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  • Gabi Joormann

Fuchsbegegnungen sind wahre Glücksmomente

Hören - Wir sind zeitlebens für das verantwortlich, was wir uns vertraut gemacht haben, sprach der weise Fuchs zum kleinen Prinzen in der Geschichte „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupery. Wie Recht er hat. Seit etwa zwei Jahren bin ich in eine Welt eingetaucht, die mir viel zu lange verborgen geblieben ist: In die Welt der Füchse. Kein Wunder, denn hier auf dem Land lassen sich kaum Füchse beobachten. Tagsüber trauen sie keinem Menschen über den Weg und dies – wie ich heute weiß – aus gutem Grund.

Junger Fuchsrüde im Garten
Es ist an der Zeit, dem Unrecht an Füchsen und anderen Wildtieren ein Ende zu setzen und sich unserer aller Verantwortung zu stellen.

Dabei sind Fuchsbegegnungen Momente puren Glücks. Im Herzen konserviert lässt sich dieses Gefühl jederzeit wieder neu erleben. Meine erste intensive Begegnung mit diesem faszinierenden Wildtier hatte ich im Ruhrpott, mitten in der Stadt Bottrop. Hier habe ich gleich eine ganze Fuchsfamilie beobachten können, die Füchsin, der Rüde und ein Welpe. Wenn unerwartet ein Herzenswunsch in Erfüllung geht, ist das Glücksgefühl unbeschreiblich. Still hielt ich mich versteckt und lugte vorsichtig über eine Mauer hinweg in einen Garten. Dort sah ich sie, die Füchsin, beim ausgiebigen Bad in der Sonne. Wie gebannt rührte ich mich nicht von der Stelle und wagte kaum zu atmen, angespannt bis in die Haarspitzen, während mein Herz vor Freude hüpfte. Die Füchsin schien meine Anwesenheit noch nicht bemerkt zu haben. Scheinbar genüsslich streckte und reckte sie sich, während sie dabei einige Male herzhaft gähnte. Auch sie schien die frühe morgendliche Wärme zu genießen.


Bedauerlicherweise hatte sich der Rüde gleich zu Beginn aus dem Staub gemacht, von ihm konnte ich nur noch einen kurzen Blick erhaschen. Möglicherweise hatte er eine leichte Bewegung gesehen oder meinen Duft gewittert. Der Welpe war ganz in der Nähe seiner Mutter. Er ging auf Entdeckungstour und spielte zwischen den Bepflanzungen. Ich erinnere mich, wie ich versuchte, jeden noch so kleinen Moment dieser Szenerie aufzunehmen und festzuhalten. Keine dieser Beobachtungen sollte jemals verloren gehen. Noch heute spüre ich eine tiefe Dankbarkeit für den Einblick ins füchsische Familienleben.


Füchsen einmal entspannt zu begegnen ist eine große Freude, leider extrem selten, nahezu unmöglich in unserer ländlichen Umgebung. Wir haben uns zu seinem größten Feind gemacht. Seit Jahrhunderten verfolgen wir Füchse gnadenlos und das Feindbild Mensch hat sich in jede ihrer Zellen eingebrannt. Die kleinsten Geräusche und winzige menschliche Duftspuren, die sie mit ihren feinen Sinnen aufnehmen, reichen aus, um die Flucht zu ergreifen. Entspanntes Dösen oder gar ausgelassenes Spielen, jede noch so kleine Unaufmerksamkeit kann den Tod bringen. Schon oft habe ich mich gefragt, wie sich Füchse wohl verhalten würden, wenn sie die Erfahrung gemacht hätten, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht. Unser Zusammenleben wäre gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt und Vertrauen. Eine schöne Vorstellung – leider fernab von der Wirklichkeit.


Häufig bedeutet ein Fuchsleben Angst, Leiden und Schmerz, verbunden mit einem viel zu frühen Tod. Die meisten Füchse sterben bereits in ihrem ersten Lebensjahr, und das bei einer Lebenserwartung von eigentlich etwa 13 Jahren. Unter dem Jagddruck führen Füchse von klein auf ein stark eingeschränktes und unterdrücktes Leben. Die Tradition der Fuchsjagd hat daher massive Auswirkungen auf das Verhalten und das Sozialgefüge von Generationen von Füchsen.


Glücklicherweise hinterfragen wir heute stärker denn je unseren Umgang mit Tieren. Längst ist bekannt, dass auch Füchse ein subjektives Schmerzempfinden haben, dass sie über eine eigene Weltsicht verfügen, dass sie Emotionen wie Angst, Mitgefühl und Trauer empfinden und dass sie eine Vorstellung von sich selbst haben. Sie sind in der Lage, komplizierte Probleme zu lösen und lernen wie wir durch Denken und Fühlen. Füchse haben komplexe Sozialstrukturen und geben die Verhaltensweisen an ihre Jungen weiter. Sie sind uns ähnlicher als wir bisher angenommen haben. Diese Erkenntnis zwingt uns zum Umdenken. Sie fordert uns auf, die starre Grenze, die wir bisher zwischen uns und den Tieren gezogen haben, aufzuheben. „Auch Tiere sollen das Recht und die Möglichkeit erhalten, sich in der für dieses Lebewesen charakteristischen Lebensform zu entfalten“, so die Philosophin Martha Nussbaum. „Sie haben einen auf Gerechtigkeit beruhenden Anspruch auf ein Leben, in dem sie sich vollständig entwickeln können“. Dem Tier ein Recht auf das ihm eigene Leben zuzugestehen, beinhaltet die Verpflichtung, zu sehen, was bisher unsichtbar blieb und zu hören, was bisher ungehört war, zu kümmern, was bisher unbekümmert und gleichgültig war. Es ist an der Zeit, dem Unrecht an Füchsen und anderen Wildtieren ein Ende zu setzen und sich unserer aller Verantwortung zu stellen. Gehen wir gemeinsam diesen Weg!


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