Kiebitzschutz am Schmiechener See: Warum die Fuchsjagd das Problem nicht löst (Teil 2)
- Karin Oswald
- vor 1 Stunde
- 4 Min. Lesezeit
Betonrohrfallen im Schutzgebiet: Jagd auf den Fuchs intensiviert
Anfang des Jahres erreichte uns die Information, dass im Natura 2000-Schutzgebiet „Schmiechener See“ die Bejagung des Fuchses intensiviert und der örtlichen Jägerschaft zu diesem Zweck mehrere Betonrohrfallen zur Verfügung gestellt werden sollen. Als Grund für diese Maßnahme wurde der seit mehreren Jahren ausbleibende Bruterfolg bei den Kiebitzen angeführt.
Wir wandten uns daraufhin sowohl an die zuständige Behörde auf Landkreisebene als auch an die übergeordnete Behörde und wollten unter anderem wissen, welche Maßnahmen zur Lebensraumgestaltung und zum passiven Prädationsmanagement bisher umgesetzt wurden, ob vor Ort ein entsprechendes Fuchsmanagement durchgeführt wird und wie die einzelnen vor Ort umgesetzten Maßnahmen ausgewertet werden.

Auf Landkreisebene verwies man vornehmlich auf den öffentlich einsehbaren Managementplan Vogelschutzgebiet Schmiechener See. Zwar gibt man zu, dass dem ausbleibenden Bruterfolg auch andere Ursachen zugrunde liegen könnten, aber:
„Die Wahrscheinlichkeit, dass durch das Prädatorenmanagement eine Trendumkehr erreicht werden kann, ist hoch und es handelt sich hierbei um einen beeinflussbaren Faktor.“
„Optionen eines passiven Prädatorenmanagements“ seien bereits ohne den gewünschten Erfolg erprobt. Belastbare Daten für diese Einschätzung stellte man uns jedoch nicht zur Verfügung.
Behörde verweigert den empfohlenen passiven Vogelschutz wegen „zu hohem Aufwand“
Da wir an dieser Stelle nicht weiterkamen, wandten wir uns noch einmal an die übergeordnete Behörde. Die Kommunikation gestaltete sich auch hier mehr als schwierig und gipfelte schließlich in einem nur als völlig absurd zu bezeichnenden Skype-Meeting. Aber auch wenn der größte Teil des Gesprächs völlig surreal war und man sich einer fachlichen Diskussion zur Sinnhaftigkeit des gewählten Ansatzes konsequent entzog, gab es doch ein paar interessante Aussagen.
So wurde während des Gesprächs mehrmals erwähnt, dass der hausinterne „Kollege vom Artenschutz“ ebenfalls ein passives Prädationsmanagement bevorzugen würde – so wie es auch im Managementplan vorgesehen ist. Denn dort steht:
„Als Ergänzung zur Beweidung sind insbesondere zum Schutz von Gelegen und Jungvögeln vor Prädatoren wie dem Fuchs eine geeignete Einzäunung, Nestschutzkörbe oder eine Erhöhung der Anzahl der Litzen des Wasserbüffelzauns von 3 auf 5 bis 6 denkbar und wurde in vergleichbaren Projekten (STEINER 2018, LAMERS 2018) bereits erfolgreich eingesetzt. Eine Einzäunung ist jedoch aufwändig und müsste an die speziellen Bedingungen im Gebiet angepasst werden.“
Die Behörde bestätigte uns schriftlich, dass es bisher keine Versuche gegeben hat, die vulnerablen Gebiete durch Elektrozäune zu schützen und dass ein solches Vorgehen auch in Zukunft nicht angedacht sei. Begründet wird dies mit einem „zu hohen Betreuungsaufwand“.
Ein Versuch, die Gelege mit Nestschutzkörben zu sichern, scheiterte laut Angabe der Behörde am hohen Wasserstand bei den Kiebitz-Brutplätzen – wobei jedoch letztlich nicht geklärt ist, ob der ausbleibende Bruterfolg tatsächlich auf den Einsatz der Nestschutzkörbe zurückzuführen ist oder ob nicht vielmehr der hohe Wasserstand selbst zur Aufgabe der Gelege geführt hat.
Die Hilfestellung für den Kiebitz beschränkt sich zurzeit auf den Versuch, die Brutflächen offenzuhalten, unter anderem durch die Wasserbüffelbeweidung, das Anlegen einer Schwarzbrache und weiteren landschaftsgestalterischen Maßnahmen wie etwa dem Entfernen von Kulissenbäumen oder dem Mulchen von Flächen.
Die zuständige Behörde räumte im Gespräch jedoch ein, dass selbst diese Maßnahmen nicht immer im gewünschten Umfang umgesetzt werden können. Pflegemaßnahmen seien aufgrund der schweren Zugänglichkeit des Gebietes mit hohem zeitlichem und personellem Aufwand verbunden und beides würde nicht immer in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.
Weder Monitoring noch fundierte Daten – Flugprädatoren bleiben unberücksichtigt
Aus unserer Sicht ist das Vorhaben, die komplexen Probleme vor Ort mit der verstärkten Bejagung des Fuchses lösen zu wollen, aus zwei Gründen nicht nachvollziehbar:
1. Es gibt keinerlei Belege dafür, dass tatsächlich der Fuchs für den ausbleibenden Bruterfolg verantwortlich ist. Der Fuchs geriet vor allem deshalb in den Fokus der Behörden, weil es in den vergangenen Jahren vermehrt Fuchssichtungen im betreffenden Gebiet gegeben haben soll. Belastbare Zahlen oder Quellen für diese Beobachtungen legt man nicht vor, es findet kein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmonitoring vor Ort statt und ein solches ist wohl auch in Zukunft nicht geplant, wie uns die zuständige Behörde bestätigt hat.
Die Fokussierung auf den Fuchs wird der Problematik auch deshalb nicht gerecht, weil es im Schutzgebiet zahlreiche weitere potenzielle Prädatoren gibt, unter anderem die ebenfalls streng geschützte Rohrweihe, auf deren Speiseplan ebenfalls Kiebitze stehen. Die Prädation durch die Rohrweihe und andere Vögel wirkt sich tendenziell negativer auf den Bruterfolg aus, denn der Prädation aus der Luft fallen überwiegend bereits geschlüpfte Küken zum Opfer, deren Verlust in der Regel nicht mehr über ein Nachgelege ausgeglichen werden kann.
2. Wenn im Schutzgebiet in den letzten Jahren vermehrt Füchse beobachtet wurden, deutet das auf ein tieferliegendes Problem hin, etwa auf den Wegfall der zuvor noch in ausreichendem Ausmaß vorhandenen natürlichen Wasserbarriere. Auch hier werden im Managementplan geeignete Gegenmaßnahmen aufgeführt. Die Bejagung des Fuchses ist keine davon …
Dass die Umsetzung notwendiger Maßnahmen unter den vorherrschenden Bedingungen mit den schwankenden Wasserständen zeitintensiv und aufwendig ist, soll gar nicht abgestritten werden. Doch es mit Verweis auf den hohen finanziellen und personellen Aufwand gar nicht erst zu versuchen und stattdessen in blindem Aktionismus die Bejagung des Fuchses zu forcieren, ist mehr als fragwürdig.
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Literatur:
Managementplan für das Vogelschutzgebiet 7624-402 »Schmiechener See« (Staatliche Naturschutzverwaltung Baden-Württemberg, 2020)
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Teil 1: Kiebitzschutz am Schmiechener See oder wie man ein komplexes Problem auf die Fuchsjagd reduziert








