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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

611 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Tierethiker Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer zur Jagd auf Fuchs & Co.

    Anlass für dieses Statement sind unsere Mahnwachen gegen die Fuchsjagd, Baujagd und Schliefanlagen am 23. Juni in vielen deutschen Städten. Wo genau Sie uns finden und mitmachen können und weitere Infos gibt es hier.

  • Es stand in der Zeitung | Die Macht der Schlagzeile

    Hören - Glaube kann was bewirken, guter Glaube kann was anrichten. Kleine Jagd am 2. Weihnachtstag. Nur so zum Spaß. Der Jagdherr selbst war auch dabei und der rief nach einem Hund. „Gehe mal mit dem Schweißhund da hinten an den Waldrand, schaue mal nach, ob ich was getroffen habe“. „Waldrand? Das sind vierhundert Meter!? “ Ja, er hatte tatsächlich geschossen. Dreimal sogar. Dreimal auf viel zu weite Entfernung. Natürlich unwirksam. Gut, das war ihm generell nachzusehen, denn unser Jagdherr bezahlt die Jagd, aber er versteht sie nicht immer. Interessant aber war, was ihn veranlasst hatte, so zu handeln: „Es könnte etwas ganz Besonderes gewesen sein: Ein Goldschakal!“, tat er geheimnisvoll. „Die gibt es hier nicht.“ „Doch. Die wandern zu.“ Wir suchten nach und fanden: natürlich keinen Anschuss, auch keinen Schakal, aber einen Grund, den Chef nochmal was zu fragen: Was mochte einen sonst besonnenen Mann gesetzten Alters abrupt in einen Zustand versetzt haben, so blindwütig in Richtung eines Tieres zu schießen, das er gar nicht kannte, in dem er nur etwas vermutete? Was bringt einen Menschen dazu, sich allein beim Anblick eines ihm unbekannten Tieres augenblicklich und unaufgefordert zu seinem Ankläger, Richter und Henker gleichzeitig zu ernennen? Wodurch sieht er sich dazu qualifiziert? Das musste eine Ursache haben. Wir wollten sie wissen. Es stellte sich heraus, dass es eine Jagdzeitschrift war. Besser gesagt: Die Botschaft ihrer Titelzeile hatte eine arglose Seele getroffen. „Das Tier schien mir grauer als ein Fuchs und etwas kleiner als ein Wolf." erklärte der Chef. Das klang von seiner Seite überzeugend, aber doch etwas merkwürdig, denn Winterfüchse sind auch grau. Zudem hatte unser Chef bis zu diesem Tage bestimmt noch nie einen Wolf gesehen, geschweige denn einen Goldschakal. Konnte also beides nicht beurteilen. „Die wandern wie die Wölfe in Massen zu, auch von Osteuropa, vermehren sich auch wie verrückt. Die sind eine Geißel unseres Schalenwildes. Wir müssen sie bekämpfen!“ Wir besorgten uns das von ihm abonnierte Magazin. Und tatsächlich: Da gab es in einer Ausgabe einen Bericht über das Jagdrevier Labod. Das liegt in Ungarn und ist unter Trophäenjägern als Jagdbordell bekannt. Teuer und nobel. Ein Mekka. Auf der Titelseite des Magazins ist ein Goldschakal abgebildet und daneben steht reißerisch: "Goldschakal, Geißel des Schalenwildes". Und im Innenteil wird der kleine Kerl zusammen mit dem Dachs (!) (Foto) als „Räuber“ mit „dramatischen Folgen für Schalenwild“ hingestellt und das betreffende ungarische Jagdbordell mit „Vorzeigerevier“ umschrieben. Wir fragten den Chef, ob er glaube, dass ein kleiner Goldschakal dramatischen Einfluss auf den Schalenwildbestand einer Rotwildregion haben könne und erhielten die wildbiologische Erklärung eines Steuerfachmannes. Na gut, er war ja auch nur ein treuherziges Opfer, gelenkt von der Botschaft einer Titelzeile. Aber war nun die Titelzeile auch gutgläubig oder sollte sie gezielt lenken? Man könnte entschuldigend feststellen, die Presse müsse schließlich ihre Ware verkaufen und dürfe dafür auch zu Mitteln greifen, die den Umsatz so oder so etwas aufrütteln. Egal, Sorge macht aber, was die Botschaft einer Titelseite bewegen oder anrichten kann. Sie kann auf fruchtbarem Boden Irrtum und Wahrheit, Gut und Böse wachsen lassen. Artige Menschen oder solche, deren Wachsamkeit anderweitig gebunden ist, glauben sie und sind schnell bereit, zu spenden oder zu schießen. In eine Richtung, die ihnen durch die Wortwahl einer Presse vorgegeben wird. Dieser Vorgang ist nicht neu, gerade sehr aktuell, aber macht immer wieder nachdenklich. Gewiss hat der endlose Leidensweg der Füchse etwas mit Bauern und Hühnern zu tun, aber vielleicht hat er in Kreisen des bewaffneten Aberglaubens auch mal mit einer Pressemeldung angefangen. +++ Über den Autor Seeben Arjes ist pensionierter Forstbeamter, ehemaliger Schweißhundführer, Naturfotograf und Autor zahlreicher kritischer Bücher über die Jagd und von Bildbänden, die das Ziel haben, Verständnis und Respekt von Natur und Tieren zu fördern. Er kritisiert Kommerzialisierung und Technisierung der Jagd, einhergehend mit mangelndem handwerklichen Können vieler Jagdausübungsberechtigter und den zunehmenden Verlust jagdlicher Ethik. Facebook: https://www.facebook.com/christian.arjes

  • Ein Samstagnachmittag im Januar - ein Schuss zerreißt die Stille

    Hören - Fröhliche Musik des Fanfarenzuges klingt durch unser Hebeldorf Hausen. Es ist mal wieder soweit: Der Narrenbaum soll heute gestellt werden. Ein schöner Brauch. Für ein paar Schritte folgen wir der Musik und dem Gedanken an ausgelassen feiernde Menschen, um dann – unserer alten Hündin zuliebe – in Richtung ihres gewohnten Spaziergangs in die Ruhe der Wiesen und Felder zwischen Hausen und Fahrnau abzubiegen. Nur wenige Menschen begegnen uns, meist pflichtbewusste Joggerinnen oder Gassigänger wie mein Mann und ich. Mit dem Zeller Blauen und der Hohen Möhr im Rücken fühlen wir uns auch an einem grauen Tag wie diesem gut aufgehoben in unserem Wiesental. Es ist kalt. Der Wind bläst uns ins Gesicht. Die weißen Flecken am Wegesrand erinnern an den Schneefall der letzten Tage. An unserem Lieblingsplatz, der Bank an der Wiese, angekommen, verweilen wir und genießen den Blick über die Felder und hoch in Richtung Maienberg. Und da sehen wir ihn: Ein wunderschöner Fuchs läuft eilig übers Feld, weg von den Häusern auf dem Weg in den Schutz des Waldes. Unbeirrt von den Spaziergängern und deren Hunden zieht er seines Weges. Wir genießen diesen Anblick. Ehrfürchtig und dankbar. Mein Mann entdeckt ihn zuerst. Den schwarzen Wagen, der quer über das Feld auf uns zukommt. Er schneidet dem Fuchs den Weg ab. Hält an. Der Fahrer ist bewaffnet! Ich laufe los. Noch wenige Meter. Ich bin zu langsam. Ein Schuss zerreißt die Stille. Der Schuss tötet. Ich erreiche das Auto. Vor mir liegt das wunderschöne Tier. Tot. Hilflose Wut, Trauer, Fassungslosigkeit. Nichts ist mehr wie vorher. Die Fröhlichkeit aus unserem nahen Dorf - meilenweit entfernt. Unsere Hündin scheint ratlos, versucht uns zu trösten. Gemeinsam machen wir uns auf den Heimweg entlang der Wiese. Mit nach Hause nehmen wir an diesem Nachmittag einen tiefen Schreck aber auch die Gewissheit, dass die Ehrfurcht vor dem Leben Abscheu vor dem Töten bedeutet (A. Schweitzer). +++ Strafanzeige "Schuss aus dem Fahrzeug"

