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Mehlschwalbenkolonie Biblis - offener Brief an RWE-Nuklear

  • Wildtierschutz Deutschland
  • vor 3 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Der Adressat unseres offenen Briefes ist Steffen Kanitz, Geschäftsführer RWE Nuclear und Ressortvorstand Kernenergie RWE Power AG


Die etwa 400 Nester der im Bestand gefährdeten und besonders geschützten Mehlschwalbe sollen noch in diesem Januar durch RWE-Nuclear gemeinsam mit dem verbliebenen Kühlturm des ehemaligen Atomkraftwerks zerstört werden.
Die etwa 400 Nester der im Bestand gefährdeten und besonders geschützten Mehlschwalbe sollen noch in diesem Januar durch RWE-Nuclear gemeinsam mit dem verbliebenen Kühlturm des ehemaligen Atomkraftwerks zerstört werden.

Sehr geehrter Herr Kanitz,

am letzten von einst vier Kühltürmen des ehemaligen AKW Biblis befinden sich in 80 m Höhe die Nester einer der mit etwa 800 Tieren bedeutsamsten Brutkolonien der standorttreuen Mehlschwalbe in Deutschland. Entsprechend einer Pressverlautbarung soll der letzte Kühlturm noch in diesem Januar abgebrochen werden.

 

Bereits heute hat Ihr Unternehmen den besonders geschützten und gemäß Roter Liste der Brutvögel gefährdeten Zugvögeln durch den Abriss von drei Kühltürmen nachteilige Bedingungen geschaffen und einen möglicherweise erheblichen Schaden zugefügt.

 

Die 2023 getroffenen Maßnahmen zur Umsiedlung der Schwalbenkolonie in Biblis durch das Aufstellen von acht bis zu acht Meter hohen Schwalbentürmen mit insgesamt 423 Kunstnestern sind gescheitert: Kein einziger Anflug einer Mehlschwalbe konnte bisher dokumentiert werden. Da somit weder eine Nutzung noch eine funktionale Gleichwertigkeit der vorgezogenen Ausgleichsmaßnahme belegt ist, kann aus fachlicher Sicht nicht davon ausgegangen werden, dass die ökologische Funktion der betroffenen Fortpflanzungsstätten ausreichend gesichert ist.

 

Vor der Zerstörung von bestehenden Fortpflanzungs- oder Ruhestätten ist gemäß Bundesnaturschutzgesetz die Wirksamkeit von vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen sicherzustellen oder sie muss mit einer hohen Prognosesicherheit fachgutachterlich attestiert werden. Die seitens RWE Nuclear in der Presse geäußerte Meinung, dass nach dem Abbruch des verbliebenen Kühlturms die Mehlschwalben schon die künstlichen Nester an den von Ihnen bereitgestellten Schwalbentürmen beziehen würden, ist eine völlig unbelegte Hypothese, aber kein fachgutachterliches Votum.

 

Wir weisen darauf hin, dass die Errichtung von Schwalbentürmen zur Umsiedlung eine Methode ist, die innerhalb bebauter Ortschaften unter bestimmten Voraussetzungen funktionieren kann. Untersuchungen zum Erfolg von Schwalbentürmen in offener Landschaft liegen dagegen nicht vor. Mit den Schwalbentürmen ergeben sich zudem weitere Risiken für die Brutvögel: Fehlender Schutz vor Luftprädatoren, extreme klimatische Bedingungen.

 

Es freut uns, dass dem Energiekonzern RWE der „Naturschutz am Standort Biblis ein wichtiges Anliegen“ ist – wir erwarten, dass Sie auch entsprechend handeln.

 

Aufgrund der dramatischen Situation der Mehlschwalben in Biblis appellieren wir an Ihr Unternehmen den Abbruch des verbliebenen Kühlturms zunächst auszusetzen. Wir sind gerne bereit gemeinsam mit Ihnen Lösungen zu finden, die sowohl den Verbleib der Mehlschwalbenkolonie ermöglicht als auch den gesetzeskonformen Rückbau der Anlage.

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