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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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643 Ergebnisse gefunden mit einer leeren Suche

  • Rehkitz-Rettung: Wildtierschutz Deutschland veröffentlicht bundesweites Verzeichnis mit Drohnenteams

    Hör mal rein |Zur aktuellen Hauptsaison der Mahd bietet Wildtierschutz Deutschland e.V. Landwirten und Freiwilligen aus Tierschutz und Jagd eine zentrale Anlaufstelle: ein umfassendes bundesweites Verzeichnis für Rehkitz-Rettungsteams ist ab sofort online verfügbar. Die Datenbank ermöglicht die gezielte Suche nach professioneller Unterstützung per Postleitzahl. Kitzrettung per Drohne: Effiziente Hilfe gegen den Mähtod Mai und Juni sind für Wildtiere die gefährlichsten Monate des Jahres. Während die Rehe ihre Kitze im hohen Gras ablegen, beginnt die Zeit der ersten Grasmahd. Da Kitze in den ersten Lebenswochen keinen Fluchtreflex haben, sondern sich bei Gefahr tief ins Gras drücken, werden sie von modernen Mähmaschinen aus übersehen und bei lebendigem Leib zerschnitten – ohne dass sie sofort daran sterben. Experten schätzen die Zahl der jährlich durch Mahd verstümmelten und getöteten Kitze bundesweit auf eine hohe fünfstellige Zahl. Von der Mähmaschine aus nicht zu erkennen: Das Rehkitz hat noch keinen Fluchtreflex, bei Gefahr duckt es sich ins Gras. Bild: AdobeStock Das neue Online-Verzeichnis der Rehkitz-Rettungsteams schließt hier eine entscheidende Lücke. Landwirte können über die PLZ-Suche schnell und unkompliziert Kontakt zu erfahrenen Drohnenpiloten in ihrer Region aufnehmen. Doch nicht nur Landwirte profitieren: Auch engagierte Tierschützer, die die Teams als Helfer am Boden unterstützen möchten, finden dort die passenden Ansprechpartner. Rehkitz-Rettung: Rechtliche Pflicht für Landwirte Die Rechtslage ist eindeutig: Die Verantwortung liegt beim Landwirt. „Rechtlich ist die für die Mahd verantwortliche Person verpflichtet, vor dem Schnitt die betreffende Fläche effizient abzusuchen oder dafür zu sorgen, dass dies unmittelbar vor den Arbeiten durch Dritte geschieht“, erläutert Florinde Stürmer, Pressesprecherin von Wildtierschutz Deutschland. „Heutzutage kann durch Absprachen und Technik so gearbeitet werden, dass Rehkitzen nicht mehr bei lebendigem Leib Körperteile abgetrennt werden, weil sie vor der Mahd gesichert wurden." Lange Zeit galt das Durchgehen mit Hund als Absuche. Doch dabei wird meist ein großer Teil sich ins Gras duckender und geruchsneutraler Kitze und Feldhasenjunge oder Gelege von Bodenbrütern übersehen. Die Suche mittels Wärmebilddrohnen hat sich inzwischen als die zuverlässigste und effizienteste Methode etabliert. Kitze sind extrem klein. Die Wärmebilddrohne findet sie aufgrund ihrer Körperwärme. Bild: AdobeStock Drohnenförderung: Pionierarbeit im Tier- und Naturschutz Wildtierschutz Deutschland hat die Anschaffung von Wärmebilddrohnen bereits finanziell gefördert, noch bevor staatliche Subventionen vornehmlich an Jagdorganisationen flossen. „Heute gibt es bundesweit mehrere hundert Rettungsteams, die sowohl von Jagdvereinen als auch von Tier- und Naturschützern organisiert werden. Hier zählt letztlich, dass alle an einem Strang ziehen und trotz Mahd die Tiere im betroffenen Gebiet unversehrt bleiben. Unser Ziel ist es, diese wertvolle Arbeit flächendeckend sichtbar und nutzbar zu machen“, so Stürmer weiter. Das bundesweite Verzeichnis 'Rehkitzretter mit Drohne' ist ab sofort abrufbar. +++

  • Niedersächsisches Jagdgesetz 2026: Mehr Tierschutz – aber Baujagd, Schliefenanlagen und Katzenabschuss bleiben

    Niedersächsisches Jagdgesetz: Diese Verbesserungen sind zu begrüßen Hör mal rein |Mit der Verabschiedung des novellierten Niedersächsischen Jagdgesetzes wurden einige Forderungen aufgegriffen, die Wildtierschutz Deutschland bereits im Gesetzgebungsverfahren erhoben hatte. Besonders zu begrüßen ist das Verbot der Baujagd am Naturbau. Diese Jagdmethode bedeutet für Füchse und Dachse enormen Stress und birgt erhebliche Verletzungsrisiken – auch für die eingesetzten Hunde. Dass das Land diese Praxis beendet, ist ein wichtiger Schritt zu mehr Tierschutz. Positiv sind außerdem das Aus für Jagdgatter sowie das Verbot, wildernde Hunde zu töten. Auch das grundsätzliche Verbot von Schlagfallen stellt eine deutliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Rechtslage dar. Doch die Reform bleibt auf halbem Weg stehen. Baujagd bleibt am Kunstbau erlaubt – ein unvollständiger Tierschutz Denn ausgerechnet dort, wo das Tierleid unverändert fortbesteht, fehlte der politische Mut zu einer konsequenten Entscheidung. Die Baujagd