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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Im laufenden Jahr mindestens 36 Tote durch Jagdwaffen in Deutschland

    Hören - Weder Jagdverbände noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Menschen, die (nicht nur im Rahmen der Jagdausübung) durch Jagdwaffen verletzt oder getötet werden. Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen, in denen ein Jäger die Ehefrau, Verwandte oder Nachbarn erschießt, gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat und tauchen daher in keiner Aufstellung von Jagdunfällen auf. Anhand von Presseberichten macht die Initiative zur Abschaffung der Jagd regelmäßig eine Aufstellung von Unfällen und Straftaten mit Jagdwaffen, die meist durch aktuelle oder ehemalige Hobbyjäger begangen werden. Demnach wurden allein in diesem Jahr mindestens 36 Menschen durch Jagdwaffen in Deutschland getötet. In den meisten Fällen handelt es sich um Beziehungstaten. In den ersten drei Wochen des dieses Monats wurden folgende Fälle öffentlich: 19.8.23: Krähenjagd - 18-jähriger Hobbyjäger erschießt Jagdkollegen Die Polizei Oldenburg-Land berichtet am 19. August, dass bei einer Jagd auf Krähen im niedersächsischen Dötlingen (Landkreis Oldenburg) ein 18-jähriger Hobbyjäger seinen gleichaltrigen Jagdkollegen erschossen hat. Dabei geriet einer der beiden 18-Jährigen in das Schussfeld des anderen. Ein Notarzt konnte vor Ort nur noch den Tod feststellen. 19.8.23: Entenjagd - 83-jähriger Jäger schießt Jagdkollegen in den Kopf Im nordrhein-westfälischen Lippstadt ist ein 53-jähriger Jäger offenbar durch den Querschläger aus der Waffe eines 83-jährigen Hobbyjägers bei der Jagd auf Enten in den Kopf geschossen und schwer verletzt worden. Dies berichtet der Westfälische Anzeiger am 19.8.2023. Demnach musste der getroffene Jäger mit dem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden. An der Entenjagd hatte eine Gruppe von acht bis zehn Hobbyjägern teilgenommen. 11.8.23: Beziehungstat: Jäger erschießt Stewardess, seinen Hund und sich selbst Vier Monate nach dem Mord an einer 50-jährigen Stewardess in einem Parkhaus am Flughafen Frankfurt ist die Frankfurter Staatsanwaltschaft überzeugt: Ein 47-jähriger Hobbyjäger aus Hamm hat in der Nacht auf den 31. März seine Ex-Freundin, seinen Hund und anschließend sich selbst erschossen. Die Tatwaffe, ein Taurus-Revolver, den der Hobbyjäger legal erworben hatte, lag neben dem 47-Jährigen. Dies berichtet die Frankfurter Neue Presse am 11.8.2023. Demnach habe die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass die Ermittlungen nun abgeschlossen und eingestellt worden seien. Der 47-Jährige sei der einzige Täter gewesen. Gegen verstorbene Täter könne nicht ermittelt werden, daher sei das Verfahren eingestellt worden. 8.8.23 Wildschweinjagd: Schuss trifft Treiber Bei einer Jagd auf Wildschweine bei Niedermurach (Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz) wurde ein 72-jähriger Treiber getroffen. Dies berichtet OnetzPlus am 8.8.2023 (Bezahlschranke). Die Ermittlungen gegen die beteiligten Jäger laufen noch, um zu klären aus welcher Waffe der Schuss kam. 6.8.23: Jäger erschießt sich aus Versehen selbst Ein 60-jähriger Jäger hat sich am späten Abend in einem Waldgebiet in der Nähe von Marlow (Mecklenburg-Vorpommern) aus Versehen ins Bein geschossen und ist verblutet. Ein großes Rettungsaufgebot fand ihn nur noch tot auf. Dies berichtet BILD am 6.8.2023. Demnach hatte der Jäger noch seine Ehefrau angerufen und ihr gesagt, dass er sich ins Bein geschossen habe. Die Frau alarmierte gegen 22 Uhr die Rettungsleitstelle. Weil der genaue Standort des verletzten Jägers nicht bekannt war, wurde sofort eine Suchaktion unter Beteiligung des Rettungsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehr, der Polizei und des Polizeihubschraubers, so das Polizeipräsidium Neubrandenburg in einer Pressemitteilung. Der Hobbyjäger wurde schließlich leblos am Feldrand aufgefunden, ein sofort eingeleiteter Reanimationsversuch blieb erfolglos. Eine Dokumentation weiterer, nicht nur tödlich ausgegangener Straftaten und Unfälle mit Jagdwaffen finden Sie hier.

  • Fliegen wie ein Adler

    Hören - Ich erinnere mich an den Fallschirmsprung, bei dem ich durch einen Schwarm Bussarde fiel. Als sich der Fallschirm öffnete, waren sie so nah, dass ich ihre Augen sehen und ihre Federn fast spüren konnte. Ich war von ihnen umgeben, flog zwischen ihnen, und für einen kurzen Moment war ich einer von ihnen. Selbst heute, all diese Jahre später, ist meine Erinnerung an dieses Ereignis noch genauso aufregend wie damals. Etwas dergleichen habe ich nie wieder erlebt. Das Einzige, was diesem Erlebnis nahe kommt, ist, wenn ein Schwarm großer Raubvögel in kurzer Entfernung an mir vorbeizieht, vor allem, wenn ich am Rande einer hohen Klippe stehe. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, wieder zu fliegen, frei von allen Zwängen, und vergesse, dass meine Füße noch auf dem Boden sind. Dieses Foto eines Weißbauch-Seeadlers habe ich von einer Klippe in der Nähe von Sydney aus aufgenommen. Weißbauch-Seeadler leben in Australien in der Nähe von Gewässern. Dies ist einer von einem Paar, das auf einem Baum in der Nähe eines Flusses in der Nähe von Sydney nistete. Ich sah ihnen lange genug zu, um ihr Flugmuster zu lernen und ihre Bewegungen vorauszusehen. Sobald die Luft warm wurde, flog das Paar den Fluss entlang. Diese Route wiederholten sie mehrmals pro Stunde. Ich musste mich also nur auf der Klippe an der Flussbiegung ausruhen und darauf warten, dass sie direkt auf mich zuflogen, bevor sie nur wenige Meter entfernt die Kurve nahmen. Da sie das Muster immer wiederholten, hatte ich mehrere Gelegenheiten, sie zu erhaschen, bis ich es richtig hinbekam. +++ Ran Fuchs verwendet Fotografie und Multimediakunst, um das Bewusstsein für die Schönheit und Verletzlichkeit der Tierwelt in unserer unmittelbaren Umgebung zu schärfen. Ran hatte Einzel-Fotoausstellungen in Australien, Deutschland und Finnland. Wenn er nicht gerade um die Welt reist, verbringt er einen großen Teil seiner Zeit in Augsburg, Deutschland. Infos: www.ranfuchs.art

