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  • Eva-Maria Schuster-Kraut

Ein Samstagnachmittag im Januar - ein Schuss zerreißt die Stille

Hören - Fröhliche Musik des Fanfarenzuges klingt durch unser Hebeldorf Hausen. Es ist mal wieder soweit: Der Narrenbaum soll heute gestellt werden.

Ein schöner Brauch. Für ein paar Schritte folgen wir der Musik und dem Gedanken an ausgelassen feiernde Menschen, um dann – unserer alten Hündin zuliebe – in Richtung ihres gewohnten Spaziergangs in die Ruhe der Wiesen und Felder zwischen Hausen und Fahrnau abzubiegen.

Fuchs im Winter
Bild: berndtfischer.de

Nur wenige Menschen begegnen uns, meist pflichtbewusste Joggerinnen oder Gassigänger wie mein Mann und ich.

Mit dem Zeller Blauen und der Hohen Möhr im Rücken fühlen wir uns auch an einem grauen Tag wie diesem gut aufgehoben in unserem Wiesental.

Es ist kalt. Der Wind bläst uns ins Gesicht. Die weißen Flecken am Wegesrand erinnern an den Schneefall der letzten Tage.


An unserem Lieblingsplatz, der Bank an der Wiese, angekommen, verweilen wir und genießen den Blick über die Felder und hoch in Richtung Maienberg.

Und da sehen wir ihn: Ein wunderschöner Fuchs läuft eilig übers Feld, weg von den Häusern auf dem Weg in den Schutz des Waldes.

Unbeirrt von den Spaziergängern und deren Hunden zieht er seines Weges. Wir genießen diesen Anblick. Ehrfürchtig und dankbar.


Mein Mann entdeckt ihn zuerst. Den schwarzen Wagen, der quer über das Feld auf uns zukommt.

Er schneidet dem Fuchs den Weg ab. Hält an.

Der Fahrer ist bewaffnet!

Ich laufe los. Noch wenige Meter. Ich bin zu langsam. Ein Schuss zerreißt die Stille. Der Schuss tötet.

Ich erreiche das Auto.

Vor mir liegt das wunderschöne Tier. Tot.


Hilflose Wut, Trauer, Fassungslosigkeit.

Nichts ist mehr wie vorher.

Die Fröhlichkeit aus unserem nahen Dorf - meilenweit entfernt.


Unsere Hündin scheint ratlos, versucht uns zu trösten.

Gemeinsam machen wir uns auf den Heimweg entlang der Wiese.

Mit nach Hause nehmen wir an diesem Nachmittag einen tiefen Schreck aber auch die Gewissheit, dass die Ehrfurcht vor dem Leben Abscheu vor dem Töten bedeutet (A. Schweitzer).

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