am Kunstbau bleibt weiterhin zulässig. Für den Fuchs macht es jedoch keinen Unterschied, ob er in einem natürlichen oder künstlich angelegten Bau von Hunden bedrängt wird. Angst, Stress und das Risiko schwerer Verletzungen bleiben dieselben. Wer die Baujagd aus Tierschutzgründen am Naturbau verbietet, müsste sie folgerichtig insgesamt beenden. Tunnelsystem einer Schliefanlage zum Training von Teckeln und Terriern mit lebenden Füchsen Training von Jagdhunden mit lebenden Füchsen bleibt zulässig Besonders enttäuschend ist auch der vollständige Rückzieher bei der Ausbildung von Jagdhunden. Noch im Gesetzgebungsverfahren war vorgesehen, die Ausbildung an lebenden Füchsen zu beenden. Nach dem massiven Widerstand der Jagdverbände verschwand diese Regelung jedoch vollständig aus dem Gesetz. Damit dürfen Füchse auch künftig in Schliefenanlagen zur Ausbildung von Jagdhunden eingesetzt werden – obwohl tierschonende Alternativen längst zur Verfügung stehen. Schlagfallen nur teilweise verboten Auch beim Einsatz von Schlagfallen bleibt ein Wermutstropfen. Zwar werden diese Fallen künftig grundsätzlich verboten – eine Forderung, die wir ausdrücklich begrüßen. Allerdings gilt ausgerechnet für Steinmarder in befriedeten Bezirken eine Ausnahme. Aus Tierschutzsicht wäre ein ausnahmsloses Verbot konsequenter gewesen, denn auch dort können Tötungsfallen Fehlfänge verursachen und erhebliche Tierschutzprobleme mit sich bringen. Nicht nachvollziehbar ist, dass zwar freilaufende Hunde künftig geschont werden, dass wildernde Katzen aber weiterhin getötet werden dürfen. Statt auf den Abschuss zu setzen, wären flächendeckende Kastrationsprogramme, eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht sowie die konsequente Eindämmung ausgesetzter Hauskatzen die deutlich wirksameren und tierschutzgerechteren Maßnahmen. Das neue Niedersächsische Jagdgesetz bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück Unser Fazit fällt daher gemischt aus: Niedersachsen hat einige überkommene Jagdpraktiken beendet und wichtige Verbesserungen auf den Weg gebracht. Gleichzeitig zeigt das Gesetz aber auch, wie groß der Einfluss der Jagdlobby nach wie vor ist. Wo echter Paradigmenwechsel möglich gewesen wäre, blieb die Landesregierung auf halber Strecke stehen. Die Novelle ist deshalb kein Endpunkt, sondern allenfalls eine Zwischenstation. Wildtierschutz Deutschland wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass auch Baujagd am Kunstbau, die Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Füchsen und die Tötung freilaufender Katzen der Vergangenheit angehören. +++ U

  • Wiesenvogelschutz in der Praxis: Warum die Jagd auf Beutegreifer oft ins Leere läuft

    Vorbemerkung: „Passives Prädatorenmanagement“ beinhaltet Methoden der Prädatorenabwehr, ohne den Prädatoren (z.B. Füchsen) nachzustellen. „Aktives Prädatorenmanagement“ bedeutet hingegen die gezielte Tötung von Beutegreifern (z.B. Füchsen) mit dem Ziel ihrer Bestandreduktion. Hör doch mal rein | Im letzten Beitrag zum Wiesenvogelschutz konnten wir zeigen, dass eine echte und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Behörden und Jägerschaft in der Regel nicht stattfindet, dass viele Naturschutzbehörden aber trotz fehlender Datenlage einem aktiven Prädatorenmanagement erstaunlich unkritisch gegenüberstehen und die Jäger bei der Anschaffung von Fallen gerne finanziell unterstützen. Doch wie sieht es nun mit der Zusammenarbeit zwischen Jägern und Artenschützern aus? Stimmt man hier die Maßnahmen miteinander ab? Welchen Anteil hat das Prädatorenmanagement durch die Jägerschaft nach Einschätzung der Fachleute vor Ort am Bruterfolg der Vögel? Jäger und Artenschützer: Kaum Kooperation beim Wiesenbrüterschutz Kleinere Wiesenbrüterschutzgebiete werden oft von einer Handvoll Ehrenamtlicher betreut, Berührungspunkte zur örtlichen Jägerschaft gibt es kaum, eine Abstimmung der Maßnahmen fand in keinem einzigen der von uns angefragten Gebiete statt. In der Regel sah man sich außerstande, eine Einschätzung zur Sinnhaftigkeit eines aktiven Prädatorenmanagements zu geben und verwies uns diesbezüglich an die zuständige Naturschutzbehörde oder die örtliche Jägervereinigung. Praxis-Check: Warum Experten auf passiven Prädationsschutz setzen In größeren, von entsprechenden Fachleuten geführten Wiesenbrüterschutzgebieten wurde man deutlicher. Man setzt auf passives Prädationsmanagement und Lebensraumgestaltung, eine Zusammenarbeit mit den Jägern findet in aller Regel nicht statt: Wiesenweihen-Schutzgebiet Brandenburg: Warum die Fuchsjagd kontraproduktiv ist Aus einem Wiesenweihen-Schutzgebiet in Brandenburg kam folgende Einschätzung: „Bitte