  • Herdenschutz wirkt: Durch gezielte Prävention weniger Schäden durch Wölfe

    Hören - Umweltministerin Kathrin Eder stellt aktuellen Wolfsmanagementplan Rheinland-Pfalz vor. „Unser Umgang mit dem Wolf zeigt Erfolge: Durch gezielte Präventionsmaßnahmen ist die Anzahl der Risse an Haus- und Nutztieren deutlich gesunken. 2021 hatten wir mit 101 Rissen die meisten in der Geschichte von Rheinland-Pfalz. Seitdem sind die Zahlen konstant auf lediglich 16 Risse in diesem Jahr gesunken. Effektiver Herdenschutz durch Zäune und Herdenschutzhunde und durch die gute Zusammenarbeit mit Tierhalterinnen und Tierhaltern zeigen, dass Konfliktpotenziale weiter reduziert und die Herden vor dem Wolf und der Wolf vor dem Menschen geschützt werden konnte. Dieser Erfolg ist auch die Erfolgsgeschichte des KLUWO – des Kompetenzzentrums Luchs und Wolf – das seit dem Oktober 2021 den Herdenschutz vorantreibt“, sagte Umweltministerin Katrin Eder am heutigen Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Mainz. Auf dieser stellte sie den aktuellen Wolfsmanagementplan vor und hielt dabei fest: „Unser Umgang mit dem Wolf ist keineswegs statisch, sondern passt sich der Bestandsentwicklung, dem Verhalten der Tiere sowie sich verändernden gesetzlichen Vorgaben und Erkenntnissen aus der Wissenschaft an. Ein landesweites Monitoring, das mit der Erstfassung des Wolfsmanagementplans eingeführt wurde“, so Eder, „liefert eine neutrale und verlässliche Datengrundlage über die Verbreitung und das Verhalten der Tiere. Derzeit reden wir von maximal vier erwachsenen Tieren und zwei Rudeln, wobei das zweite Rudel durch zwei Geschwister begründet wurde. Das zeigt, dass wir noch keinen günstigen Erhaltungszustand erreicht haben.“ Der Wolfsmanagementplan ist die Bedienungsanleitung für den Umgang mit dem Wolf und fußt auf dem Bundesnaturschutzgesetz und den wissenschaftlichen Empfehlungen des Bundesamtes für Naturschutz. Seit der ersten Fassung des Managementplans und dem ersten Wolfsriss in Rheinland-Pfalz im Jahr 2015 haben sich hier aufgrund der Bestandsentwicklung und Erfahrungen mit dem Wolf Neuerungen ergeben. Erstens: Ab sofort können Präventionsgebiete leichter ausgewiesen werden. Während bislang Naturraumgrenzen maßgeblich für die Ausweisung eines Präventionsgebietes zu Grunde gelegt wurden, zählt fortan ein Radius von 30 Kilometern rund um einen Wolfsnachweis. Zudem verkürzt sich der Zeitraum von bislang sechs auf nunmehr drei Monate, in denen es Wolfsnachweise, etwa durch Kotfunde, geben muss, damit ein Gebiet zum Präventionsgebiet ausgewiesen werden kann. Bislang gibt es sechs Präventionsgebiete: Seit Ende Mai 2018 das Präventionsgebiet Westerwald Seit September 2019 das Präventionsgebiet der Verbandsgemeinden Prüm, Gerolstein und Adenau Seit November 2020 das Präventionsgebiet Westeifel (Inklusion der VGs Prüm & Gerolstein) Seit März 2021 das Präventionsgebiet Taunus Zweitens fallen auch Beweiderinnen und Beweider in Naturschutzprojekten, die vom Land gefördert werden, unter die Regelungen eines Präventionsgebietes. Das bedeutet, auch sie bekommen den vollen Umfang an Förderungen. „Beweidung ist ein zentrales Element im Naturschutz. Rinder, Schafe und Ziegen etwa tragen dazu bei, dass Landschaften nicht verbuschen und somit Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten wird. Zu ihnen gehören beispielsweise der Neuntöter und die Zauneidechse“, so Eder. Das tatsächliche oder mögliche Vorkommen eines Wolfes, solle niemanden davon abhalten, Tiere auf der Weide zu halten. Diese Form der Tierhaltung sei besonders artgerecht, diene dem Tierwohl und dem Naturschutz. Drittens: Die Förderkulisse wurde neu angepasst. Auch Tierhalterinnen und Tierhalter, die außerhalb des Präventionsgebietes liegen, können auf Antrag eine hundertprozentige Förderung für Herdenschutzmaßnahmen nach einem bestätigten Wolfsriss erhalten. Die Förderung beinhaltet sowohl die Anschaffung als auch den Arbeitsaufwand zum Aufstellen der Zäune sowie deren Unterhaltungskosten, die etwa für Strom anfallen. Zuvor erhielten die Tierhalterinnen und Tierhalter ein Notfallset, also einen mobilen Elektrozaun, der wieder zurückgegeben werden musste. Zudem wird anders als bislang nicht mehr der Kaufpreis für einen Herdenschutzhund erstattet, sondern die Unterhaltungskosten, die pauschal jährlich mit tausend Euro gefördert werden können. Dies ist eine finanzielle Erleichterung für die Tierhalterinnen und Tierhalter gegenüber der bisherigen Regelung. „Durch die Präventionsmaßnahmen der herdensicheren Zäune erfährt der Wolf, dass es hier nichts zu holen gibt. Genau wie Hunde lernen Wölfe sehr schnell. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass es das Tier vielleicht noch einmal probieren wird, aber dann keine weiteren Versuche unternimmt“, so Julian Sandrini, Leiter des Koordinationszentrums Luchs und Wolf (KLUWO), das für die Förderung, Beratung und das Monitoring zum Wolf zuständig ist. Zuvor übernahm dies die Stiftung Natur und Umwelt (SNU). Seither wurden 588 Anträge eingereicht und rund 1.630.000 Euro ausbezahlt. +++ Wolfsmanagementplan Rheinland-Pfalz Koordinationszentrum Luchs und Wolf (KLUWO) Wozu braucht die Natur den Wolf Wölfe in Deutschland Themen aus Rheinland-Pfalz

  • Wozu braucht die Natur den Wolf?

