewesen. Der Verlust der Artenvielfalt, insbesondere unter den Bodenbrütern, ist gemäß der Umweltministerin auf die Zerstörung des Lebensraumes und dem damit einhergehenden Insektenverlust als Futterquelle zurückzuführen. Luxemburg könnte in punkto Fuchsjagd ein Modell für Europa sein. Allerdings fehlt hierzulande wohl der politische Wille, die Jagd wenigstens tierschutzgerecht zu gestalten. Für die meisten Tierarten gibt es für die Bejagung nicht einmal einen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Gemeinsam mit vielen weiteren Tierschutzgesellschaften und dem Aktionsbündnis Fuchs fordert Wildtierschutz Deutschland die Abschaffung der Fuchsjagd und die Überprüfung sämtlicher dem Jagdrecht unterstellten Tierarten hinsichtlich eines vernünftigen Grundes. +++ Lesen Sie auch: In Luxemburg funktioniert die Natur auch ohne Fuchsjagd Fuchsjagd wegen fehlender natürlicher Feinde?
- Anzeigenkampagne beleuchtet Tierquälerei durch zuständiges Staatsministerium in Bayern
Hören - Am Samstag, den 9. September, startete mit einem Eichelhäher-Motiv eine Anzeigenkampagne im Münchner Merkur und der TZ. Die Kampagne macht auf Aspekte der vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium per Gesetz geförderte, nicht tierschutzkonforme Jagd aufmerksam. Im Rahmen der Kampagne sprechen wir über die ausschließlich in Bayern zulässige Vergnügungsjagd auf Eichelhäher Bayern ist der Protagonist der nicht tierschutzkonformen Wald-vor-Wild-Ideologie und die tierverachtende Jagd auf Waschbären-Eltern. Lassen Sie uns mit dem Thema Eichelhäher starten: Aus einer Drucksache des Bayerischen Landtags [1] vom 10. Februar 2020 geht hervor, warum dort jährlich etwa 20.000 Eichelhäher erschossen werden. Fragen und Antworten haben wir gekürzt und sinngemäß wiedergegeben: Frage Abgeordneter: Warum dürfen in Bayern Eichelhäher gejagt werden? Antwort Landwirtschaftsministerium: Weil er in Bayern dem Jagdrecht unterstellt ist und eine Jagdzeit hat. Frage: Wie viele Eichelhäher gibt es in Bayern? Antwort: Der Bestand wird auf ca. 100.000 bis 300.000 Brutpaare/Reviere geschätzt. Frage: Welche ökologischen Folgen hat die Bejagung des Eichelhähers? Antwort: Keine: Es sind doch eh nur wenige, die erschossen werden. Also lassen wir unseren Jägern doch den Spaß. Es ist schon entblößend, wenn das von Michaela Kaniber (CSU) geführte Landwirtschaftsministerium offen einräumt, dass der Eichelhäher bejagt wird, weil man ihn – aus Sicht des Bayerischen Staatsministeriums – bejagen darf und sein Bestand offensichtlich nicht gefährdet ist. Nicht einmal ansatzweise wird ein vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes bemüht. Bei der Waldschnepfe versuchen sich Behörden noch herauszureden, indem man auf die Möglichkeit des Grillens der Innereien – den sogenannten Schnepfendreck – verweist, was natürlich auch kein Grund ist. Aber beim Eichelhäher: Nichts. Dazu Hannah Reutter, ausgebildete Jagdjournalistin beim Bayerischen Jagdverband und verantwortlich für das Jagdmagazin „JAGD in Bayern“: „Durchs Revier zu streifen und auf Eichelhäher zu jagen: eine schöne, abwechslungsreiche Jagdart auf sehr intelligentes Wild.“ (Jagd in Bayern 11/2022) Und Dr. Gertrud Helm, 2020 Sprecherin des Bayerischen Jagdverbandes erklärt: „Der Eichelhäher stört aber auch sehr den Jagdbetrieb“, nicht umsonst gelte er als „Waldpolizei“ und warne durch sein lautes Rufen die anderen Tiere vor Jägern. „Und in Regionen, in denen der Eichelhäher sehr häufig ist, muss man ihn deswegen eben auch mal entnehmen ..." [2] Die Vögel fallen zwar während der Brutzeiten gelegentlich als Nesträuber anderer Singvögel auf, gefährden aber keineswegs deren Bestände. [3] Vielmehr erweisen sich Eichelhäher gerade für den Waldbau als nützliche Gesellen. Sie sammeln pro Jahr bis zu 5.000 Eicheln, dazu Bucheckern, Hasel- und Walnüsse, und vergraben sie, um sie in nahrungsarmer Zeit wieder auszugraben. Was nicht wiedergefunden wird - das ist etwa die Hälfte der vergrabenen Samen, wird zu neuen Bäumen, die unsere Wälder in Zeiten des Klimawandels doch dringend benötigen. [2] Bayern hat in Sachen Tierquälerei noch mehr auf dem Kasten: Dort dürfen bei diversen Tierarten die Eltern von Jungtieren erschossen werden, mit zweifelhaften Argumenten wird die „Entnahme“ von Wölfen und Fischottern angeordnet und last but not least sind die Bayern der Protagonist in Sachen „Wald vor Wild“. Die Übersetzung von „Wald vor Wild“ ist übrigens „Krieg gegen Wildtiere“. +++ Quellennachweise und weitere Informationen: Anzeigenkampagne Motiv II: Wald vor Wild Anzeigenkampagne Motiv III: Jagd auf Waschbären-Eltern Wildtiere in Bayern: Kaum Verständnis für Tierschutz Bayern: Verzicht auf die Einsaat von 50 Millionen Bäumen pro Jahr [1] Schriftliche Anfrage an das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Drucksache) von 2020 Schriftliche Anfrage an das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Drucksache) von 2014 [2] Fliegender Waldumbau - Ohne den Eichelhäher sähe der Forst alt aus (zuletzt abgerufen 04.09.2023) [3] Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) zum Einfluss von Rabenvögeln auf andere Vogelarten












