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  • Lovis Kauertz

Stadtfüchse (II): Miteinander kontra Panikmache

Hören - Berliner Tierschutzbeauftragte gegen Panikmache und für ein harmonisches Miteinander von Stadtmenschen und Stadtfüchsen


Der ehemalige Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, warnt aktuell medienwirksam vor vermeintlichen Gefahren, die von Füchsen in Städten wie Berlin ausgehen sollen. Der Veterinärmediziner wird unter anderem mit der reißerischen Forderung zitiert: „Füchse sollten dahin zurück, wo sie hingehören“.


Hierzu die Berliner Landestierschutzbeauftragte Dr. Kathrin Herrmann: „Diese Behauptungen können wir nicht unkommentiert lassen. Sie sind nicht richtig und schüren in der Bevölkerung unnötig Angst und Verunsicherung.“


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Wielers Behauptungen zu Stadtfüchsen sind überzogen und wissenschaftlich nicht haltbar. Bild: Mel Gardener (Unsplash)

Dr. Sophia Kimmig, Ökologin und Fuchsexpertin: „Füchse sind Kulturfolger und leben schon seit Jahrzehnten in unseren Städten. Das ist weder ein neues Phänomen noch Grund zur Besorgnis, denn in der Regel kommt es zu keinen Problemen zwischen Mensch und Stadtfuchs. Richtig ist vielmehr, dass Füchse dort, wo sie laut Wieler ‚hingehören‘, massiv bejagt werden.“


„Pro Jahr diagnostizieren Ärzte in Deutschland 30 bis 50 Fälle der alveolären Echinokokkose, die durch die Finnen des Kleinen Fuchsbandwurms verursacht wird. Damit ist sie eine der seltensten Parasitenerkrankungen Europas. Auch vor diesem Hintergrund ist die Warnung von Wieler überzogen und wissenschaftlich nicht haltbar“, so die Tierärztin Dr. Herrmann.


Hauptrisikofaktoren für die Erkrankung des Menschen am Fuchsbandwurm sind der Umgang mit toten Füchsen (etwa durch Jäger) sowie mangelnde Hygiene bei der Interaktion mit Katzen und Hunden. Letzteres liegt darin begründet, dass Katzen und Hunde durch den Verzehr infizierter Mäuse selbst zu Ausscheidern von Bandwurmeiern werden können. Wichtig ist daher das Entwurmen von Haustieren und die Hygiene im Umgang mit ihnen. Studien zeigen dagegen, dass der Verzehr bodennah wachsender Pilze oder Beeren in der Epidemiologie der Echinokokkose keine Rolle spielt.


Prof. Dr. Josef Reichholf, Biologe und Mitglied des Berliner Tierschutzbeirates, stellt klar: „Die vermehrte Bejagung des Fuchses auf dem Land hat die Ausbreitung des Fuchsbandwurms Echinococcus multilocularis noch zusätzlich befeuert, da die Tiere durch den Jagddruck mehr und weitläufig wandern und so die Durchseuchung mit dem Erreger zwischen den Fuchspopulationen vorangetrieben wird.“ Der Versuch, Füchse mittels Jagd zurückzudrängen, wäre nicht nur aussichtslos, sondern sogar kontraproduktiv.


Berlins Landestierschutzbeauftragte bittet daher darum, die Risiken zwar ernst zu nehmen, sie aber evidenzbasiert und realistisch einzuschätzen und entsprechend zu kommunizieren. „Denn niemandem ist geholfen, wenn Risiken übertrieben werden und so in der Stadtbevölkerung unberechtigt Ängste und Ressentiments gegen friedliebende Wildtiere geschürt werden. Demgegenüber sind die alltäglichen Handlungsempfehlungen bei Kontakt mit Wildtieren in einem respektvollen Umgang und Miteinander zu sehen – also: nicht Füttern, Abstand halten und gegebenenfalls anlassbezogene Hygienevorkehrungen treffen.“ sagt Dr. Herrmann.

„Wir empfehlen allen Bürgerinnen und Bürgern, den Anblick von Füchsen im Siedlungsraum als Ausdruck lebendiger Natur in unserer Nachbarschaft vorbehaltlos zu genießen.“

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Wer grundsätzlich mehr über das Thema Stadtfüchse und auch über andere Wildtiere erfahren möchte, kann dies im Rahmen der Berliner Online-Vortragsreihe „Wildtiere in der Stadt“ tun.

Am Mittwoch, den 2.8.2023 um 19 Uhr spricht Dr. Sophia Kimmig über Stadtfüchse. Weitere Informationen und kostenfreie Anmeldung hier.

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Lesen Sie hierzu auch Stadtfüchse (I): Ex-RKI-Chef Wieler schürt Ängste

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