  • Freude am Fuchsbau

    Hören - Vier kleine wilde Raufbolde purzelten im Schutz der Dunkelheit aus ihrem Fuchsbau, um ihr gemeinsames Spiel zu beginnen. Sie tobten, verfolgten sich gegenseitig, rannten wild um die Bäume herum, klauten einander Kiefernzapfen und Stöcke. Sie rollten in die Füße, Schwänze und Ohren des jeweils anderen verbissen, als flauschige Jungfuchskugel eine Böschung herab. Die Kugel fiel auseinander und das rasante Spiel ging weiter. Wo junge Füchse toben, wächst kein Gras mehr. Es war ein unvergessener Abend, eines unserer schönsten Erlebnisse in Jahrzehnten Naturbeobachtung. Junge Füchse spielen, kämpfen und raufen täglich stundenlang miteinander. Das Spiel ist sehr wichtig für ihre körperliche Entwicklung und vor allem für die Entwicklung ihres Sozialverhaltens – und es macht ihnen sichtlich Freude. Auch erwachsene Füchse sind sehr verspielt, im Internet kursieren zahlreiche Videos von Füchsen, die auf Trampolinen springen oder mit Bällen werfen. Berühmt geworden sind die Schuhdiebe unter den Füchsen, die mehr als 100 Schuhe zu ihrem Bau geschleppt haben – als Spielzeug für die Jungen. Der Meeresbiologe und Verhaltensforscher Karsten Brensing schreibt: „Spaß ist eine uralte Erfindung der Natur und soll uns dabei helfen, die Dinge, die für unser Überleben wichtig sind, gern und oft zu tun“ – dieser Satz gilt für die Füchse und andere Tiere ebenso. Ausgeprägtes Spielen ist typisch für intelligente Tiere mit hochentwickeltem Sozialverhalten. Voraussetzung für intensives Spiel ist, dass das Bedürfnis nach Sicherheit und Bindung in den ersten Lebenswochen der jungen Füchse ausreichend gestillt wird. Im Schutz ihres Baus bringt die Füchsin (Fähe) ihre Welpen nach 53 Tagen Tragzeit zur Welt. Mit einem Geburtsgewicht von gerade einmal 100 g sind sie blind und taub. Ihr Überleben hängt von der Liebe, Pflege, Wärme und Ernährung durch ihre Mutter ab. Im Alter von zwei Wochen öffnen die Welpen ihre zunächst noch blauen Augen. Bereits eine Woche später wagen sie die ersten tapsigen Schritte aus der Sicherheit ihrer Fuchsstube heraus, um die Umgebung mit ihren vielfältigen Eindrücken neugierig zu erkunden. Alles was sich bewegt, ein Blatt im Wind oder ein Käfer, ist interessant und muss näher untersucht werden. In dieser Zeit werden die Welpen noch mit der nahrhaften Muttermilch ernährt, aber schon bald an feste Nahrung herangeführt. Haben die Fuchseltern Beute oder Spielzeug mitgebracht, versuchen die kleinen Racker etwas davon zu ergattern und sich gegenseitig wieder „abzufuchsen“. Noch im Alter von fünf Wochen sind die Welpen arglos, selbst Menschen begegnen sie zutraulich. Erst im Alter von etwa acht Wochen entwickeln sie eine zunehmende Scheu. Innerhalb des Sozialgefüges lernen sie spielerisch alles Nötige für ihr Leben z. B. Jagdtechniken, Kommunikation, Markieren des Revieres…. In dieser für die Welpen bedeutsamen Spiel- und Lernzeit trägt der Rüde eine besondere Verantwortung im Familienverband. „Wenn der stolze Vater Zeit mit den Welpen verbringt, scheint er selbst wieder zum Kind zu werden“, schreibt Daniel Peller in „Die Weisheit der Füchse“. So ein ausgelassenes selbstvergessenes Spielen ist elementar wichtig, aber gleichzeitig gefährlich für die Fuchsfamilie, denn auch der Fuchsbau bietet nur eine trügerische Sicherheit. Die größte Gefahr im Leben eines Fuchses geht vom Menschen aus. Fuchsjäger wissen um die sensiblen Zeiten von Paarung und Aufzucht und machen dann gezielt und intensiv Jagd auf sie. „Fuchsjagd macht Freude, es ist eine schöne Sache, den Fuchs zu bejagen. Es ist eine spannende Jagd und es ist eine Jagd mit einer guten Beute…“, sagt Karl Walch (Förster, Jäger und passionierter Hundeführer) zur Fuchsjagd am Bau. Beim Blick in Jagdforen und Jagdzeitschriften scheint sich diese Aussage zu bestätigen, Freude und Spaß sind der Motivator für die Fuchsjagd. Zudem sehen zahlreiche Jäger im Fuchs einen Schädling, Krankheitsverursacher und eine Bedrohung für „ihr“ Niederwild. Anhand von zahlreichen wissenschaftlichen Studien lassen sich ihre Behauptungen leicht widerlegen. Die Ursachen für den Rückgang des Niederwildes sind hinlänglich bekannt. „Der Fuchs existiert als Teil unserer heimische Ökosysteme und schafft eine Verbindung mit ihm. Daher hat er einen intrinsischen Wert… Der ökologische Wert verändert sich nicht im Sturm menschlicher Meinungen“, schreibt die britische Ökologin und Fuchskennerin Adele Brand. Quellen: Karsten Brensing: Wie Tiere denken und fühlen Adele Brand: Füchse – unsere wilden Nachbarn Dag Frommhold & Daniel Peller: Die Weisheit der Füchse Sophia Kimmig: Von Füchsen und Menschen David Macdonald: Unter Füchsen – eine Verhaltensstudie Karl Walch: "Fuchsjagd macht Freude" (Video zur Jagd im Kunstbau auf YouTube)

  • Schliefanlagen: Versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit

    Anfang März 2023: Wir sind auf dem Weg zur Schliefanlage nach Hanau Klein-Auheim. Wir haben einen Hinweis bekommen: Füchse sollen dort unter haltlosen Bedingungen eingesperrt sein. Als wir an der Schliefanlage des Foxterrier Clubs in Hanau Klein-Auheim ankommen, steigt uns sofort ein beißender Geruch in die Nase. Es ist nicht der übliche Fuchsgeruch, sondern es riecht extrem nach Fäkalien. Als wir näher an den Fuchs-Käfig herantreten, entdecken wir, dass der gesamte Boden des Käfigs übersät ist vom Kot der Füchse. Zudem entspricht der Zwinger nicht den geringsten Tierschutz-Mindestanforderungen für die Haltung von Füchsen, die dem aktuellen Säugetiergutachten zu entnehmen sind. Wir haben Glück, es ist noch winterlich und wir können sehr gut die gesamte Anlage inklusive Fuchs-Käfig von außerhalb in Augenschein nehmen. Ausgerüstet mit einer guten Kamera machen wir brauchbare Fotos von der Unterbringung der Füchse und der Schliefanlage. Wir sind fassungslos und können es nicht glauben, aber das soll es noch nicht gewesen sein. Außerhalb des Geländes, direkt hinter dem Fuchszwinger, liegt ein toter verwesender Fuchs, welcher bereits von Maden übersät ist. Eine Woche später bei einem weiteren Besuch der Anlage sehen wir das erste Mal einen Fuchs im Zwinger. Insgesamt werden in Hanau zwei Füchse gehalten. Inzwischen konnten wir auch beide Füchse im Bild festhalten. Wildtierschutz Deutschland erstattete beim zuständigen Veterinäramt Anzeige gegen die tierquälerische Haltung der beiden Füchse im Foxterrier Club in Hanau Klein-Auheim. Wir haben eine Mahnwache organisiert, den Landrat angeschrieben und - vergeblich - Akteneinsicht beantragt. In der Zwischenzeit haben uns viele Fuchsfreunde und Tierschützer angeschrieben, sind aktiv geworden und haben uns Fotos von weiteren Schliefanlagen in Hessen zukommen lassen. Wir sind alle entsetzt, dass in der heutigen Zeit, in einer modernen und offenen Welt immer noch solch' eine entsetzlich grausame und unnötige Tierquälerei stattfinden darf. Schliefanlagen sind tierschutzwidrig, verwerflich und bedeuten für die eingesperrten und oft der Natur als Jungfüchse entnommenen Tiere die Hölle auf Erden. In größtenteils trostlosen und karg eingerichteten Zwingern, welche oft nicht den aktuellen Anforderungen des Säugetiergutachtens entsprechen, müssen die Tiere ihr Leben fristen. Eine Schliefanlage besteht aus einem künstlichen Tunnelsystem, das einen Fuchsbau nachbilden soll. Um die Jagdhunde auf die überaus grausame Baujagd vorzubereiten, werden sie immer wieder in die künstlichen Tunnel geschickt und auf den darin eingesperrten Fuchs gehetzt, der dabei unter Todesangst leidet. Die Füchse werden systematisch gequält! Dennoch behauptet der Deutsche Jagdverband weiterhin, dass Schliefanlagen, die Ausbildung am lebenden Fuchs sowie die Baujagd tierschutzgerecht seien. Der Freiheit beraubt, um ihr Leben betrogen und das nur um als lebendiges Jagdobjekt für die Ausbildung von Jagdhunden für die besonders tierquälerische Baujagd ausgebeutet zu werden bis zu ihrem Tod! In einigen europäischen Ländern sind Schliefanlagen aufgrund ihrer Grausamkeit längst verboten. In Deutschland gibt es immer noch über 100 solcher Fuchsgefängnisse, wobei manche eher an einen Hochsicherheitstrakt erinnern. Versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit, abgelegen im Wald oder der Einöde, verborgen hinter meterhohen Mauern. Die Tierquälerei und das Leiden der Füchse soll die Öffentlichkeit nicht mitbekommen. Wir kämpfen weiter für die Schließung aller Schliefanlagen in Deutschland und für ein Ende der Fuchsjagd. Am 23. Juni 2023 finden in einigen Bundesländern Mahnwachen gegen die tierschutzwidrigen Schliefanlagen, Baujagd und Fuchsjagd statt. Aktuell sind Mainz, Hannover und Düsseldorf am Start, weitere Standorte folgen. Aktuelle Termine und Hintergrundinfos hier.