unterscheiden zwischen Prädationsmanagement und Prädatorenmanagement. Prädatoren zu bekämpfen, bringt trotz hohem Aufwand meist nichts. Außer vielleicht bei Insellagen. Allgemeine Prädatorenjagd wie beim Fuchs erhöht die Reproduktion und ist kontraproduktiv…“ Wiesenpieper sind stark gefährdet. Die intensive Grünlandnutzung beraubt sie ihrer Brutplätze | Bild: Stephan Sprinz Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee: Elektrozäune schützen Wiesenbrüter Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee teilt uns zum Wiesenbrüterschutz im Kreis Konstanz folgendes mit: „Prädationsmanagement findet insofern statt, dass in zwei von vier Haupt-Brutgebieten im Landkreis ein Elektrozaun zum Schutz vor dem Fuchs um den Brutbereich angebracht wurde. Wir begleiten die Projekte mit einem Monitoring, so dass wir einschätzen können, wie der Schlupf- und der Bruterfolg ist.“ Zugleich bestätigt man uns, dass keine Zusammenarbeit mit den Jägern stattfindet, man keine Kenntnis darüber hat, wie viele Beutegreifer im betreuten Gebiet getötet werden und welchen Einfluss das möglicherweise auf den Bruterfolg hat. Berlin-Brandenburgischer Ornithologen beim NABU: Absprache mit Landwirten Die Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen beim NABU äußert sich so: „Es spielt dabei das Aufsuchen der Gelege und deren Markierung sowie nachfolgende Absprachen mit Landwirten eine zentrale Rolle. Daneben werden Flächen mit besonderen Brutkonzentrationen mit einem mobilen Prädatorenschutzzaun abgezäunt. Mit Solarpumpen werden Feuchtflächen vor Austrocknung bewahrt…. Eine spezifische Bejagung erfolgt hier nicht.“ Stiftung NordWest Natur: Lebensraumverbesserung statt Prädatorenmanagement Auch die Stiftung NordWest Natur, welche unter anderem das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen (Bremen) betreut, setzt auf Lebensraumverbesserung durch ein gesteuertes Wassermanagement und steht einem aktiven Prädatorenmanagement kritisch gegenüber: „Ein auf die Belange des Vogelschutzes ausgelegtes Prädatorenmanagement gibt es nicht. Die Wiesenvogelbestände werden im Rahmen eines Monitorings genau erfasst. Über Zusammenhänge von Prädationsstrecken und Bruterfolgen kann in diesem Gebiet keine Aussage getroffen werden. Dafür müsste auch der Bestand an Prädatoren über ein Monitoring erhoben werden.“ BUND Sachsen-Anhalt: Effektiver Nestschutz durch Zäunung statt Jagd Eine Gebietsbetreuung des BUND in Sachsen-Anhalt teilt uns folgendes mit: „Wie sie richtig erkannt haben, wird das Nest durch passive Maßnahmen, durch Zäunung, vor Prädation geschützt. Dies funktioniert sehr gut. Eine begleitende Bejagung findet nicht statt. Dies wäre auch schwierig umzusetzen, da die Brutvorkommen sich auf einen großen Raum verteilen und eine solche begleitende Jagd sehr aufwändig wäre.“ Ausblick: Wie stehen die Umweltministerien zum aktiven Prädatorenmanagement? Im nächsten Beitrag werden wir zeigen, wie die Umweltministerien der einzelnen Bundesländer als übergeordnete Behörden zum aktiven Prädatorenmanagement stehen. +++ Lesen Sie hier weitere Beiträge zum Thema Wiesenvogelschutz: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Vorrang für den Lebensraumschutz Wiesenbrüterschutz: Schöner Schein - ernüchternde Realität Scheitern eines Großprojekt zum Wiesenbrüterschutz Deutschlandweit unkoordinierter Wiesenvogelschutz

  • Lebensraum Garten im Winter: Wie du Wildtieren beim Überwintern hilfst

    In vielen Gärten, die zunehmend als wichtige Lebensräume für zahlreiche Tierarten gelten, zeigt sich besonders im Winter, wie bedeutend naturnahe Strukturen für das ökologische Gleichgewicht sind. Wenn Begriffe wie Artenvielfalt, Lebensraumverlust, Winterruhe, Schutzräume und Biodiversität immer häufiger diskutiert werden, wird klar, dass selbst kleine Gärten entscheidende Rückzugsorte für Wildtiere darstellen, die auf natürliche Ressourcen angewiesen sind, die in unserer Kulturlandschaft immer seltener werden. Nach dem Mauswiesel ist das Hermelin der zweitkleinste heimische Beutegreifer. Bild: Adobe Stock Lebensraum Wintergarten: Das heimliche Überleben vor unserer Haustür Wenn die Tage kürzer werden und der Frost in den Boden kriecht, verändert sich unser Garten auf leise, aber bedeutsame Weise. Was für uns wie eine Zeit der Ruhe wirkt, ist für viele kleine Wildtiere eine Phase des Überlebens, die oft im Verborgenen stattfindet. Zwischen den Wurzeln alter Obstbäume, unter Hecken und in Laubhaufen leben unzählige Arten, die wir nur selten zu Gesicht bekommen, obwohl sie nur wenige Schritte von unserer Haustür entfernt ihren Alltag meistern. Welche Tiere im Garten überwintern