Freiheit für die Schliefenfüchse in Lemgo-Voßheide?
- Carmen Stürmer
- vor 5 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Schon vor vielen Jahren wurden die Missstände in der Schliefanlage Lemgo-Voßheide aufgedeckt.
Am 20. Januar war es nun so weit: Zwei angeblich neun Jahre alte Füchsinnen wurden aus Gründen des Tierschutzes vom Kreis Lippe in der Schliefanlage Lemgo-Voßheide beschlagnahmt. Marianne Rautenberg mit „Unsere Hände für viele Pfoten e.V.“, Wildtierschutz Deutschland und weitere Organisationen setzten sich seit der Aufdeckung der Missstände vor zehn Jahren für die Schließung der Schliefanlage ein. Inwieweit die Beschlagnahmung der Füchse in Lemgo Bestand hat, werden Gerichte entscheiden, wenn – wie der Presse zu entnehmen ist – tatsächlich ein Eilverfahren seitens des Teckelklubs Lemgo, dem Betreiber der Schliefanlage Lemgo-Voßheide, angestrengt wird.
In vielen Schliefanlagen in Deutschland werden Füchse unter tierschutzwidrigen Bedingungen in viel zu kleinen Gehegen und ohne Abwechslung gehalten und beim Training mit Jagdhunden immer wieder in Todesangst versetzt.
Wildtierschutz Deutschland hat für die Füchse gekämpft, Demos und Mahnwachen organisiert, Briefe geschrieben und Forderungen gestellt, um Öffentlichkeit zu schaffen und der Tierquälerei endlich ein Ende zu bereiten.

Generationen von Füchsen wurden lebenslang eingesperrt, unter widrigsten Bedingungen
Geduldete systematische Tierquälerei durch bewusste Täuschungen und Lügen, Verschleierungen und illegale Machenschaften sind kein Einzelfall, denn in Deutschland gibt es über 100 Schliefanlagen. Eine weitere Schliefanlage in Nordrhein-Westfalen bei Rhede wurde nach einer Strafanzeige durch Wildtierschutz Deutschland geschlossen.
Die wenigsten Menschen wissen, dass es Schliefanlagen gibt. Fast niemandem ist bekannt, was hinter dichtem Brombeergestrüpp vor sich geht. Überwachungen und stichprobenartige Besuche der Schliefanlagen durch die Veterinärbehörden sind eine Seltenheit.
Die Schliefenfüchse sind Trainingsobjekte, ihr Daseinszweck ist das Training für die Tötung ihrer Artgenossen bei der Baujagd.
Schliefenfüchse werden einzeln oder zu zweit in viel zu kleinen Gehegen gehalten. Bei Bedarf werden sie vom Schliefenwart in das Tunnelsystem der Schliefanlage gesetzt, um mit ihnen Jagdhunde für die Baujagd zu trainieren. Das Training am lebenden Tier bedeutet für den Fuchs chronischen Stress und dauerhafte Todesangst, auch wenn der Hunde keinen direkten Kontakt zum Fuchs hat.
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Der Kampf gegen die Missstände in Lemgo-Voßheide – eine aktualisierte Chronologie zur angeblich ältesten Schliefanlage Deutschlands:
Oktober 2016 - Aufdeckung der Missstände
Der Tierschutzverein Lage wird auf die Schliefanlage aufmerksam und veranlasst eine Kontrolle durch das Veterinäramt. Neue Auflagen für die Anlagenbetreiber werden durchgesetzt, aber noch keine Schließung.
April 2017 – Füchsin entkommt
Erneute Kontrolle durch das Veterinäramt: die neunjährige Füchsin ist nicht mehr in der Anlage. Nach Angaben des Schliefenwarts: Bei Reinigungsarbeiten entwischt.
Neue Fuchswelpen – Herkunft nie geklärt
Bereits am folgenden Tag sind zwei Fuchswelpen in der Anlage. Ihre Herkunft wurde nie geklärt. Der Schliefenwart gibt an, eine Fähe (Füchsin) „geliehen“ zu haben, die unerwartet Welpen geboren habe. Der „Verleiher“ des Fuchses gibt an, es sei ein Rüde, die Geburt der Welpen damit nicht möglich. Der Sachverhalt wird nie geklärt, der Leihfuchs stirbt vorzeitig und es kommt zu keiner Untersuchung.
