Über die ökologische Funktion von Füchsen und anderen Beutegreifern
- Lovis Kauertz
- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Fuchs und Wolf bezeichnet man als sogenannte Beutegreifer oder Prädatoren. Die Jäger bezeichnen sie als „Raubsäuger“ oder allgemein als „Raubwild“. Das sind Tierarten, die sich überwiegend von Fleisch ernähren. Damit unterscheiden sie sich von den Pflanzenfressern (Biber, Feldhase, Reh, Hirsch), die vegane Kost beherzigen, sowie von den Allesfressern (Wildschwein, Waschbär, Dachs), deren Speiseplan gemischt ist. Zu den gefiederten Beutegreifern gehören auch Eulen und Greifvögel.
Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Wolf und Fuchs gelten insbesondere den Jagdverbänden nur als „Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit ein negatives Image aufgedrückt bekommen.

Das "Raubwild", wie die Jäger es nennen, hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften, indem es zum Beispiel hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss dieser Gesundheitspolizisten auf das Verhalten und auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet kaum eine Berücksichtigung in der Diskussion, wie wir gerade jetzt wieder beim Wolf erleben.
Auch die Rolle von Fuchs & Co. als „Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Sie erbeuten im Gegensatz zum zweibeinigen Jäger hauptsächlich kranke und reaktionsschwache Tiere und sorgen so dafür, dass sich die Gene der starken und reaktionsschnellen Tiere vermehren. Beutegreifer sind daher unverzichtbare Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen!
Einige Beutegreifer entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. in großen Städten, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen. Das Risiko einer möglichen Übertragung von Zoonosen wird insbesondere bei Fuchs und Waschbär völlig übertrieben dargestellt und letztlich nur als Pro-Argument für die Jagd instrumentalisiert.
Die Jägerschaft hat seit jeher die Möglichkeit, diese Tierarten scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist bisher trotz noch so intensiver Jagd nie gelungen. Die Evolution hat den am Boden lebenden Prädatoren elegante Überlebensstrategien gegeben, mittels derer sie sich der Dezimierung durch Jagd entziehen.
Wenn landlebende Beutegreifer also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit legalen Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die Jagd auf sie überhaupt haben soll.
Viele Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern", also den Raubsäugerarten. Wissenschaftlich belastbare Belege für diese Behauptungen gibt es nicht.
Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Beutegreifer nicht bejagt werden, das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Das ist so im Naturschutzgebiet und „Urwald“ bei Saarbrücken, im Nationalpark Bayerischer Wald, im Kanton Genf seit über 50 Jahren, in vielen anderen unbejagten Arealen in Deutschland und international …. und seit 2015 in Luxemburg. Überall dort, wo Füchse nicht bejagt werden, gibt es weder mehr noch weniger Füchse, es gibt vielmehr einen stabilen Bestand ohne irgendwelche Auffälligkeiten.
Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden" in der Natur anzurichten. Sie sind vielmehr Bestandteil der Biodiversität und fördern sie auch.
Bei genauerer Betrachtung sollte klarwerden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Beutegreifer die primäre Ursache für Bestandseinbrüche der Niederwildarten Rebhuhn, Fasan, Feldhase sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Füchsen oder Mardern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. Jagdverbände sind zudem der Meinung, dass es nur deshalb noch Restbestände von Rebhühnern oder Feldhasen gibt, weil sie bejagt werden dürfen.
Nach wissenschaftlicher Faktenlage gibt es auch keinen Beleg dafür, dass die Jagd auf Füchse Wildkrankheiten wie Räude, Staupe oder den sogenannten Fuchsbandwurm eindämmen kann. Im Gegenteil steht die Jagd im Verdacht, die Ausbreitung dieser Krankheiten, sowie die Anfälligkeit von Tieren für Krankheiten generell durch Fehlselektion und Stress eher zu begünstigen. Das belegen seit einigen Jahren auch weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Schon die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern.
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