Mäuse, Regenwürmer, Hummeln, Käfer, Salamander, Spinnen, Raupen, Igel, aber auch Eichhörnchen, Erdkröten, Blindschleichen, Tag- und Nachtfalter, Marienkäfer, Laufkäfer, Wildbienen, Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige, Gartenschläfer, Maulwürfe, Wiesel, Fledermäuse und zahlreiche andere kleine und größere Wildtiere, von denen manche sogar nachtaktiver sind als man denkt, nutzen unseren Garten als Rückzugsort, der ihnen Schutz bietet, wenn die Welt draußen kälter und unwirtlicher wird. Mehr Mut zur „Unordnung“: Natürliche Schutzräume für Igel, Vögel und Co. Obwohl Wildtiere seit Jahrtausenden hervorragend an die Winterzeit angepasst sind und natürliche Strategien besitzen, um mit Kälte und Nahrungsmangel umzugehen, geraten viele von ihnen zunehmend unter Druck, weil wir ihnen in unseren Siedlungen immer mehr Lebensräume nehmen. Gerade im Herbst und Winter wird sichtbar, wie sehr diese Tiere auf Strukturen angewiesen sind, die wir oft als „unordentlich“ empfinden und sogleich entfernen. Blätter, die sich am Boden sammeln, bilden eine isolierende Schicht, die Kälte abhält und gleichzeitig Nahrung und Versteck bietet. Abgestorbene Blüten und Pflanzen, deren Samen dienen immer noch als Futterquelle, doch wir schneiden sie im Herbst ab. Selbst der kleinste Haufen aus Moos oder Laub kann zum Zufluchtsort werden, der über Leben und Tod entscheidet. Nistkästen und Laubhaufen: Kleine Strukturen, große Wirkung Nistkästen auch als Schutz im Winter, Igeltunnel, Fledermauskästen, Gartenschläfer-Häuschen oder Wieselkasten können die kalte Zeit im Winter unterstützen. Artenschutz vor der Haustür: Greifen wir in die Natur ein? Unser Garten bleibt auch im Winter ein lebendiger Kreislauf, der sich selbst erhält, wenn wir ihm nur die Chance dazu geben. In Zeiten, in denen Lebensräume außerhalb unserer Siedlungen schwinden und Flächen versiegelt werden, tragen Gärten eine Bedeutung, die weit über ihre Grenzen hinausreicht. Die Tiere, die dort wohnen, stellen Fragen, die uns Menschen oft erst bewusstwerden, wenn wir genauer hinsehen und hinhören. Welche Rechte sprechen wir ihnen zu, und welche nehmen wir uns heraus? Haben wir das Recht, ihnen Regeln aufzuerlegen, ihre Lebensräume einzuschränken oder ihr Überleben bewusst oder unbewusst zu beeinflussen? Die oft wiederholte Aussage, Tiere hätten keine Stimme, stimmt nur auf den ersten Blick, denn die meisten von uns haben lediglich verlernt, ihre Sprache wahrzunehmen. Ein Rascheln im Laub, ein leises Piepen, ein kaum sichtbares Zittern in einem Schlafnest, all diese Zeichen sind Stimmen, die von Bedürfnissen erzählen, die ebenso echt sind wie unsere eigenen. Wenn wir Tieren im Winter helfen, indem wir Laub liegen lassen, oder sogar in unseren Garten holen, weil es an Ort und Stelle nicht genügend gibt, Futter und Wasser bereitstellen oder Unterschlupfmöglichkeiten schaffen, stehen wir unweigerlich vor einer moralischen Frage. Unterstützen wir die Natur oder greifen wir in sie ein? Nehmen wir der natürlichen Selektion ihren Lauf, oder geben wir jenen eine Chance, die ohne unseren Einfluss vielleicht nicht überleben würden? Manche argumentieren, dass nur gefährdete Arten gefördert werden sollten, während andere die Meinung vertreten, jede Art sei wertvoll, ganz unabhängig von ihrer Anzahl. Was würde wohl eine Blaumeise antworten, wenn man sie fragte, warum sie am Futterhaus sitzt, obwohl ihre Population stabil ist? Vielleicht würde sie sagen, dass jedes Leben zählt, nicht weil es selten ist, sondern weil es existiert. Vielleicht würde sie daran erinnern, dass auch häufige Arten nur so lange häufig bleiben, wie ihre Lebensräume intakt sind. Verantwortung für ein Stück Wildnis im Hinterhof In einer Welt voller Meinungen, Regeln und Paragrafen bleibt oft etwas auf der Strecke, dass wir eigentlich intuitiv in uns tragen müssten: die Bereitschaft, Mitgeschöpflichkeit zu spüren. Es geht nicht darum, die Natur zu kontrollieren oder zu verzerren, sondern darum, ihr Raum zu geben, damit sie ihren eigenen Rhythmus bewahren kann. Der Winter ist kein Feind der Wildtiere, sondern ein Teil ihres Jahreskreislaufs, und unser Garten ist ein Ort, der ihnen helfen kann, diese Zeit zu überstehen, wenn wir ihn nicht zu sehr zähmen. Am Ende ist es ein stiller Dialog zwischen uns und den Tieren, der in jedem Garten geführt wird. Ein Dialog, der ohne Worte auskommt und dessen Inhalt sich in kleinen Gesten zeigt. Ein Laubhaufen, der nicht beseitigt wird, weil jemand weiß, dass darunter ein Igel schläft. Eine Futterstelle, die nicht für große Dramen sorgt, aber vielen Vögeln durch die kälteste Zeit hilft. Ein Garten, der im Winter nicht tot, sondern voller Leben ist, das nur leiser geworden ist. Vielleicht ist es genau das, was uns der Winter lehren möchte, dass wir Verantwortung tragen, auch wenn sie unsichtbar ist, und dass jeder von uns ein Stück Wildnis bewahren kann, selbst wenn sie nur so groß ist wie ein Hinterhof. Und vielleicht merken wir dabei, dass wir nicht nur die Tiere schützen, sondern auch etwas in uns selbst, dass wir manchmal vergessen – die Fähigkeit zur Rücksicht, zur Achtsamkeit und zur Verbundenheit mit der Welt, die uns umgibt. +++ Lesen Sie auch: Der Igel im Herbst - zwischen Vorbereitung, Gefahren und Klimawandel Dazu passend: Wildnis zum Aufhängen – Das große Ebook der selbstgemachten Tierwohnungen

