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Mehlschwalben – wie geht es den Sommerboten?

  • Florinde Stürmer
  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Symbol des Sommers und der alten, abwechslungsreichen Kulturlandschaft: Mehlschwalben. Das herbe Gezwitscher und rasante An- und Abfliegen kann man heute noch verstärkt in Städten und Dörfern südlicher Länder beobachten, in denen historische Stadtbilder vorherrschen und Gebäude mit überstehenden Dächern und strukturierten Fassaden die Zeiten überdauerte haben. Bei uns sind immer weniger der Flugkünstler zu beobachten. Die Mehlschwalbe ist eine besonders geschützte Art, die als gefährdet auf der Roten Liste der Brutvögel geführt wird.


Junge Mehlschwalben wird es am ehemaligen AKW Biblis bald nicht mehr geben. Ihre Nester sollen mit dem Kühlturm weggesprengt werden. Bild: David O'Brien
Junge Mehlschwalben wird es am ehemaligen AKW Biblis bald nicht mehr geben. Ihre Nester sollen mit dem Kühlturm weggesprengt werden. Bild: David O'Brien

Mehlschwalben leben am liebsten in Kolonien und bewegen sich gerne in Schwärmen, auch wenn die Brutzeit vorbei ist. Sie sind Zugvögel, die zum Überwintern den langen, strapaziösen Flug nach Afrika antreten. In dieser Zeit sind ihre Nester leer und warten auf die Rückkehr ihrer Teilzeit-Bewohner, die extrem standorttreu sind. Das Entfernen von Schwalbennestern ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten.


Die Nester von Mehlschwalben sind kleine Kunstwerke aus über tausend Lehmkügelchen, die von den Vögeln mit dem Schnabel aneinander geklebt werden in Form einer Halbkugel mit Einflugloch. Anschließend werden sie mit Moos und Haaren oder Gräsern ausgepolstert. Dabei sind Mehlschwalbenpärchen ziemlich modern und nach dem Prinzip der Gleichberechtigung beschäftigt: Brutplatzauswahl, Nestbau, Brüten und Fütterung der Jungtiere übernehmen männliche und weibliche Tiere gemeinsam. Ihre Nahrung sind Insekten. Die fangen Mehlschwalben im Flug in meist großer Höhe. Auch suchen sie die Nähe zu insektenreichen Gewässern.

 

Heute sind Bestände der charismatischen Vögel sinkend. Mehlschwalben sind als Kulturfolger von Menschen abhängig und finden häufig nicht mehr die Strukturen vor, die sie zum Überleben brauchen. Lehm in Pfützen zum Nestbau ist seltener geworden, seitdem viele Feldwege asphaltiert wurden und Flächen im städtischen Raum versiegelt sind. Auch höhere Temperaturen lassen Lehmpfützen austrocknen.

 

Alte, hohe Gebäude, auch Bauernhöfe, die nicht der energetischen Sanierung und Fassadenglättung zum Opfer gefallen sind, fehlen vielerorts. Insekten, die Nahrung und Existenzgrundlage der Mehlschwalben, sind rar geworden durch Insektizide und Herbizide, durch intensivierte Landwirtschaft und durch Extremwetter mit teils nassen und kalten Frühlingsmonaten, welche die Insektenbestände zusätzlich stark verringern. Im Herbst 2024 starben tausende Mehlschwalben in Süddeutschland und Österreich vor ihrem Abflug in die Winterquartiere durch Starkregenereignisse.

 

Eine Besonderheit einer Mehlschwalben-Teilpopulation hat Südhessen vorzuweisen: Hier ist eine sehr große Kolonie in Nähe des Rheins heimisch geworden und nistet zu Hunderten am letzten Kühlturm des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis in 80 m Höhe. Unter dem Rand des Turms kleben geschützt vor Wind und Wetter die kleinen Tonnester der geselligen Sommervögel. Allerdings muss hier leider davon ausgegangen werden, dass auch dieser Population bereits Schaden zugefügt wurde, denn drei der vier Kühltürme wurden seit 2023 gesprengt, und bis heute blieben die errichteten Ersatz-Nistplätze ungenutzt. Über die Beschaffenheit dieser Nistplätze und warum solche Maßnahmen bei einer geschützten Art von Monitoring begleitet werden müssen, werden wir in der nächsten Zeit berichten.

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