  • Verhaltensauffälliger Fuchs? Ein Leitfaden, nicht nur für die Polizei

    Hören - Immer wieder wenden sich besorgte Bürger an die Polizei, wenn sie sich mit zutraulichen oder vermeintlichen kranken Füchsen konfrontiert sehen. Leider kommt es in der Praxis seitens der Polizeibeamten in solchen Situationen mitunter aus Unwissenheit zu falschen oder übertriebenen Reaktionen, z. B. indem Füchse unnötig oder unsachgemäß getötet werden. Dies kann zu vermeidbarem Leid für den betroffenen Fuchs, einem Imageschaden für die Polizei im Rahmen der Medienberichterstattung und ggf. auch zu einer psychischen Belastung für den Polizeibeamten führen. Dieser Leitfaden erfahrener Fuchsexperten soll dabei helfen, Fuchsverhalten richtig einzuordnen, und Polizeibeamte dabei unterstützen, vor Ort die richtigen Entscheidungen zu treffen: Fuchsverhalten Füchse verhalten sich Menschen gegenüber nicht aggressiv. Gerade in Siedlungsnähe sind sie bisweilen wesentlich weniger scheu als in freier Natur, weil sie an die menschliche Gegenwart gewöhnt sind. Manche Füchse trauen sich bis auf wenige Meter an Menschen heran. Grund dafür ist, dass Füchse als hochentwickelte, intelligente Tiere sehr neugierig sind. Füchse im Siedlungsraum wurden vereinzelt dabei beobachtet, Hunde zum Spiel aufzufordern, Jogger und Radfahrer regelmäßig einige hundert Meter zu begleiten und Spaziergängern ein Stück weit zu folgen. Die Unterschiede zwischen Individuen sind dabei erheblich: Während einige Füchse zutraulich sind, bleiben andere selbst dann sehr scheu, wenn sie in Menschennähe aufgewachsen sind. Zusätzlich variiert das Verhalten von Füchsen im Jahresverlauf stark: In der Paarungszeit (Mitte Dezember bis Februar) sind Füchse häufig auch am Tag zu beobachten und zeigen oft auch geringere Menschenscheu. Während der Jungenaufzucht (März bis Juli) begeben sich Fuchseltern auf Nahrungssuche eher in die Nähe menschlicher Siedlungen als sonst, weil es dort leicht erreichbare Nahrung gibt. Ein zutraulicher Fuchs ist also in aller Regel keineswegs krank, sondern verhält sich einfach so, weil er Menschen nicht als Feinde kennen gelernt hat. Füchse greifen Hunde oder Katzen nicht an. Tatsächlich sind Füchse recht konfliktscheu und lassen sich eher von einer Katze vertreiben, als sich auf einen Kampf einzulassen. Es sind Einzelfälle bekannt, in denen Füchse aus Neugier und Verspieltheit Hunde zum Spiel aufgefordert haben. Unbedarfte Menschen könnten dies fälschlicherweise als aggressives Verhalten deuten. Es gibt viele Gründe dafür, warum Füchse sich in Städten und Siedlungen aufhalten. Insbesondere gibt es dort leicht erreichbare Nahrung wie etwa Katzenfutter, Müll, aber auch Mäuse in der Nähe von Komposthaufen oder gar gezielte Fütterungen. Zudem werden Füchse in Siedlungen nicht gejagt und nehmen Menschen dort daher nicht als Feinde wahr. Füchse und Krankheiten Tollwut: Deutschland ist nach Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut. Es muss also hierzulande niemand Angst haben, von einem „tollwütigen Fuchs“ angegriffen zu werden. Räude: Die Räude ist eine von der sogenannten Sarcoptes-Milbe verursachte Hautkrankheit. Im Frühstadium ist sie aus der Ferne nicht zu diagnostizieren, im Spätstadium fehlt dem Fuchs oft jegliches Fell an Schwanz und Hinterteil und die Haut weist deutliche Verkrustungen auf. Die Räude ist durch Körperkontakt auf Hunde übertragbar, jedoch sowohl bei Hunden als auch bei Füchsen (z.B. mit Medikamenten wie Bravecto oder Simparica, die in Fraßködern verabreicht werden können) behandelbar. Staupe: Die Staupe ist eine für Füchse meist tödliche Krankheit des Nervensystems. Menschen können von Staupe nicht befallen werden, und Hunde sind in aller Regel dagegen geimpft. Die Ausprägungsformen und Symptome der Staupe können vielfältig und unspezifisch sein. Aus der Ferne ist Staupe nur im Finalstadium (Lähmungen, Zuckungen) einigermaßen sicher diagnostizierbar. Fuchsbandwurm: Ob ein Fuchs Träger des Fuchsbandwurms ist, lässt sich äußerlich nicht erkennen, da der Fuchsbandwurm den Fuchs selber kaum beeinträchtigt. Fuchsbandwurm-Erkrankungen des Menschen sind extrem selten: Bundesweit erkranken pro Jahr etwa 30-40 Personen an der sogenannten alveolären Echinokokkose, das sind weniger, als durch Blitzschlag oder Jagdunfälle zu Schaden kommen. Dass man sich überhaupt an kontaminierten Beeren oder Früchten anstecken kann, wird von immer mehr Experten bezweifelt. Eher infizieren Menschen sich durch mangelnde Hygiene im Umgang mit ihren Hunden, die den Bandwurm über den Verzehr erkrankter Mäuse aufgenommen haben. Handlungsempfehlungen In den allermeisten Fällen ist es am besten, einfach gar nichts zu tun, ggf. besorgte Bürger zu beruhigen und ihnen die unbegründete Angst vor Tollwut oder vermeintlich aggressiven Füchsen zu nehmen (siehe dazu die Abschnitte „Fuchsverhalten“ und „Füchse und Krankheiten“). Im Zweifelsfall ist es ratsam, Abstand zu halten, den Fuchs nicht in die Enge zu treiben und – auch im Interesse der Verkehrssicherheit – nicht zur schnellen Flucht zu bewegen, damit er nicht auf eine ggf. stark befahrene Straße läuft. Füchse, die beispielsweise in einen Keller oder ein Gartenhaus geraten sind, sollte man die Möglichkeit geben, von sich aus zu gehen. Wo dies nicht möglich ist bzw. wenn das Tier sich nicht selbst befreien kann, kann die örtliche Feuerwehr oder Tierrettung ggf. helfen. Personen ohne Erfahrung im Umgang mit Füchsen sollten nicht versuchen, einen Fuchs auf eigene Faust einzufangen. Füchse leben in komplexen Sozialstrukturen und pflegen ein Reviersystem. In fremden Revieren werden sie mit diversen Problemen konfrontiert (z.B. unbekanntes Terrain und Nahrungsquellen, kein eigener Bau, Auseinandersetzungen mit territorialen Artgenossen). Füchse, die im Siedlungsgebiet eingefangen wurden, dürfen daher nicht an einen entfernten Ort verbracht und ausgesetzt werden, sondern sollten grundsätzlich immer nahe dem Fundort wieder freigelassen werden. “Stadtfüchse“ gehören in die Stadt und können nicht in die Natur umgesiedelt werden. Ist die Situation unklar oder haben Sie einen begründeten Verdacht auf eine ernste Erkrankung eines Fuchses, nehmen Sie Kontakt zu einer fuchskundigen Wildtierstation auf, um die Situation zu schildern und kompetent beurteilen zu lassen (siehe unten). Dagegen haben viele Jagdausübungsberechtigte nach unserer Erfahrung leider wenig Interesse daran, Füchsen zu helfen, und greifen allzu schnell zur Waffe. Die Kontaktperson muss dabei nicht unbedingt örtlich nahegelegen sein; ein Telefonkontakt oder ggf. auch ein Austausch von Bild- oder Videomaterial mittels MMS oder Diensten wie WhatsApp genügt oft für eine erste Einschätzung und kann heute dank der technischen Möglichkeiten innerhalb von wenigen Minuten geschehen. Die Kontaktperson kann dann über das weitere Vorgehen beraten, tierschutzgerechte Hilfe anbieten oder den Fall ganz übernehmen. Lediglich wenn ein Fuchs offensichtlich so schwer verletzt ist, dass keine Aussicht auf Genesung/Überleben besteht, sollte er von einer entsprechend ausgebildeten und berechtigten Person durch einen gezielten Fangschuss mit einer geeigneten Waffe von unnötig langem Leiden “erlöst“ werden. Downloads: Polizei-Leitfaden zum Umgang mit Füchsen, bundesweit Polizei-Leitfaden zum Umgang mit Füchsen, Ausgabe Niedersachsen Weiterführende Informationen zu Füchsen und zum Umgang mit ihnen finden Sie unter www.fuechse.info und auf www.fuchs-hilfe.de Fuchsflyer zum Verteilen gibt es hier. Information für Gesundheitsämter zu Lyme-Borreliose und Fuchsbandwurm

