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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Dachse: Drei junge Supernasen

    Hör mal rein | Gegen Ende April haben die drei Supernasen das Licht der Welt erblickt, geboren wurden sie aber schon viel früher. Die ersten Lebensmonate verbrachten sie tief unter der Erde, verborgen in der Dunkelheit des Baus. Bild: www.berndt.fischer.de Erst im Alter von zwei Monaten oder mehr kommen junge Dachse erstmals aus dem Bau - viel später als junge Füchse. Im Vergleich mit den energiegeladenen Fuchswelpen stapfen die Dachswelpen in diesem Alter eher gemächlich und noch sehr tapsig umher. Aber auch junge Dachse spielen ausgiebig. Es war ein Vergnügen, die Videos der Wildkamera vom Dachsbau durchzusehen. Die Kleinen tollen umher, raufen und balgen und kullern manchmal rücklings in den Bau zurück. Manche Spiele wirken dabei nicht ganz jugendfrei. Vor allem aber schnüffeln sie, denn Dachse sind echte Supernasen. Die Welt wird erschnuppert, und zur kleinen Welt rund um den Baueingang gehörte auch die Kamera, die vielleicht 40 cm über dem Boden an einem Strauch befestigt war. Mehrfach fuhr eine der Dachsnasen über die Linse und deutlich waren die Atemzüge zu hören, mit denen der Kleine den Geruch einsog, um zu prüfen, was da für ein merkwürdiges Ding am Strauch hing. Der Geruchssinn des Dachses ist mehrere 100mal so fein wie unserer, Dachse leben in Geruchslandschaften, die wir Menschen uns nicht vorstellen können. Die sogenannte münsterländische Parklandschaft ist eigentlich ideal für den Dachs. Zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen zahlreiche kleine Wälder und Hecken verstreut. Der Boden ist im westlichen Münsterland oft sandig und damit ideal zum Buddeln. Dort sind es meistens leicht erhöht liegende Stellen im Wald, in denen die Dachse ihre weit verzweigten unterirdischen Burgen anlegen. Allerdings macht den Schnüffelnasen die äußerst intensive Landwirtschaft zu schaffen. Dachse ernähren sich vor allem von kleinen Bodentieren wie Regenwürmern oder Insektenlarven, sowie von verschiedener pflanzlicher Nahrung. Sie erbeuten zwar gelegentlich größere Tiere, aber sie sind insgesamt mehr Sammler als Jäger. Die Böden der stark überdüngten und mit Pestiziden belasteten Äcker sind aber oft biologisch nahezu tot. Die meisten Dachse der Region leben daher in relativ waldreichen Gebieten oder dort, wo noch größere extensiv genutzte Grünländer existieren. Mindestens ebenso macht dem Dachs die völlig sinnlose Bejagung zu schaffen. Im Kreis Borken im westlichen Münsterland wurden 226 Dachse im Jagdjahr 2022/23 getötet, davon 179 durch direkten Abschuss und 47 durch Fangjagd (1). Angesichts der geringen Dichte und lückenhaften Verbreitung des Dachses im Landkreis ist dies eine enorm hohe Zahl. Die Auswirkungen der massiven Jagd auf Dachse sind vielfach deutlich zu sehen: Dachsbaue werden hier im Westmünsterland oft nach vielen Jahren plötzlich aufgegeben, mehrfach erlebte ich dies auch mitten in der Aufzuchtzeit der Jungen. Dachsfamilien können zwar zwischen zwei oder mehr Bauen wechseln und ziehen daher immer mal wieder überraschend um. Etliche Baue bleiben aber dauerhaft verwaist. Einige wurden nach mehreren Jahren wieder neu besetzt, waren dann aber rasch wieder verwaist. Zudem zeigen abendliche Ansitze und Wildkamera-Aufnahmen, dass es kaum größere Familienclans gibt. Zumeist lebt nur das Elternpaar mit den diesjährigen Jungen im Bau. All dies zeigt die immens hohe Sterblichkeit der Dachse in der Region auf, die weitgehend auf die Jagd zurückzuführen ist. Dachse werden hier aus Freizeitbeschäftigung getötet, denn Dachsjagd macht keinerlei Sinn. Weder werden die Dachse verwertet noch bringt die Bejagung irgendeinen ökologischen oder ökonomischen Nutzen. +++ 1)     Kreisjägerschaft Borken e. V. im Landesjagdverband NRW e. V.: Jahresbericht 2023. Lesen Sie auch: Von Dachsburgen und Fuchsbauen - Untergrundgeschichten

  • Trillern über der Wiese - der Große Brachvogel

    Hör mal rein | Reif glitzert im Gras, kalter Morgendunst wabert über den nassen Wiesen. Dennoch liegt Frühling in der Luft, irgendwo hoch am Himmel singt eine Feldlerche, aus der Weite der offenen Landschaft schallt das kurze Liedchen eines Schwarzkehlchens herüber. Plötzlich durchdringt der laute Flötenton des Großen Brachvogels die Stille des kalten Märzmorgens, kurz darauf noch einer und dann eine immer schneller werdende Reihe, die schließlich in einen langen wohlklingenden Triller übergeht, der weit hörbar durch die feuchte Niederung hallt. Großer Brachvogel, Bild: Harry Schulz Der Verursacher dieser schönen Melodie schwebt in langsamem Gleitflug auf die Wiese herab. Die schlanken und spitzen Flügel erinnern auf dem ersten Blick an eine Möwe. Allerdings fällt sofort der enorm lange gebogene Schnabel auf, der beim Trillern geöffnet ist und im Takt der Töne vibriert. Der große helle Vogel landet auf der kurzgrasigen Wiese, mit schnellen Schritten seiner langen Beine bremst er den Schwung des Anflugs ab und geht in ein bedächtiges Schreiten über. Erst auf dem zweiten Blick fällt ein weiterer Brachvogel auf, der nur wenige Meter entfernt vom ersten durch das Gras stolziert. Trotz ihrer beachtlichen Größe und des im Flug hell wirkenden Gefieders sind Große Brachvögel am Boden unauffällig. Im Abstand von einigen Metern durchschreiten sie die Wiese und bohren ihre Langschnäbel immer wieder ins Erdreich. Einer der beiden zieht seinen Schnabel nicht unmittelbar wieder heraus, sondern arbeitet nach, bohrt tiefer, strengt sich an und fördert schließlich einen großen Regenwurm zutage. Schnell herunter mit dem Happen und weiter wird gestochert, das Brachvogelfrühstück ist noch nicht beendet. Der Große Brachvogel ist der größte europäische Watvogel. Er war vor einigen Jahrzehnten noch weit verbreitet. Insbesondere im nordwestlichen Deutschland war sein Trillern charakteristisch für die offene Moor- und Wiesenlandschaft. Jeder Mensch auf dem Land kannte ihn, viele volkstümliche Namen zeigen, dass der stimmgewaltige Moor- und Wiesenbewohner früher in aller Munde war. Heute ist der Brachvogel so selten, dass ihn nur noch wenige Menschen kennen und dass man nur noch an wenigen Orten seiner klangvollen Melodie lauschen kann. Er steht im Mittelpunkt von Naturschutzprojekten und ist zu einer Flaggschiffart des Wiesenvogelschutzes und der nachhaltigen Nutzung geworden (Boschert et al. 2021). Dennoch konnte sein Rückgang nur lokal aufgehalten werden. +++ Ein ausführliches Portrait des Großen Brachvogels finden Sie hier

  • Hessische Jagdverordnung / Offener Brief an die Abgeordneten des Hessischen Landtags

    Sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrter Abgeordneter des Hessischen Landtags! Eine Verbandsanhörung ist Bestandteil der partizipativen Gesetzgebung in Deutschland und damit ein unerlässliches Instrument in einem modernen, demokratischen Gesetzgebungsverfahren. Sie wird ad absurdum geführt, wenn – wie im Fall der Novellierung der Hessischen Jagdverordnung – jagdaffine oder an der Thematik desinteressierte Parteien in der Anhörung deutlich überwiegen. Die Einführung, Wiederaufnahme und die signifikante Ausweitung von Jagdzeiten, die Streichung von Schonzeiten und die Aufnahme streng geschützter Tierarten in das Jagdrecht geschieht offensichtlich willkürlich und birgt erhebliches Konfliktpotential gegenüber dem Tier-, Natur- und Artenschutz, ohne aber ein einziges Problem zu lösen. Sachlich erforderliche, insbesondere wissenschaftlich begründete Argumente wurden seitens des Landwirtschaftsministeriums für die erhebliche Ausweitung des Nutzungsrechts der Jägerschaft nicht zur Prüfung herangezogen und auch im Rahmen der Verbändeanhörung – selbst auf Nachfrage hin – nicht angeführt. Das passt in das Bild eines Ministeriums, das erst kürzlich eine Bundesratsinitiative zur Ausweitung der ökologisch kontraproduktiven Nachtzieltechnik auf den Weg brachte und die offensive Missachtung des Muttertierschutzes im Rahmen einer präventiven ASP-Bekämpfung im Rheingau vorantreibt. Die Aufhebung von Schonzeiten während der Aufzuchtzeit von Jungtieren führt die Hessische Jagdverordnung zurück auf das Niveau des ersten Bundesjagdgesetzes von 1952. Dadurch wird es zwangsläufig zu strafbaren Verstößen gegen den dort definierten Elterntierschutz (§ 22 (4) BJagdG) kommen. Elterntiere (dazu gehören auch Fuchsrüden) können von nicht führenden adulten Tieren in der Regel nicht unterschieden werden. Junge Waschbären sind bis in den September von ihrer Mutter abhängig. Hier stellt sich auch die Frage, inwieweit die Ausweitung des Nutzungsrechts der Jägerschaft in dieser Form noch weidgerecht im Sinne des Bundesjagdgesetzes ist.  Vielleicht wird Ihnen die der Novellierung zugrunde liegende Willkür anhand eines Beispiels deutlich: Im letzten Jagdjahr (2025/2016) vor der Einführung einer ganzjährigen Schonzeit durch die schwarz-grüne Vorgängerregierung haben Jagdausübungsberechtigte in Hessen auf einer bejagbaren Fläche von etwa 1,8 Millionen Hektar (1 ha = 10.000 m2)   gerade mal 78 Baummarder, 101 Iltisse, 149 Hermeline und 119 Mauswiesel getötet. Das sind ganze 25 dieser Tiere pro einhunderttausend Hektar. Welches Problem wird mit der Aufhebung der Schonzeit für diese Tierarten wohl gelöst?   Mit freundlichen Grüßen, Lovis Kauertz | Vorsitzender Wildtierschutz Deutschland e.V. +++ Pressemitteilung - abrufbar ab 25. Juni, 10 Uhr Ist dieser Fuchs ein für die Aufzucht von Jungtieren erforderliches Elterntier oder nicht? Im Rahmen der Novellierung des Hessischen Jagdverordnung soll er zum Abschuss freigegeben werden.

  • Hessen: Schwarz-Rot auf Kuschelkurs mit der Jägerschaft / Aufhebung von Schonzeiten während der Aufzuchtzeit

    Wiesbaden  – In Hessen wird die eigentlich bis Ende 2028 gültige Jagdverordnung novelliert. Kritik kommt von der Tier- und Naturschutzorganisation Wildtierschutz Deutschland: „Sachlich erforderliche, insbesondere wissenschaftlich begründete Argumente wurden dabei für die erhebliche Ausweitung des Nutzungsrechts der Jägerschaft nicht geprüft und auch im Rahmen der Verbändeanhörung nicht angeführt.“ Nach Willen des Hessischen Landwirtschaftsministerium soll es auch für Elterntiere keine Schonzeit mehr geben. Die geplante Verlängerung von Jagdzeiten, Streichung von Schonzeiten während der Aufzuchtzeit der Wildtiere und die Aufnahme streng geschützter Tierarten in das Jagdrecht birgt erhebliche Konflikte mit dem Tier-, Natur- und Artenschutz, ohne jedoch Probleme zu lösen. Eine öffentliche Evaluierung der Maßnahmen hat nicht stattgefunden, im Rahmen einer Verbändeanhörung wurden überwiegend jagdaffine Organisationen und Einzelpersonen befragt. Die Wiederaufnahme und die signifikante Ausweitung von Jagdzeiten geschehen erkennbar willkürlich. Geplante Änderungen in der Jagdverordnung, die durchweg ökologisch fragwürdige bis völlig unnötige und mit negativem Einfluss auf die Umwelt behaftete Erweiterungen des aktuellen Nutzungsrechts der Jägerschaft darstellen, passen in das Bild eines Ministeriums, das erst kürzlich eine Bundesratsinitiative zur Ausweitung der Nachtzieltechnik auf den Weg brachte und die offensive Missachtung des Muttertierschutzes im Rahmen einer präventiven ASP-Bekämpfung im Rheingau vorantreibt. So kommt die Aufhebung der Schonzeit für adulte Füchse vom 1. März bis zum 15. August und damit die Rückführung der Verordnung auf ein Niveau von 1952 purem Zynismus gleich. Durch die Aufhebung der Schonzeiten während der Aufzuchtzeiten von Wildtieren wird es zwangsläufig zu strafbaren Handlungen im Rahmen des im Bundesjagdgesetz definierten Elterntierschutzes kommen. Denn Elterntiere (dazu gehören z.B. auch Fuchsrüden) können von nicht führenden adulten Tieren in der Regel nicht unterschieden werden. Von Dachsen geht allenfalls ein unerhebliches Konfliktpotential für die Landwirtschaft aus. Dachsbaue liegen meistens im Wald abseits von Landwirtschaftsflächen, so dass einzelne Konfliktfälle auch ohne generelle Jagdzeit gelöst werden könnten. Die Verlängerung schon bestehender zu hinterfragender Jagdzeiten geschieht völlig willkürlich, weil sie auf dem Wunschzettel eines Nutzerverbandes der Jägerschaft steht und die schwarz-rote Hessenkoalition mit dem Landesjagdverband auf Kuschelkurs steht. Wie völlig planlos die Rücknahme der in der vorletzten Legislaturperiode von Schwarz-Grün eingeführte ganzjährige Schonzeit für Baummarder, Iltis, Hermelin, Mauswiesel ist, verdeutlichen diese Zahlen: Zuletzt wurden im Jagdjahr 2015/2016 auf einer in Hessen bejagbaren Fläche von ca. 1,8 Millionen Hektar (1 ha = 10.000 m2) gerade mal 78 Baummarder, 101 Iltisse, 149 Hermeline und 119 Mauswiesel durch jagdliche Aktivitäten getötet. Wildtieren keine Schonzeit, nicht einmal während der Setz- und der Aufzuchtzeit ihres Nachwuchses, einzuräumen, wenn nicht zwingende Gründe dazu bewegen, ist weder weidgerecht noch mit den gesellschaftlichen Werten des Tier- und des Naturschutzes vereinbar. Der Staat ist den Staatszielen Tierschutz und Naturschutz verpflichtet, nicht den Nutzerinteressen einer Klientel. Die Landesregierung hat die Grundlage für eine tierschutzfreundliche Gesetzgebung und Rechtsprechung zu schaffen. Das ist im Rahmen der anstehenden Änderung der Hessischen Jagdverordnung offensichtlich nicht gewollt. +++ Unseren offenen Brief an die Abgeordneten des Hessischen Landtags vom 23. Juni lesen Sie hier.