    Die Rückkehr des Wolfes scheint die Gesellschaft zu spalten, doch real halten fast 80 Prozent der Bevölkerung seine Rückkehr für erfreulich, befürworten diese, auch wenn sie teilweise Konflikte hervorruft. Abgelehnt wird der Wolf vor allem von Menschen, die mit ihm um Wild und potenziell um Nutztiere als Ressource konkurrieren. Gemeint sind Jägerschaft und Nutztierhalter. Aus deren Reihen wird im täglichen Diskurs in den Medien auch immer wieder die Frage nach dem Nutzen des Wolfes gestellt, vor allem mit dem Verweis, dass es eben auch 150 Jahre ohne diesen gegangen ist. Warum ist der Wolf zurückgekehrt? Weil der „Tisch“ in unseren Wäldern für ihn reich gedeckt ist. Es ist die Jagd selbst, die bewusst und ganz gezielt, jahrzehntelang für ständig wachsende Populationen von Paarhufern wie Wildschwein, Reh und Rothirsch gesorgt hat, durch hohen Jagddruck, durch Fütterungen (Überhege). Dazu wurden in der Vergangenheit stellenweise auch noch Mufflon, Dam- und Sikahirsche in Deutschland eingeführt. Eine rücksichtsloses und egoistisches Vorgehen, um eigene Jagdziele mit einem hohem Wildbestand zu verfolgen. Warum aber brauchen wir den Wolf, der Jäger könnte doch die Wildtiere selbst dezimieren? Dazu hatte er jahrzehntelang Gelegenheit, die Abschusszahlen sind dabei immer stetig gestiegen, vor allem bei Wildschwein und Reh. Doch je höher der Jagddruck, umso mehr gleichen die Wildtiere dies mit gesteigerten Geburtenzahlen wieder aus (Reproduktion). Gerade beim Wildschwein sind Jäger mit ihrem Latein am Ende, ihr Management hat versagt, sie zerschießen soziale Strukturen und kurbeln so die Reproduktion weiter an. Mittlerweile werden Wildschweine mit großen Käfigfallen und nicht tierschutzkonformen Saufängen gefangen, um sie anschließend zu töten. Der Wolf jagt natürlich und vor allem nachhaltiger, er wählt nicht starke und gesunde Tiere aus und legt auch keinen Wert auf großes Gewicht und große Geweihe, er ist schlicht kein Trophäenjäger. Vor seiner Ausrottung übernahm der Wolf eine wichtige Funktion im Ökosystem, ohne ihn sind Ökosysteme deutlich unvollständiger. In einem Ökosystem beeinflussen sich Tiere und ihre Lebensräume wechselseitig. Es sind die Abhängigkeitsverhältnisse der Arten untereinander, welche eine Lebensgemeinschaft ergeben und damit ein dynamisches, biologisches Gleichgewicht erst ermöglichen und auch Ökosystemleistungen, die erst durch die Anwesenheit des Wolfes entstehen. So haben sich Beute und Beutegreifer in der Evolution in einem Wechselspiel entwickelt und Einfluss auf die Natur in ihrem Umfeld gehabt. Es ist wichtig zu wissen, dass die Anzahl der Arten in einem Lebensraum die Stabilität des Gefüges entscheidend beeinflussen. Je mehr Arten also in ihnen vorkommen, umso stärker, um so widerstands- und überlebensfähiger ist dieses Gefüge. Der Wolf ist ein wichtiger, ja elementarer Bestandteil dieser Wechselbeziehungen. Er ist wie der Fuchs vor allem die Gesundheitspolizei in Wald und Flur. Er verhindert ein schnelles Ausbreiten von Krankheitserregern innerhalb der Beutegemeinschaft. Nur starke und gesunde Tiere pflanzen sich daher fort und sorgen so wiederum für gesunden, starken Nachwuchs. Er beeinflusst auch das Raumverhalten seiner Beutetiere, was Einfluss auf deren Ökosystemleistungen hat. Das Ergebnis von Studien, dass Wolfsreviere so gut wie frei von Schweinepest sind, ist keine sonderliche Überraschung, denn Wölfe reißen als erstes immer gehandicapte, kranke Tiere. Wölfe töten und jagen vor allem alte, kranke und schwache Tiere, die leichte Beute sind. Oder eben Jungtiere, denn Wölfe jagen lieber Frischlinge, als sich mit wehrhaften Wildschweinen anzulegen, so eine Nahrungsanalyse des Senckenberg Instituts. Auch beim Rotwild reißen Wölfe eher junge und alte Tiere. Die Hauptproduktionsträger werden dagegen deutlich seltener gefressen. Die Wild-Population kann somit im Gleichgewicht bleiben. Von den Resten seiner gerissenen Beutetiere profitieren weitere Aasverwerter, wie kleinere Beutegreifer, Greifvögel, wie der Habicht oder der Seeadler, Eulenarten und Insekten. Einige Käfer arbeiten Reste vom toten Tier in den Boden ein, andere nehmen Aas auf und fliegen weiter. Was übrig bleibt wird von Mikroorganismen wie Pilzen und Bakterien zersetzt – übrig bleibt nährstoffreicher Boden. „Wo der Wolf läuft, wächst der Wald!“ Der Wolf ist kein Problemlöser im eigentlichen Sinne und Verbiss an jungen Bäumen oder Schälschäden haben vor allem auch mit der Art und Weise sowie der Intensität der Jagd zu tun. Doch zeigt sich insbesondere auf Truppenübungsplätzen ein Wandel. Hier betreibt der Bundesforst eine nachhaltige Forstwirtschaft ohne monetäre Zwänge und dessen Monitoring zeigt auf, dass durch den Wolf eine Übernutzung verhindert wird, dass der Anteil von geschälten oder verbissenen Pflanzen deutlich zurück gegangen sind. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Wölfe durchaus den Tourismus ankurbeln und damit die Region stärken können. Die Wechselwirkungen zwischen Großraubtieren, großen Pflanzenfressern und dem Wald sind sehr komplex und vielschichtig. Wölfe sind im Vergleich zum jagenden Menschen nachhaltige Jäger, aufmerksame Wächter ihres Territoriums und wie erwähnt, eben keine Problemlöser für vom Menschen gemachte Problemfälle und Katastrophen. Deren Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht ist durch Faktoren wie die Forst- und Landwirtschaft, Jagd und Zersiedelung exorbitant hoch. Wölfe sind aber für eine gute Koexistenz geeignet, das beweist z.B. der Bundesforst auf dem TÜP Munster Süd eindrucksvoll. Die wahren Ökosystemleistungen von Wölfen lassen sich leichter in naturnahen Ökosystem bewerten, er wäre aber auch in unserer Natur um ein vielfaches höher, wenn der Einfluss des Menschen in Wald und Flur deutlich minimiert werden könnte.

