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Artenschutz á la Jagdverband

23 Aug 2018

Nur so viel vorweg: Sämtliche Arten, die Jäger vorgeben oder vorgaben zu schützen sind in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Gegenden ausgestorben (das Auerhuhn, das Birkhuhn) oder auf die Roten Listen der gefährdeten Arten gerutscht. Heute gibt es z.B. nur noch einen Bruchteil der Zahl der Rebhühner, Fasanen, Feldhasen wie noch vor 10, 20, 30 Jahren.

 

Wussten Sie, dass es eine Empfehlung des Deutschen Jagdschutzverbandes gab, Igel im Revier „kurzzuhalten“, sprich zum Beispiel mit dem Jagdmesser zu töten? Schließlich fressen Igel auch Fasanengelege. Das erstmals 1950 erschienene Merkblatt Nr. 2 zur Fasanenhege wurde 1985 vom Deutschen Jagdschutzverband neu aufgelegt und nach öffentlichen Unmut erst 1997 aus dem Verkehr gezogen.  In den 1970er Jahren wurden pro Jahr noch etwa 1,3 Mio. Fasanen erschossen – heute gibt es nicht mehr so viele, da reicht es nur noch für knapp 90.000 Fasanen auf der Strecke: Natur- bzw. Artenschutz á la Jagdverband.

 

 Mit dem Jagdmesser töten, um Fasanengelege zu schützen: Artenschutz à la Jagdverband

 

Artenschutz á la Jagdverband war auch lange die Jagd auf Greifvögel. Als diese 1970 verboten wurde, prognostizierten große Teile der Jägerschaft ein regelrechtes Schreckensszenario. Der Bestand der Greifvögel würde bedrohlich ansteigen, sie würden Singvögel und Kleinsäuger in Deutschland binnen weniger Jahre gänzlich ausrotten. Sogar eine Bedrohung für den Menschen wurde allen Ernstes propagiert. Und man müsse die Greifvögel weiterhin unbedingt bejagen um deren Bestand zu regulieren, da sie keine natürlichen Feinde hätten, so die Jagdbefürworter.

Seit bald 50 Jahren nun dürfen Greifvögel in Deutschland nicht mehr bejagt werden, bis heute hat sich nichts von den furchterregenden Weissagungen bewahrheitet. Die Natur braucht den Menschen nicht als Regulator, sie regelt sich selbst durch Nahrungsangebot, Sozialstrukturen, Krankheiten und durch klimatische Einflüsse.

 

Letzteres gilt auch für den Rotfuchs, den Jäger während der Hoch-Zeit der Tollwut sogar mittels Begasung der Baue versuchten auszurotten. Es ist ihnen nicht gelungen. Die Tiere kompensierten die hohen Verluste durch eine entsprechend hohe Reproduktion. Das funktioniert so, dass die einzelne Fähe dann nicht - wie in einem intakten Sozialgefüge – zwei oder drei Welpen, sondern acht Junge bekommt, und sich auch bereits jüngere Füchsinnen, die ansonsten keinen Nachwuchs bekommen würden, an der Reproduktion beteiligen. Die Tollwut wurde im Übrigen nicht durch die Jagd oder durch Jäger ausgemerzt, sondern im Wesentlichen durch den Abwurf von Tollwutimpfködern aus dem Flugzeug.

 

 Durch unsachliche, tendenziöse Berichterstattung der Jagdverbände zum invasiven Schädling degradiert. Bild: Heiko Anders

 

Heute wird die Öffentlichkeit für dumm verkauft (nicht nur von den Jagdverbänden, auch von der Politik), indem man ihr versucht weiszumachen, die Fuchsjagd würde der Erholung des Bestands von Rebhühnern, Fasanen, Feldlerchen und Feldhamstern dienen. Bullshit. Obwohl seit Jahrzehnten jährlich zum Teil mehr als eine halbe Million Füchse erschossen werden, gibt es bundesweit nicht einmal eine annähernde Erholung der Bestände dieser Arten. Nicht der Fuchs ist das Problem, sondern durch Landwirtschaft und Siedlungsbau zerstörte Lebensräume und der Entzug der Nahrungsgrundlage der Insektenfresser aufgrund von Herbiziden, Pestiziden und Insektiziden.

 

Bei der Fuchsjagd geht es nicht um den (selektiven!) Artenschutz. Ich glaube Feldlerchen und Feldhamster interessieren diese sich gerne als Naturschützer bezeichnenden Lodenjacken genauso wenig, wie Kröten, Fledermäuse, Igel oder Greifvögel. Es geht alleine um den Jagdspaß, die Freude am Töten. Die kann mit dem Rotfuchs und anderen Beutegreifern nach wie vor ausgelebt werden.

 

Was dem Jäger nicht passt, wird zum Feind erklärt und heute mehr denn je durch unsachliche Berichte, Meinungsmache und tendenziöse Information zum Schädling degradiert. Das gilt nicht nur für Füchse, Dachse, Marder – in den letzten Jahren sind die Jagdverbände auf diese Art und Weise zunehmend erfolgreich beim Marderhund und beim Waschbär.

 

Der Waschbär wurde unter dem Applaus der Jagdverbände durch die EU sogar zur sogenannten „invasiven“ Art erklärt, das obwohl der seit den 1930er Jahren in Deutschland lebt und inzwischen durch das Bundesamt für Naturschutz als heimische Art anerkannt wurde. Damit wird nicht nur sein Schutzstatus weiter eingeschränkt, auch die Hemmschwelle wenigstens die Minimalanforderungen des Tierschutzgesetzes zu respektieren, sinkt erheblich.

+++

 

Lesen Sie auch: Schuss und tot - ein Plädoyer für die Abschaffung der Hobbyjagd

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