  • Artenschutz - die Lizenz zum Töten

    Jahr für Jahr werden im Rahmen der Jagd in Deutschland hunderttausende von Füchsen, Dachsen, Mardern, Waschbären und anderen Beutegreifern getötet. Ein Vorwand dafür lautet Artenschutz. Die Jagdverbände diffamieren diese von ihnen als „Raubwild“ bezeichneten Tierarten als Hauptverursacher am Rückgang des Niederwilds und anderer gefährdeter Arten und propagieren ein intensives Prädatorenmanagement, als wolle man die Beutegreifer wie Fuchs und Waschbär ausrotten. Nicht wenige Jagdausübungsberechtigte verstehen die Parolen der Jagdverbände als Auftrag, Füchse, Marder und Katzen so zu bekämpfen, als wären sie Feinde der Erde. Abgeschossen, in Fallen gefangen, den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Brutal und tierquälerisch. Verachtend und abfällig werden Beutegreifer als „Raubzeug“ oder fälschlicherweise als „Raubwild“ von manchen dieser angeblichen Naturschützer betitelt. Katzen werden zudem als „Kurzschnabelfüchse“ und „Pest in der Natur“ bezeichnet. Tatsächlich stehen Feldhasen und Rebhühner auf den Roten Listen der gefährdeten Arten. Auch bei den Sing- und den Feldvögeln ist ein kontinuierlicher Rückgang leider traurige Wahrheit. Doch das liegt nicht an Fuchs, Waschbär oder Katze, sondern an der fortschreitenden Zerstörung von Lebensraum und Lebensgrundlagen, vor allen Dingen durch die Landwirtschaft aber auch durch die Jagd! Füchse sind für das gesamte Ökosystem überaus wichtig. Ein Gesundheitspolizist auf vier Beinen, welcher kranke und schwache Tiere erlöst. Effektiv verhindert dieser damit, dass Wildtierkrankheiten ausbrechen können, wovon wiederum auch das Niederwild profitiert. Trotzdem wird vor allem der Fuchs auf eine teilweise unvorstellbar grausame Art und Weise gehetzt, gejagt, erschossen, erschlagen, in Fallen gefangen, aus seinem Bau herausgezerrt und zum „Abwürgen“ – was oft einem Zerfetzen gleichkommt -, den Jagdhunden vorgeworfen, als wäre er der Leibhaftige in der Natur. Das gleiche Schicksal erwartet im Rahmen der Baujagd auch seine Welpen. https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/2018/02/07/Baujagd https://www.instagram.com/p/B89HAnNo-Z0/ Zweifellos fangen Katzen Vögel und töten diese, jedoch sind sie nicht die Ursache für das Vogelsterben. Von den eigentlichen Hauptgründen wird nicht gesprochen, diese werden eher totgeschwiegen. Kein Wunder, denn verglaste Fensterfronten und Windkrafträder kann man nicht abschießen und auch der legale und illegale Vogelmord im In- und Ausland wird nach Möglichkeit verschwiegen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. https://www.he-wildtierschutz.de/post/katze-vogel-jagd Dachse ernähren sich hauptsächlich von vegetarischer Kost und von Schnecken, Mäusen und Insekten. Ungeachtet dessen werden Dachse in Deutschland bejagt, in den 1970er Jahren wurden diese beinahe durch die Jagd ausgerottet. Der Waschbär ist ein Allesfresser. Vom Menschen Weggeworfenes zählt zu seiner Nahrung, genauso wie offen stehendes Katzen- oder Hundefutter. Er ist kein Nahrungsspezialist und frisst, was ihm gelegen kommt. Das ist auch mal ein Vogelküken oder ein Vogelei. Trotzdem wird dieser als Räuber abgestempelt und - zudem laut EU-Verordnung als invasiv eingestuft - mit aller Macht bekämpft. Selbstverständlich fangen alle Beutegreifer Tiere zum Fressen, es sind nun mal Fleischfresser. Aber deshalb sind sie weder „Bösewichter“ noch die Ursache des Artensterbens. Tatsächlich geht es den Beständen von Feldhasen, Rebhuhn und Feldvögel immer schlechter durch die Intensivierung der Landwirtschaft. Monokulturen wie Mais und Raps, Flächenversiegelung, Pestiziden auf den Feldern tun ihr übriges. Keine Lebensräume, keine Nahrung. Kein Niederwild. Punkt. Rebhühner und Fasane werden gezüchtet oder aus dem In- und Ausland eingekauft und letztlich zu Jagdzwecken ausgesetzt. Diese Tiere haben kaum eine Überlebenschance. Jäger versuchen die Bestände vor allen Dingen durch Fütterung und jagdliche Einwirkung auf Füchse künstlich zu hegen. Fasane stammen ursprünglich aus dem asiatischen Raum und wurden in unseren Breiten als Jagdtrophäe eingeführt. Diese Tiere dienen nur dem Spaß der Jäger, zum Sommerende werden zig Tiere ausgesetzt, nur um diese bei Treibjagden wieder abschießen zu können. Ebenso ergeht es den Rebhühnern. https://www.ebay-kleinanzeigen.de/s-jagdfasane/k0 https://www.schleppwildexpress.de/sortiment-1/stockenten-fasane-rebh%C3%BChner-etc-flugf%C3%A4hig/ Auch Kiebitze werden jedes Jahr auf ihrem Zug ins Winterquatier in Frankreich zu Tausenden gefangen und getötet. Kein Jäger spricht davon, es ist einfacher den schwarzen Peter dem Fuchs zuzuschieben. http://hgon-hr.de/projekte/wiesenbrueterprojekt-schwalmstadt/kiebitze-in-der-schwalm/ Den allermeisten Jagdscheininhabern geht es nicht um Artenschutz, sondern um die pure Lust am Töten. Und der Vorwand „Artenschutz“ ist die „Lizenz zum Töten“. Bei derzeitig 400.000 Jagdscheininhabern im gesamten Bundesgebiet besteht die berechtigte Frage „Wer ist hier der Bösewicht?“. Wirklichen Artenschutz zu betreiben, bedeutet z.B. Lebensräume für bedrohte Tiere zu schützen und zu erhalten, Biotope anzulegen und zu pflegen, Blühstreifen anzulegen, Krötenzäune aufzustellen, Nistkästen für bedrohte Vögel und Fledermäuse aufzuhängen, Abfall vermeiden und einsammeln, um einige zu nennen. Das Töten von Fuchs, Waschbär, Katze und Co rechtfertigt auch nicht das Überleben von bedrohten Arten, denn diese sind nicht die Ursache des Aussterbens einzelner Tierarten. Kein Tier rottet eine andere Tierart aus. Das schafft nur der Mensch. #Fuchs #Dachs #Waschbär #Katze #Beutegreifer #keineJagd