  • Smaragdeidechsen: Kleine grüne Drachen

    Hören - Nach einem kräftigen Regenguss am Morgen reißt die Wolkendecke auf. Die Luft ist schon recht warm, dampfig und etwas schwül. Die Sonne trocknet und erwärmt den nassen Boden und lockt die leuchtend grünen Sonnenanbeter aus ihren Verstecken. Vier Jahre lang habe ich im Nahetal gewohnt und die einzigartige Vielfalt der dortigen Natur liebgewonnen. Am meisten zogen mich von Anfang an die heißen steilen Felshänge mit all ihren südlichen Bewohnern in ihren Bann, ganz besonders die Westliche Smaragdeidechse. Auch heute, zehn Jahre danach, lasse ich immer wieder gern die Agrarlandschaft meiner Heimat in NRW hinter mir, um in den Mikrokosmos der mediterranen Steilhänge einzutauchen. An diesem Vormittag Ende Juli 2023 muss ich nicht lange suchen: Gleich zwei der wunderschönen Reptilien liegen vielleicht einen Meter voneinander entfernt neben dem Weg im Sonnenschein. Sie nutzen jeden Strahl, um sich von der Nässe des Sommerschauers aufzuwärmen. Jetzt heißt es: Anpirschen mit der Kamera nach allen Regeln der Kunst. Eigentlich gibt es dabei nur eine Regel: Die Langsamkeit, die extreme Langsamkeit, Ultrazeitlupe. Smaragdeidechsen sind äußerst schnell und wachsam. Ihre aufmerksamen Augen nehmen mich direkt ins Visier. Es ist schwierig, mich langsam genug zu bewegen, so dass sie meine Bewegungen nicht wahrnehmen. Langsam genug heißt: Einen Meter in vielleicht drei oder gar fünf Minuten. Ich bewundere ihr schönes Schuppenkleid mit zahllosen hellgrünen und schwarzen Pünktchen, die großen glatten Schuppen an ihren kleinen Drachenköpfen, die dünnen krallenbewehrten Zehen und den überaus langen Schwanz, der deutlich mehr als die Hälfte der gut 25 cm Gesamtlänge ausmacht. Ganz besonders mag ich ihre wachen Augen, die sehr denen eines Vogels ähneln. Plötzlich ist eine der beiden Echsen verschwunden. Ihre Flucht war derart schnell, dass ich sie mit meinem Blick kaum verfolgen konnte. Auch die zweite hebt ihren Kopf leicht an und bringt ihre eben noch entspannt seitwärts ausgestreckten Füße in Startposition. Zwei, drei Kameraklicks später schießt auch sie als grüner Pfeil ins Brombeergebüsch. Smaragdeidechsen zu finden ist nicht ganz leicht. Es benötigt Gefühl für das richtige Wetter und die Erfahrung, wo man sie bei welchen Wetterbedingungen suchen muss. Ihr Lebensraum sind die wärmsten Abhänge im Nahetal, aber niemals der reine karge Fels, sondern immer Orte mit einiger Vegetation. Sie liegen nur ganz selten völlig frei, sondern nutzen die Deckung und halten sich dort auf, wo sie mit ihrer grünen Färbung gut getarnt sind. Keine Smaragdeidechse gleicht der anderen. Die beiden ersten Sonnenanbeter an diesem Morgen waren recht zierliche Tiere. Bei der einen sah man noch Reste vom leuchtenden Blau, das die Kehle der Männchen im Frühling schmückt. Am selben und am nächsten Tag traf ich ganz unterschiedliche Exemplare. Besonders schön war ein sehr markant gezeichnetes vierfarbiges Weibchen. Es trug auf dunkelgrünem Grund vier weiße Linien und zahlreiche schwarze und einige rostbraune Flecken. Ebenso blieb ein prächtiges frisch gehäutetes Männchen von deutlich über 30 cm Gesamtlänge in Erinnerung, das ich mit eindrucksvoll geöffnetem Maul fotografieren konnte. Viele weitere einzigartige grüne, grünbraune, gestreifte, gefleckte und geperlte Schönheiten habe ich bei meinen Besuchen im Nahetal in den letzten Jahren beobachtet und fotografiert. Das Habitat der Smaragdeidechsen im Nahetal gehört zu den wenigen weitgehend natürlichen Lebensräumen in Deutschland. Die steilen, heißen und trockenen Hänge mit sehr wenig Boden können nicht bewirtschaftet werden. Steilheit und Trockenheit verhindern, dass sie mit Gehölzen zuwachsen. So kann hier eine Fülle von Arten leben, die ansonsten im Mittelmeerraum oder in den östlichen Steppen vorkommen. Beispiele sind neben der Westlichen Smaragdeidechse die Zippammer, der Segelfalter, die Rotflügelige Ödlandschrecke oder die Italienische Schönschrecke, sowie zahlreiche Pflanzenarten wie das Federgras oder der Arznei-Haarstrang. Diese speziellen Lebensräume sind klein, sie beschränken sich auf die steilsten Südhänge. Sie sind eingeengt zwischen Wegen, Straßen und Weinbauflächen. Ihre oft seltenen und hochgradig gefährdeten Bewohner sind vielerorts durch die Pestizide bedroht, die reichlich im Weinbau eingesetzt werden – in den Steillagen oft mit dem Hubschrauber versprüht und dabei vom Wind verweht. Die Smaragdeidechsen unterliegen wie alle seltenen Reptilien zusätzlich einer ganz speziellen Bedrohung: Manch einer zahlt viel Geld für ein solches Tier und so manche seltene Eidechse oder Schlange landet illegal in einem privaten Terrarium. Die Smaragdeidechse gehört wie alle Wildtiere in ihren natürlichen Lebensraum und nicht in Gefangenschaft – auch für sie gilt der vielzitierte Spruch: Artgerecht ist nur die Freiheit. +++ Dr. Martin Steverding ist stellv. Vorstand von Wildtierschutz Deutschland. Diplom-Biologe, Dissertation über die Nahrungsökologie von Spechten im Bialowieza-Urwald, Polen. Langjährig aktiver Ornithologe, aber auch in der Säugetierkunde, Herpetologie und Entomologie tätig. Langjährig im Eulenschutz (schwerpunktmäßig Steinkauz) aktiv, weitere Schwerpunktthemen bzw. -arten sind u. a. Uhu, Fuchs, Dachs, Biber und Greifvögel. Wohnort: Rhede (Westfalen)