Vom Schliefenwart zum Vorsitzenden des Teckel-Clubs
Der Kreis Lippe untersagt dem Schliefenwart per Ordnungsverfügung die weitere Ausübung und ordnet ein Bußgeld an, da er eine hochträchtige Fähe in der Schliefenanlage eingesetzt und sie damit großem Stress ausgesetzt hat. Der Schliefenwart wird seines Amtes enthoben, anschließend wird er erster Vorsitzender des Teckel-Clubs.
Juni 2017 – Tierschutzwidrige Haltung
Durch Markierung des Eingangs wird festgestellt, dass die Füchse bei Hochsommertemperaturen drei Tage lang nicht versorgt wurden. Es werden Anzeigen gegen den Betreiber der Anlage erstattet und eine Unterschriftenaktion gestartet.
September 2018 – Freispruch
Der Schliefenwart wird aus Mangel an Beweisen vom Vorwurf der unzureichenden Versorgung der Füchse freigesprochen. Im letzten Moment war ein offensichtlich bis dahin komplett zugewachsenes und somit unzugängliches Eingangstor freigelegt worden, durch das die Füchse angeblich versorgt worden seien.
November 2018 - 18.000 Unterschriften für eine sofortige Schließung
Die Bürgerinitiative „Schliefanlagen schließen!“ wird gegründet und übergibt dem Landrat 18.000 Unterschriften für eine sofortige Schließung. Der Landrat beauftragt einen Naturfilmer, die Amtsveterinärin in der Anlage zu begleiten und die Schliefenarbeit zu filmen. Daraus entstanden ist u.a. eine juristische Stellungnahme der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT).
Januar 2020 - Strafanzeige
Die Tierschutzorganisation PETA erstattet Strafanzeige wegen Tierquälerei. Ein wichtiges Beweisstück dabei ist der im Jahr 2018 erstellte Film.
22. Dezember 2022
Gerichtsverhandlung: Der angeklagte Anlagenbetreiber hat sechs Monate Zeit, Alternativen zum lebenden Fuchs für die Hundeausbildung zu finden.
22. Juni 2023
Die sechsmonatige Frist zum Finden von Alternativen zur Hundeausbildung am lebenden Fuchs endet. Die beiden Füchse in der Anlage sind längst erwachsen. Sie haben noch nie Freiheit erlebt und fristen ihr Dasein als Objekte zum Training für die Tötung ihrer Artgenossen.
17. Dezember 2023 - Verfahren eingestellt – die Fuchsqual geht weiter
Der Richter stellt das langjährige Verfahren zugunsten des Angeklagten am 22. November 2023 ein, obwohl die tierschutzrechtlichen Verstöße anhand von Filmmaterial und eines Gutachtens belegt worden sind. Nicht einmal mehr die von der Anklage am 22.12.2022 geforderten Alternativen zum Einsatz lebender Füchse wie Duftspuren oder Attrappen müssen umgesetzt werden.
Der Fuchs darf nun offiziell weiter gequält werden: chronischer Stress und sich wiederholende Todesangst gehören zu seinem Alltag.
31. Oktober 2024 - Sichtbare Schritte für Füchse
Wildtierschutz Deutschland setzt sich bei der Volksabstimmung (Abstimmung 21) für die Füchse ein: 72 Prozent der Abstimmenden sprechen sich gegen Fuchsjagd aus.
Januar 2026 – Ein offener Brief
Mehrere Tierschutzorganisationen sorgen mit ihrem offenen Brief nochmals für Aufmerksamkeit.
20. Januar 2026
Zwei nach Aussagen des Betreibers neun Jahre alte Fähen, werden vom Landkreis Lippe in der Schliefanlage Lemgo-Voßheide aus Tierschutzgründen beschlagnahmt. Der Schliefanlagenbetreiber ist der Teckel Club Lemgo. Er kündigt ein Eilverfahren an, um die Füchse zurückzuholen.
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Dänemark hat bereits 2016 die Jagdhundeausbildung am lebenden Fuchs aus Tierschutzgründen verboten, vier Jahre später folgte Norwegen. In diesen Ländern arbeitet man seitdem erfolgreich mit mechanischen Füchsen. Es ist nun höchste Zeit, dass auch Deutschland den Schlussstrich zieht.
Auch Sie können uns und die Füchse unterstützen. Unterzeichnen Sie bitte die nachfolgende Petition zur Abschaffung von Schliefanlagen und Baujagd. Dort gibt es weiterführende Links zu Schliefanlagen und zur Fuchsjagd am Fuchsbau:








