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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Der Igel im Winter – ein stiller Hilferuf

    Dieser Beitrag erzählt nicht nur vom Igel im Winter in der freien Natur. Er ist in Zusammenarbeit mit Eva Baumann-Franke entstanden, einer Tierheilpraktikerin, die Igel in Not pflegt und fachkundig versorgt. Sie erlebt die dramatischen Folgen von Lebensraumverlust, Insektensterben und Klimawandel unmittelbar, denn immer mehr geschwächte Tiere werden in menschliche Obhut gebracht. Die Zahl der Igel, die auf Pflege angewiesen sind, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Braunbrustigel Jungtier, in Pflege aufgenommen Anfang Oktober mit unter 100 Gramm und jetzt im kontrollierten Winterschlaf seit Anfang Dezember | Bild: Eva Baumann-Franke Der Igel gehört zu den vertrautesten Wildtieren unserer Gärten. Und doch verschwindet er zunehmend aus unserer Landschaft. Sein Rückgang ist kein abstraktes Naturschutzthema, sondern spielt sich direkt vor unseren Augen ab. Der Braunbrustigel steht inzwischen auf der Roten Liste beziehungsweise auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten.  Dass ausgerechnet dieses anpassungsfähige Tier unsere Unterstützung immer dringender braucht, ist ein deutliches Zeichen dafür, wie stark sich seine Lebensbedingungen verschlechtert haben. Besonders der Winter wird für viele Igel zur Überlebensfrage. Was früher selbstverständlich war, nämlich sich im Herbst ausreichend Nahrung anzufressen und gut geschützt zu überwintern, ist heute für viele Tiere kaum noch möglich. Der massive Rückgang von Insekten, ausgelöst durch intensive Landwirtschaft, Pestizideinsatz, Flächenversiegelung und strukturlose Gärten, entzieht dem Igel seine Nahrungsgrundlage. Aufgeräumte Grünanlagen und monotone Rasenflächen bieten weder Nahrung noch Rückzugsorte . Der Igel leidet direkt unter diesen menschengemachten Veränderungen.  Durch seine Abhängigkeit von Insekten gehört der Igel zu den großen Verlierern dieser Entwicklung. Klimawandel bringt den natürlichen Rhythmus durcheinander Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation erheblich. Milde Winter, lange warme Herbstphasen und ungewöhnlich frühe Frühjahre bringen den natürlichen Jahresrhythmus des Igels aus dem Gleichgewicht. Viele Tiere gehen später in den Winterschlaf, wachen dafür aber deutlich früher wieder auf . In diesen Übergangszeiten finden sie jedoch kaum Nahrung, da Insekten und andere Wirbellose noch nicht oder nicht mehr in ausreichender Zahl vorhanden sind.   Auch der Fortpflanzungszyklus verändert sich. Igel bekommen teilweise früher Nachwuchs oder sogar zusätzliche späte Würfe im Jahr. Die Jungtiere aus diesen späten Geburten haben jedoch oft keine Chance, rechtzeitig genug Gewicht für den Winter anzulegen. Der Klimawandel verlängert damit scheinbar die aktive Zeit des Igels, verschlechtert aber in Wahrheit seine Überlebenschancen erheblich. Albino Braunbrustigel Jungtier in Pflege aufgenommen Mitte Oktober mit unter 100 Gramm und jetzt im kontrollierten Winterschlaf seit Mitte Dezember Fettreserven entscheiden über Leben und Tod Igel sind spezialisierte Insektenfresser. Käfer, Raupen und Larven bilden ihre natürliche Nahrungsgrundlage. Genau diese Tiere fehlen jedoch immer häufiger. Viele Igel finden im Herbst nicht mehr genug Nahrung, um sich die lebensnotwendigen Fettreserven anzufressen. Dabei ist ein Mindestgewicht entscheidend, um den Winter zu überstehen . Häufig weichen Igel auf Regenwürmer und Schnecken als Notnahrung aus. Daraus ergeben sich neue Probleme, denn die Nährstoffversorgung ist unzureichend, und sowohl Schnecken als auch Regenwürmer sind häufig Überträger von Parasiten wie dem Lungenwurm oder dem Darmhaarwurm.   Ein Jungigel sollte vor dem Winterschlaf mindestens 600 Gramm wiegen. Besonders Jungtiere aus späten Würfen erreichen dieses Gewicht immer seltener rechtzeitig vor dem Kälteeinbruch. Altigel sollten mindestens 900 Gramm auf die Waage bringen, bevor sie sich in den Winterschlaf begeben. Sehr viele Igel gehen geschwächt in die kalte Jahreszeit und haben ohne Hilfe kaum eine Chance zu überleben . Wichtig ist außerdem, dass ein Igel im Winter nicht einfach weiter draußen gefüttert wird, wenn er eigentlich zu schwach für den Winterschlaf ist. Bereits bei Temperaturen unter etwa 15 Grad Celsius nutzt der Igel die durch Futter aufgenommene Energie nahezu ausschließlich, um seine Körpertemperatur zu halten, und kann kein Körpergewicht mehr aufbauen. Der Winterschlaf – extremes Energiesparen Der Winterschlaf ist eine lebenswichtige Anpassung an nahrungsarme Zeiten. Im Winter zieht sich der Igel in sein Nest zurück und verfällt in einen tiefen Ruhezustand, der oft vereinfacht, als Winterschlaf bezeichnet wird. In dieser Phase fährt er seinen gesamten Organismus drastisch herunter. Die Körpertemperatur sinkt von rund 36 Grad auf wenige Grad über der Umgebungstemperatur, der Herzschlag verlangsamt sich stark, ebenso die Atmung. Der Igel lebt nun ausschließlich von seinen Fettreserven.   Jede Störung kostet ihn wertvolle Energie . Wird er zu häufig geweckt, kann das tödlich enden. Umso wichtiger sind ruhige, geschützte Winterquartiere aus Laub, Gras und Zweigen, die vor Kälte und Nässe schützen. Wenn ein Igel im Winter unterwegs ist, ist er in Not Ein Igel, der im Winter bei Frost, Schnee oder sogar tagsüber umherläuft, braucht immer Hilfe. Gesunde Tiere schlafen zu dieser Zeit gut verborgen. Tiere, die dennoch unterwegs sind, haben meist nicht genug Fettreserven, sind krank oder verletzt oder wurden durch Bauarbeiten, Gartenaufräumaktionen oder andere Störungen aus ihrem Nest vertrieben. Spätestens bei Temperaturen unter fünf Grad gilt ein umherlaufender Igel als hilfsbedürftig . Auch sehr kleine, leichte Tiere oder Igel, die apathisch wirken, sich kaum einrollen oder sichtbar verletzt sind, benötigen dringend Unterstützung. In solchen Fällen sollte nicht weggeschaut werden. Ein geschwächter Igel muss zunächst gesichert und anschließend umgehend eine Igelstation, eine Wildtierhilfe oder eine wildtierkundige Tierärztin oder Tierarzt kontaktiert werden, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Jeder gerettete Igel zählt. Unüberlegte Hilfe kann mehr schaden als nützen. Fachkundige Unterstützung ist entscheidend. Wie dem Igel fachgerecht geholfen wird Eva Baumann-Franke berichtet, dass Anfang Dezember noch Jungtiere mit gerade einmal 300 Gramm Körpergewicht in Pflege kamen. Fast alle brachten sowohl Endo- als auch Ektoparasiten mit. Zwei Tage nach Silvester wurde zudem ein Altigel von Kindern beim Rodeln im Schnee entdeckt. Er war stark unterernährt und litt unter massivem Milbenbefall.   Diese Tiere hatten Glück. In fachkundiger Pflege konnten sie stabilisiert, behandelt und auf ein geeignetes Winterschlafgewicht aufgefüttert werden. Im Winter können sie nicht mehr einfach ausgewildert werden. So gehen Igel aus der Pflege von Ende November bis in den Januar hinein meist verspätet in einen sogenannten kontrollierten Winterschlaf. Dieser findet an einem schattigen, ruhigen Platz in Gärten statt, in einem speziell eingerichteten Überwinterungsgehege mit winterschlafgeeignetem Haus. Nur so kann sichergestellt werden, dass mögliche Störungen oder ein vorzeitiges Aufwachen bemerkt werden. Naturnahe Gärten und sichere Schlafplätze Langfristig entscheidet sich das Überleben des Igels vor allem in unseren Gärten. Naturnahe Gärten sind kein Zeichen von Vernachlässigung, sondern lebenswichtige Rückzugsräume und aktiver Beitrag zum Wildtierschutz. Laubhaufen, Totholz, dichte Hecken und unversiegelte Flächen bieten Nahrung, Schutz und Winterquartiere. Zusätzlich können Igelschlafhäuser eine wertvolle Hilfe sein, wenn sie fachgerecht aufgestellt und gesichert sind.   Ein geeignetes Schlafhaus  sollte ruhig, wettergeschützt und möglichst ungestört stehen. Wichtig ist ein enger, verwinkelter Eingang oder eine sogenannte Rattenklappe, die verhindert, dass größere Tiere eindringen können. Es muss sichergestellt sein, dass keine Katzen, Marder oder Ratten Zugang haben, da sie den Igel gefährden oder vertreiben können. Das Schlafhaus darf im Winter keinesfalls geöffnet oder kontrolliert werden, um den Igel nicht unnötig zu stören. Ein Wildtier, das auf uns angewiesen ist Dass der Igel heute unsere Hilfe braucht, ist kein Zeichen seiner Schwäche und auch kein individuelles Schicksal, sondern das Ergebnis menschlicher Eingriffe in natürliche Lebensräume. Klimawandel, Lebensraumverlust, Flächenversiegelung und Insektensterben greifen ineinander und treffen den Igel besonders hart. Sein Überleben hängt zunehmend davon ab, ob wir bereit sind, ihm Raum, Nahrung und Schutz zu lassen. Sein Schicksal steht stellvertretend für viele andere Wildtiere.   Jeder naturnahe Garten, jedes sichere Schlafhaus und jede helfende Hand im Winter können den Unterschied machen. Der Igel lebt leise und unauffällig. Sein Verschwinden wäre ebenso still. Ihm Raum zu lassen bedeutet, Verantwortung für den Schutz unserer heimischen Tierwelt zu übernehmen. +++ Mehr über Igel gibt es hier

  • Aus dem Leben einer Pflegestation für Igel

    Kaum zurück von der Fachtagung rund um den Igel in Münster ging hier das Telefon: ich möge einen Igel von einem Weg in Hürth (mal eben ein Weg ca 25 km von hier) abholen. Als ich der Frau, die sehr bestimmt auftrat, sagte, dass sie ihn bringen sollte, sagte sie nur ,,Leck mich doch am Arsch!” und legte auf. Ich bin kein Pizzabote, den man herbestellen kann und ich muss einfach mal ganz klar sagen: ,,Ich helfe gern und verdammt viel, aber ich lasse mich nicht so angehen und ausnutzen!” Ich bin auch nur ein Mensch im fortgeschrittenen Lebensalter mit begrenzter Leistungsfähigkeit . Als Nächstes kam am gleichen Tag ein Igel mit erheblich verletztem Ohr und Madenbefall . Und dann kamen die, die ich im Bild vorstelle: Winzlinge. Ein Mann hat offensichtlich eine Igelin mit einem Gartengerät verletzt und die lief weg und kam nicht wieder. Er fand das Nest mit den Kleinen und schnell versammelten sich dicke Fliegen um die Kleinen, die vielleicht einen Tag alt waren. Dieser Mensch suchte Hilfe und war sehr dankbar, sie hier zu finden. Nun versuche ich sie groß zu ziehen, bisher ist alles in Ordnung. Wer weiß was kommt. Das bedeutet für mich bei voller Station (voller verletzter und kranker Igel), dass ich alle zwei Stunden, derzeit auch nachts, füttern muss und die Verdauungsfunktion der Babyigel anregen muss. Viel Schlaf gibt es in dieser Zeit nicht. Wenn man mir gegenüber dann noch so dreist und frech und fordernd auftritt, erhöht es meine Leistungsfähigkeit und Bereitschaft nicht unbedingt. Eine Igelstation ist keine Abgabestelle auf deren kostenlose Leistung man einen Anspruch hat an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr. Leider wird es immer mal wieder von Zeitgenossen so gesehen. Wie gut, daß es so viele wirklich nette und verständnisvolle und rücksichtsvolle engagierte Finder immer wieder gibt, sonst könnte ich diesen Job nicht schon 40 Jahre durchgehalten haben. Meine Bitte: Wir haben die Zeit, wo sich Igel paaren, aber auch schon Junge zur Welt kommen und da suchen sich Igelinnen immer die merkwürdigsten Verstecke. Bitte Vorsicht nicht nur bei der Gartenarbeit, sondern auch bei Bauarbeiten und allen Arbeiten draußen. Die Igel und ich danken dafür, wenn die stacheligen Mütter ihre Kinder in Ruhe selbst großziehen können. Igelmütter können es immer besser als die besten Igelstationsbetreiber. Lesen Sie auch: Der Igel - Freund und Helfer im Garten.

  • Artenschutzverstoß: RWE nimmt Auslöschung einer der bedeutendsten Mehlschwalben-Kolonien bei geplanter Sprengung am AKW Biblis billigend in Kauf

    Drei der einstigen Kühltürme des Atomkraftwerks Biblis in Hessen hat der Betreiber RWE (Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG) bereits gesprengt. Der letzte verbliebene Kühlturm beherbergt den größten Teil der einst 423 Brutnester der besonders geschützten Mehlschwalben . Ihren Erhaltungszustand bewertet Deutschland im nationalen Bericht zur Vogelwelt als ungünstig-unzureichend. In der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands wird die Mehlschwalbe in der Kategorie „Gefährdet“   geführt. Sollte RWE den letzten Kühlturm jetzt sprengen, geht damit eine der bedeutendsten Mehlschwalbenkolonien Deutschland für immer verloren. Gemeinsam für den Erhalt der Mehlschwalben-Brutkolonie in Biblis Der letzte Kühlturm mit sämtlichen Nestern der Mehlschwalben soll voraussichtlich schon in diesem Januar gesprengt werden. Verantwortet wird der Rückbau durch die RWE Nuclear , deren Geschäftsführer und Ressortvorstand Kernenergie RWE Power AG Steffen Kanitz ist. Die Gesellschaft ist eine 100-prozentige Tochter der RWE AG und wird operativ von der RWE Power AG geführt. Mit der Sprengung des letzten Kühlturms wird eine der bedeutsamsten Mehlschwalben-Kolonien in Deutschland endgültig zerstört . „Vorstand und Geschäftsführung der für den Rückbau der Kühltürme zuständigen Unternehmensbereiche haben völlig verschlafen, den Anforderungen des Bundesnaturschutzgesetzes gerecht zu werden,“ erläutert Florinde Stürmer, Pressesprecherin der Tier- und Naturschutzorganisation Wildtierschutz Deutschland. „Zwar wurden 2023 kurz vor dem Abriss der ersten beiden 80 m hohen Kühltürme an etwa sieben Meter hohen Gestellen 423 Mehlschwalbennester bei irgendwelchen Gebüschen angebracht, doch diese wurden bis heute nicht von einem einzigen der Gebäudebrüter angenommen.“ Wildtierschutz Deutschland will die Auslöschung der bedeutenden Brutkolonie gemeinsam mit den Vor-Ort-Verbänden MUNA e.V. und BUND Bergstraße und der Ehrenamtlichen Wildvogelhilfe e.V. noch verhindern. „Bislang gibt es weder einen Brutnachweis an den errichteten Mehlschwalbentürmen noch Beobachtungen von Anflügen. Auch lief in den letzten Sommern keine Beschallung, um die Schwalben an die Nester heranzulocken. Somit gibt es keinen Ersatz für hunderte zerstörter Nester . Laut Bundesnaturschutzgesetz müssen Ausgleichsmaßnahmen erst greifen, bevor die Lebensstätten zerstört werden dürfen“, ergänzt Gaby Weiß, Ehrenamtlichen Wildvogelhilfe e.V. Sie ist Initiatorin des Protestes gegen die Zerstörung der Brutstätten der wohl größten hessischen Mehlschwalbenkolonie. +++ Mehr über die Mehlschwalbe in diesem Beitrag: Mehlschwalben – wie geht es den Sommerboten? Die Mehlschwalben-Brutkolonie in Biblis muss gerettet werden - ich will helfen!

  • Der Wolf als Feindbild – warum rechte Politik an starken freien Tieren scheitert

    Der Hass auf den Wolf ist kein Zufall. Er ist kein Naturschutzproblem, kein Sicherheitsproblem und schon gar kein ökologisches Problem. Er ist ein psychologisches und politisches Problem. Und er offenbart schonungslos, wie Teile der Politik – insbesondere CDU/CSU und AfD  – arbeiten: nicht lösungsorientiert, sondern emotionalisierend, eskalierend und verantwortungslos. Gewalt nicht mehr als letztes Mittel diskutiert, sondern als politisches Symbol gefeiert. Bild: Michael Hamann Der Wolf steht heute nicht wegen realer Gefahren unter Beschuss, sondern weil er etwas verkörpert, das autoritäres Denken kaum erträgt: Autonomie, Unabhängigkeit und Unkontrollierbarkeit.  Er überschreitet menschengemachte Grenzen, er ordnet sich nicht unter, er funktioniert nicht nach Besitzlogik. Genau das macht ihn zum perfekten Feindbild. Was wir erleben, ist keine sachliche Debatte, sondern eine bewusste Radikalisierung. Die Diskussion wird immer weiter ins Extreme getrieben – nicht, um Probleme zu lösen, sondern um dem lautesten Geschrei nachzugeben. Statt in funktionierenden Herdenschutz, Beratung und Prävention zu investieren, wird der Ruf nach dem Gewehr salonfähig gemacht. Inzwischen sogar nach dem Abschuss von Wolfswelpen . Spätestens hier sollte jedem klar sein: Es geht nicht um Sicherheit. Es geht um Machtdemonstration. Psychologisch ist das entlarvend. Welpen sind harmlos. Sie stellen keine Gefahr dar. Wer trotzdem ihre Tötung fordert, verlässt den Bereich rationaler Argumente. Hier wird Gewalt nicht mehr als letztes Mittel diskutiert, sondern als politisches Symbol gefeiert.  Das ist brandgefährlich. Der Wolf triggert ein tiefsitzendes Gefühl von Kontrollverlust. Rechte Politik lebt jedoch vom Versprechen totaler Kontrolle: Ordnung, Dominanz, Durchsetzung. Ein streng geschütztes, wissenschaftlich gut erforschtes Tier, das sich dieser Kontrolle entzieht und zudem durch EU-Recht abgesichert ist, passt nicht in dieses Weltbild. Also wird nicht das eigene Narrativ hinterfragt – sondern das Tier bekämpft. Auffällig ist auch der Widerspruch im Selbstbild: Man inszeniert sich als naturverbunden, stark, stolz. Doch diese „Stärke“ gilt nur, solange sie beherrschbar ist. Ein Hirsch im Fadenkreuz gilt als Tradition. Ein Wolf in Freiheit gilt als Provokation. Stärke wird nur akzeptiert, wenn sie unterlegen bleibt.  Alles andere macht Angst. Populismus braucht einfache Schuldige. Der Wolf eignet sich perfekt: sichtbar, emotional, symbolisch aufgeladen. Komplexe Ursachen – verfehlte Agrarpolitik, mangelhafter Herdenschutz, ökonomischer Druck – werden ausgeblendet. Statt Lösungen gibt es Parolen. Statt Verantwortung gibt es Eskalation. Besonders perfide ist dabei die Missachtung von Wissenschaft und Recht. Die Faktenlage ist eindeutig, der Schutzstatus klar. Doch Fakten stören, wenn Politik auf Bauchgefühl und Empörung setzt. Also werden Expertise und europäisches Recht diffamiert, relativiert oder offen angegriffen. Das ist kein Versehen – das ist Methode. Die Wahrheit ist unbequem, aber simpel: Nicht die Natur ist auf die Jagd angewiesen. Die Jagd ist auf politische Rückendeckung angewiesen. Und genau diese Rückendeckung wird geliefert. Laut, aggressiv und auf Kosten von Anstand, Recht und Vernunft. Der Wolf wird dabei nicht bekämpft, weil er gefährlich ist – sondern weil er frei ist. Eine Politik, die den Abschuss von Jungtieren diskutiert, hat jedes moralische Maß verloren. Sie schützt nicht die Menschen, sie schützt nicht die Natur. Sie schützt nur ein Weltbild, das mit Freiheit nicht umgehen kann. Der Wolf ist kein Problem. Er ist ein Spiegel. Und was er zeigt, scheint manchen unerträglich zu sein.

  • #böllerciao: Übergabe unserer Forderungen an Innenminister Dobrindt

    Seit Jahren sehen wir, dass in der  Silvesternacht  Menschen durch die Nutzung privaten Feuerwerks sterben und z.T. schwer verletzt werden, weil die Politik nicht handelt. Von Menschen, die psychisch unter dem teilweise mehrere Tage andauernden Böllerkrach leiden und von zig Tausenden von Tieren, die das Spektrum von Stress bis Tod durchmachen, gar nicht zu reden – davon nehmen die meisten politisch Verantwortlichen nicht einmal Kenntnis. Ausgebrannter Transporter am Neujahrsmorgen in Stuttgart Über 1.000 tote Bergfinken sammelte das Green Balkans Wildlife Rescue Center am Neujahrstag 2025 und dem Tag danach am Rand der bulgarischen Stadt Koprivshtitsa auf. Nach der Autopsie der toten Finken, die in der Ambulanz des Rettungszentrums durchgeführt wurde, sind sich alle Veterinärspezialisten des Zentrums einig, dass es sich um einen stressbedingten Tod handelte. Dies bewiesen die massiven Blutungen in der Bauchhöhle und an den Schädeln der Vögel. Petition „Silvester ohne Böller“ hier zeichnen Am Montag werden wir gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Rahmen der Initiative #böllerciao, die bereits über 60 Organisationen umfasst, unsere Forderungen in Berlin  an Bundesinnenminister Dobrindt (CSU) überreichen. Den Brief dazu finden Sie hier . Der Verkauf von Böllern an Privatpersonen muss aufhören, so, wie ab diesem Jahr in den Niederlanden. Der Minister und die Bundesregierung haben bisher alle Chancen, an Silvester Menschenleben, das Leben von Tieren und Sachwerte in Millionenhöhe zu schützen, vertan. Dobrindt meint wohl, die Freiheit des Einzelnen stehe über Leib und Leben der Bürger, seiner eigenen Bediensteten im Polizeidienst und von Millionen von Tieren in den privaten Haushalten und in der Natur. Schon der Vorgängerregierung mit der SPD-Ministerin Faeser hat sich hinsichtlich der entsprechenden Änderung des Sprengstoffgesetzes nicht bewegt, obwohl die Mehrheit der Bürger  sich gegen den Verkauf von Böllern an Privatpersonen ausspricht ( siehe Links hier ). +++ Lesen Sie auch: Silvester: Lebensbedrohend für Tiere

  • Über die ökologische Funktion von Füchsen und anderen Beutegreifern

    Fuchs und Wolf bezeichnet man als sogenannte Beutegreifer oder Prädatoren. Die Jäger bezeichnen sie als „Raubsäuger“ oder allgemein als „Raubwild“. Das sind Tierarten, die sich überwiegend von Fleisch ernähren. Damit unterscheiden sie sich von den Pflanzenfressern (Biber, Feldhase, Reh, Hirsch), die vegane Kost beherzigen, sowie von den Allesfressern (Wildschwein, Waschbär, Dachs), deren Speiseplan gemischt ist. Zu den gefiederten Beutegreifern gehören auch Eulen und Greifvögel. Der gestaltende Einfluss von Beutegreifern auf Größe und Zusammensetzung der Bestände ihrer Beutetiere wird immer noch einseitig negativ bewertet. Wolf und Fuchs gelten insbesondere den Jagdverbänden nur als „Räuber", also als Tiere, die auf Kosten anderer leben und somit ein negatives Image aufgedrückt bekommen. Der Fuchs schöpft hohe Nachwuchsraten häufiger Arten ab, hier beim Mäusesprung. Das "Raubwild", wie die Jäger es nennen, hat jedoch auch vielfältige positive Wirkungen in der Dynamik von Lebensgemeinschaften , indem es zum Beispiel hohe Nachwuchsraten bei häufigen Arten abschöpft und so für Ausgleich sorgt. Der Einfluss dieser Gesundheitspolizisten  auf das Verhalten und auf Auslesevorgänge in den Beutetierpopulationen, der in der Entwicklungsgeschichte unserer Natur von ganz erheblicher Bedeutung war und ist, findet kaum eine Berücksichtigung in der Diskussion, wie wir gerade jetzt wieder beim Wolf erleben. Auch die Rolle von Fuchs & Co. als „Fitness-Trainer" für andere Tierarten wird nicht gewürdigt. Sie erbeuten im Gegensatz zum zweibeinigen Jäger hauptsächlich kranke und reaktionsschwache Tiere und sorgen so dafür, dass sich die Gene der starken und reaktionsschnellen Tiere vermehren. Beutegreifer sind daher unverzichtbare Gestalter im Zusammenleben von Tierarten und zudem kein Feind des Menschen! Einige Beutegreifer entwickeln erstaunliche Fähigkeiten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen . Füchse, Steinmarder und Waschbären haben längst neue Lebensräume, z.B. in großen Städten, besiedelt. Sie erweisen sich als bewundernswerte Lebenskünstler, die auch schon mal in der Mülltonne erfolgreich nach Nahrung suchen. Das Risiko einer möglichen Übertragung von Zoonosen wird insbesondere bei Fuchs und Waschbär völlig übertrieben dargestellt und letztlich nur als Pro-Argument für die Jagd instrumentalisiert. Die Jägerschaft hat seit jeher die Möglichkeit, diese Tierarten scharf zu bejagen, ihre Bestände zu begrenzen und die Ausbreitung zu bremsen. Das ist bisher trotz noch so intensiver Jagd nie gelungen. Die Evolution hat den am Boden lebenden Prädatoren elegante Überlebensstrategien gegeben, mittels derer sie sich der Dezimierung durch Jagd entziehen. Wenn landlebende Beutegreifer also zum einen wichtige Funktionen in unseren Ökosystemen haben, zum anderen ihre Bestände durch Jagd und Jäger mit legalen Jagdmethoden nicht auf das von mancher Seite gewünschte Minimum zu drücken sind, so gilt es zu hinterfragen, welchen Sinn die Jagd auf sie überhaupt haben soll. Viele Jäger behaupten immer wieder, dass die Jagd auf Beutegreifer flächendeckend ein unverzichtbares „ökosystemgerechtes" Instrument zur Schaffung eines „ökologischen Gleichgewichtes" in der Natur sei. Außerdem diene sie zur Stützung der „Verlierer" unter den Niederwildarten wie Hase oder Rebhuhn gegenüber den „Gewinnern", also den Raubsäugerarten. Wissenschaftlich belastbare Belege für diese Behauptungen gibt es nicht. Es gibt jedoch viele Beispiele dafür, dass in Gebieten, in denen Beutegreifer nicht bejagt werden, das Gefüge der Lebensgemeinschaften erhalten bleibt. Das ist so im Naturschutzgebiet und „Urwald“ bei Saarbrücken, im Nationalpark Bayerischer Wald, im Kanton Genf seit über 50 Jahren, in vielen anderen unbejagten Arealen in Deutschland und international …. und seit 2015 in Luxemburg. Überall dort, wo Füchse nicht bejagt werden, gibt es weder mehr noch weniger Füchse, es gibt vielmehr einen stabilen Bestand ohne irgendwelche Auffälligkeiten. Wie sollte es auch anders sein? Raubtiere sind nun einmal natürliche Mitglieder unserer Lebensgemeinschaften. Sie sind nicht auf der Welt, um „Schäden" in der Natur anzurichten. Sie sind vielmehr Bestandteil der Biodiversität und fördern sie auch. Bei genauerer Betrachtung sollte klarwerden, dass tiefgreifende und vielschichtige, vom Menschen verursachte Lebensraumveränderungen und nicht die Beutegreifer die primäre Ursache für Bestandseinbrüche der Niederwildarten Rebhuhn, Fasan, Feldhase sind. Diese Probleme können eben nicht durch fortwährendes Töten von Füchsen oder Mardern beseitigt werden, sondern allein durch Lebensraumgestaltung. Jagdverbände sind zudem der Meinung, dass es nur deshalb noch Restbestände von Rebhühnern oder Feldhasen gibt, weil sie bejagt werden dürfen. Nach wissenschaftlicher Faktenlage gibt es auch keinen Beleg dafür, dass die Jagd auf Füchse Wildkrankheiten wie Räude, Staupe oder den sogenannten Fuchsbandwurm eindämmen kann. Im Gegenteil steht die Jagd im Verdacht, die Ausbreitung dieser Krankheiten, sowie die Anfälligkeit von Tieren für Krankheiten generell durch Fehlselektion und Stress eher zu begünstigen. Das belegen seit einigen Jahren auch weitere Forschungsarbeiten zu diesem Thema. Schon die Tollwut etwa wurde nicht durch das Töten von Füchsen erfolgreich bekämpft, sondern durch die Ausbringung von Impfködern. +++ Mehr Beiträge über Füchse und die Jagd auf sie

  • Über den bewussten Entschluss Wildtiere nicht zu übersehen

    Ein neues Jahr beginnt oft mit Erwartungen, Wünschen und der Hoffnung, dass es ein gutes, vielleicht sogar ein glückliches Jahr werden möge. Doch was ist Glück eigentlich? Für jeden Menschen bedeutet es etwas anderes. Manche verbinden Glück mit Sicherheit, Erfolg oder Gesundheit, andere mit innerer Ruhe, Sinn und Verbundenheit. Glück lässt sich nicht festhalten, es zeigt sich in Momenten, in Haltungen und in der Art, wie wir der Welt begegnen. Eine besonders tiefe Form von Glück kann dort entstehen, wo wir uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren, sondern uns als Teil eines großen, lebendigen Ganzen verstehen. Dort, wo wir begreifen, dass unser Leben untrennbar mit dem Leben anderer verbunden ist. Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten Unser Planet ist ein Ort von überwältigender Vielfalt. Unzählige Tierarten bevölkern Wälder, Meere, Flüsse, Wiesen und sogar unsere Städte. Viele dieser Lebewesen führen ein stilles, verborgenes Dasein, andere leben direkt neben uns, ohne dass wir ihnen viel Aufmerksamkeit schenken. Wildtiere sind keine Fremden, sie sind Mitbewohner dieser Erde, mit eigenen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Lebensweisen. Jedes Tier, ob groß oder klein, trägt seinen eigenen Wert in sich. Es lebt nicht für uns, sondern für sich selbst. Diese Würde des Tieres besteht unabhängig davon, ob wir es nützlich, schön oder schützenswert finden. Sie ergibt sich allein daraus, dass es lebt, fühlt, leidet und nach seinem eigenen Maßstab existiert. Wer Wildtiere als Träger einer eigenen Würde anerkennt, kann ihnen nicht gleichgültig gegenüberstehen. Gerade im Winter wird deutlich, wie verletzlich viele Wildtiere sind. Kälte, Schnee und gefrorene Böden erschweren die Nahrungssuche. Hinzu kommt der fortschreitende Verlust natürlicher Lebensräume, der es den Tieren immer schwerer macht, geeignete Rückzugsorte und Nahrung zu finden. Hecken verschwinden, Gärten werden versiegelt, Wälder zerschnitten. Wildtiere müssen sich anpassen, oft bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Viele Gefahren, denen Wildtiere heute ausgesetzt sind, sind menschengemacht. Die Würde des Tieres zu achten, heißt auch, sein Leid nicht zu ignorieren, wenn wir die Möglichkeit haben, es zu lindern. Bild: Adobe Stock Hilfe im Winter als Ausdruck von Mitgefühl In dieser Zeit brauchen viele Wildtiere unsere Unterstützung. Achtsamkeit, Rücksichtnahme und gezielte Hilfe können über Leben und Tod entscheiden. Besonders verletzte oder geschwächte Tiere sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Ein angefahrenes Tier, ein entkräfteter Vogel oder ein Igel, der seine Fettreserven nicht aufbauen konnte, sollte nicht einfach dem Schicksal überlassen werden. Helfen bedeutet  in diesen Momenten nicht, die Natur zu stören, sondern Verantwortung zu übernehmen . Denn viele Gefahren, denen Wildtiere heute ausgesetzt sind, sind menschengemacht. Die Würde des Tieres zu achten, heißt auch, sein Leid nicht zu ignorieren , wenn wir die Möglichkeit haben, es zu lindern. Wer hilft, erkennt das Tier an, als fühlendes Wesen mit einem Recht auf Leben und Unversehrtheit. Viele Menschen erleben, dass gerade dieses Helfen sie selbst bereichert. Es entsteht ein Gefühl von Sinn, von Verbundenheit und von innerem Glück, das nicht aus Konsum oder Erfolg erwächst, sondern aus Mitgefühl und Respekt. Selbst die eigene Würde wächst in solchen Ereignissen. Albert Schweitzer und die Ehrfurcht vor dem Leben Albert Schweitzer hat diese Haltung in seiner Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben eindrucksvoll beschrieben. Sein Satz „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ bringt eine tiefe Wahrheit zum Ausdruck. Er erinnert uns daran, dass alles Leben denselben grundlegenden Wunsch teilt, zu existieren, sich zu entfalten und nicht zu leiden. Diese Sichtweise hebt die künstlichen Grenzen auf, die wir zwischen den Lebewesen ziehen. Sie stellt den Menschen nicht über das Tier, sondern mitten hinein in das Netz des Lebens. Aus dieser Perspektive ergibt sich eine ethische Verpflichtung, die Würde jedes Lebewesens zu achten und verantwortungsvoll mit ihm umzugehen. Wenn wir diese Philosophie ernst nehmen, verändert sich unser Verständnis von Glück. Glück wird dann nicht mehr allein als persönlicher Zustand verstanden, sondern als Folge einer Haltung, die von Respekt, Mitgefühl und Achtsamkeit geprägt ist. Die Liebe, die wir oft nur auf uns selbst, unsere Nächsten oder unsere Haustiere richten, kann sich ausweiten auf alles Leben, das uns umgibt. Ein neues Jahr im Zeichen von Würde und Verantwortung Ein glückliches, wildes neues Jahr könnte genau hier beginnen, mit dem bewussten Entschluss, Wildtiere nicht zu übersehen , sondern sie als gleichwertige Mitgeschöpfe wahrzunehmen. Indem wir ihre Würde achten, ihnen im Winter beistehen und verletzten Tieren helfen, tragen wir dazu bei, Leid zu mindern und Leben zu schützen. Dieses Handeln   verändert  nicht nur die Situation der Tiere, sondern auch uns selbst . Es schärft unseren Blick für das Wesentliche und verbindet uns mit etwas Größerem als dem eigenen Alltag. In der Achtung vor der Vielfalt des Lebens und in der Verantwortung für die Schwächsten liegt eine tiefe Quelle des Glücks. Möge das neue Jahr von diesem Gedanken getragen sein. Von der Hoffnung, dass Mitgefühl, Respekt und der Schutz der Wildtiere nicht nur ihr Überleben sichern, sondern auch unser eigenes Glück wachsen lassen. +++ Verzeichnis Wildtierhilfe

  • Geplante Änderung des Bundesjagdgesetzes: Wolf gehört nicht ins Jagdrecht – Fakten statt Populismus

    In einer aktuellen Stellungnahme spricht sich Wildtierschutz Deutschland entschieden gegen die Aufnahme des Wolfes als jagdbare Tierart in das Bundesjagdgesetz aus. Der vorliegende Gesetzesentwurf ignoriert wissenschaftliche Fakten, gefährdet den Artenschutz und bietet keine nachhaltigen Lösungen für Weidetierhalter. Die geplante Gesetzesänderung suggeriert, dass die Bejagung des Wolfes notwendig sei, um Konflikte zu minimieren. Eine Analyse der Faktenlage zeigt jedoch das Gegenteil: Weder gibt es ein steigendes Konfliktpotential gegenüber Menschen, noch ist die Bejagung ein geeignetes Mittel zum Schutz von Weidetieren. Die Tötung jedes adulten Wolfes eines Rudels gefährdet das Leben der vorhandenen Jungtiere. Bild: Detlev Hinrichs Rückläufige Risszahlen bestätigen Wirksamkeit von Herdenschutz   Entgegen der Begründung des Referentenentwurfs steigen die Konflikte in der Weidetierhaltung nicht an. Im Gegenteil: Der aktuelle Statusbericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) verzeichnet einen Rückgang der geschädigten Nutztiere um 25 Prozent. „Die Zahlen belegen eindeutig: Nicht der Abschuss, sondern konsequenter Herdenschutz ist der Schlüssel zum Erfolg“, so Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. Studien aus vielen Ländern zeigen zudem, dass es keinen Zusammenhang zwischen Bejagungsintensität und Risshäufigkeit gibt. Bestandsgefährdung und Verstöße gegen EU-Recht   Wildtierschutz Deutschland weist darauf hin, dass der Erhaltungszustand der Wölfe in Deutschland national betrachtet, keineswegs – wie von der Bundesregierung gemeldet – günstig ist. Darauf weist ein im November 2023 verfasster Bericht des BfN, wissenschaftlich arbeitender Institute und einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Referenzwert“ hin. Die geplante jagdliche Bestandregulierung verstößt somit gegen geltendes EU-Recht und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs. Kritik an „Willkür-Regelungen“ und Tierschutzverstößen Scharfe Kritik übt die Stellungnahme an den geplanten praktischen Änderungen: 20-km-Radius: Die Ausweitung des Abschussradius auf 20 Kilometer um den Ort eines Übergriffs auf Weidetiere wird als willkürlich abgelehnt. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unbeteiligte Wölfe getötet werden, statt den eigentlichen Verursacher zu treffen. Willkürliche Zerstörung von Wolfsrudeln:  Die Erlaubnis, ganze Rudel auf bloßen Verdacht hin zu „entnehmen“ und jagdfreie Gebiete sogar in Regionen mit ungünstig-schlechtem Erhaltungszustand zu schaffen sind nicht rechtskonform. Diese Regelungen widersprechen geltendem EU-Recht, was der EU-Gerichtshof in verschiedenen Fällen bestätigt. „Der Abschuss schon eines einzigen adulten Rudelmitglieds reduziert den Erhalt des Rudels signifikant und kann dazu führen, dass orientierungslose Jungwölfe erst recht Wildtiere reißen“, erläutert Lovis Kauertz. Forderung: Prävention statt Abschuss   Die Organisation fordert die Bundesregierung auf, den Fokus auf echte Lösungen zu legen und den Referentenentwurf zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz zu begraben. Es gelte, ein Hauptaugenmerk auf die unbürokratische Förderung von Herdenschutzmaßnahmen zu legen – auch in aktuell noch nicht besetzten Habitaten – sowie auf eine bessere Beratung der Weidetierhalter. „Der vorliegende Entwurf ignoriert naturschutzfachliche und rechtliche Fakten, denen zufolge der Wolf nicht ins Jagdrecht gehört“, fasst Lovis Kauertz zusammen. +++ Stellungnahme zum Referentenentwurf Wolf

  • Interne Dokumente Wolf: Bundesumweltministerium verwirft wissenschaftliche Bewertung aus dem eigenen Hause

    Im Bundesumweltministerium  wurde die ursprünglich streng wissenschaftliche und mit den Experten der Bundesländer einvernehmlich gefundene Bewertung des Gefährdungszustands der Wolfspopulation in Deutschland durch politische Vorgaben entscheidend verändert – mit direkten Folgen für den offiziell gemeldeten „günstigen Erhaltungszustand“ des Wolfs in der kontinentalen Region. Die Bundesregierung konnte den "günstigen Erhaltungszustand" des Wolfes nur deshalb deklarieren, weil das Umweltministerium das mit den Bundesländern einvernehmlich und wissenschaftlich ermittelte "günstige Verbreitungsgebiet" per Federstrich von 273.100 km² auf 80.573 km² zusammengestutzt hat. Bild (Ausschnitt): Detlev Hinrichs Bereits in einem ersten Bericht des Wolfpodcast, der durch ANCA [1] publiziert wurde, war ein interner Entwurf des Bundesamts für Naturschutz (BfN) öffentlich geworden [2], in dem der Wolf für Gesamtdeutschland als  gefährdet  eingestuft wurde – entgegen der späteren politischen Linie.  Nun zeigt ein weiteres, bisher unveröffentlichtes Bewertungsdokument, wie zentrale Zahlen und Karten nachträglich politisch so „angepasst wurden“, dass es dem Bundeslandwirtschaftsminister möglich ist, Wölfe in Deutschland fast flächendeckend zu bejagen. Kernbefunde des neuen Berichts 1.       Habitatmodellierung ignoriert, Referenzfläche drastisch verkleinert Fachleute hatten auf Basis einer aufwendigen Habitatmodellierung ein „günstiges Verbreitungsgebiet“ (FRR) von 166.600 bis 273.100 km² für den Wolf berechnet und den höheren Wert von 273.100 km² ausdrücklich bevorzugt, um die langfristige Überlebensfähigkeit der Art sicherzustellen.  Ein Schreiben vom Staatssekretär im Bundesumweltministerium,  Jochen Flasbarth,  ordnete jedoch an, diese modellierten Werte  nicht als Referenz zu verwenden. [3] Stattdessen setzte er einen „referenzbasierten Ansatz“ durch, der allein auf der aktuell von Wölfen besiedelten Fläche beruht. 2.       Günstiges Verbreitungsgebiet auf ein Drittel zusammengestrichen Als neue Referenz wurde die im Monitoring-Jahr 2023/24 tatsächlich besiedelte Fläche von  80.578 km²  festgelegt. Damit schrumpft das „günstige Verbreitungsgebiet“ auf  weniger als ein Drittel  der Spannbreite, die die Fachleute berechnet hatten. In den dazugehörigen Karten werden große Teile Süd- und Südwestdeutschlands – darunter Baden-Württemberg, weite Teile Bayerns, Hessen und Rheinland-Pfalz – nachträglich zu „nicht bevorzugtem“ bzw. „ungeeignetem“ Habitat erklärt, obwohl das ursprüngliche Modell dort geeignete Lebensräume ausgewiesen hatte. 3.       Wölfe besiedeln angeblich „ungeeignete“ Räume – Realität widerspricht politischer Karte Besonders brisant: Gerade in den Regionen, die durch die neue Grenze aus dem „günstigen Verbreitungsgebiet“ herausfallen, etablieren sich aktuell Wolfsrudel – etwa in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern. Dennoch werden diese Räume in der Bewertung als „nicht bevorzugt“ abgestuft, was fachlich kaum zu rechtfertigen ist, politisch aber den Spielraum für Abschüsse vergrößert. 4.       Referenzpopulation unter Mindestwert gedrückt Im wissenschaftlichen Entwurf von BfN (Bundesamt für Naturschutz) und Länderfachleuten wird für die kontinentale Region eine  günstige Referenzpopulation von 282 Rudeln und Paaren  genannt – inklusive Sicherheitszuschlag, wie von der EU-Kommission gefordert. Eine ministerielle Sonderarbeitsgruppe senkt diesen Wert zunächst auf 232 Rudel/Paare ab, später wird er sogar auf 187 Rudel/Paare reduziert . Diese Zahl liegt  unter der Mindestgröße einer überlebensfähigen Population (MVP). Die Absenkung wird im Dokument nicht nachvollziehbar begründet und verstößt gegen das Vorsorgeprinzip. 5.       Stagnierende Bestände, aber „Zunahme“ im offiziellen Papier Während aktuelle Monitoring-Daten der DBBW (Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf) und des BfN für das Wolfsjahr 2024/25 erstmals eine  Stagnation der Territorien  zeigen und in mehreren Regionen Rudel verschwinden bzw. Hinweise auf illegale Tötungen zunehmen, spricht das Dokument des Umweltministeriums weiterhin von „zunehmenden Beständen“ und einer „tatsächlichen Verbesserung“. Valide eigene Daten werden damit ausgeblendet oder einem politisch gewünschten Bild untergeordnet. Politische Verantwortung über den Staatssekretär hinaus Die Dokumente zeichnen ein heikles Bild für das Bundesumweltministerium: Ein streng wissenschaftlicher Prozess zur Festlegung von Referenzwerten wird im entscheidenden Moment durch eine Weisung aus dem Staatssekretariat übersteuert – mit direkten Folgen für den EU-Bericht nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie.   Zwar spielte Staatssekretär Jochen Flasbarth eine zentrale Rolle, doch endet die politische Verantwortung nicht dort. Letztlich verantwortet Bundesumweltminister Carsten Schneider  den eingereichten Artikel 17-Bericht und die Linie des Hauses – und damit auch die Frage, warum wissenschaftliche Grundlagen im eigenen Ressort beiseitegeschoben wurden.    +++ Quelle der Berichterstattung ist Der Wolfpodcast. Dem Wolfspodcast sind am 6. November anonym die Unterlagen per Post zugeschickt worden, die dieses Berichterstattung ermöglicht. [1] ANCA = Austrian Nature Conservation Alliance [2] s. Wolf ins Bundesjagdgesetz [3] Neue Bewertung durch den Staatssekretär Stellungnahme zum Referentenentwurf Jagdgesetz, Wolf

  • Was aus dem Wolf wird – Bundeskabinett tagt am Mittwoch

    Berlin, 17. Dezember  - so kann es kommen: „Heute hat das Bundeskabinett unter Leitung des Bundeskanzlers den Weg für die Ausrottung des Wolfes in Deutschland frei gemacht. Der nicht europarechtskonforme Referentenentwurf zum Bundesjagdgesetz des Bundeslandwirtschaftsministers Alois Rainer (CSU) soll mit geringfügigen Änderungen in eine finale Gesetzesvorlage einfließen. Zu Beginn des Jagdjahres 2026/27 am 1. April 2026 soll der Wolf mit regulärer Jagdzeit im Bundesjagdgesetz stehen. Die Jagdbehörden werden ohne Einbeziehung der Naturschutzbehörden veranlassen zunächst die Küstenregionen und die bayerischen Bergweiden wolfsfrei zu halten. In weiten Teilen West- und Süddeutschlands werden die wenigen sesshaft gewordenen Wölfe legal oder illegal getötet und vertrieben werden. In spätestens fünf Jahren werden weite Teile Deutschlands wolfsfrei sein.“ Warum geht ein Umweltminister so destruktiv mit dem Wolf um? Bild: Stefan Suittenpointner Letztlich möglich gemacht hat diese Entwicklung der für den Artenschutz zuständige Bundesumweltminister Carsten Schneider  (SPD). Der ließ dem Bundesamt für Naturschutz   – also seiner eigenen Behörde – durch seinen Staatssekretär anordnen, die  über einen zwei Jahre währenden Prozess erarbeiteten, wissenschaftlich validierten  und gemeinsam mit den Artenschutzexperten des Bundes und der Bundesländer erarbeiteten Daten zum Erhaltungszustand der Wölfe in Deutschland zu verwerfen . Der wissenschaftliche Bericht ermittelte anhand der potenziellen Lebensraumgröße und weiteren Kriterien EU-konform die Mindestgrößen der überlebensfähigen Population (MVP) in den biogeografischen Regionen in Deutschland und kommt so für Gesamtdeutschland auf einen ungünstig-schlechten Erhaltungszustand. Ein Schreiben des Staatssekretärs im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, ordnete dann an, diese modellierten Werte nicht als Referenz zu verwenden. Er will das Ziel der Bundesregierung, den Wolf einem „jagdlichen Bestandsmanagement“ zuzuführen  umsetzen. Dazu setzt er auf einen „referenzbasierten Ansatz“, der allein auf der aktuell von Wölfen besiedelte Fläche beruht. Dadurch verringert sich der zugrunde gelegte Lebensraum in der kontinentalen biogeografischen Region von 273.100 km² auf 80.578 km². Weite Teile von West- und Süddeutschland fallen damit aus dem „günstigen Verbreitungsgebiet“ heraus. Baden-Württemberg, weite Teile Bayerns, Hessen und Rheinland-Pfalz gelten demnach als „nicht bevorzugte“ bzw. „ungeeignete“ Habitate, obwohl das ursprüngliche Modell dort geeignete Lebensräume ausgewiesen hatte und dort bereits Wolfsrudel sesshaft sind. +++ Weitere Information zum destruktiven Umgang mit dem Wolf in diesen Beiträgen: Wolf ins Bundesjagdgesetz – der Anfang vom Ende des Artenschutzes Geplante Änderung des Bundesjagdgesetzes:  Wolf gehört nicht ins Jagdrecht – Fakten statt Populismus Interne Dokumente Wolf: Bundesumweltministerium verwirft wissenschaftliche Bewertung aus dem eigenen Haus

  • Wolf ins Bundesjagdgesetz: Weder rechtssicher noch wird dadurch der Herdenschutz gestärkt