  • Prädationsmanagement ohne Waffe: Gelegeschutz mit Elektrozaun

    Hör mal rein | Etwa 9 bis 10 Paare des vom Aussterben bedrohten Großen Brachvogels brüten in den Feuchtwiesen der Dingdener Heide an der Grenze der Kreise Borken und Wesel in NRW. Das vielfältige Schutzgebiet aus Feuchtgrünland, Heide und Waldflächen wird von der Biologischen Station Kreis Wesel, von der Dingdener Heide-Stiftung und den lokalen NABU-Gruppen betreut. Es ist Heimat für viele bedrohte Arten. Neben dem Brachvogel kommen hier Blaukehlchen, Bekassine, Ziegenmelker, Laubfrosch, Schlingnatter, Zauneidechse und viele andere Tierarten vor. Vollständiges Brachvogelgelege | Bild: Dr. Martin Steverding Seit einigen Jahren betreiben wir mit einer Gruppe aktiver Ornithologen in Zusammenarbeit mit dem Berufsschäfer, dessen Herde Teile des Schutzgebietes beweidet, Gelegeschutz von Brachvögeln durch Elektrozäune. Die Einzäunung mit Elektrozäunen erwies sich bereits vielfach als sehr effektive Schutzmaßnahme für gefährdete Bodenbrüter (vgl. Roodbergen 2022, Teunissen et al. 2020, Brüning et al. 2021). Allerdings ist die Methode aufwändig und bedarf Geduld und Erfahrung bei der Lokalisierung der Nester. Die Brachvögel brüten unauffällig flach geduckt in ihrer Nestmulde am Boden und sind dabei schwer zu entdecken. Oft muss man so lange warten, bis die Partner sich beim Brüten ablösen, um den Nistplatz zu lokalisieren. Die Brutzeit der Brachvögel hat gerade erst begonnen und die ersten beiden Nester konnten wir in den vergangenen Tagen lokalisieren. Diese sollten nun heute (Freitag, 25.04.) eingezäunt werden. Leider war das erste Nest leer, entweder es wurde bereits von einem Beutegreifer entdeckt und geleert oder die Brut wurde aus anderen Gründen aufgegeben und erst danach geplündert. Beim zweiten Nest hatten wir mehr Glück: Zuerst galt es, das Nest zu finden, um den exakten Standort zu kennen, damit der Zaun richtig gesetzt werden konnte. Aus der Distanz kann man sich bei einer weitläufigen Wiese schnell um Dutzende Meter verschätzen. Wir mussten also den Nistplatz beim Annähern genau im Blick halten. Insbesondere auf den letzten Metern war Vorsicht geboten, um nicht das Gelege zu gefährden. Einzelne Löwenzahlblüten halfen sehr beim Anpeilen des Nests, so dass wir die vier Eier leicht fanden. Der brütende Vogel war zuvor mit lauten Warnrufen aufgeflogen. Nun musste alles sehr schnell gehen, damit die Eier nicht auskühlten. Ich bleib beim Gelege als Orientierungsmarke stehen und die übrigen sechs Personen bauten schnell und routiniert die 50 x 50 m Elektrozaun auf und schlossen das Stromgerät an. Dann verließen wir alle zügig die Wiese. Kurz später sah ich den Brachvogel wieder flach geduckt in seiner Nestmulde sitzen. Der Zaun stört die Brachvögel kaum. Erfahrungen aus dem Kreis Steinfurt zeigen, dass er sogar über den Schlupftermin der Jungen hinaus stehen bleiben kann und die Küken problemlos das eingezäunte Areal durch die weiten Maschen verlassen können. 50 x 50 m Elektrozaun sind ein effektiver Schutz gegen Beutegreifer. Bild: Dr. Martin Steverding Bei einer Art, die so selten und bedroht ist wie der Brachvogel, ist es durchaus sinnvoll, den natürlichen Faktor der Prädation durch gezielte Maßnahmen zu minimieren. Die Einzäunung von 50 x 50 m (0,025 ha) ist ein vertretbar geringer Eingriff zum Schutz des gefährdeten Wiesenvogels und bedarf keiner Tötung von Beutegreifern. Die Suche nach den Nestern der Brachvögel geht weiter, um mehr Gelege auf die gleiche Weise zu schützen. Im Anschluss an den Zaunbau konnte ich den Brutplatz im direkt benachbarten Brachvogelrevier lokalisieren. Der nächste Zaunbaueinsatz ist in Sicht. +++ Weitere Beiträge zum Prädationsmanagement finden Sie hier . Quellen: Brüning, I., B. Beckers & S. Klostermann (2021): LIFE-Projekt zum Schutz der Wiesenvögel in Nordrhein-Westfalen. Der Falke Sonderheft 2021: Vögel im Grünland, S. 58-63. Roodbergen, M. (2022): Predation problems and protection: an international perspective. Vortrag beim Workshop „Prädation und Gelegeschutz“ am 15.11.2022 in Rees am Niederrhein. Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. Sovon Vogelonderzoek Nederland, Nijmegen.

  • Wildkatzen in unserer Wildtierstation - oft gesehene wilde Gäste!