  • Jagd auch zur Nachtzeit

    Julia Klöckners Jagdnovelle ist Lobbyarbeit im Interesse von Jagd- und Forstverbänden vom Allerfeinsten! Die Interessen von Natur- respektive Tierschutz spielten hierbei keine tragende Rolle. Nun wird sogar die Jagd während der Nachtzeit, mittels Nachtzieltechnik und mit Scheinwerfern ermöglicht. Laut Bundesjagdgesetz gilt das nur für Schwarzwild sowie für invasive Arten wie Waschbär oder Marderhund, aber wer soll und kann das kontrollieren? Unser langjähriges Monitoring zeigt auf, dass sich das Wild bei seiner Nahrungs- und Futtersuche überwiegend auf die Nachtzeit spezialisiert hat und das betrifft eben nicht nur dämmerungs- und nachtaktive Arten. Durch die Ausweitung der Jagdzeiten auf die Nacht und den Einsatz von Nachtzieloptik oder Scheinwerfern, wird der eh schon hohe Jagddruck auf unsere Wildtiere weiter exorbitant ansteigen. In der Praxis ist quasi ein 24h-Feldzug gegen die Wildtiere umsetzbar und diese schweren Eingriffe in vertraute und angestammte Abläufe wird in der Folge noch nicht abzuschätzende Auswirkungen auf die jeweiligen Arten haben. Die lokale Fluktuation wird ansteigen, Zu- und Abwanderungen werden zunehmen, es bedarf zusätzlicher Fluchten und damit geht ein erhöhter Energiebedarf gerade auch in der Winterzeit einher. In einer Zeit also, wo sich bei unseren Wildtieren die Stoffwechselvorgänge und teils die Mägen verkleinern. Es wird auch weiterhin keine zukunftsgerechte Ausgestaltung der Jagdgesetzgebung in Bund und Ländern geben; wichtige Erkenntnisse der Wildtierökologie sowie des Natur-, Arten- und Tierschutzes, vor allem aber auch die stark veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an die Jagdausübung werden weiterhin ignoriert. Wildtierschutz Deutschland verweist in diesem Kontext noch einmal eindringlich darauf, dass trotz des unermüdlichen Engagements von Natur- und Tierschützern an der Basis, das Leid der Wildtiere weiter anwachsen wird. Eine Ursache dieser Misere sind u.a. ineffiziente Strategien und Konzepte der großen Umweltverbände, massiver politischer Druck, insbesondere von der Straße wird nicht mehr präferiert, man wird mehr und mehr ein Teil des Systems. Genau das erlaubt Klöckner und Co. ihr ausgeprägtes Marionettendasein!

  • NABU will ethische und nachhaltige Jagd, nimmt aber weiter Fallen- und Baujagd auf den Fuchs in Kauf

    In seiner Herbstausgabe 2020 offenbart der NABU Deutschland, dass sein Präsident selber jagt, dieser hat für drei Reviere einen Begehungsschein, wohlgemerkt in Schutzgebieten. Das sind die Gebiete, wo sich Pflanze und Tier eigentlich ungestört entwickeln sollen. Es bleibt abzuwarten, wie die über 700.000 Mitglieder verkraften, dass sie von einem Jäger geführt und administrativ vertreten werden. Des weiteren erkennt man im vorgestellten Grundsatzbeschluss die naturverträgliche Jagd ausdrücklich als „legitime Form der Landnutzung“ an. Die Jagd soll u.a. nachhaltig sein, darf ethischen Prinzipien nicht widersprechen. Gleichzeitig sieht der NABU den Fuchs weiterhin in der Liste der jagdbaren Arten. Ein krasser Widerspruch, allein zu oben genannten, doch wird darüber großzügig hinweggesehen. Zwar ist der NABU in seinem Positionspapier gegen Bau- und Fallenjagd, doch ist in der Bundesgeschäftsstelle selbst der Putzfrau nach der letzten Novelle zum BJagdG klar, dass hier nur ein zahnloser Papiertiger geformt wurde. So lange der Fuchs eine jagdbare Art ist, wird es auch diese quälerische und barbarische Jagd geben und das Schicksal von hunderttausenden Welpen und Elterntieren in Deutschland ist damit besiegelt! Überhaupt kein Thema beim NABU ist die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Füchsen in Schliefanlagen. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden totgeschwiegen, die Fragen nach Ethik und Moral stellt der NABU bei diesen widerlichen Anlagen nicht, die Anforderungen unserer zivilen Gesellschaft werden negiert. Laut NABU soll der Fuchs in Deutschland jagdbar bleiben, dass hierbei Schonzeiten fehlen oder viel zu kurz angesetzt sind, wird vom Tisch gewischt. Das Schicksal der qualvoll sterbenden Fuchswelpen, weil ihre Eltern erschossen werden, oder sie selbst bereits am Bau gefangen und getötet werden, interessiert im Bundesverband offensichtlich keine Menschenseele. Die sinnbefreite Jagd auf Füchse, allein schon im Kontext der Mäuseüberpopulation wird vom NABU ebenfalls ignoriert. Füchse können das Risiko für eine Ansteckung des Menschen mit der Lyme-Borreliose reduzieren. Ihre Aktivitäten führen offenbar dazu, dass Mäuse weniger stark von Zecken befallen sind und diese Zecken seltener Träger der Borreliose-Erreger sind. Was also ist an der Fuchsjagd naturverträglich, ethisch, nachhaltig und tierschutzgerecht?