  • Auch die Vogelgrippe begründet keine Fuchsjagd

    Hören - Mit Angst lassen sich Stimmen fangen und Feindbilder aufbauen. Man erlebt dies regelmäßig im Wahlkampf. So sehen wir aktuell z. B. in Bayern wie Ängste vor dem Wolf, gepaart mit Unwissenheit zu politischem Kapital gemacht werden. Auch beim Fuchs funktioniert dieser Mechanismus seit langen Zeiten: War es in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts die inzwischen ausgemerzte Tollwut, so ist es heute die Angst vor dem Fuchsbandwurm, die durch Teile der Jägerschaft geschürt wird. Allmählich spricht sich aber herum, dass die durch den Fuchsbandwurm hervorgerufene (extrem seltene) Erkrankung, die Echinokokkose, viel häufiger von Hunden – überwiegend von Jagdhunden – auf Menschen übertragen wird. Droht das Feindbild des gefährlichen Fuchses zu verpuffen? Mitnichten: Jetzt ist es die Vogelgrippe, die sich den Fuchsjägern als willkommener Anlass anbietet. Jagdzeitschriften bauschen es fleißig auf: Der Vogelgrippe-Erreger H5N1 wurde bei vier Füchsen in Niedersachsen und einem Fuchs in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Es ist freilich nichts Neues, dass Säugetiere sich infizieren können – jedoch weitergeben können sie den Erreger bislang offensichtlich nicht. Jagd bekämpft keine Krankheiten, sondern fördert sie. Durch den Abschuss von Füchsen werden Reviere frei, die von umherwandernden Jungtieren besetzt werden. Die hohe Sterblichkeit durch die Bejagung wird durch mehr Geburten ausgeglichen. Es gibt also durch die Jagd viel mehr Jungtiere, die umherwandern und dadurch Krankheitserreger und Parasiten schneller und weiträumiger verteilen. Ohne Jagd dagegen sind die Reviere ziemlich stabil, es gibt weniger Jungtiere, weniger Bewegungen und damit eine weniger massive und weiträumige Verteilung von Erregern und Parasiten. In Luxemburg hat sich die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm nach der Einstellung der Fuchsjagd nach Aussagen der zuständigen Umweltministerin innerhalb von nur sechs Jahren halbiert. In vielen Regionen werden Füchse massiv an Luderplätzen bejagt und mit Fallen gefangen. Als Luder werden sehr häufig Geflügelteile oder Eier verwendet. Auch in Fallen dienen häufig Hühnereier und Teile von Geflügel als Köder. Sowohl Eier als auch Körperteile von infizierten Vögeln können das Virus enthalten. Die Eier liegen dabei nicht selten vor dem Wippbrett, um den Fuchs in die Röhre zu locken – und können dann erreicht werden, ohne dass sich die Falle schließt. Auf den knapp 80 km² Fläche der Stadt Rhede im Kreis Borken (NRW) haben wir rund 25 Fallen und 10 Luderplätze gefunden – wahrscheinlich sind es in Wirklichkeit deutlich mehr. Somit haben die Jäger allein in meiner Heimatgemeinde mindestens 35 potenzielle Übertragungsorte für Vogelgrippe auf Füchse geschaffen. Hinzu kommen die oben erwähnten Effekte der Jagd auf die Verteilung von Krankheitserregern. Künftig kann eine Übertragung von Vogelgrippe von Fuchs zu Fuchs oder gar vom Fuchs zum Menschen keineswegs mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Die Fuchsjagd macht sie deutlich wahrscheinlicher und gefährdet damit nicht nur Wildtiere, sondern auch uns. +++ Mehr zur Vogelgrippe gibt es hier: Über die Ursachen der Vogelgrippe Mehr über den Autor erfahren Sie auf: steverding-artenschutz.de Petition zur Abschaffung der Hobbyjagd Fragen und Antworten zum Fuchs und zur Fuchsjagd Kommentieren Sie hier auf Facebook