    Hör doch mal rein | Menschenscheu, nachtaktiv und immer „in Deckung“, hat man selten die Gelegenheit eine europäische Wildkatze in der Natur beobachten zu können; in unserer Wildtierstation in Hünfelden sind Wildkatzen jedoch mit durchschnittlich zehn bis zwölf Jungkatzen pro Jahr oft gesehene Gäste. Im Katzengehege: Schmusekätzchen sehen anders aus. Bald beginnt unsere „Wildkatzen-Saison“ und die muss gut vorbereitet sein. Wildkatzen benötigen in der Aufzucht besonders viel Erfahrung … und viele Mäuse. Wildkatzen bekommen zweimal mal im Jahr Junge, im Frühling und im Herbst. Entsprechend bekommen wir auch zweimal im Jahr Wildkatzen-Flaschenkinder in die Station. Die Paarungszeit der Wildkatzen reicht von Januar bis in den Sommer und erreicht zwischen Januar und Februar ihren Höhepunkt. Die meisten Kitten werden nach einer Tragzeit von 60 bis 68 Tagen Ende April und im Mai, klimabedingt auch bis in den Sommer hinein geboren. Der Herbstwurf folgt im September bis in den Oktober hinein. In einem Wildkatzenwurf kommen durchschnittlich ein bis sieben Kitten zur Welt. In der Natur werden die Kitten fünf bis sieben Wochen lang von der Katzenmutter gesäugt. Nach drei bis vier Wochen öffnen sie ihre Augen und beginnen langsam zu laufen. Die meisten Kitten kommen zu uns, da durch Forstarbeiten ihr Lebensraum gestört oder ihr Versteck zwischen Baumstämmen und Baumstapeln freigelegt wurde. Sie werden meistens von Forst- oder Bauarbeitern bei unserer Wildtierpflegerin Ilka in der Wildtierstation Hünfelden abgegeben. Braucht ein Wildkatzenkind Hilfe, sucht es den menschlichen Kontakt, was Wildkatzen ansonsten ein Leben lang vermeiden! Kitten benötigen Hilfe, wenn ihre Mutter nicht mehr lebt. Manchmal geht auch ein Kitten verloren, wenn Wildkatzen mit ihrem Nachwuchs durch Bau- oder Forstarbeiten während der Aufzuchtphase zum Umziehen gezwungen werden. Auch adulte, verletze Wildkatzen, die z.B. durch einen Elektro-, Maschendraht- oder Brutschutzzaun verletzt wurden, werden in unserer Station abgegeben. Wildkatzen lassen sich nicht zähmen. Selbst Wildkatzen, die in Gefangenschaft geboren werden, können nicht an den Menschen gewöhnt werden und lassen sich kurz nach dem Öffnen der Augen nicht mehr freiwillig berühren. Das ist eine besondere Herausforderung bei der Wildkatzenpflege.  Nach der vierten bis sechsten Woche werden die süßen Kitten zu wilden, kleinen Raubtieren. Auch in der Natur meiden Wildkatzen menschliche Nähe, weshalb sie sich in den seltensten Fällen in freies Gelände ohne Deckung begeben.   Einblick in eine Wildkatzen-Saison in der Wildtierstation: Unsere Wildkatzen kommen, je nach Gesundheitszustand oder wenn sie ihre Wärme noch nicht halten können, in den Inkubator. Wenn die Kitten fit und groß genug sind, kommen sie in den Freilaufraum, in dem sie unter Beobachtung weiter aufgezogen und gepäppelt werden. Im Freilaufraum haben sie altersangepasste Kletter- und Versteckmöglichkeiten, damit sie sich wohlfühlen und ohne Gefahr toben können. Bis zur fünften/sechsten Woche bekommen die Kätzchen Aufzuchtmilch von Fox-Walley, die sie je nach Alter und Kräftezustand erst aus der Flasche bekommen und dann noch aus der Schale, um sie nach und nach auf Mäuse umzustellen. Unsere Frühjahrskätzchen bleiben durchschnittlich von Mai bis September in der Wildtierstation. Mit ca. zwölf Wochen sind sie futterfest, dann dürfen sie aus dem Freilaufraum hinaus in die Scheune, um als nächsten Schritt im Juli/August ins Außengehege umzuziehen. Mit fünf bis sechs Monaten bekommen die Kätzchen dann für den Lernprozess Lebendfutter; anschließend wird das Außengehege geöffnet und die Wildkatzen können in die Freiheit. Für die „langsamen Lerner“ wird noch bis zu sieben Wochen lang Futter im Freilauf bereitgestellt. Unsere Herbstwildkatzen bleiben über den Winter in der Wildtierstation und werden erst ab März ausgewildert. Wildkatzenaufzucht ist kostspielig, denn Wildkatzen ernähren sich ab einem bestimmten Alter größtenteils von Mäusen, altersabhängig von 3 bis 15 Mäusen täglich. Damit die Mäuse als Frischfleisch geliefert werden, müssen diese tiefgefroren vorbestellt werden. Pro Wildkatze belaufen sich die Aufzuchtkosten vom Kindesalter bis zur Auswilderung auf etwa 1.500 bis 2.000 Euro. Die Kosten setzen sich im Wesentlichen aus Nahrung - größtenteils Mäusen - medizinischen Laboruntersuchungen und der Wurmkur zusammen. +++ Mehr über Wildkatzen: Naturerlebnis 2024 im Kellerwald: Wildkatze ganz nah Erfolgreiche Wiederansiedlung von Wildkatzen Quellen: Interview mit Wildkatzenexpertin und Wildtierpflegerin Ilka Piskin. Rudolf Piechocki: Die Wildkatze. Neue Brehm-Bücherei Bd. 189, Westarp 1990. Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: Knaurs Großes Jagdlexikon. Augsburg 2000, Stichwort: Wildkatze S. 920.

  • Mufflons und Schlammlawinen – Spurensuche vor Ort in Meckenbach

    Hör doch mal rein | Im Kreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz gilt seit Anfang März eine Allgemeinverfügung, die die Jagd auf Mufflons während der Schonzeit und der Brut- und Setzzeit selbst nachts erlaubt. Das Ziel der Oberen Jagdbehörde ist die Ausrottung der nicht heimischen Wildschafe im gesamten Kreisgebiet. Wir berichteten darüber . Warum die Bejagung der Mufflons das Problem der Bodenerosion am Hang in Meckenbach eher verschärfen wird, erläutern wir in diesem Artikel. Der offenbar ausschlaggebende Anlass für diese rigorose Entscheidung war die Situation im 350-Seelen-Dorf Meckenbach bei Kirn: Regelmäßig fließt bei kräftigem Regen vom steilen Südwesthang oberhalb der Häuser Schlamm und Wasser ins Dorf. Besonders häufig passiert dies unterhalb eines besonders steilen und kaum bewachsenen Hangabschnitts. Mitverantwortlich sollen dafür die zahlreichen Mufflons sein. Was ist dran an der Geschichte und kann die schonungslose Bejagung das Problem lösen?  Gemeinsam mit Frank Ahlbrand, Gründer der Initiative „Rettet die Mufflons im Hunsrück“ war ich vor Ort auf Spurensuche: Beim Blick von der anderen Talseite fiel direkt ein großer kahler Bereich auf. Der übrige Hang wirkt auf den ersten Blick grün. Bei genauem Hinsehen sind aber weitere lichte Stellen zu sehen, an denen der felsige Boden zwischen Bäumen und Büschen durchschimmert. Wir trafen den Bürgermeister, Herrn Schlarb, bei seinem Haus, das genau unterhalb des genannten kahlen Steilhangs steht und hatten mit ihm einen angenehmen und respektvollen Austausch unserer Standpunkte. Die neben seinem und den Nachbarhäusern deponierten Sandsäcke muteten an diesem staubtrockenen Maitag zunächst skurril an. Bei genauem Hinsehen wurde das Problem aber trotz der wochenlangen Dürre deutlich: Der Waldweg, der neben dem Haus des Bürgermeisters auf die Hauptstraße mündet, zeigte tiefe Abflussrinnen. Zahlreiche kleine ausgetrocknete Furchen zogen sich durch den dichten Wald unterhalb des Steilhangs und mündeten auf dem Weg. Es war deutlich zu sehen: Schlamm und Wasser fließen hier regelmäßig in vielen Rinnsalen den Hang hinab, werden durch den Weg zusätzlich gebündelt und ergießen sich ins Dorf. Wir machten uns auf den Weg zum Ursprung des Schlammflusses, fuhren ganz nach oben und gingen vom Hügelplateau den Hang abwärts Richtung Dorf. Es überwog Traubeneichenwald, der von größeren Lücken durchsetzt war, die zumeist von dichtem Strauchwuchs ausgefüllt wurden. Auffällig waren die vielen, aufgrund der Trockenperioden der letzten Jahre abgestorbenen Bäume. Der steile Hang war sehr unübersichtlich und recht unwegsam. Schließlich erreichten wir den besagten kahlen Bereich: Einzelne tote Eichengerippe und trockenresistente Sträucher, überwiegend Weichselkirschen (=Steinweichseln) wechselten mit großen, völlig kahlen Flächen. Der Boden bestand aus lockerem, feinkörnigem Sandsteinmaterial, das leicht durch Regen abgespült werden konnte. Der Einfluss der Mufflons war tatsächlich kaum zu übersehen: Krautvegetation fehlte nahezu völlig und die Blätter und Zweige der Weichselkirschen und vereinzelten Hundsrosen waren bis in Fraßhöhe abgeweidet. An verschiedenen Stellen, sowohl in dem kahlen Hangabschnitt, als auch in den bewaldeten Bereichen fanden sich zahlreiche Liegestellen der Mufflons im lockeren trockenen Boden. An einer umgestürzten morschen Eiche haftete viel Haarfilz der Wildschafe – eine beliebte Scheuerstelle. Es wurde also deutlich sichtbar: Das Dorf Meckenbach ist stark von herabfließendem Wasser und Schlamm betroffen. Eine Mitverantwortung der zahlreich dort lebenden Mufflons ist wahrscheinlich, denn ohne ihren Fraß wäre der zwar trockene, aber mit lockerem Boden bedeckte Hang mit großer Wahrscheinlichkeit stärker bewachsen und somit besser vor Erosion geschützt. Aber ist das Problem durch die schonungslose Jagd lösbar oder wird es dadurch nur noch schlimmer?  Fakt ist: Der Hang ist so steil und so unübersichtlich, dass eine Bejagung dort kaum oder nur stark eingeschränkt möglich ist. Die Mufflons werden also unweigerlich abseits des Steilhangs bejagt. Somit fungiert der Hang mit aller Wahrscheinlichkeit als relativ sicherer Rückzugsraum, in dem sich die Wildschafe nun erst recht bevorzugt aufhalten dürften, zumal der Steilhang dem natürlichen Lebensraum des Mufflons relativ nahekommt. Wir gehen davon aus, dass die beabsichtigte Ausrottung kaum gelingen wird. Die Bejagung  wird aber, wie im oben verlinkten Bericht beschrieben, zu erheblichen Kollateralschäden führen und sie wird das Erosionsproblem möglicherweise verschärfen , weil die Mufflons in die besonders sensiblen Hangabschnitte gedrängt werden. Statt auf die Jagd zu setzen, die sich nicht zur Problemlösung eignet, müssen andere Lösungen in Erwägung gezogen werden, wie beispielsweise mechanische Barrieren und eine bauliche Lenkung des Wasserabflusses. In den Alpen und anderen höheren Gebirgen bestehen diesbezüglich Erfahrungswerte. +++ Weitere Informationen zum Thema: Mufflons sollen im Kreise Bad Kreuznach ausgerottet werden Facebook-Gruppe Rettet die Mufflons im Hunsrück

  • Mufflons sollen im Kreis Bad Kreuznach ausgerottet werden

    Hör doch mal rein | Relativ wenige Menschen kennen Mufflons und noch viel weniger Menschen haben diese Tiere jemals freilebend gesehen. Mufflons sind Wildschafe, sie sind entweder der Ursprung unserer Hausschafe oder zumindest sehr nah mit den Ursprungsschafen verwandt. Das Muffelwild, wie sie von Jägern genannt werden, ist bei uns nicht heimisch, sondern stammt aus dem Mittelmeerraum. Als Jagdwild wurden Mufflons in verschiedenen Regionen Deutschlands ausgesetzt. Mufflon | Bild: Manfred Antranias (Pixabay) Der Ursprungslebensraum sind trockene, gebirgige Felslandschaften. Hier bewegen Mufflons sich trittsicher und für Beutegreifer kaum erreichbar in steilen Hanglagen. In Deutschland dagegen leben sie meistens in größeren Wäldern. Auf dem weichen Waldboden werden ihre stetig wachsenden Hufe kaum abgenutzt, was zu Krankheiten wie der Moderhinke führen kann. Zudem sind sie den sich wieder ausbreitenden großen Prädatoren Wolf und Luchs völlig ausgeliefert, da sie hier nicht in Steilhänge flüchten können. Wo Wolf oder Luchs vorkommen, löschen sie daher die Mufflonbestände in der Regel ziemlich schnell aus. Das Mufflon wurde also zum Jagdvergnügen in eine ihm völlig fremde Landschaft gebracht, an die es nicht angepasst ist. Erstaunlich ist vor diesem Hintergrund die Forderung des Landesjagdverbandes Brandenburg, „…das Muffelwild vor seiner Ausrottung durch zugewanderte Prädatoren zu schützen“ (1). Gemeint ist der Wolf, eine heimische Tierart, die durch Jagd in Deutschland ausgerottet wurde und heute wieder auf dem Weg zur ursprünglichen Verbreitung ist. Jägerschaft steht hinter den Plänen zur Ausrottung der Wildschafe Ein völlig anderer Weg wurde aber nun im rheinland-pfälzischen Kreis Bad Kreuznach eingeschlagen. Seit Anfang März ist die eigentlich vom 01.02. bis 31.07. währende Schonzeit für Mufflons durch eine Allgemeinverfügung (2) aufgehoben, und nicht nur das: Mufflons dürfen dort nun auch unter Verwendung von Nachtzieltechnik und künstlichen Lichtquellen während der Nacht gejagt werden. Dies betrifft beide Geschlechter und alle Altersgruppen mit Ausnahme von Elterntieren. Die Kreisverwaltung Bad Kreuznach hat Mufflons nun also für vogelfrei erklärt und nimmt dafür alle Konsequenzen billigend in Kauf. Während der Landesjagdverband die Zulassung von Nachtzieltechnik kritisiert (3) stehen der Kreisjägermeister Bad Kreuznach die Mehrheit der Jagdausübungsberechtigten hinter der Verfügung. (2) Die Sozialstrukturen der Mufflonherden werden nun noch mehr als bisher fortwährend zerstört. Noch mehr als bisher werden sich die Mufflons in die dichten Wälder zurückziehen, mit allen Konsequenzen für den Baumnachwuchs. Insbesondere bei der Nachtjagd werden die Lämmer mit Sicherheit häufig übersehen, so dass der Abschuss führender Mutterschafe regelmäßig zu erwarten ist. Die Konsequenz ist qualvolles Verhungern der mutterlosen Lämmer. Generell können wir davon ausgehen, dass die Gefahr für Fehlschüsse bei der Nachtjagd erheblich erhöht ist, denn die Ansprache des Wildes mit Wärmebildtechnik ist nicht in dem Maß möglich wie unter Tageslicht. Hinzu kommen die Störungen für all die anderen Tiere: Kerngebiet der Mufflons ist der Bereich südlich der Nahe und westlich des Glan von Bad Sobernheim bis Kirn. Die sehr abwechslungsreich strukturierte Landschaft beherbergt ein wichtiges Vorkommen der streng geschützten Wildkatze und auch der Schwarzstorch ist hier Brutvogel. Diese Arten und viele weitere sensible Wildtiere laufen Gefahr, während der Fortpflanzungszeit („Brut- und Setzzeit“) erheblich gestört zu werden. Einige Schüsse in Nestnähe reichen aus, um eine Schwarzstorchbrut zu vereiteln. Wir halten die Erlaubnis für die ungebremste und schrankenlose Jagd auf die Wildschafe im Kreis Bad Kreuznach mit dem Ziel der Ausrottung für äußerst schädlich – sowohl für die Mufflons selbst als auch für andere Tierarten, mit denen sie ihren Lebensraum in Nahebergland teilen. Zudem ist der Wolf dabei, sich allmählich in Rheinland-Pfalz zu verbreiten und es wurde offensichtlich bereits ein vom Wolf gerissener Muffelwidder in der betreffenden Region gefunden. Eine natürliche Lösung des vermeintlichen „Mufflonproblems“ ist daher in Sichtweite, denn Wölfe werden den Mufflonbestand voraussichtlich erheblich reduzieren – wenn man zulässt, dass sie sich etablieren. Gemeinsam mit dem Deutschen Tierschutzbund, der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht und dem Bund gegen Missbrauch der Tiere haben wir dem zuständigen Forstministerium in Mainz die Sachlage mitgeteilt, mit der Forderung, die Allgemeinverfügung zurückzunehmen. +++ Lesen Sie auch: Mufflons und Schlammlawinen – Spurensuche vor Ort in Meckenbach Informationsquellen: (1)   Landesjagdverband Brandenburg (2022): LJBV-Position Muffelwild (2)   Allgemeinverfügung der oberen Jagdbehörde zur Schonzeitaufhebung Muffelwild (3)   Kritik des Landesjagdverbands an der Nachtzieltechnik

  • Wildkatzen - erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte

    Hör mal rein | Wildkatzen sind hübsche und äußerst scheue Waldbewohner, die großflächige zusammenhängende Waldgebiete und naturnahe Wiesenflächen zum Überleben benötigen. Die heutzutage allgemein voranschreitende Übernutzung der Natur durch die intensiv betriebene Land- und Forstwirtschaft raubt unzähligen Wildtieren ihren natürlichen Lebensraum. Dies wirkt sich spürbar nachteilig auf ihren Aktionsradius sowie die Artenvielfalt aus. Die europäische Wildkatze galt in unseren Breiten jahrzehntelang als quasi ausgestorben. Auf Grund aufwändiger Wiederansiedlungsprojekte zahlreicher Naturschutzorganisationen sind die seltenen „Wildtiger“ seit Jahren dabei sich ihr einstiges Revier langsam wieder zurückzuerobern. Früher wurden die in ganz Europa heimischen Wildkatzen seitens der Jägerschaft regelrecht gehasst und als gefährliche Bestien abgestempelt. Heute traut man sich zumindest nicht mehr, sich öffentlich so zu äußern. Bild: Luise Dittombée Mit feinstem Equipment auf die Pirsch Ende August beginnt sich bei Wildkatzen das Winterfell zu entwickeln. Dieses weist fast doppelt so viele Haare auf wie ihr Sommerkleid, auch sind die länger ausgebildet. Männliche Wildkatzen, auch Kuder genannt, unterbrechen lediglich zur Paarungszeit das ansonsten ganzjährig gelebte Einzelgängerdasein. Danach trennen sich die Wege wieder, denn die Aufzucht der Jungen liegt alleine in der Obhut der Weibchen. Wildkatzen verfügen über beachtlich ausgebildete Sinnesorgane, wie z. B. über einen stark ausgeprägten und Hunden überlegenen Geruchsinn. Die überaus hohe Intelligenz, das starke Gebiss und die kräftigen Pranken, kombiniert mit ihrer schnellen Reaktionszeit und der altbewährten Katzengeschmeidigkeit, befähigen sie als ausgesprochen erfolgreiche Jäger. Seltene Samtpfoten auf Rückeroberungskurs Früher wurden die in ganz Europa heimischen Wildkatzen seitens der Jägerschaft regelrecht gehasst und als gefährliche Bestien abgestempelt. Die Aussetzung von Jagdprämien und ihre gnadenlose Verfolgung führten, ähnlich wie bei Wolf und Luchs, zur fast völligen Ausrottung. Lediglich vereinzelte Restbestände konnten sich der radikalen Hetzjagd widersetzen. Die intensiv betriebene Forstwirtschaft sowie die massiv zunehmende Zersiedelung zusammenhängender Wald- und Landschaftsgebiete durch den fortschreitenden Siedlungsbau und die ständige Erweiterung des Verkehrswegenetzes, führten ebenfalls dazu, dass viele Teile Deutschlands lange Zeit als völlig Wildkatzen-frei galten. In wissenschaftlichen Fachkreisen stehen Wildkatzen sozusagen als ein Indikator dafür, wie es um die Biodiversität im Wald und den angrenzenden Feldflächen bestellt ist. Wildkatzen zählen laut Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten, auf der Roten Liste der Wirbeltiere sind sie ebenfalls als gefährdet eingestuft. Bild: Luise Dittombée Naturschutzorganisationen arbeiten mit vereinten Kräften an der nachhaltigen Wiederansiedlung und weiteren Ausbreitung der faszinierenden Waldschönheiten, deren europäische Herkunft wissenschaftlich belegt ist. Wildtierschutz Deutschland nimmt in seiner hessischen Wildtierstation jedes Jahr etwa ein Dutzend verwaiste Wildkatzenkinder auf und bereitet sie auf die Wiederauswilderung vor. Glücklicherweise sind die scheuen nachtaktiven Jäger seit einigen Jahren dabei, langsam in ihre frühere Heimat zurückzukehren. Die europaweit geschützten Wildkatzen bevorzugen naturbelassene großflächig ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten im Unterholz wie auch in Baumhöhlen, Fuchs- und Dachsbauen sowie naturnahe Wiesen, wo sie sich fernab negativer menschlicher Einflüsse ungestört entfalten können. Zu ihren heutigen Hauptverbreitungsgebieten zählen Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald, Westerwald und Taunus, ebenso Teile von Ost-Deutschland wie der Thüringer Wald, Harz und Hainich. Anlass zur Euphorie besteht jedoch leider nicht, denn es ist noch ein weiter Weg bis zur Erholung der Population. Bedauerlicherweise fällt eine Vielzahl der schützenswerten Samtpfoten dem kontinuierlich zunehmenden Straßenverkehr zum Opfer. Wildkatzenschutzzonen bringen Artenvielfalt zurück Wildkatzen zählen laut Bundesartenschutzverordnung zu den besonders geschützten Arten, auf der Roten Liste der Wirbeltiere sind sie ebenfalls als gefährdet eingestuft. Zudem stehen sie unter ganzjähriger Schonzeit und dürfen deswegen nicht gejagt werden. Umso mehr bedarf es der Zusammenarbeit von Umwelt- und Naturschützern mit Politikern, Behörden und erfordert Rücksichtnahme und Sensibilisierung wie auch Kompromissbereitschaft von Landbesitzern und Jägern, um ihr zukünftiges Überleben zu sichern. Für das ausgiebige Wanderverhalten der seltenen Waldkatzen sind zusammenhängende strukturreiche Waldgebiete und heckenumsäumte Wiesen unverzichtbar. Diese sichern neben den benötigten Versteck- und Klettermöglichkeiten auch die notwendige Lebensgrundlage ihrer Beutetiere. Die an ihre Lebensbedingungen angepasste Wiedervernetzung der Wälder durch Ankauf von Wald- und Wiesenflächen sowie Baum- und Heckenbepflanzung und die Errichtung sogenannter Grün- und Wildkorridore, wurde seinerzeit vom BUND initiiert. Erst durch die Ausweitung zerteilter Flächen und Schaffung neuer Lebensräume können Wildkatzen nunmehr ihrem ausgeprägten Wanderschaftsdrang nachgehen. Dadurch wird der Austausch mit anderen isolierten Wildkatzenpopulationen untereinander gefördert, was Inzucht entgegenwirkt, die ansonsten durch begrenzte Flächen begünstigt wird. Die Ausweitung von Nationalparks ist ein wichtiges Instrument, um Deutschlands Wäldern wieder naturnahes und artenreiches Leben einzuhauchen. Davon profitieren neben Wildkatzen auch weitere Waldbewohner wie beispielsweise Spechte, Luchse und viele mehr. Bild: Luise Dittombée Die Umgestaltung aufgeräumter steriler Waldflächen in sogenannte Urwaldparzellen ist die Gunst der Stunde. Denn nur naturnahe Wälder mit Rückzugsrefugien bieten die notwendige Lebensgrundlage zur Wiedergewinnung bzw. Verbesserung der biologischen Vielfalt. Die Ausweitung von Nationalparks ist ein wichtiges Instrument, um Deutschlands Wäldern wieder naturnahes und artenreiches Leben einzuhauchen. Davon profitieren neben Wildkatzen auch weitere Waldbewohner wie beispielsweise Spechte, Luchse und viele mehr. Zudem fördern natürliche Wälder mit Totholzinseln einen humusreichen Waldboden, der für die Folgegenerationen unserer heute immer noch stark kränkelnden Bäume, eine dringend benötigte Lebensgrundlage in Aussicht stellt. Das ist besonders in Hinblick auf den sich fortwährend ausweitenden Klimawandel ein erstrebenswerter zusätzlicher Nebeneffekt. +++ Lesen Sie auch: Mein schönstes Naturerlebnis - Wildkatze ganz nah