  • Schluss mit der Jagd auf Haustiere

    Ihr habt es alle mitbekommen, eine Katze ist in einem Wald bei Augsburg in eine Lebendfalle geraten. Wildtierschutz Deutschland erspart Euch das Video, das die Jäger selbst aufgenommen haben und die brutale, eiskalte Tötung einer Hauskatze zeigt. Die Jägerin benötigte drei Schüsse aus nächster Nähe und verursachte für die Katze einen grausamen langanhaltenden Todeskampf. Die Katze hatte eine Plakette um den Hals, es bleibt nur zu hoffen, dass ihre Besitzer nicht von dem Schicksal ihres geliebten Sozialpartners erfahren haben und niemals dieses Video sehen. Die Katze starb offenbar für den "Schutz" eines Fasanenprojektes vor Ort. Wer bei der Jagd auf Fasane viel Geld verdienen möchte, muss vor allem eine „sportliche Jagd“ anbieten, d.h. hohe und schnell fliegende Fasane. Dafür müssen diese schon vor der Jagd mehrere Monate in der freien Wildbahn leben, zahme und langsam fliegenden Hähne will kaum ein Jäger vom Himmel holen. Und damit diesen Hähnen, meistens aus Massentierhaltungen in Ungarn, vor der Jagd keine Feder gekrümmt wird, werden alle in Frage kommenden Beutegreifer von der Katze über Fuchs, Dachs, Waschbär, Marderhund, Marder, Iltis bis zur lokalen Ausrottung mit Fallen- und Baujagd barbarisch und quälerisch bekämpft. Auch diesen Tieren wird wegen der örtlichen Verhältnisse mitten ins Gesicht und in den Kopf geschossen. Auch diese Tiere haben Gefühle, spüren Ängste und wollen einfach nur leben! Auch bei diesen Tieren ist es grausamer Tiermord! Vergessen wir diese Tiere nicht! Wir weisen noch einmal eindringlich darauf hin, dass die meisten Wildtiere, Katzen und Hunde, nicht für den von Jägern immer wieder in höchsten Tönen angepriesenen Artenschutz sterben, sondern für eigene egoistische Ziele. Solche Szenarien werden sich mit hoher Sicherheit, tausend,- ja hunderttausendfach in Deutschland abspielen, denn in den verschiedensten Lebendfallen warten die meisten Tiere am Ende auf ihren Tod. Die gefangenen Tiere stehen dabei unter hohem Stress, was allein schon erhebliches Leiden verursacht. Schließt sich die Falle, gerät das Tier beinahe immer in höchste Panik und fügt sich bei verzweifelten Fluchtversuchen oftmals schon schwere Verletzungen zu, auch bis hin zum Tod durch Kreislaufversagen. Zwar müssen die Fallen laut Gesetz täglich ein- bis zweimal kontrolliert werden, Verstöße gegen diese Kontrollpflicht bleiben jedoch in der Regel unentdeckt. Der Bayerische Jagdverband zeigt sich in einer Pressemitteilung empört über "die grausame Tötung einer Hauskatze." Der BJV-Präsident Ernst Weidenbusch sagt weiter: „Die Grundlage für unsere Jagd ist die Achtung vor der Schöpfung. Das, was in den Videos über die Tötung der Hauskatze zu sehen ist, ist nicht tierschutzkonform, nicht waidgerecht und deshalb für uns nicht hinnehmbar.“ In den Jägerforen steht Tierschutz aber nicht primär im Vordergrund. Man weiß insgeheim, dieses Schicksal trifft zehntausende Katzen und Millionen Wildtiere - jedes Jahr. Wäre es ein Waschbär oder eine Nutria, ein Dachs oder ein Fuchs, ein Marder oder ein Iltis gewesen, würden sich die Weidmanns heil-Rufe zigfach auflisten. Es wird trefflich darüber debattiert, dass es keine gesetzlichen Vorgaben gäbe, wieviel Schüsse es bei einer Tötung brauche und vor allem wird sich darüber empört, dass der Fall, das Video selbst an die Öffentlichkeit gekommen ist. Man ist überzeugt: „WAS IM WALD PASSIERT, BLEIBT IM WALD !“ - „Stillschweigen ist angesagt!“ Das Video zeigt, dass bei der Jagd unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit grausame Tierquälerei geschieht, so Friedrich Mülln von SOKO Tierschutz. „Diese Menschen sind völlig verroht, inkompetent und außer Kontrolle". Gemeint sind aus unserer Sicht nicht nur die Protagonisten im Video sondern auch die, welche die Tat in einschlägigen Jagdforen bewerten. Jagd bedeutet Stress und Gewalt gegen Tiere, Schäden an der Umwelt und Gefahr für den Menschen. Das Schicksal dieser Katze steht stellvertretend für Zigtausende Tiere, die jedes Jahr in Fallen gefangen werden. Die wenigsten Leute wissen, dass die Wälder voll sind mit Lebend- und sogenannten Totschlagfallen und die Opfer und ihr Todeskampf im Geheimen bleiben. Darum fordern wir ein sofortiges Verbot der grausamen und unsinnigen Fallenjagd und nachhaltige, nicht-tödliche Wege im Umgang mit Wild- und Haustieren. Quellen: https://www.jagderleben.de/.../katzen-abschuss-bjv-uebt... Hier das Video von SOKO Tierschutz, Achtung, sehr grausam! https://www.facebook.com/162271687230474/posts/2343799892410965/?d=n

  • Raus mit der Jagd aus Schutzgebieten

    Wo haben Tiere noch ihren Rückzugsraum, ihre Ruhe vor dem perfiden Jagddruck? Man möchte meinen, in Schutzgebieten. So steht es jedenfalls auf den roten Warn- und Hinweisschildern vor Naturschutzgebieten: „Alle Tiere und Pflanzen, und nicht nur die bedrohten Arten, sollen sich ungestört entwickeln können.“ Wohlgemerkt UNGESTÖRT ! Weiterhin steht da: „In Naturschutzgebieten hat der Schutz von Natur und Landschaft Vorrang vor allen anderen Interessen…“ Was also hat die Jagd in Schutzgebieten zu suchen? Wieso findet sogar dort die Jagd auf bedrohte Arten aus der Roten Liste statt? Ein nicht unerheblicher Teil der 397.414 Jägerinnen und Jäger in Deutschland (Stand Ende März 2020, Quelle DJV) profitiert von den von Ministerien und Behörden eingeräumten Spielräumen in Schutzgebieten bei Nutzung und den Sonderregelungen. 397.414 Jagdausübende in Deutschland und es werden immer mehr! Geradezu beängstigend ist der Blick in die Statistik! Knapp 8.900 mehr waren es allein gegenüber dem Vorjahr 2019 und sogar 75.700 mehr als vor 30 Jahren. In Nordrhein-Westfalen sind die meisten Jagdscheininhaber: 92.074, danach folgt Niedersachsen mit 60.000, gefolgt von Baden-Württemberg (49.400). Die Gier, der Hunger der jagenden Zunft nach Jagdrevieren ist seit Jahrzehnten nicht mehr zu stillen und so halten Politik, Ministerien und Behörden nicht nur Schutzgebiete für diese geöffnet, sondern auch Nationalparks. Selbst in ausgewiesenen Sperrzonen, von denen die Bevölkerung unter Androhung von drakonischen Strafen, ferngehalten wird, pflegen Jagdausübende ihre jagdlichen Disziplinen und Traditionen! Wir befinden uns im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier! Eine Jagd in Schutzgebieten, noch dazu auf Rote-Listen-Arten ist geradezu eine Farce! Ein Jeder sollte wissen, dass unsere letzten intakten Ökosysteme, nicht generell als Kulturlandschaft abgestempelt werden dürfen, wie es Jäger so gern in ihrer Argumentation tun. Je mehr Arten in einem solchen intakten Ökosystem, in verschiedensten FFH-Lebensraumtypen, geschützten Biotopen leben, um so stabiler, um so kompakter sind diese. Es braucht einen radikalen Kurswechsel, wenn wir das dynamisch fortschreitende Artensterben bremsen wollen, das Verbot der Jagd in Schutzgebieten ist mit ein erster überfälliger Schritt - damit Schutzgebiete auch ihren Namen verdienen.