  • Feindbild Wolf: Die Psychologie hinter der Wolfsdebatte

    Der Hass auf den Wolf ist kein Zufall. Er ist kein Naturschutzproblem, kein Sicherheitsproblem und schon gar kein ökologisches Problem. Er ist ein psychologisches und politisches Problem. Und er offenbart schonungslos, wie Teile der Politik – insbesondere CDU/CSU und AfD – arbeiten: nicht lösungsorientiert, sondern emotionalisierend, eskalierend und verantwortungslos. "Ein Wolf in freier Wildbahn – Symbolfigur in der politischen Debatte.". Bild: Michael Hamann Der Wolf steht heute nicht wegen realer Gefahren unter Beschuss, sondern weil er etwas verkörpert, das autoritäres Denken kaum erträgt: Autonomie, Unabhängigkeit und Unkontrollierbarkeit. Er überschreitet menschengemachte Grenzen, er ordnet sich nicht unter, er funktioniert nicht nach Besitzlogik. Genau das macht ihn zum perfekten Feindbild. Die Radikalisierung der Wolfsdebatte: Wenn Welpen zum Politikum werden Was wir erleben, ist keine sachliche Debatte, sondern eine bewusste Radikalisierung. Die Diskussion wird immer weiter ins Extreme getrieben – nicht, um Probleme zu lösen, sondern um dem lautesten Geschrei nachzugeben. Statt in funktionierenden Herdenschutz, Beratung und Prävention zu investieren, wird der Ruf nach dem Gewehr salonfähig gemacht. Inzwischen sogar nach dem Abschuss von Wolfswelpen. Spätestens hier sollte jedem klar sein: Es geht nicht um Sicherheit. Es geht um Machtdemonstration. Psychologisch ist das entlarvend. Welpen sind harmlos. Sie stellen keine Gefahr dar. Wer trotzdem ihre Tötung fordert, verlässt den Bereich rationaler Argumente. Hier wird Gewalt nicht mehr als letztes Mittel diskutiert, sondern als politisches Symbol gefeiert. Das ist brandgefährlich. Kontrollverlust und Populismus: Warum Freiheit Angst macht Der Wolf triggert ein tiefsitzendes Gefühl von Kontrollverlust. Rechte Politik lebt jedoch vom Versprechen totaler Kontrolle: Ordnung, Dominanz, Durchsetzung. Ein streng geschütztes, wissenschaftlich gut erforschtes Tier, das sich dieser Kontrolle entzieht und zudem durch EU-Recht abgesichert ist, passt nicht in dieses Weltbild. Also wird nicht das eigene Narrativ hinterfragt – sondern das Tier bekämpft. Der Widerspruch im jagdlichen Selbstbild Auffällig ist auch der Widerspruch im Selbstbild: Man inszeniert sich als naturverbunden, stark, stolz. Doch diese „Stärke“ gilt nur, solange sie beherrschbar ist. Ein Hirsch im Fadenkreuz gilt als Tradition. Ein Wolf in Freiheit gilt als Provokation. Stärke wird nur akzeptiert, wenn sie unterlegen bleibt. Alles andere macht Angst. Fakten gegen Bauchgefühl: Methode statt Versehen Populismus braucht einfache Schuldige. Der Wolf eignet sich perfekt: sichtbar, emotional, symbolisch aufgeladen. Komplexe Ursachen – verfehlte Agrarpolitik, mangelhafter Herdenschutz, ökonomischer Druck – werden ausgeblendet. Statt Lösungen gibt es Parolen. Statt Verantwortung gibt es Eskalation. Besonders perfide ist dabei die Missachtung von Wissenschaft und Recht. Die Faktenlage ist eindeutig, der Schutzstatus klar. Doch Fakten stören, wenn Politik auf Bauchgefühl und Empörung setzt. Also werden Expertise und europäisches Recht diffamiert, relativiert oder offen angegriffen. Das ist kein Versehen – das ist Methode. Fazit: Ein Spiegel, den viele nicht ertragen wollen Die Wahrheit ist unbequem, aber simpel: Nicht die Natur ist auf die Jagd angewiesen. Die Jagd ist auf politische Rückendeckung angewiesen. Und genau diese Rückendeckung wird geliefert. Laut, aggressiv und auf Kosten von Anstand, Recht und Vernunft. Der Wolf wird dabei nicht bekämpft, weil er gefährlich ist – sondern weil er frei ist. Eine Politik, die den Abschuss von Jungtieren diskutiert, hat jedes moralische Maß verloren. Sie schützt nicht die Menschen, sie schützt nicht die Natur. Sie schützt nur ein Weltbild, das mit Freiheit nicht umgehen kann. Der Wolf ist kein Problem. Er ist ein Spiegel. Und was er zeigt, scheint manchen unerträglich zu sein.

  • Schnecken im Garten: Warum die vermeintlichen Schädlinge unersetzlich sind

    Hör mal rein |Schnecken sind keine Schädlinge, die bekämpft werden müssen. Sie leben seit über 500 Millionen Jahren auf dieser Erde. Vermutlich gibt es zwischen 40.000 und 100.000 verschiedene Arten weltweit, einige im Wasser, andere an Land, und manche von ihnen sind bereits bedroht. Die Spanische Wegschnecke, die übrigens vermutlich nicht ursprünglich aus Spanien stammt, ist erst seit etwa fünfzig Jahren bei uns weit verbreitet. Die Schneckenparty findet bevorzugt nach einem leichten Regen statt. Bild: Lovis Kauertz Verantwortung im eigenen Grün: Der Garten als geschützter Lebensraum Wir erleben täglich, wie der Lebensraum vieler wildlebender Tierarten durch den Menschen schwindet. Wenn wir auf eine wilde Wiese blicken, sehen wir heute oft nur noch eine Handvoll Insekten, wo es früher vor Leben wimmelte. Statt summender Vielfalt herrscht heute oft Stille. Gerade in unseren eigenen Gärten sollten wir Verantwortung tragen, denn sie sind Teil der Landschaft und Teil der Natur. Solange ein privater Garten nicht vollständig abgeschlossen ist, werden Tiere ihn aufsuchen, und diese Tiere sind in gewissem Maße von uns abhängig. Unser Tun hat Konsequenzen. Diese können hilfreich sein oder tragisch. Und letztlich betreffen sie auch uns selbst. Deshalb sollten wir uns nicht länger fragen, ob bestimmte Tiere gut oder schlecht für unseren Garten sind. Jedes Lebewesen auf dieser Erde hat seine Daseinsberechtigung, Schnecken ebenso wie wir Menschen. Der ökologische Nutzen von Schnecken im Kreislauf der Natur Schnecken sind Teil eines großen ökologischen Zusammenhangs. Sie helfen beim Zersetzen organischer Materialien, tragen zur Bodenverbesserung bei und leisten so ihren Beitrag zum Kreislauf des Lebens. Leere Schneckenhäuser werden von Wildbienen als Nistplatz genutzt, und für viele Tiere sind Schnecken eine wichtige Nahrungsquelle. Diese feinen Verbindungen können sich nur entwickeln, wenn wir Menschen nicht ständig eingreifen. Doch weil wir unsere Gärten gestalten, liegt es in unserer Verantwortung, den Tieren dort einen möglichst natürlichen Lebensraum zu ermöglichen. Wenn wir Schnecken fragen könnten, würden sie vermutlich lieber Salatblätter stehen lassen, als einen qualvollen Tod durch Gift, Salz oder Schere zu erleiden. Auch sie verdienen, genauso wie die Salatblätter unseren Schutz und unsere Aufmerksamkeit. Achtsamkeit im Gartenalltag: Warum Schneckenkorn und Chemie tabu sein sollten Ich begegne im Alltag Menschen, die sensibel mit Schnecken umgehen, etwa ein Nachbarpaar, das regelmäßig, wenn die Biotonne geleert wird, bei ihrem Spaziergang die Tiere rettet, die unter den Deckeln gefangen sind. Dieses Verhalten hat mich zum Erstaunen und Nachmachen gebracht. Seitdem kontrolliere ich vor dem Abholen der Biotonne den Deckel, zumal ich kaum Schnittgut habe, weil alles im Garten verwertet wird. Schneckenkorn ebenso wie Bierfallen, Salz, kochendes Wasser und die Schere sollten absolut tabu sein. Selbst sogenanntes „Bioschneckenkorn“ ist nicht völlig risikofrei. Viele dieser Produkte enthalten Wirkstoffe wie Eisen-III-Phosphat, die als weniger schädlich gelten, aber dennoch Auswirkungen auf andere Tiere und den Boden haben können. Offen liegendes Schneckenkorn kann von Igeln oder Vögeln aufgenommen werden, die sich dadurch indirekt schädigen oder vergiften können, insbesondere wenn andere Wirkstoffe enthalten sind. Außerdem gefährdet es Vögel und ihre Brut, Igel, Spitzmäuse, Haustiere und sogar Kleinkinder. Die Stoffe gelangen in den Boden, in die Pflanzen und damit unter Umständen auch auf unsere Teller. Aufräumer und Humusbildner: Warum Schnecken in den Garten gehören Warum gehören Schnecken in den Garten? Weil sie Teil des Lebens sind. Sie sind faszinierend, schön und notwendig. Schnecken haben Durst, genau wie andere Tiere auch. Sie lieben es, sich im Sommer, in einer flachen Wasserschale abzukühlen. Sie fressen Fallobst, abgestorbene Pflanzenteile, Aas, Pilze und sogar ihre eigenen Artgenossen und helfen so beim Aufräumen. Sie tragen zur Humusbildung bei und verbreiten teilweise auch Samen, indem diese über ihren Verdauungstrakt transportiert werden. Wenn wir nicht mehr jede verwelkte Pflanze sofort entfernen, können wir feststellen, dass die Schäden durch Schneckenfraß oft nachlassen, weil sich ein natürliches Gleichgewicht einstellt. Die Weinbergschnecke frisst unter anderem Eier anderer Schneckenarten, ebenso wie der Tigerschnegel. So reguliert sich das Gleichgewicht auf natürliche Weise. Und wir können beobachten, dass viele Vögel, darunter Amseln, Elstern, Stare, Raben, Krähen und Rotkehlchen, Schnecken fressen. Der Kalk aus deren Gehäusen hilft ihnen beim Bau stabiler Eierschalen. Auch Laufkäfer und ihre Larven fressen Schneckeneier, ebenso wie die Larven der Glühwürmchen, die inzwischen ebenfalls gefährdet sind. Auch Schnecken stillen ihren Durst am Wasser Natürliche Feinde fördern: So reguliert sich der Schneckenbestand von allein Ein naturnaher Garten kann dazu beitragen, dass sich ein stabiles Gleichgewicht zwischen Schnecken und ihren natürlichen Feinden entwickelt. Vögel, Igel, Kröten, Frösche und auch viele Insekten wie Laufkäfer sind auf strukturreiche Lebensräume angewiesen. Wer Laub liegen lässt, kleine Totholzhaufen anlegt, Hecken wachsen lässt oder auf chemische Mittel verzichtet, schafft Rückzugsorte für diese Tiere. Auch das Vermeiden von Mährobotern in der Nacht schützt viele nachtaktive Arten. Je vielfältiger ein Garten gestaltet ist, desto größer ist die Chance, dass sich natürliche Gegenspieler ansiedeln. Auf diese Weise reguliert sich der Schneckenbestand auf natürliche und schonende Weise, ohne dass einzelne Tierarten gezielt bekämpft werden müssen. Artenporträt im Faktencheck: Diese drei Schnecken solltest du kennen: Die Spanische Wegschnecke – Der anpassungsfähige Einwanderer Die Spanische Wegschnecke ist heute eine der häufigsten Nacktschneckenarten in Deutschland. Sie kann bis zu 14 cm lang werden, zeigt eine große Farbvariabilität und ist zwittrig. Eine vollständige Selbstbefruchtung ist möglich, kommt jedoch seltener vor als die Paarung. Pro Gelege werden typischerweise einige Dutzend bis wenige hundert Eier abgelegt, nicht mehrere hundert in einem einzigen Gelege. Unter günstigen Bedingungen kann sie sich stark vermehren und Schäden im Gartenbau verursachen. Die Weinbergschnecke – Schützenswerter Riese mit Gehäuse Die Weinbergschnecke gehört zu den größten heimischen Gehäuseschnecken und kann mehrere Jahre alt werden, in Einzelfällen sogar deutlich älter. Sie lebt bevorzugt in kalkhaltigen, feuchten Lebensräumen und steht in Deutschland unter Schutz. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus welkem Pflanzenmaterial und Algen, wodurch sie eher zur Zersetzung als zur Schädigung beiträgt. Der Tigerschnegel – Der nützliche Jäger unter den Nacktschnecken Der Tigerschnegel ist eine große, auffällig gemusterte Nacktschnecke, die sich vor allem von abgestorbenem Material, Pilzen und Aas ernährt. Zusätzlich frisst er Eier und Jungtiere anderer Schneckenarten und trägt so zur natürlichen Regulation bei. Entgegen seiner Größe ist er kein Schädling, sondern ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Gartens.

