• Lovis Kauertz

Gravierende Gesundheitsrisiken gehen von Menschen aus – nicht von Fuchs und Waschbär

Hören - Es sind fast ausschließlich Jagdverbände, die immer wieder gegen Fuchs, Waschbär, Marderhund und andere Beutegreifer hetzen. Verbündete finden die Lobbyisten leider häufig bei öffentlichen Medien. Die oft unsachliche, tendenziöse Kommunikation aus Teilen der Jägerschaft und ihrer Vertreter ist durchsichtig: Sie wollen der weitgehend uninformierten Öffentlichkeit weismachen, dass es erforderlich sei, diese Tiere u.a. deshalb zu jagen, um gesundheitlichen Schaden vom Menschen abzuwehren. Wie irrsinnig diese Begründung für die Verfolgung von Fuchs und Co. ist, zeigt ein Vergleich der Risiken mit von Mensch zu Mensch übertragenen Viruserkrankungen.


In Deutschland sind durch Tiere übertragene Krankheiten – man spricht von Zoonosen – extrem selten. Die vom Fuchs durch einen Bandwurm übertragene alveoläre Echinokokkose ist eine meldepflichtige Krankheit und führt gemäß Robert-Koch-Institut in Deutschland zu etwa 40 Erkrankungen pro Jahr. Das sind in etwa so viele Menschen, wie hierzulande durch Jagdwaffen zu Tode (!) kommen. Die Echinokokkose ist eine der seltensten Zoonosen in Europa. Dagegen starben 2017/18 allein etwa 25.000 Menschen durch eine Virusgrippe!

Schöner Fuchsrüde am Waldrand
Risikoabwägung: 40 Menschen erkranken jährlich durch den Fuchs, zehntausende sterben durch Grippe und Corona

In Deutschland gibt es seit etwa 90 Jahren Waschbären in der freien Natur, derzeit etwa eine bis anderthalb Million – Tendenz steigend. Wissenschaftler haben festgestellt, dass der überwiegende Teil dieser Tiere zoonotische Parasiten aufweisen (LUX et PRIEMER 1995, GEY 1998, ROSATTE 2000, GEHRT 2003), unter anderem eben auch Spulwürmer. Durch die orale Aufnahme von mit Spulwurmeiern durchsetztem Kot oder entsprechend kontaminierter Erde kann sich auch der Mensch mit dem Waschbärspulwurm (Baylisascaris procyonis) infizieren. Das passiert aber eher selten, wie wissenschaftliche Studien (z.B. Michler & Michler, 2012, zum epidemiologischen Risiko des Waschbären in Mitteleuropa) oder auch auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit berichtet. Zahlen gibt es aus Nordamerika: So wurden 2018 in den USA, einem Land mit einer Bevölkerung von über 330 Millionen Menschen, wo Waschbären nahezu flächendeckend vertreten sind, gerade mal 23 Infektionen diagnostiziert, von denen sechs zum Tod führten.


Wie viel gefährlicher sind da durch den Menschen übertragene Krankheiten: Alleine in den letzten zwölf Monaten (Stand Ende Dezember 2021) gab es in Deutschland 85.482 Covid-19-Todesfälle. Das Robert-Koch-Institut berichtete 2019 von 400.000 bis 600.000 durch pro Jahr im Krankenhaus durch Krankenhauskeime eingefangenen (nosokomialen) Infektionen, die in 10.000 bis 20.000 Fällen zum Tode führen.


Selbst wenn die genannten Wildtiere für das Infektionsgeschehen in Deutschland bedeutend wären – was sie erwiesenermaßen nicht sind - könnte mittels der Jagd gar nicht gegengelenkt werden, eher ist das Gegenteil der Fall. Forschungen auf der einen (z.B. Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling) und Praxisergebnisse auf der anderen Seite (zum Beispiel aus dem seit 2015 Fuchsjagd freien Luxemburg) belegen, dass die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm in intensiv bejagten Fuchsrevieren steigt, wohingegen sie ohne Jagd sinkt.


Man mag über Füchse, Waschbären und andere Beutegreifer denken wie man will. Sie – wie es die Jagdverbände machen – zu Risiken für unsere Gesundheit zu stilisieren, ist angesichts der tatsächlichen Gesundheitsrisiken ziemlich daneben. Auch sprechen Praxis- und Forschungsergebnisse dafür, dass die Jagd in diesem Zusammenhang die Risiken für uns Menschen eher erhöht.


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