  • Waldschnepfe: Besonders geschützt - intensiv bejagt

    Für was starben eigentlich allein in Niedersachsen im Jagdjahr 2018/19 insgesamt 5.582 Waldschnepfen? Primär wohl aus alter Tradition: Sie bereichern vor allem die angestrebte bunte und breite Palette an jagdbaren Arten, ihre Federn zieren die Hüte der jagenden Protagonisten der Jagdverbände und sie müssen herhalten, für eine kulinarische Delikatesse, dem sogenannten Schnepfendreck. Dieses sind die fein gehackten und kross gebratenen Eingeweide, die vorzugsweise auf Toast serviert werden. Dabei unterliegt die nachtaktive Waldschnepfe, wie alle europäischen Vogelarten der EU-Vogelschutzrichtlinie (VSRL, Anhang II/1), ist im Anhang II der Bonner Konvention aufgeführt und somit eine Art mit ungünstiger Erhaltungssituation. National gilt sie nach BNatSchG §7 Abs. 2 Nr. 13 als besonders geschützte Art! In den veralteten Roten Listen ist sie bundesweit auf der Vorwarnliste, in NRW gilt sie als gefährdet, in Mecklenburg-Vorpommern ist sie stark gefährdet. Trotzdem darf sie nach dem BJagdG §2 vom 16. Oktober bis zum 15. Januar eines Jahres bejagt werden. Aktuell (Stand 2017) ist die Waldschnepfe nur in Berlin und Hessen ganzjährig geschont. Unter 22.687 in Sachsen-Anhalt im Jahr 2016 beringten Vögeln befand sich nur eine Waldschnepfe! Niedersachsen scheint mit Abstand die größte Population zu besitzen und trägt somit, ähnlich wie beim Rotmilan, die größte Verantwortung nicht nur für die Erhaltung dieser Art, sondern auch für deren Wiederausbreitung! Trotzdem machte der jährliche Abschuss allein in Niedersachsen in den letzten zehn Jagdjahren etwa 50 Prozent der deutschen Strecke aus und zuletzt eben 5.582 inklusive Fallwild (u.a. Fenster- und Industriescheiben, Windkraftanlagen). Die Erfassung der Bestände bereitet bei der Waldschnepfe besondere Schwierigkeiten: Der Erfassungsgrad ist in den meisten Ländern sehr gering, zudem ist aufgrund der heimlichen und promisken Lebensweise die Zusammensetzung der Brutpopulation, insbesondere die Geschlechterverteilung, unbekannt und es kann angenommen werden, dass sich bisherige Bestandsannahmen eher auf revieranzeigende Männchen beziehen, die häufige Angabe von „Brutpaaren“ jedoch deren Lebensweise nicht berücksichtigt. Wir von Wildtierschutz Deutschland (Sektion Niedersachsen) schätzen das Schicksal der Waldschnepfe als höchst ungewiss ein. Es liegt in den Händen der jagenden Zunft in Niedersachsen, bei der wildtierökologische Erkenntnisse, gesellschaftliche Anforderungen, Aspekte des Artenschutzes weiterhin ignoriert werden.

  • Gravierende Gesundheitsrisiken gehen von Menschen aus – nicht von Fuchs und Waschbär

    Hören - Es sind fast ausschließlich Jagdverbände, die immer wieder gegen Fuchs, Waschbär, Marderhund und andere Beutegreifer hetzen. Verbündete finden die Lobbyisten leider häufig bei öffentlichen Medien, zuletzt auch bei dem umstrittenen Forschungsprojekt Zowiac an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. An diesem Projekt sind auch Biologen der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung beteiligt. Die oft unsachliche, tendenziöse aus Teilen der Jägerschaft lancierte Kommunikation ist durchsichtig: Sie wollen der weitgehend uninformierten Öffentlichkeit weismachen, dass es erforderlich sei, diese Tiere u.a. deshalb zu jagen, um gesundheitlichen Schaden vom Menschen abzuwehren. Wie irrsinnig diese Begründung für die Verfolgung von Fuchs und Co. ist, zeigt ein Vergleich der Risiken mit von Mensch zu Mensch übertragenen Viruserkrankungen. In Deutschland sind durch Tiere übertragene Krankheiten – man spricht von Zoonosen – extrem selten. Die vom Fuchs durch einen Bandwurm übertragene alveoläre Echinokokkose ist eine meldepflichtige Krankheit und führt gemäß Robert-Koch-Institut in Deutschland zu etwa 40 Erkrankungen pro Jahr. Das sind in etwa so viele Menschen, wie hierzulande durch Jagdwaffen zu Tode (!) kommen. Die Echinokokkose ist eine der seltensten Zoonosen in Europa. Dagegen starben 2017/18 allein etwa 25.000 Menschen durch eine Virusgrippe! In Deutschland gibt es seit etwa 90 Jahren Waschbären in der freien Natur, derzeit etwa eine bis anderthalb Million – Tendenz steigend. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der überwiegende Teil dieser Tiere zoonotische Parasiten aufweisen (LUX et PRIEMER 1995, GEY 1998, ROSATTE 2000, GEHRT 2003), unter anderem eben auch Spulwürmer. Durch die orale Aufnahme von mit Spulwurmeiern durchsetztem Kot oder entsprechend kontaminierter Erde kann sich auch der Mensch mit dem Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis) infizieren. Das passiert aber eher selten, wie wissenschaftliche Studien (z.B. Michler & Michler, 2012, zum epidemiologischen Risiko des Waschbären in Mitteleuropa) oder auch auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit berichten. Zahlen gibt es aus Nordamerika: So wurden 2018 in den USA, einem Land mit einer Bevölkerung von über 330 Millionen Menschen, wo Waschbären nahezu flächendeckend vertreten sind, gerade mal 23 Infektionen diagnostiziert, von denen sechs zum Tod führten. Wie viel gefährlicher sind da durch den Menschen übertragene Krankheiten: Alleine im Jahr 2021 gab es in Deutschland 85.482 Covid-19-Todesfälle. Das Robert-Koch-Institut berichtete 2019 von 400.000 bis 600.000 durch pro Jahr im Krankenhaus durch Krankenhauskeime eingefangenen (nosokomialen) Infektionen, die in 10.000 bis 20.000 Fällen zum Tode führen. Selbst wenn die genannten Wildtiere für das Infektionsgeschehen in Deutschland bedeutend wären – was sie entgegen unseriöser Behauptungen aus dem Projekt Zowiak erwiesenermaßen nicht sind - könnte mittels der Jagd gar nicht gegengelenkt werden, eher ist das Gegenteil der Fall. Forschungen auf der einen (z.B. Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling) und Praxisergebnisse auf der anderen Seite (zum Beispiel aus dem seit 2015 Fuchsjagd freien Luxemburg) belegen, dass die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm in intensiv bejagten Fuchsrevieren steigt, wohingegen sie ohne Jagd sinkt. Man mag über Füchse, Waschbären und andere Beutegreifer denken wie man will. Sie – wie es die Jagdverbände machen – zu Risiken für unsere Gesundheit zu stilisieren, ist angesichts der tatsächlichen Gesundheitsrisiken ziemlich daneben. Auch sprechen Praxis- und Forschungsergebnisse dafür, dass die Jagd in diesem Zusammenhang die Risiken für uns Menschen eher erhöht. Lesen Sie dazu auch: Stadtfüchse (I): Ex-RKI-Chef Wieler schürt Ängste Stadtfüchse (II): Miteinander kontra Panikmache Mehr über Füchse Mehr über Waschbären

