top of page

Maulwurf im Winter – der heimliche Gärtner bleibt aktiv

  • Susanne Schüßler
  • vor 14 Minuten
  • 4 Min. Lesezeit

Der Maulwurf gehört zu den bekanntesten und zugleich missverstandenen Wildtieren unserer Kulturlandschaft. Kaum ein Tier ist so präsent und gleichzeitig so unsichtbar. Seine Erdhügel verraten ihn, doch selbst bekommt man ihn fast nie zu Gesicht. Besonders im Winter stellen sich viele Menschen die Frage, was eigentlich aus dem Maulwurf wird, wenn die Temperaturen sinken, der Boden gefriert und scheinbar kein Leben mehr an der Oberfläche stattfindet.


Maulwurf im Winter
Maulwurf im Winter | Adobe

Kein Winterschlaf, sondern ganzjährige Aktivität

Entgegen der weit verbreiteten Annahme hält der Maulwurf keinen Winterschlaf. Er bleibt das ganze Jahr über aktiv. Das ist notwendig, denn sein hoher Energiebedarf erlaubt keine langen Ruhephasen. Als Insektenfresser muss er regelmäßig Nahrung aufnehmen, um seine Körpertemperatur zu halten. Ein längeres Fasten, wie es Winterschläfer praktizieren, würde er nicht überleben.


Leben unter der Erde – Anpassung an Frost und Kälte

Im Winter verlagert der Maulwurf sein Leben in tiefere Bodenschichten. Während seine Sommergänge oft nah unter der Oberfläche verlaufen, gräbt er in der kalten Jahreszeit bis zu einem Meter tief. Dort ist der Boden frostfrei, feuchter und bietet bessere Bedingungen, um Nahrung zu finden. Regenwürmer, Insektenlarven und andere wirbellose Tiere ziehen sich ebenfalls in tiefere Erdschichten zurück, und der Maulwurf folgt ihnen.


Maulwurf: Ein Baumeister für gesunden Boden

Seine Gänge sind weit mehr als zufällige Röhren. Der Maulwurf ist ein hoch spezialisierter Baumeister. Mit seinen schaufelartigen Vorderpfoten lockert er den Boden, verbessert die Durchlüftung und fördert die Durchmischung der Bodenschichten. Was für manche Gartenbesitzer ärgerlich erscheint, ist aus ökologischer Sicht ein wertvoller Beitrag zur Bodengesundheit. Maulwürfe tragen zur natürlichen Bodenpflege bei, ganz ohne Maschinen oder Chemie.


Maulwurfhügel im Schnee Winter
Maulwurfhügel sind Ausdruck eines ökologisch wertvollen Beitrags. Bild: Adobe

Vorratshaltung als Überlebensstrategie

Ein oft unterschätzter Aspekt ist das ausgeklügelte Vorratssystem des Maulwurfs. Für den Winter legt er Nahrungskammern an, in denen er vor allem Regenwürmer sammelt. Diese werden nicht getötet, sondern durch einen gezielten Biss bewegungsunfähig gemacht. So bleiben sie frisch und verfügbar, auch wenn die Nahrungssuche zeitweise schwieriger wird. Dieses Verhalten zeigt eindrucksvoll, wie perfekt der Maulwurf an sein Leben unter der Erde angepasst ist.


Wie lange bleibt ein Maulwurf im Garten?

Viele Menschen fragen sich, wie lange ein Maulwurf überhaupt in einem Garten bleibt. Maulwürfe sind Einzelgänger und besetzen Reviere, deren Größe vom Nahrungsangebot abhängt. Findet ein Tier ausreichend Regenwürmer und Insektenlarven, kann es über Monate oder sogar mehrere Jahre im selben Garten bleiben. Verschwindet die Nahrungsgrundlage, etwa durch Bodenverdichtung, Trockenheit oder Pestizideinsatz, zieht der Maulwurf weiter. Seine Anwesenheit ist daher ein deutlicher Hinweis auf gesunden, lebendigen Boden.


