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  • Inge Stoll

Die mit dem Fuchs spielt

Hören - Mitte April sah ich ihn das erste Mal, nur im Augenwinkel, durch den Garten huschen. Ich dachte, ich sehe nicht richtig. Wenige Tage später saß ich mit Besuch auf der Terrasse und der Rotfuchs zeigte sich wieder im Garten. Kurz stand er da und verschwand dann wieder.


Während dieser Zeit konnte ich morgens immer wieder diverse Schuhe und die Hundedecke im Garten einsammeln, auch den zerbissenen Hundeball, den wir eigentlich schon entsorgt hatten. An einem Sonntagabend, ich wollte gerade Müll wegbringen, saß der Fuchs hinten an der Hecke. Er hatte sich irgendwo einen Kauknochen stibitzt. Ich stellte den Müll vorsichtig ab und ging wieder ins Haus, um meine Kamera zu holen. Der Fuchs blieb ruhig sitzen und beobachtete mich. Ich schoss ein paar Fotos und freute mich riesig über die gelungenen Aufnahmen. Da war mir schon irgendwie klar, dass dieser Fuchs verspielt und relativ zutraulich war.

Inzwischen hörte ich, dass er natürlich auch in anderen Gärten gesichtet wurde. Viele Leute in unserem Dorf haben Angst vor dem Fuchs. Und mancher Hühnerbesitzer, der seine Tiere nicht ordentlich gegen Eindringlinge geschützt hat, möchte ihm wahrscheinlich an den Kragen. Ich hörte auch, dass schon jemand eine Falle aufgestellt habe, um ihn zu fangen.


So oft ich konnte, beobachtete ich nun den Garten. Gegen Ende April, ich konnte mein Glück kaum fassen, bekam ich wieder die Möglichkeit, den das schöne Tier zu fotografieren. Ich hatte geradezu das Gefühl, er posiere für mich vor der Kamera. Er zeigte wenig Scheu und kam bis auf ein, zwei Meter an mich heran. Ich genoss dieses Treffen mit Reineke Fuchs und freute mich über die vielen außergewöhnlichen Bilder, die ich machen konnte, ohne zu erahnen, dass es noch besser kommen würde.


Dann bekam ich ihn einige Tage gar nicht oder nur mal im Dunkeln zu sehen, immer mit der Sorge, jemand würde ihn mal erwischen. Inzwischen hatte der Fuchs irgendwo einen Ball gefunden, den er ausgerechnet in unserem Garten des nachts ablegte. Ich war nur noch damit beschäftigt aus dem Fenster zu schauen, wann er wohl wiederkommen würde. Anfang Mai passte es dann wieder und es kam zu einem weiteren Shooting, diesmal mit dem mitgebrachten Ball.


Der Fuchs zeigte sich sehr neugierig und verspielt. So dachte ich mir, biete ihm beim nächsten Treffen mal ein Spielzeug von meinem Hund an. Gesagt, getan! Bereits zwei Tage später war er wieder da und schien auf mich zu warten. Ich … raus mit meiner Kamera, Teddy von meinem Hund in der Tasche. Den Teddy ließ ich im Vorbeigehen einfach fallen, ging ein paar Schritte weiter und setzte mich auf den Rasen. Ich habe dafür einfach keine Worte… Er fing an mit dem Teddy zu spielen. Es war eine Wonne, ihm dabei zuzusehen.


Was bleibt ist die ständige Angst, was aus diesem Fuchs hier bei uns im Dorf wird. Der Lebensraum der Wildtiere wird immer kleiner. Wälder verschwinden durch Stürme, den Borkenkäfer, Trockenheit oder Brände, auch verursacht von Menschen durch achtlos weggeschmissene Zigaretten. Zudem strömen Menschenmassen in ihrer Freizeit in die Wälder. Manche verlassen die Wege um z.B. Pilze zu sammeln. Andere sind vielleicht auf der Suche nach dem perfekten Wildlife-Foto. Es bleibt gar nicht aus, dass dabei Wildtiere aufgeschreckt werden. Der Mensch dringt ständig weiter in den Lebensraum der Wildtiere ein.


Steht am Dorfrand ein Reh im Garten, erfreuen sich die Hausbewohner. Aber wehe, wenn die Beete ruiniert werden. Und dann gibt es eben noch Tiere wie den Fuchs. Entweder haben die Menschen aus Unwissenheit Angst vor ihm oder sie wollen ihm an den Kragen, weil er in den Hühnerstall eindringt. Auf Facebook hat ein Mann zu einem meiner Bilder einen Kommentar geschrieben: Der Fuchs sei verhaltensauffällig, er würde ihn sofort erschießen. Meiner Meinung nach zeigt dieser Kommentar eher eine Verhaltensauffälligkeit des Mannes.


Dabei könnten wir prima in einer Symbiose mit dem Fuchs leben. Natürlich kommt manchem das Verhalten des Fuchses nicht ganz normal vor. Aber ich habe inzwischen einige Geschichten gehört, in denen sich der Fuchs seiner Umgebung anpasst und in Dörfern und Städten eben nicht mehr diese Scheu hat. Aber er bleibt ein Wildtier und eine Distanz zu ihm sollte eingehalten werden. Er hat niemandem etwas getan und trotzdem maßen sich manche Leute an zu sagen, er müsse weg oder gar getötet werden. Hühnerbesitzer geben gerne dem Fuchs die Schuld daran, wenn dieser ihre Hühner klaut. Dabei liegt es in der Verantwortung des Hühnerhalters, seine Tiere adäquat zu schützen. Gerade in ländlichen, bewaldeten Gegenden muss jederzeit mit dem Besuch von Fuchs, Marder und Co. gerechnet werden.

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Manche Füchse trauen sich bis auf wenige Meter an Menschen heran. Grund dafür ist, dass Füchse als hochentwickelte, intelligente Tiere sehr neugierig sind. Erfahren Sie hier mehr über vermeintlich auffällige Füchse.


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