  • Bleimunition – Wie Jagd Vögel vergiftet

    Von Tierschutz Austria (gekürzt) Hören - Mindestens 135 Millionen Vögel sind in der EU von einer Bleivergiftung bedroht [1], mindestens eine Million Wasservögel [2] und tausende Greifvögel sterben jährlich daran [3]. Blei ist ein giftiges Schwermetall, das früher noch bei der der Herstellung von Benzin, Farben und Spielzeug verwendet wurde. Aufgrund der Gefahren für die Gesundheit von Menschen und Umwelt wird Blei in diesen Bereichen heute nicht mehr verwendet. Allerdings findet es noch große Verwendung in Jagd- und Schießsportmunition sowie für Angelgeräte. Die ExpertInnen der ECHA (European Chemicals Agency) gehen davon aus, dass dadurch jährlich rund 44.000 Tonnen Blei allein in der EU in die Natur gelangen [1]. Wie kommt das Blei in den Vogel Rund ein Drittel des jährlich in die Umwelt gelangten Bleis stammt dabei von der Jagd [1]. Besonders für kleinere Tiere werden häufig Schrotgewehre eingesetzt, wovon nur ein kleiner Teil der abgefeuerten Bleischrotkugeln sein Ziel trifft. Der Rest verbleibt in der Umwelt. Dort wird die Munition unter anderem von Wasservögeln gefressen, die die kleinen Kugeln mit Nahrung oder den Steinchen verwechseln, die sie normalerweise zur Zerkleinerung der Nahrung mit aufnehmen. Einmal geschluckt, gelangt das hochgiftige Schwermetall schnell in den Blutkreislauf der Vögel und sammelt sich dort bis zur Bleivergiftung. Krämpfe, Lähmungen, Flugunfähigkeit sowie Schäden des Nervensystems und der Organe sind die Folge und führen meist zum Tod der Tiere [4]. Beim Menschen geht man mittlerweile davon aus, dass es keine unbedenkliche Blei-Konzentration im Blut gibt. Bereits 3.5µg/dL können Verhaltensauffälligkeiten hervorrufen [5]. Für einen kleinen Wasservogel, reicht theoretisch die Aufnahme einer Schussladung Blei, um ihn tödlich zu vergiften. Neben Wasservögeln laufen vor allem Raubvögel, wie der heimische Seeadler, Gefahr an einer Bleivergiftung zu verenden. Raubvögel und andere Aasfresser nehmen Blei überwiegend durch das Fressen kontaminierter Kadaver auf. Eine aktuelle Studie aus 2022 legt nahe, dass die Gesamtpopulation von zehn europäischen Raubvogelarten um mindestens sechs Prozent kleiner ist, als sie ohne Bleivergiftung wäre. Die Population von Seeadlern ist sogar um 14 Prozent verringert. Je langlebiger eine Spezies ist und je später im Leben sie sich fortpflanzt, umso stärker werden diese Arten von Blei bedroht [2]. Noch immer ist es üblich den sogenannten „Aufbruch“ eines erlegten Jagdwilds, also die noch vor Ort entnommenen inneren Organe, in denen häufig noch Reste der Munitionen stecken, im Jagdrevier zu belassen. Auch angeschossene und erst später verendete Jagdtiere tragen zum steigenden Bleigehalt in der Nahrung von Fleischfressern bei. Im Laufe ihrer Lebenszeit kann sich so eine große Menge Blei in ihren Köpern ansammeln, durch Nerven- und Organschädigungen ihr Jagdverhalten beeinflussen und schließlich direkt oder indirekt zu ihrem Tod führen [4]. Durch Blei verstorbene Tiere werden ebenfalls wieder von Aasfressern verzehrt, wodurch das Blei nicht nur in der Nahrungskette erhalten bleibt, sondern sich durch die stetige Zufuhr weiter akkumuliert [1, 4]. Blei im Wildbret – Auch der Mensch ist gefährdet Doch bleihaltige Jagdmunition ist nicht nur eine leise Gefahr für unsere tierischen Mitlebewesen. Der Mensch nimmt Blei hauptsächlich über die Atemwege und die Verdauung auf. Beides wird durch Bleimunition ermöglicht. Zum einen sind JägerInnen und SportschützInnen beim Schießen Bleidämpfen und Bleistaub ausgesetzt [1], zum anderen kann das geschossene Wild und damit das zum Verzehr gedachte Wildbret selbst Bleirückstände enthalten. Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass mit Bleimunition gejagtes Wild, immer noch kleine Bleifragmente enthält, selbst wenn das Fleisch um die Einschussstelle herum sorgfältig entfernt wurde [6]. Da eine Bleivergiftung unter anderem die körperliche und geistige Entwicklung von Lebewesen gefährdet, wird Schwangeren und Kleinkindern zum Beispiel von Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vom Verzehr von Wildfleisch, das mit Bleimunition gejagt wurde, abgeraten [8]. Was wird (nicht) getan: Die Gefahr von Blei wird zunehmend erforscht und die empfohlenen Maximalwerte laufend herabgesetzt. Diese besorgniserregende Entwicklung veranlasste auch die EU dazu, zu handeln. Bis 2023 muss demnach EU-weit ein Bleiverbot in Feuchtgebieten beziehungsweise in Schutzgebieten von allen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden [1]. Dass es auch ohne Bleimunition geht, beweisen die Niederlande und Dänemark. In beiden Ländern ist der Einsatz von Bleischrot seit den 1990ern verboten [3]. Ab 2024 müssen in Dänemark nun auch die übrigen Munitionstypen bleifrei sein. +++ [1] European Chemicals Agency (ECHA). Lead in shot, bullets and fishing weights. (aufgerufen: 10.2022) [2] Mateo, Rafael & Toledo, Ronda. (2009). Lead Poisoning in Wild Birds in Europe and the Regulations Adopted by Different Countries. Ingestion of Lead from Spent Ammunition: Implications for Wildlife and Humans. 10.4080/ilsa.2009.0107. [3] Green RE, Pain DJ, Krone O. The impact of lead poisoning from ammunition sources on raptor populations in Europe. Sci Total Environ. 2022 Jun 1;823:154017. doi: 10.1016/j.scitotenv.2022.154017. Epub 2022 Mar 16. PMID: 35305837. [4] Der Standard. Simoner M. Blei aus Jagdmunition vergiftet immer mehr Vögel. 10.03.2022. (aufgerufen: 10.2022) [5] US CDC Advisory Committee on Childhood Lead Poisoning Prevention. CDC updates blood lead reference value to 3.5µg/dL. Atlanta: US Centres for Disease Control and Prevention; 2021 (aufgerufen: 10.2022) [6] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Forschungsprojekt „Lebensmittelsicherheit von jagdlich gewonnenem Wildbret“. 12.2014. (aufgerufen: 10.2022) [7] ORF.at. EU verbietet Bleimunition in Feuchtgebieten. 25.11.2022.(aufgerufen: 10.2022) [8] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Fragen und Antworten zum Verzehr von Wild, das mit bleihaltiger Munition geschossen wurde 9.2011. (aufgerufen 10.2022).

  • Füchse Baden-Württemberg: Jäger lügen

    Hören - Seit Jahren bemüht sich der Landesjagdverband Baden-Württemberg um eine weitere Verkürzung der Schonzeit für Füchse. Das Scheinargument: Gerade die Jagd während der Paarungszeit der Rotfüchse sei eine wirksame Schutzmaßnahme für bedrohte Tierarten wie Rebhuhn, Auerhahn, Feldhase u.a. Wir haben uns die Pressemitteilung [1] des Lobbyverbands vorgenommen und decken folgendes Blendwerk auf: 1. Behauptung des Landesjagdverbandes: „Durch die Vorverlegung der Schonzeit für Füchse von Ende auf Mitte Februar im Jahr 2020 hat das Land den Jägern eine der effektivsten Schutzmaßnahmen bedrohter Arten genommen.“ Fakt ist, dass die Jägerschaft in den Jahren vor der um zwei Wochen im Februar verkürzten Jagdzeit in Sachen Artenschutz nichts auf die Reihe gebracht hat. Zwischen 2015 und 2020 weist die Jagdstatistik nicht ein einziges Rebhuhn aus, nicht einmal sogenanntes Fallwild, also Tiere die eines natürlichen Todes oder im Zuge eines Unfalls verstorben sind. In Baden-Württemberg gibt es also kaum noch ein Jagdrevier, in dem Rebhühner überhaupt vorkommen. Das bestätigt auch der Wildtierbericht 2021 des Landes. Demnach gab es schon 2019 Rebhuhnvorkommen nur noch in etwa 4,5 Prozent der Jagdreviere. In der Zeit vor 2015 gab es in Baden-Württemberg überhaupt keine Schonzeit für Füchse. Nicht einmal ohne Schonzeit ist es der Jägerschaft gelungen, den Bestand z.B. der Rebhühner im Land auf ein stabiles Niveau zu hieven. Zwischen 2004 und 2015 schwankte die Anzahl der erlegten oder tot aufgefundenen Rebhühner im 35.751 Quadratkilometer großen Baden-Württemberg zwischen 27 (2011) und 117 (2005). Im gleichen Zeitraum wurden „als Schutzmaßnahme für Rebhuhn & Co.“ über 760.000 Füchse erschossen. Die Zahl der in der Jagdstatistik ausgewiesenen Feldhasen ist in der gleichen Zeit übrigens von 13.473 auf 8.085, also um 40 Prozent zurückgegangen. Leichte Schwankungen innerhalb des Zeitraums sind allein auf Wettereinflüsse im Frühjahr zurückzuführen. 2. Behauptung des Landesjagdverbandes: „Wenn Füchse vor allem im Februar reguliert werden, werden die bejagten Fuchsreviere zur bevorstehenden Brutzeit der zu schützenden Arten nicht neu besetzt.“ Fakt ist, dass gerade während der Paarungs- und kurz vor der Welpenzeit der soziale Druck in den Fuchsgruppen ansteigt, so dass es genau in dieser Phase oft noch zu regelrechten Abwanderungswellen von Jungfüchsen (aus dem Vorjahr) kommt [2]. 3. Behauptung des Landesjagdverbandes: „Hohe Aufwendungen zur Erhaltung des Lebensraums von Bodenbrütern und Niederwild in Kombination mit einem Anstieg der Prädatorenpopulation wie dem Fuchs, sind ein Widerspruch.“ Fakt ist, dass es zumindest in den letzten 25 Jahren keinen Anstieg der Zahl der Füchse in Baden-Württemberg gab: Es ist vielmehr ein Rückgang der Fuchsbestände festzustellen. Während zu Beginn der 2000er Jahre noch jedes Jahr um die 80.000 Füchse niedergestreckt wurden, weisen die Jagdstrecken in Baden-Württemberg in den letzten 10 Jahren noch etwa 50.000 Füchse aus. Eine aktuelle Erhebung von Reichholf (2022) zu jagdunabhängig bei Verkehrsunfällen umgekommenen Füchsen belegt diese Tendenz [3]. Auf die Einführung einer Schonzeit für Füchse in Baden-Württemberg (2015) dürfte allenfalls ein kleiner Teil des Rückgangs der Jagdstrecke zurückzuführen sein. Von einem Anstieg der Prädatorenpopulation wie dem Fuchs kann also überhaupt keine Rede sein. Beutegreifer wie Fuchs, Marder, Habicht oder Uhu sind nicht verantwortlich für den Rückgang von Bodenbrütern und Niederwild, sondern die Ursachen sind Lebensraumverlust, Überdüngung, Pestizideinsatz, Insektensterben, Rückgang der Pflanzenartenvielfalt, Straßenverkehr etc. Die Bejagung von Prädatoren hat allenfalls einen geringen Einfluss auf die Reproduktion von Bodenbrütern [4]. Selbst im Leuchtturm-Projekt der Jägerschaft im Bremer Blockland in den Feuchtwiesengebieten Norddeutschlands änderte sich die Reproduktionsrate der Wiesenvögel nach Einführung der intensiven Prädatorenbejagung nicht [5]. Der finanzielle und zeitliche Aufwand zur Bekämpfung von Beutegreifern sollte daher eingespart und die Mittel in die Verbesserung der Lebensräume investiert werden. 4. Behauptung des Landesjagdverbandes: „Die Bejagung von Beutegreifern in unserer heutigen Kulturlandschaft ist für deren Arterhaltung (na, die meinen wohl ihr Niederwild) essenziell.“ Fakt ist, dass auch durch Wiederholung solcher Unfug nicht richtig wird. Grund für die problematische Situation bedrohter Arten ist nicht der Fuchs, sondern die Zerstörung von Lebensräumen und Nahrungsgrundlagen der betreffenden Arten. Die Jagd auf Füchse und andere Beutegreifer bleibt – wie oben aufgezeigt – in aller Regel ohne Effekt, weil steigende Geburtenraten sowie Einwanderung aus Nachbarrevieren die Verluste wieder ausgleichen. Der Einfluss der Jagd auf die Reproduktion von Bodenbrütern ist jedenfalls gering [6]. Managementmaßnahmen für Rebhuhn und Kiebitz funktionieren auch ohne jagdliche Eingriffe. Erforderlich für den mittelfristigen Erhalt gefährdeter Arten wäre ohnehin die Stilllegung und Renaturierung von etwa 7 bis 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche. Anderenfalls werden wohl die meisten von uns das Aussterben weiterer heimischer Arten erleben. 5. Behauptung des Landesjagdverbandes: „Ohne Bejagung würde sich der Fuchsbestand im Fall einer Selbstregulation durch Seuchen und Krankheiten, die bei zu dichten Populationen üblich sind, reduzieren.“ Fakt ist, dass es gerade in intensiv bejagten Revieren in Baden-Württemberg unter Füchsen immer wieder zu Krankheiten wie Räude oder Staupe kommt. Grund dafür ist, dass freiwerdende Fuchsreviere eine regelrechte Sogwirkung auf revierlose Füchse besitzen. Es begeben sich mehr Tiere auf längere Wanderungen – und diese Migrationsbewegungen sind maßgeblich für die Ausbreitung von Krankheiten verantwortlich [7]. Das allein zeigt, wie abstrus und vermessen die Behauptung des Jagdverbandes ist, durch die Jagd auf Füchse Krankheiten eindämmen zu wollen. Andererseits zeigen viele deutsche Nationalparks, die ohne die Bejagung von Füchsen und anderen Beutegreifern auskommen, dass weder die Bestände zunehmen, noch, dass sie von Krankheiten dahingerafft werden. Das Gleiche gilt für den Kanton Genf seit 1974 und für Luxemburg seit 2015. +++ Weitere Fragen und Antworten zur Jagd finden Sie hier. Literaturquellen: [1] Pressemitteilung des Landesjagdverbands (15.02.2023) [2] Macdonald D. (1993): Unter Füchsen - Eine Verhaltensstudie. Knesebeck, München [3] Reichholf, J.H. „Entwicklung der Bestände des Rotfuchses seit der Tollwut-Impfung“ (2022 in Mitt. Zool. Ges. Braunau, Bd. 13, Nr. 4, S. 393-398) [4] Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. [5] Henke & Schoppenhorst (2022): Praxiserfahrungen eines nunmehr 10-jährigen Prädationsmanagements zum Wiesenvogelschutz im Bremer Blockland. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ im LIFE-Projekt Wiesenvögel NRW, 15.11.2022, Rees-Bienen (Kreis Kleve) [6] Teunissen, W. et al. (2020), dto. [7] Hegglin D., Ward P.I., Deplazes P. (2003): Anthelmintic Baiting of Foxes against Urban Contamination with Echinococcus multilocularis, Emerging Infection Diseases | Comte S. et al (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm, Preventive Veterinary Medicine, Volume 147, 178-185

  • Fuchsbegegnungen sind wahre Glücksmomente

    Hören - Wir sind zeitlebens für das verantwortlich, was wir uns vertraut gemacht haben, sprach der weise Fuchs zum kleinen Prinzen in der Geschichte „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery. Wie Recht er hat. Seit etwa zwei Jahren bin ich in eine Welt eingetaucht, die mir viel zu lange verborgen geblieben ist: In die Welt der Füchse. Kein Wunder, denn hier auf dem Land lassen sich kaum Füchse beobachten. Tagsüber trauen sie keinem Menschen über den Weg und dies – wie ich heute weiß – aus gutem Grund. Dabei sind Fuchsbegegnungen Momente puren Glücks. Im Herzen konserviert lässt sich dieses Gefühl jederzeit wieder neu erleben. Meine erste intensive Begegnung mit diesem faszinierenden Wildtier hatte ich im Ruhrpott, mitten in der Stadt Bottrop. Hier habe ich gleich eine ganze Fuchsfamilie beobachten können, die Füchsin, der Rüde und ein Welpe. Wenn unerwartet ein Herzenswunsch in Erfüllung geht, ist das Glücksgefühl unbeschreiblich. Still hielt ich mich versteckt und lugte vorsichtig über eine Mauer hinweg in einen Garten. Dort sah ich sie, die Füchsin, beim ausgiebigen Bad in der Sonne. Wie gebannt rührte ich mich nicht von der Stelle und wagte kaum zu atmen, angespannt bis in die Haarspitzen, während mein Herz vor Freude hüpfte. Die Füchsin schien meine Anwesenheit noch nicht bemerkt zu haben. Scheinbar genüsslich streckte und reckte sie sich, während sie dabei einige Male herzhaft gähnte. Auch sie schien die frühe morgendliche Wärme zu genießen. Bedauerlicherweise hatte sich der Rüde gleich zu Beginn aus dem Staub gemacht, von ihm konnte ich nur noch einen kurzen Blick erhaschen. Möglicherweise hatte er eine leichte Bewegung gesehen oder meinen Duft gewittert. Der Welpe war ganz in der Nähe seiner Mutter. Er ging auf Entdeckungstour und spielte zwischen den Bepflanzungen. Ich erinnere mich, wie ich versuchte, jeden noch so kleinen Moment dieser Szenerie aufzunehmen und festzuhalten. Keine dieser Beobachtungen sollte jemals verloren gehen. Noch heute spüre ich eine tiefe Dankbarkeit für den Einblick ins füchsische Familienleben. Füchsen einmal entspannt zu begegnen ist eine große Freude, leider extrem selten, nahezu unmöglich in unserer ländlichen Umgebung. Wir haben uns zu seinem größten Feind gemacht. Seit Jahrhunderten verfolgen wir Füchse gnadenlos und das Feindbild Mensch hat sich in jede ihrer Zellen eingebrannt. Die kleinsten Geräusche und winzige menschliche Duftspuren, die sie mit ihren feinen Sinnen aufnehmen, reichen aus, um die Flucht zu ergreifen. Entspanntes Dösen oder gar ausgelassenes Spielen, jede noch so kleine Unaufmerksamkeit kann den Tod bringen. Schon oft habe ich mich gefragt, wie sich Füchse wohl verhalten würden, wenn sie die Erfahrung gemacht hätten, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht. Unser Zusammenleben wäre gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Eine schöne Vorstellung – leider fernab von der Wirklichkeit. Häufig bedeutet ein Fuchsleben Angst, Leiden und Schmerz, verbunden mit einem viel zu frühen Tod. Die meisten Füchse sterben bereits in ihrem ersten Lebensjahr, und das bei einer Lebenserwartung von eigentlich etwa 13 Jahren. Unter dem Jagddruck führen Füchse von klein auf ein stark eingeschränktes und unterdrücktes Leben. Die Tradition der Fuchsjagd hat daher massive Auswirkungen auf das Verhalten und das Sozialgefüge von Generationen von Füchsen. Glücklicherweise hinterfragen wir heute stärker denn je unseren Umgang mit Tieren. Längst ist bekannt, dass auch Füchse ein subjektives Schmerzempfinden haben, dass sie über eine eigene Weltsicht verfügen, dass sie Emotionen wie Angst, Mitgefühl und Trauer empfinden und dass sie eine Vorstellung von sich selbst haben. Sie sind in der Lage, komplizierte Probleme zu lösen und lernen wie wir durch Denken und Fühlen. Füchse haben komplexe Sozialstrukturen und geben die Verhaltensweisen an ihre Jungen weiter. Sie sind uns ähnlicher als wir bisher angenommen haben. Diese Erkenntnis zwingt uns zum Umdenken. Sie fordert uns auf, die starre Grenze, die wir bisher zwischen uns und den Tieren gezogen haben, aufzuheben. „Auch Tiere sollen das Recht und die Möglichkeit erhalten, sich in der für dieses Lebewesen charakteristischen Lebensform zu entfalten“, so die Philosophin Martha Nussbaum. „Sie haben einen auf Gerechtigkeit beruhenden Anspruch auf ein Leben, in dem sie sich vollständig entwickeln können“. Dem Tier ein Recht auf das ihm eigene Leben zuzugestehen, beinhaltet die Verpflichtung, zu sehen, was bisher unsichtbar blieb und zu hören, was bisher ungehört war, zu kümmern, was bisher unbekümmert und gleichgültig war. Es ist an der Zeit, dem Unrecht an Füchsen und anderen Wildtieren ein Ende zu setzen und sich unserer aller Verantwortung zu stellen. Gehen wir gemeinsam diesen Weg! Mehr zu Füchsen gibt es hier