    Das Bundeskabinett hat unter Leitung des Bundeskanzlers – wie erwartet – den von unabhängigen Rechtsexperten als rechtlich fehlerhaft beurteilten Gesetzentwurf zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz beschlossen. Die Bundesregierung schafft ein nicht rechtskonformes Bundesjagdgesetz, welches unweigerlich zu mehr Weidetierrissen führen wird. Bild: Michael Hamann Der Gesetzentwurf und sein vermeintlicher Nutzen werden nicht nur von Fachanwälten, sondern auch von den Experten vieler Naturschutzorganisationen in der Luft zerrissen: „Die weitgehende Freigabe der Jagd auf den Wolf wird zu einer Unordnung in den Wolfsstrukturen führen, die unweigerlich mehr Weidetierrisse  zur Folge hat“, erläutert Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. „Die Begründung von Landwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) zum Gesetzentwurf ist unehrlich und wissenschaftlich nicht fundiert. Sie ignoriert, dass die Entwicklung der Wolfpopulation in Deutschland seit einigen Jahren stagniert und zuletzt sogar rückläufig war. Gleiches gilt für die Übergriffe von Wölfen auf Weidetiere. Im Jahr 2024 ist die Zahl der Übergriffe bundesweit um 25 Prozent zurückgegangen. Das ist ein großer Erfolg für die von vielen Weidetierhaltern unternommenen Herdenschutzmaßnahmen.“ Wie kürzlich offensichtlich wurde, spielt auch das von Carsten Schneider (SPD)  geleitete Bundesumweltministerium eine unrühmliche Rolle. So ließ Schneider seine eigene Behörde durch seinen Staatssekretär anweisen, nicht die im wissenschaftlichen Konsens erarbeiteten Daten zum Erhaltungszustand des Wolfes in Deutschland heranzuziehen. Staatssekretär Jochen Flasbarth ließ kurzerhand die potenzielle Größe des Verbreitungsgebietes der Wölfe in der kontinentalen biogeografischen Region zwischen Düsseldorf, Berlin und München von wissenschaftlich ermittelten 273.100 km² auf 80.578 km² zusammenschrumpfen. Nur durch diese Manipulation war es möglich für Deutschland (bis auf die Alpenregion) einen günstigen Erhaltungszustand der Wölfe nach Brüssel zu melden. Nach Wildtierschutz Deutschland vorliegenden Informationen liegen dazu Beschwerden bei der EU-Kommission vor, die derzeit geprüft werden. Der Entwurf geht nun zum Bundesrat, nach seiner Stellungnahme zur Beratung im Rahmen der ersten Lesung in den Bundestag. Der kann die Fachausschüsse bestimmen, die sich fachlich mit dem Gesetzentwurf befassen und den Gesetzesentwurf dann zur Aussprache in die zweite Lesung des Bundestags geben. In der dritten Lesung wird abgestimmt, bevor nach weiteren Stationen der Bundespräsident das Gesetz unterschreibt und es im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird. +++ Weitere Informationen und Links finden Sie in diesem Beitrag

  • Gesetzentwurf Wolf: Regierung missachtet Gesetzeslage bis hin zum Staatsziel Tierschutz

    Nachfolgend eine Pressemitteilung der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht vom 18. Dezember. Die DJGT nimmt darin Stellung zum vorliegenden Gesetzentwurf und ... macht ein Versprechen: In der Rechtsvorlesung durchgefallen: Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Aufnahme des Wolfes in das Bundesjagdgesetz | Bild: Michael Hamann Am 17.12.2025 hat sich die Bundesregierung auf einen Gesetzentwurf geeinigt, der die Überführung der Regelungen zum Wolf aus dem Bundesnaturschutzgesetz in das Bundesjagdgesetz beinhaltet. Dadurch werden die restriktiven Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes zum Schutz des Wolfes im Bundesjagdgesetz durch weitreichende Tötungsmöglichkeiten ersetzt. Der Entwurf weist nicht nur zahlreiche fachliche Mängel naturschutzrechtlicher Art auf, die Bundesregierung lässt vielmehr völlig außer Acht, dass auch für den Wolf die Regelungen des Tierschutzgesetzes gelten. Mit Wegfall des strengen Schutzstatus, unter dem nur sehr eingeschränkte Tötungsmöglichkeiten bestanden, muss künftig für jede Tötung ein vernünftiger Grund nachgewiesen werden, auch im Rahmen der Jagd. Die angeführten Begründungen für die Bejagung von Wölfen können jedoch weder eine Erforderlichkeit noch eine Eignung der Tötung begründen und entbehren damit jeglichen vernünftigen Grundes. Das Gleiche gilt für die im Entwurf vorgesehenen wahllosen Tötungen von Wölfen nach Übergriffen bzw. die Etablierung von wolfsfreien Zonen auch bei ungünstigem Erhaltungszustand. Mit der Behauptung, die Bejagung sei zur Konfliktlösung alternativlos geboten, offenbart sich vielmehr ein erschreckender Rückfall in mittelalterliche Denkstrukturen . Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) haben umfassende wissensbasierte Fachinformationen zum Wolf und Herdenschutz in ihren Skripten veröffentlicht. Die Bundesregierung muss somit wissen, ... dass ein Wolfsbestand nicht ins unendliche wächst und aktuell sogar stagniert [1] dass die überwiegende Anzahl von Nutztierrissen an ungeschützten oder unzureichend geschützten Tieren erfolgt und dennoch 2024 um 13% gesunken ist, [2] dass die reguläre Jagd auf Wölfe (aktives Bestandsmanagement) nicht geeignet ist, die Zahl der Nutzierrisse zu senken, sondern das Gegenteil bewirken kann, [3] dass es bisher keine Gefährdung der Öffentlichkeit durch Wölfe gab und das Risikopotential auch zukünftig als gering angesehen wird. [4] Die Bundesregierung ignoriert damit wider besseren Wissens, dass es alternativ effektivere und mildere Maßnahmen zum Schutz der Nutztiere (und des Wolfes) gibt. Maßnahmen, für die erhebliche Fördergelder zur Unterstützung der durch den Wolf belasteten Tierhalter bereitstehen, die aber nicht immer vollumfänglich abgerufen werden. Dies stellt nicht nur einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz dar, sondern missachtet den verfassungsrechtlichen Auftrag, auch im Interesse künftiger Generationen, alle Tiere zu schützen. Das deutsche Tierschutzgesetz verlangt für die Tötung eines Tieres einen vernünftigen Grund – dies gilt ohne Ausnahme auch für das jagdliche Töten! Mit dem Gesetzentwurf will die Bundesregierung Handlungsfähigkeit gegen alle Vernunft beweisen und betreibt dabei ohne Skrupel Lobbyarbeit für ein privatnütziges Jagdrecht, das bekanntermaßen längst nicht mehr den Interessen der Allgemeinheit entspricht. Die DJGT wird diese Entwicklung weiter beobachten und sich dafür einsetzen, dass auch künftig der Schutzstatus des Wolfes gewahrt bleibt und die Entwicklung zum Anlass nehmen, alles dafür zu tun, um eine längst überfällige Überprüfung des deutschen Jagdrechts in die Wege zu leiten. +++ Weitere Informationen zum Wolf in Deutschland [1]  Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (2025): Pressmitteilung vom 11.11.2025 [2] Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (2025): Wolfsverursachte Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2024. 49 S. [3]  Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (2025): Wolfsverursachte Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2024. 49 S.   [4]  Bundesamt für Naturschutz (BfN 2018): Skript Nr. 502: Umgang mit auffälligen Wölfen

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