  • Alternative Fakten und die Senkung des Schutzstatus für den Wolf

    Wer erinnert sich noch an Trumps Beraterin während seiner ersten Amtszeit, Kellyanne Conway? Sie prägte bei einer Talkshow im Jahr 2017 den Begriff „alternative Fakten“, der in Deutschland und in Österreich damals zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Dieser Begriff meinte nichts anderes als: Egal wie die Wahrheit aussieht, wir können uns die Dinge so zurechtbiegen, wie wir wollen. Er prägt eine Art von Dammbruch, seitdem insbesondere evidenzbasierte wissenschaftliche Erkenntnisse häufig in Zweifel gezogen oder gar ignoriert werden. Sind die Fakten unbequem oder widersprechen sie einem gerade herrschenden Interesse, bedient man sich nun gern „alternativer Fakten“. Eine wie auch immer geartete Wolfsjagd ist hinsichtlich des Schutzes er Weidetiere nicht zielführend | Bild: Michael Hamann Genauso lief es bei der Herabstufung des Schutzstatus des Wolfs in der Berner Konvention und nun auch in der FFH-Richtlinie. Wissenschaftler, die Jahre und Jahrzehnte lang geforscht haben, Erkenntnisse und Beweise zusammengetragen und Lösungsvorschläge erarbeitet haben, bleiben ratlos zurück. Voraussetzung für die Herabstufung des Schutzstatus einer streng geschützten Art ist insbesondere das Erreichen eines günstigen Erhaltungszustands . Gemäß der FFH-Richtlinie müssen für eine Bewertung des Erhaltungszustands wissenschaftlich erhobene Fachdaten verwendet werden. Der günstige Erhaltungszustand ist erreicht, wenn eine Art, hier der Wolf, ihr gesamtes natürliches Verbreitungsgebiet besiedelt und dies voraussichtlich auch weiterhin so bleibt. In Deutschland ist weniger als ein Drittel der Staatsfläche von Wölfen bewohnt , obwohl sich der Großteil des Landes als Lebensraum für diese anpassungsfähige und flexible Tierart eignet. In den meisten EU-Ländern ist die Situation ähnlich: Der Wolfsbestand expandiert zwar, aber vom Erreichen eines günstigen Erhaltungszustands sind wir - genauso wie andere Staaten in Europa - noch weit entfernt. Dennoch hat das Europäische Parlament am 8. Mai 2025 der Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes in der FFH-Richtlinie zugestimmt. Zahlreiche Quellen belegen, dass die Herabstufung des Schutzstatus jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt (1, 2, 3) und somit auf „alternativen Fakten“ beruht. Eine endgültige Entscheidung zur Änderung der FFH-Richtlinie durch Zustimmung der Mitgliedsstaaten im Rat der Europäischen Union erfolgt voraussichtlich im Juni und gilt als Formsache. Ebenso schlimm wie die verbreitete Ignoranz der Wissenschaft sind die falschen Hoffnungen, die bei Weidetierhaltenden geweckt werden . Es ist vielfach bewiesen, dass der Abschuss von Wölfen die Probleme nicht löst und dass es keine Alternativen zu einem guten Herdenschutz gibt. Es ist aber eine unbequeme Wahrheit, dass die Politik den Weidetierhaltenden viel mehr und viel unbürokratischer als bisher unter die Arme greifen und den Herdenschutz effizient fördern muss. Stattdessen ignoriert die Politik auch hier lieber die Fakten und gibt bereitwillig den einflussreichen Lobbyverbänden nach, die laut nach Abschuss des Wolfes rufen. Zerstörte Rudelstrukturen und der Verlust erfahrener Wölfe, führen zu mehr statt zu weniger Rissen. Die Leidtragenden sind die Tierhalter und natürlich die Weidetiere selbst, die bewusst im Regen stehen gelassen werden. Die am meisten Leidtragenden sind letztlich die Wölfe, denn der Ruf nach Abschuss wird nicht verklingen, solange nur populistische Scheinlösungen  umgesetzt werden. Zudem sinkt die Hemmschwelle zur Selbstjustiz weiter. Von 1.000 tot aufgefundenen Wölfen in Deutschland trugen 14 Prozent Geschosse in ihren Körpern, die nicht Todesursache waren (4). Mit anderen Worten: Mehr als jeder achte Wolf in Deutschland hat Beschuss überlebt. Wie viele Wölfe tödlich getroffen wurden, ist unbekannt, denn die meisten illegal gejagten Wölfe dürften nicht gefunden werden, ganz nach dem Motto: Schießen, schaufeln, schweigen. +++ 1) Der BS23-Bericht wurde nicht von Fachleuten geprüft, enthält keine Begründung für die Herabstufung und weist auch nicht darauf hin, dass die Herabstufung eine valide Lösung zur Verbesserung der Koexistenz darstellt. ( Blanco JC and Sundseth K (2023) The situation of the wolf (Canis lupus) in the European Union wurde von der EU als "wissenschaftliche" Studie für die Entscheidung der Herabsetzung des Schutzes des Wolfes herangezogen)   2)  Die LCIE ( Large Carnivore Iniciative for Europe ) bemängelt die Entscheidungsfindung der EU zur Herabsetzung des Schutzes des Wolfes    3)  IUCN: Diese Entscheidung (Herabstufung durch die Berner Konvention) könnte langfristige Auswirkungen auf den Erhaltungszustand und das Management der Wolfspopulationen in Europa haben .   4) Der Wolfspodcast, Folge 53 :

  • Fuchsjagd ab April: Fuchswelpen in der Todeszone

    Es ist ein Vergnügen, Fuchswelpen bei ihrem Spiel und ihren Erkundungen rund um den Bau zuzusehen. Sie rennen, springen, toben, balgen und sie untersuchen und beschnuppern alles. Das intensive soziale Spiel und die kaum stillbare Neugier in ihrer Kindheit machen Füchse zu dem, was sie sind: Außergewöhnlich intelligente, anpassungsfähige, flexible und zugleich vorsichtige und feinfühlige Wesen. Große Verluste, viel Nachwuchs, viel Elend | Video Dr. Martin Steverding Es ist unerträglich und kaum vorstellbar, dass Jäger junge Füchse am Bau in Welpenfallen fangen, erschießen oder erschlagen. „Mit dem Hellwerden sitzt der Jäger so lange am Bau an, bis der letzte bestätigte Jungfuchs erlegt ist. (…) Nur wenn die Fähe keinen Jungfuchs mehr zu versorgen hat, hört sie auf, Futter herbeizuschleppen und über ihren eigenen Bedarf hinaus zu rauben.“ So ist es in diesem Mai in einer Jagdzeitschrift zu lesen. Welcher Mensch ist in der Lage, die ausgelassen und voller sichtbarer Lebensfreude spielenden Fuchswelpen zu töten? Wie kann ein Jägermagazin heutzutage noch zur gezielten und systematischen Tötung von Tierkindern aufrufen? Gut versteckt in einem der vielen kleinen Kiefernwäldchen konnte ich einen Fuchsbau in den vergangenen Wochen mit der Wildkamera und zum Teil auch direkt mit dem Fernglas beobachten. Die Welpen spielten bereits Anfang April regelmäßig vor dem Bau, sie wurden demnach in der zweiten Februarhälfte geboren. Die Fuchsjagd in dieser Niederwildregion ist extrem intensiv, und besonders Ende Februar wird massiv Fang- und Baujagd, Lock- und Reizjagd bzw. Jagd mit Luder und Mäuseburg betrieben. Die Devise heißt: Möglichst kurz vor der Schonzeit für Altfüchse , die am 1. März in NRW und und einigen weiteren Bundesländern beginnt, die Fähen töten, damit die Reviere zur laufenden Saison nicht mehr neu besetzt werden. Nach Mitte April wurden die Welpen immer mehr tagaktiv und sie spielten und rauften ausgiebig vor der Kamera. Ich traute meinen Augen kaum: Es waren auf mehreren der vielen Hundert Videoaufnahmen zehn Welpen zugleich zu sehen! Die Fuchsmutter ließ sich nur ganz selten und immer nur kurz vor der Kamera blicken, der Vater gar nicht. Ich gehe aber davon aus, dass ein Rüde anwesend ist, ansonsten hätten so viele Welpen nicht überleben können. Auch zu zweit leisten die Fuchseltern schier Unglaubliches: Durch die jagdlich erzwungene Nachtaktivität bleiben ihnen nur acht bis neun dämmerige oder dunkle Stunden, um genügend Nahrung zu beschaffen. Zeit und Energie, mit den Welpen zu spielen gibt es nicht. Auf keiner einzigen Aufnahme sind Eltern und Jungtiere beim gemeinsamen Spiel zu beobachten. Die riesige Welpenschar zeigt, wie die Füchse auf die unnatürlich hohe Sterblichkeit durch die extreme Bejagung reagieren: Mit maximaler Reproduktion. Sie ziehen 10 Welpen auf, damit vielleicht zwei davon die Chance haben, dem Kugelhagel zu entrinnen und das Erwachsenenalter zu erreichen. Füchse können nach verschiedenen Studien einen jährlichen Verlust von zwei Dritteln bis vier Fünfteln ihres Bestandes durch erhöhte Reproduktion ausgleichen. Die Fuchseltern sind dabei gezwungen, auf volles Risiko zu gehen – sowohl was die eigene körperliche Leistungsfähigkeit als auch die Art und Weise des Beutefangs betrifft. Die Reste einer erwachsenen Graugans am Bau zeigten, was unsere Fuchseltern auf sich nahmen, denn sowohl der Fang als auch der Transport dieser Beute dürften ihre ganze Kraft erfordert haben. Ohne Fuchsjagd hätte die Familie wahrscheinlich nur zwei bis fünf Welpen und eine oder mehrere Helferfähen aus dem Familienclan würden die Aufzucht unterstützen. Es wäre reichlich Zeit auch für die Eltern zum Spielen. Füchse sind ihr Leben lang verspielt – unsere Fuchseltern aber haben dazu weder Zeit noch Energie. Sie müssen die vielen hungrigen Mäuler allein stopfen, während der wenigen dunklen Tagesstunden, ohne einen Familienclan und 24/7 wachsam. Wir kennen die Folgen der rigorosen Fuchsjagd für das Ökosystem nicht genau. Wir können aber sicher davon ausgehen, dass eine Fuchsfamilie mit zehn Welpen und unter (durch die Jagd) erzwungener Nachtaktivität völlig anders jagt als eine Familie mit fünf oder weniger Welpen, mit flexiblen Aktivitätszeiten und einer unterstützenden Familiengruppe. Prädatoren wie der Fuchs sind sehr wichtig für ein funktionierendes Ökosystem und sie müssen ein artgerechtes Leben führen können. Füchse, die permanent an der körperlichen Leistungsgrenze stehend riesige Würfe durchbringen müssen, die nur nachts das Umfeld des schützenden Baus verlassen und beim Beutefang stets auf volles Risiko gehen müssen, können ihrer Rolle im Ökosystem kaum gerecht werden. Das Wohl des Individuums ist mit dem Wohl des Ökosystems eng verknüpft. Tierschutz, Arten- und Naturschutz müssen daher Hand in Hand gehen. Belastbare Belege dafür, dass die Fuchsjagd dem Artenschutz dient, bleiben Jägerschaft und Behörden schuldig.