  • Wald vor Wild – eine Kritik zum Umgang mit den Rehen

    Hören - Universitäts-Professor Dr. Hans-Dieter Pfannenstiel ist Diplom-Biologe, Jäger und Kritiker der Wald-vor-Wild-Ideologie. In einem offenen Brief (2021) an den Ministerpräsidenten von Brandburg, bringt er wesentliche Kritikpunkte der bereits 2014 dort eingeführten Wald-vor-Wild-Strategie auf den Punkt. Was er hier schreibt, gilt so oder ähnlich ebenso für Sachsen, Bayern, Hessen und andere Bundesländer. Hier einige Ausschnitte: Waldbauliche Interessenverbände und unter deren Einfluss zunehmend auch Gesetzgeber und zuständige Teile der Ministerialbürokratie des Bundes und vieler Bundesländer … reden zwar vom Wald als Ökosystem …, verstehen darunter aber lediglich einen Teil der Waldflora und verfolgen nahezu ausschließlich profitorientierten Waldbau. Insbesondere Wälder der öffentlichen Hand, also Wälder, die allen Menschen unseres Landes gehören, stehen unter großem Druck und sollen nach Ansicht der Finanzminister schwarze Zahlen schreiben und den Steuerzahler kein Geld kosten. Die Dauerreform des Landesforstbetriebs mit dem Ziel der Kostenersparnis hat letztlich zu ineffizienten Strukturen geführt. Daran wird auch eine weitere Reform … nichts ändern, solange Kostenersparnis um jeden Preis die Maxime bleibt. Die Trockenheit der letzten Jahre … haben waldbauliche „Sünden“ der Vergangenheit und Gegenwart klarer als früher zu Tage treten lassen. Die betroffenen Flächen stellen allerdings lediglich einen sehr kleinen Anteil unserer Waldfläche dar. Ob der derzeit geradezu zwanghaft propagierte Waldumbau zu „klimastabilen Mischwäldern“ Erfolg haben wird, ist fraglich, da niemand das Klima in 50 Jahren kennt und entsprechend niemand weiß, welche Baumarten dann angepasst sein werden. Und eines muss absolut klar sein. Trockenheit und Borkenkäfer verschwinden nicht, selbst wenn das letzte Reh totgeschossen würde. Auf einigen Brandflächen unseres Landes beginnt die natürliche Sukzession ohne Zutun des Menschen [Anm. Red.: die natürliche Rückkehr der für einen Standort typischen Pflanzen-, Tier- und Pilzgesellschaften (Biozönose), die sich nach einer Störung aufgrund der vorherrschenden Umweltfaktoren (z.B. Klima, Bodenart) dort wieder einstellt]. Es entsteht Wald; Kiefer und Birke machen den Anfang. Die seit 1995 zu beobachtende Sukzession auf dem ehemaligen Schießpatz Jüterbog zeigt nachdrücklich, dass Wald auch ohne den Menschen und mit Wild entsteht. Ist das nicht der klimastabile Mischwald, den wir uns wünschen, oder ist er der Wald-vor-Wild-Lobby nicht wertvoll genug? Es gibt zudem viele Privatwaldreviere, die das Prinzip Wald mit Wild erfolgreich praktizieren. Mir … ist völlig unverständlich, weshalb im gesamten Land Rehwild derart rabiat und unbarmherzig bejagt werden soll. Der Anteil des Landeswaldes und einiger privater Waldbesitzer, die sich gleichen Argumenten anschließen, an der Landesfläche beträgt keine 10 Prozent. Der Organismus von Reh und Hirsch ist von Mitte Dezember bis März auf Winterruhe mit geringem Äsungsbedarf und wenig Bewegung programmiert. Erzwungene Aktivität durch Bejagung im Januar führt ebenso unweigerlich zu hausgemachten Wildschäden wie Bejagung im April, wenn das Wild auf Offenflächen frisches Grün sucht. Vertreibt man es nämlich von dort, wird es andern Orts zu Schaden gehen. Nur zwei Monate Schonzeit widersprechen dem im Grundgesetz verankerten Tierschutz! Nach unserem Tierschutzgesetz dürfen keinem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Wird Wild über einen Zeitraum von 10 Monaten bejagt, bedeutet das Leiden für die Tiere. Wildbiologen reden heute von einer „Landschaft der Angst“, in der das bejagte Wild leben muss. Die nochmalige Verlängerung von Jagdzeiten ist wildbiologisch völlig unsinnig, da höhere Wildschäden provoziert werden, und zudem ist sie tierschutzwidrig. Es kommt darauf an, eine gesunde Balance zwischen Tierschutz und Waldumbau zu finden. Davon sind wir noch weit entfernt. Der Sinn eines Abschussplans besteht darin, nach Ende der Jagd am 31. Dezember einen Wildbestand zu haben, der an die Landeskultur angepasst und gesund ist, also nach Geschlecht und Altersklassen möglichst naturnah gegliedert ist und entsprechend seiner natürlichen Sozialstruktur leben kann. Wie will man dieses gesetzliche definierte Ziel erreichen, wenn vollkommen beliebig in den Wildbestand eingegriffen wird? In der Durchführungsverordnung zum Landesjagdgesetz wird die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) ... als eine von sechs Baumarten genannt, die auf einem Hektar ohne Beeinträchtigung durch das Wild hochkommen können muss; falls nicht, ist alles weibliche Wild im sog. Mindestabschuss frei. … Das ist etwa so, als stelle man ein wohlschmeckendes Mittagsmahl auf den Tisch einer Schar Hungernder und erwarte, dass es nicht angerührt wird. Das ist allerdings in diesem Fall kein Realitätsverlust der Jagdbehörde. Das ist Absicht, um Wild erbarmungslos bejagen zu können, weil es angeblich den Wald auffrisst. Einige Daten der Bundeswaldinventur lassen dann doch gewisse Zweifel an den Erzählungen der Wald-vor-Wild-Lobby aufkommen. Durch Anlage von unbejagten Äsungsflächen für Schalenwild im Wald ließe sich die Wildschadensproblematik deutlich entschärfen. +++ Das vollständige Schreiben zum Thema Wald-vor-Wild lesen Sie hier. Weitere Informationen zur Jagdgesetzgebung in Deutschland.

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