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Keine Lösung für Mehlschwalben am KKW Biblis | Behördengespräch ohne akzeptables Ergebnis

  • Autorenbild: Lovis Kauertz
    Lovis Kauertz
  • vor 5 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

RWE Nuclear GmbH, Betreiber des ehemaligen Kernkraftwerks in Biblis, will partout keine Mehlschwalben auf seinem Werksgelände dulden. Dabei rühmt sich RWE noch heute, 1995 aktiven Vogelschutz betrieben zu haben, als bei der Sanierung der Kühltürme unterhalb der Kühlturmkrone ein Streifen Spezialputz angebracht wurde. Dieser stellte sicher, dass die Nester der Mehlschwalben halten konnten.


Mit 700 bis 1.400 Lehmkügelchen bauen Mehlschwalben innerhalb von 10 bis 14 Tagen ein Nest. Die Zeit geht für die Brut verloren. Bild AdobeStock
Mit 700 bis 1.400 Lehmkügelchen bauen Mehlschwalben innerhalb von 10 bis 14 Tagen ein Nest. Die Zeit geht für die Brut verloren. Bild AdobeStock

Mit dem Abbruch der letzten beiden Kühltürme im vergangenen Dezember und im Januar sind auch die Mehlschwalben passé. 800 Vögel der als gefährdet eingestuften Art haben hier einst gebrütet. Eine der bedeutendsten Mehlschwalbenkolonien Deutschlands.


Baudezernent Schimpf hat zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, dass er an der Umsetzung einer aus fachlicher Sicht wirksamen Ausgleichsmaßnahme interessiert ist. „Unser Eindruck ist, dass der Kreis Bergstraße unter dem Regiment von RWE steht. Anderenfalls wäre die Anordnung der Anbringung von Kunstnestern an zwei 40 m hohen Gebäuden in der unmittelbaren Nähe der ehemaligen Kühltürme kein Thema,“ erläutert Florinde Stürmer von Wildtierschutz Deutschland.  „Der als Totschlagargument vorgebrachte Verkauf oder Abbruch dieser Gebäude ist lediglich ein Vorwand. Unsere Recherchen haben ergeben, dass ein Abbruch der ehemaligen Maschinenhallen der Reaktoren aktuell überhaupt nicht im Raum steht. Vielmehr wurde bereits Interesse einer Darmstädter Firma bekundet, die hier künftig forschen möchte.“


Wildtierschutz Deutschland hatte im Vorfeld gemeinsam mit MUNA e.V., BUND Bergstraße und weiteren Naturschützern fachliche Daten dazu vorgelegt, dass die seit 2022 geplanten und aufgestellten acht Schwalbentürme im Freiland nicht funktionieren können. Sie sind für die ursprünglich an Felsen brütenden Mehlschwalben im Vergleich zu den ursprünglichen Nestern in 80 m Höhe zu tief gelegen, heizen sich im Sommer derart auf, dass Jungschwalben darin umkommen und sind außerdem der Prädation durch Greifvögel und Rabenvögel ausgesetzt.


Am 26. Februar hatte Matthias Schimpf Wildtierschutz Deutschland und weitere Naturschutzorganisationen zu einem Behördengespräch eingeladen. Daran nahmen auch Vertreter von RWE teil. Ergebnis des Gesprächs war die Bereitschaft seitens RWE und der Behörde auf der vor dem KKW-Gelände gelegenen Rheinwiese fünf weitere acht Meter hohe Masten aufzustellen und daran gemeinsam mit den Naturschützern die Anbringung von etwa 800 Nestern zu konzipieren.


„Was sich zunächst auch für uns interessant anhörte, entpuppte sich nach einer Ortsbegehung und der Rücksprache mit einer Schwalbenexpertin als ähnlich kritisch wie die bereits bestehenden Schwalbentürme. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nester angenommen werden, ist nach wie vor ausgesprochen gering. Prädation ist in der Rheinaue nicht abwendbar. Einzig das Hitzeproblem ließe sich durch entsprechende Baumaßnahmen vielleicht etwas abmildern, weshalb wir die Anbringung von Nestern an bestehenden Gebäuden für alternativlos erachten“ ergänzt Florinde Stürmer. Ein entsprechender Antrag Nester an den Gebäuden als wirksame Ausgleichsmaßnahme anzubringen ist nach wie vor offen.


Wenn ab Mitte dieses Monats erste Mehlschwalben aus ihren Winterquartieren südlich des Äquators nach Biblis zurückkehren, werden sie keine geeigneten Brutstätten mehr vorfinden.

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