  • Brennpunkt Rheinland-Pfalz – Jagd auf Dachse

    Petition hier unterzeichnen Ich vermute mal, dass Sie in der Natur bisher kaum einen Dachs beobachtet haben. Wenn überhaupt, findet man die kräftigen, marderartigen Tiere tot am Straßenrand. Neben der Jagd (etwa 65.000 Abschüsse pro Jahr in Deutschland) ist der Autoverkehr (ca. 25.000 Unfallopfer) der größte Feind dieser doch recht seltenen, nachtaktiven Tierart. Seine Nahrung besteht in Mitteleuropa (mit geringen regionalen Unterschieden) ganz überwiegend aus Regenwürmern[1]. Weitere wesentliche Nahrungsbestandteile sind kleinere Wirbeltiere, vor allem Mäuse, Aas, Insekten, Schnecken und zudem Kirschen, Zwetschgen, Äpfel oder Brombeeren[2]. Getreide wird auch während der Reifezeit kaum als Nahrungsmittel genutzt[3]. Jungdachse haben in Rheinland-Pfalz überhaupt keine Schonzeit. Bild von Berndt Fischer: aus dem Wildtierkalender 2023 Der Dachs hat sich hierzulande schon einmal in einer sehr kritischen Bestandsituation befunden. Als nämlich gegen Ende der 1960er Jahre Jagdverbände und Politik der irrigen Meinung waren, durch die Begasung von Fuchs- und Dachsbauen die Tollwut ausmerzen zu können, wurde etwa 80 Prozent des Dachsbestands ausgelöscht. Erst ab Mitte der 1990er Jahre konnte sich die Zahl der „Grimbarts“ wieder erholen. Für das Umweltministerium in Mainz gelten aus diesem Grunde die jährlichen Jagdstrecken von jeweils über 5.000 Dachsen in Rheinland-Pfalz als Ergebnis „ausgewogener Regelungen und Formen im Umgang mit dieser Wildart“. Die Rheinland-Pfälzer lassen die nachtaktiven Allesfresser sogar über die Jagdzeit des Bundesjagdgesetzes von August bis Oktober hinaus bis Ende Dezember bejagen. Es ist den Jägern auch erlaubt, die Tiere mit Hunden in ihren Bauen zu bejagen, sie in Fallen zu fangen und die über Jahrzehnte genutzten Rückzugsorte mit Schaufel und Bagger zu zerstören. Allein die Tatsache, dass der Dachs derzeit im Bestand als nicht gefährdet gilt, gibt keinen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Jagd her[4]. Wohl deshalb konstruiert das jagdaffine Ministerium Gründe, die für die Begründung einer flächendeckenden Jagd nicht haltbar sind: Grimbart falle auf, weil er Grabsteine umstürze und Grabbepflanzungen verwüste. Außerdem sagen ihm die Verantwortlichen des zuständigen Referats „häufige Meldungen über Schäden im landwirtschaftlichen Bereich“ nach. Dabei dürfte es sich überwiegend um unerhebliche, also zumutbare Schäden, noch dazu auf Maisfeldern handeln. Auch das ist kein Grund, dem Dachs, der im Übrigen durch die Jägerschaft in der Regel nicht verwertet wird, jagdlich nachzustellen. Denn der Tierschutz hat in der heutigen Gesellschaft eine so überragende Bedeutung, dass es im Allgemeininteresse liegt, dass der Grundbesitzer unerhebliche Einbußen an seinem Eigentum zugunsten des Tier- und Naturschutzes hinnehmen muss. Es gibt also weder rechtliche, noch ökologischen, ökonomische oder epidemiologische Gründe, die eine flächendeckende Bejagung des Dachses nachvollziehbar begründen. In Mainz – wie wohl in den meisten Ministerien weiterer Bundesländer – liegen nicht einmal belastbare Daten zu einer Evaluierung jagdlicher Maßnahmen gegen Dachse vor, die auch nur annähernd einen vernünftigen Grund für die Jagd belegen könnten. Die imposanten Tiere leben in einem festen Sozialgefüge, wodurch die Reproduktion nachhaltig eingeschränkt ist. Jungdachse (die ganzjährig ohne Schonzeit bejagt werden dürfen) bleiben in vielen Fällen 12 Monate und länger im Familienverbund. Dadurch ist auch das Töten von erwachsenen Tieren unter dem Gesichtspunkt des Elternschutzes und damit des Tierschutzrechts mehr als kritisch zu betrachten. +++ [1] Krapf, Pflanzliches Nahrungsspektrum und -angebot des Dachses (Meles meles L.) im Sihlwald, 1997, S. 3 und 15, http://www.parcs.ch/wpz/pdf_public/2014/9144_20140320_144333_hkrapf_1997_dachs.pdf [2] Krapf, Nahrungsspektrum, S. 3 und 6. [3] Krapf, Nahrungsspektrum, S. 16 [4] Dazu: Der vernünftige Grund zur Tötung eines Tieres am Beispiel der Dachsjagd – § 17 Nr. 1 TierSchG im Lichte des Art. 20a GG und des Allgemeinen Teils des StGB von Sönke Florian Gerhold

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