  • Wichtige Info für Gesundheitsämter: Maßnahmen gegen Fuchsbandwurm und gegen Lyme-Borreliose

    Zwei aktuelle Studien belegen die Schädlichkeit der Fuchsjagd im Hinblick auf das Ansteckungsrisiko des Menschen sowohl mit der aveolären Echinokkokose (Fuchsbandwurm) als auch mit der Lyme-Borreliose. Zum einen geht es dabei um die Erkenntnis, dass intensive Fuchsjagd die Prävalenz des Fuchsbandwurms (Echinococcus multilocularis) keinesfalls senkt, sondern sogar erhöht. Zum anderen zeigt sich, dass der Fuchs bei der Eindämmung von durch Zecken übertragene Krankheiten wie der Lyme-Borreliose eine wichtige Rolle spielt. Wo viele Füchse gejagt werden, steigt das Risiko des Fuchsbandwurm-Befalls. Bild: Michael Hamann So untersuchte ein Team von Biologen im Rahmen einer vierjährigen Studie in einem Gebiet um die französische Stadt Nancy den Einfluss der Jagd auf die Prävalenz des Fuchsbandwurms. Trotz massiver Intensivierung der Fuchsbejagung unter erheblichem personellem Einsatz konnte dabei im Vergleich zu einem Kontrollgebiet keine Reduktion der Fuchsdichte festgestellt werden. Die Prävalenz des Fuchsbandwurms stieg in dem bejagten Areal dagegen sogar von 40 auf 55 Prozent an. Grund dafür ist, dass Bejagung einen Anstieg von Geburtenrate und Migration nach sich zieht und dadurch den Anteil von Jungfüchsen an der Population erhöht. Diese sind jedoch – wie sich bereits in früheren Studien zeigte – für den Parasiten besonders empfänglich. Wo Füchse bejagt werden, steigt das Infektionsrisiko mit alveolärer Echinokokkose für den Menschen also an! Das französische Forscherteam um Sebastien Comte empfiehlt daher im Journal Preventive Veterinary Medicine, von der Bejagung des Rotfuchses abzusehen. In den Niederlanden verglich der Biologe Hofmeester 20 Waldgebiete mit unterschiedlichen Populationsdichten von Beutegreifern wie Füchsen und Mardern. In Gebieten, in denen viele Füchse lebten, trugen signifikant weniger Zecken Erreger der Lyme-Borreliose in sich. Grund dafür war der Einfluss der Beutegreifer auf das Verhalten von Mäusen, die als Hauptreservoir des Borreliose-Erregers gelten: Wo Beutegreifer zahlreich sind, halten Mäuse sich häufiger im Verborgenen auf und werden so seltener von Zeckenlarven befallen. Der Schutz von Füchsen trägt also dazu bei, Menschen vor der Lyme-Borreliose und anderen von Zecken übertragenen Krankheiten zu schützen! Die Studie wurde 2017 in den renommierten Proceedings of the Royal Society of Biological Sciences, London, veröffentlicht. Im Übrigen gibt es keine Belege dafür, dass die Bejagung von Füchsen eine geeignete Maßnahme wäre, um die Ausbreitung von Zoonosen oder auch Wildkrankheiten generell einzudämmen. Im Gegenteil ist es in Zeiten von Geflügelpest (“Vogelgrippe“), Myxomatose (bei Kaninchen) und Hasenpest (Tularämie) kontraproduktiv, Füchse durch die Jagd dezimieren zu wollen. Füchse fungieren durch die Erbeutung von kranken Tieren und die Beseitigung von Aas als „Gesundheitspolizei“ und tragen wesentlich zur Vermeidung der Ausbreitung von Seuchen bei. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung des Wild- sowie Nutztierbestands und damit letztendlich auch des Menschen. Insofern denken wir durchaus, dass die jagdliche Schonung des Fuchses dem Schutz der Bevölkerung vor Zoonosen dient und insofern auch ein Thema für die deutschen Gesundheitsämter ist: Appelle an die Jägerschaft zur Schonung von Füchsen und Aufforderungen an die Politik zur Schaffung entsprechender gesetzlicher Rahmenbedingungen könnten helfen, die Bevölkerung vor Zoonosen zu schützen. +++ Literaturquellen Hofmeester, T.R. et al. (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proc. R. Soc. B 284 : 20170453. Comte S. et al. (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Preventive Veterinary Medicine, Volume 147, 178-185 Hegglin D., Ward P.I., Deplazes P. (2003): Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases, 9(10) Deplazes P., Hegglin D., Gloor S., Romig T. (2004): Wilderness in the city: the urbanization of Echinococcus multilocularis. Trends in Parasitology 20, 2 Tackmann K., Loschner U., Mix H., Staubach C., Thulke H.H., Conraths F.J. (1998): Spatial distribution patterns of Echinococcus multilocularis (Leuckart 1863) (Cestoda: Cyclophyllidea: Taeniidae) among red foxes in an endemic focus in Brandenburg, Germany. Epidemiol Infect 120, 101-109 Ewald D., Eckert J. (1993): Verbreitung und Häufigkeit von Echinokokkus multilocularis bei Rotfüchsen in der Nord-, Süd-, und Ostschweiz sowie im Fürstenturm Liechtenstein. Zeitschrift für Jagdwissenschaften, 39, 171-180

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