Todesfalle für Wildtiere: ASP-Wildzaun im Rheingau-Taunus-Kreis (Hessen) – Abbau ab April möglich
- Lovis Kauertz
- vor 14 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Der Rheingau, das an den Ausläufern des Hintertaunus mit Blick über den Rhein nach Rheinhessen gelegene Weinanbaugebiet zwischen Wiesbaden und Rüdesheim am Rhein, war nie ein Hotspot der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Das ASP-Gesehen im Rheingau-Taunus-Kreis fand über einen Zeitraum von knapp elf Wochen ausschließlich in der Gemeinde Eltville statt und dort vorwiegend auf der vorgelagerten Rheininsel Mariannenaue.
Kurzer, lokal begrenzter ASP-Ausbruch in Eltville
Am 9. Dezember 2024 wurde ein erstes von in der Folge lediglich vier infizierten Wildschweinen auf einer Rheinaue zwischen den Eltviller Stadtteilen Hattenheim und Erbach entdeckt. Es ist anzunehmen, dass diese Wildschweine sich auf der Mariannenaue infiziert hatten, bevor sie durch den Rhein auf den Grünstreifen vor der Bundesstraße 42 geschwommen sind. Die B 42 bildet eine natürliche Barriere zu den Weinbergen des Rheingaus.
Kurz darauf wurden weitere infizierte Wildschwein-Kadaver auf der kleinen, Eltville vorgelagerten Rheininsel Mariannenaue entdeckt. Neben den vier am Ufer gefundenen Wildschweinen gab es 38 Kadaver auf der Mariannenaue. Nach dem letzten Fund auf der Rheininsel am 28. Februar 2025 wurde im gesamten Landkreis Rheingau-Taunus trotz intensiver Suche, knapp drei Monate nach dem ersten Fund, kein weiteres mit ASP infiziertes Wildschwein gefunden.


Rehe verletzen sich und kommen am Wildzaun zu Tode – fast täglich
Am etwa 30 bis 40 km langen Wildzaun entlang der Waldgrenze oberhalb des Weinanbaugebietes kommt es fast täglich dazu, dass sich Wildtiere, allen voran Rehe, verletzen oder zu Tode kommen. Sie versuchen über den 1,20 m hohen Drahtgeflechtzaun zu springen oder einfach durch den Zaun zu rennen, wie sie es zwischen den Weinreben gewohnt sind, durch die Litzen zu laufen. Sie bleiben im Draht der Zäune hängen und sterben aufgrund der Verletzungen, die sie sich zuziehen. Häufig sind die Rehe, die in kleinen Gruppen über den Zaun in den Wald wechseln wollen, in Panik. Die wird ausgelöst durch die Unüberwindbarkeit der Grenze zu ihrem Lebensraum, dadurch, dass ein Artgenosse es bereits auf die andere Seite geschafft hat, durch Menschen und Verkehr auf den Landwirtschaftswegen.
Die Weiße Zone – jedes Wildschweinleben ausgelöscht
Der Bereich zwischen den Orten Walluf, Eltville bis nach Hattenheim bildet die sogenannte Weiße Zone. Sie umschließt das Kerngebiet gegenüber der Mariannenaue. Sie verläuft im Wesentlichen entlang des Rheinufers und nutzt die Bundesstraße 42 (B42) als künstliche Barriere nach Norden hin. Die Weiße Zone bildet dort einen einige hundert Meter breiten Korridor, der mittels Doppelzäunung gesichert ist. Dort wurde seit dem ersten Ausbruch der ASP alles darangesetzt jedes Wildschweinleben auszulöschen. Dazu wurden spezielle „Entnahmeteams“ mit Hunden, Drohnen und Saufängen (Wildschwein-Fallen) beauftragt. Der etwa 30 km lange Zaun entlang der Waldgrenze dürfte als zusätzliche Sicherungsmaßnahme gegolten haben.

12 Monate ASP-frei – Antrag Aufhebung Sperrzone II
Nach aktuellen Erkenntnissen sind nun fast ein Jahr nach dem letzten Fund eines infizierten Wildschweins die Bedingungen für die Aufhebung der Sperrzone im Rheingau-Taunus-Kreis gegeben. Der Landkreis ist seuchenfrei und es hat ein intensives Monitoring durch Fallwildsuche und ASP-Tests von erlegten und tot aufgefundenen Wildschweinen stattgefunden. Es ist nun Aufgabe der Landesregierung den EU-Behörden zu belegen, dass die Sperrzone II im Bereich des Landkreises befundfrei ist.
Dazu ist nach dem 28. Februar seitens des Landes Hessen bei der EU-Kommission ein Antrag auf Aufhebung der Sperrzone II zu stellen. Wenn das zuständige Landwirtschaftsministerium entsprechende Vorbereitungen bereits getroffen hat und in der Februar-Sitzung des zuständigen EU-Fachausschusses bereits über den Sachstand informiert hat, kann über einen Antrag bereits Mitte/Ende März entschieden werden.
Nach der Aufhebung der Sperrzone II sollte aus seuchenpolitischer Sicht dem Abbau sämtlicher ASP-Zäune im Rheingau-Taunus-Kreis nichts mehr im Wege stehen.