Die Vorteile eines Maulwurfs im Garten

Die Vorteile eines Maulwurfs im Garten sind vielfältig. Durch seine Grabtätigkeit lockert er verdichtete Erde, verbessert die Wasseraufnahme und fördert die Bodenbelüftung. Schädliche Insektenlarven wie Engerlinge gehören zu seiner Nahrung, wodurch er ganz nebenbei zur natürlichen Schädlingsregulation beiträgt. Die von ihm an die Oberfläche beförderte Erde ist feinkrümelig und nährstoffreich und eignet sich hervorragend für Beete oder Blumenkästen. Ein Garten mit Maulwurf ist kein Problemgarten, sondern ein ökologisch funktionierender Lebensraum.


Ultraschallgeräte – erlaubt, aber problematisch

Dennoch gilt der Maulwurf vielerorts noch immer als unerwünschter Gast. Zwar sind Ultraschallgeräte zur Vertreibung von Maulwürfen rechtlich erlaubt, ihre Anwendung ist jedoch kritisch zu betrachten. Diese Geräte erzeugen Schallwellen, die nicht nur den Maulwurf stressen, sondern auch Igel und Fledermäuse erheblich beeinträchtigen können. Selbst für Haustiere wie Hunde und Katzen, die ein empfindliches Gehör haben, bedeuten solche Dauerreize Stress, Unruhe und im schlimmsten Fall gesundheitliche Beeinträchtigungen. Zudem ist die Wirksamkeit der Geräte umstritten, während der Stress für die Tiere real ist.


Winter, Klimawandel und steigender Druck

Gerade im Winter leidet der Maulwurf unter zusätzlichen Belastungen. Längere Frostperioden erschweren die Nahrungssuche, während milde Winter mit häufigem Wechsel zwischen Frost und Tau den Boden instabil machen. Hinzu kommt der Klimawandel, der die Lebensbedingungen des Maulwurfs zunehmend verschlechtert. Längere Trockenphasen lassen den Boden austrocknen, Regenwürmer ziehen sich tief zurück oder sterben ab, Starkregenereignisse können Gänge fluten und Vorratskammern zerstören. Der Maulwurf gerät dadurch in einen permanenten Überlebensmodus, der enorme Energie kostet.


Menschliche Eingriffe als zusätzliche Gefahr

Auch menschliche Eingriffe verschärfen die Situation. Intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, Bodenverdichtung durch schwere Maschinen und die zunehmende Versiegelung von Flächen nehmen dem Maulwurf seine Lebensgrundlage. In aufgeräumten Gärten mit kurz geschorenem Rasen und lebloser Erde findet er kaum Nahrung. Jeder Eingriff in sein Gangsystem zwingt ihn dazu, neue Röhren anzulegen, was besonders im Winter lebensbedrohlich sein kann. Selbst hilfebedürftige Maulwürfe werden mittlerweile in Igelauffangstationen abgegeben.


Ein besonders geschütztes Wildtier

Der Maulwurf ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Er darf weder gefangen, verletzt noch getötet werden. Auch seine Baue dürfen nicht zerstört werden. Dieser Schutz ist Ausdruck seiner ökologischen Bedeutung und kein bürokratisches Hindernis.


Wie wir dem Maulwurf helfen können

Wer dem Maulwurf helfen möchte, kann mit einfachen Maßnahmen viel bewirken. Unversiegelte Flächen, Laub unter Hecken, Komposthaufen und vor allem der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel fördern ein lebendiges Bodenökosystem. Je vielfältiger das Bodenleben, desto stabiler ist auch die Lebensgrundlage des Maulwurfs.


Ein stiller Mitbewohner unter unseren Füßen

Der Maulwurf erinnert uns daran, dass Natur nicht immer sichtbar, ordentlich oder kontrollierbar ist. Sein Leben spielt sich größtenteils verborgen ab, und doch hat es direkten Einfluss auf das, was wir sehen und nutzen. Gerade im Winter, wenn vieles still wirkt, arbeitet er weiter unter unseren Füßen.

Vielleicht lohnt es sich, beim nächsten Erdhügel innezuhalten. Nicht als Ärgernis, sondern als Zeichen dafür, dass unter der Oberfläche noch Leben ist. Der Maulwurf zeigt uns, dass echter Naturschutz oft dort beginnt, wo wir lernen, der Natur ihren Raum zu lassen.

+++


Vielleicht interessiert Sie auch:

bottom of page