  • Frühlingserwachen für Wildtiere: Wie dein Garten zum Lebensraum wird

    Hör mal rein |Der Frühling beginnt – und wir genießen ihn. Doch während wir aufatmen, kämpfen viele Wildtiere ums Überleben. Der Beginn von Frühling und Sommer wird von vielen Menschen als Aufbruch erlebt, als Zeit neuer Energie, als Moment, in dem sich Lebensfreude fast von selbst einstellt. Die Tage werden länger, die Natur erwacht, und mit ihr wächst das Gefühl von Leichtigkeit. Doch bei näherem Hinsehen stellt sich eine grundlegende Frage: Was bedeutet Glück eigentlich? Für manche liegt es in Sicherheit oder Erfolg, für andere in Familie, innerer Ruhe oder im Gefühl, mit der Welt im Einklang zu sein. Immer deutlicher zeigt sich, dass Glück nicht allein aus dem eigenen Vorteil entsteht, sondern auch aus der Art, wie wir mit unserer Umwelt umgehen und mit den Lebewesen, die diesen Lebensraum mit uns teilen. Beginnen Sie Ihren Naturgarten mit einer kleinen wilden Ecke Unbemerkt mitten unter uns: Wildtiere in der Stadt Auch in Städten, die von Grünflächen geprägt sind, entfaltet sich ein oft übersehenes Leben. Wälder, Parks, Gärten, Kleingartenanlagen und botanische Gärten sind nicht nur Orte der Erholung, sondern Lebensräume. Vögel, Igel, Maulwürfe, Eichhörnchen, Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Rehe, Füchse, Wildkaninchen und Feldhasen leben mitten unter uns, häufig unbemerkt und doch in unmittelbarer Nähe. Darüber hinaus leben Tiere in landwirtschaftlicher Haltung oder in menschlicher Obhut. Sie alle sind fühlende Wesen mit eigenen Bedürfnissen, die ihr Leben nicht für uns, sondern für sich selbst leben. Ihre Würde hängt nicht davon ab, wie nützlich, vertraut oder sichtbar sie für uns sind, sondern allein davon, dass sie leben. Mensch & Natur: Warum Wildtiere im Frühling unsere Hilfe brauchen Gerade zur Brutzeit wird deutlich, wie verletzlich viele Wildtiere sind. Mittlerweile stark eingeschränkte Nahrungsquellen erschweren das Überleben sowohl für die Elterntiere als auch für ihren Nachwuchs erheblich. Gleichzeitig nehmen menschliche Einflüsse zu. Verkehr, Bebauung und der Verlust natürlicher Rückzugsräume verändern die Bedingungen drastisch. In solchen Momenten wird Hilfe oft missverstanden. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Menschliches Eingreifen ist nicht zwangsläufig ein Stören der Natur. Vielmehr kann es Ausdruck von Verantwortung sein, wenn Lebensräume bereits durch uns eingeschränkt wurden. Wer nicht wegschaut, sondern handelt, erkennt die Würde des Tieres an und trägt zu einem respektvollen Zusammenleben bei. Der naturnahe Garten: Dein Schlüssel zu mehr Artenvielfalt Das neue Frühjahr und der kommende Sommer bieten die Chance, diese Haltung bewusst in den Alltag zu integrieren. Beispiele dafür sind der eigene Garten oder der Balkon. Er kann eine sterile Fläche bleiben oder sich in einen lebendigen, paradiesischen Mikrokosmos verwandeln. Wer nicht nur nach ästhetischen Gesichtspunkten pflanzt, sondern sich informiert und gezielt auf heimische, nährstoffreiche Pflanzen setzt, schafft Lebensgrundlagen. Je mehr unterschiedliche Futterpflanzen vorhanden sind, desto größer ist die Vielfalt. Pflanzen aus pestizidfreier Zucht, eine Vielfalt an Blühzeiten und Strukturen sowie das Zulassen von „Unordnung“ verwandeln selbst kleine Flächen in wertvolle Rückzugsorte. Mut zur „Unordnung“: Laub, Totholz und wilde Ecken zulassen Ein scheinbar ungepflegter Bereich mit Laub, Totholz oder wilden Ecken ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern von ökologischem Verständnis. Dort finden Igel Schutz, Insekten Nahrung und Vögel Material für ihre Nester. Wer beginnt, solche Räume zuzulassen, verändert nicht nur den eigenen Garten, sondern oft auch den Blick der Nachbarschaft, wenn auch manchmal zunächst skeptisch. 42 Millionen Oasen: Das riesige Potenzial von Gärten und Balkonen Rund 17 Millionen Gärten gibt es in Deutschland. Eine genaue Angabe zur Anzahl der Balkone liegt nicht vor, Schätzungen zufolge sind es derzeit etwa 25 Millionen. Damit ergeben sich rund 42 Millionen potenzielle Lebensräume, die Wildtiere nutzen könnten. Durchschnittlich leben in einem Quadratmeter Boden etwa 100 Regenwürmer. In einem naturnahen Garten finden sich darüber hinaus Millionen weiterer Individuen unterschiedlichster Arten. Was für eine enorme Bereicherung wäre das für all unsere kleinen wilden Tiere. Tiere wollen ebenso essen und trinken wie wir. Für sie sind natürliche Lebensräume das, was für uns der Supermarkt ist. Auch wenn keine exakte Zahl darüber vorliegt, wie viele Gärten und Balkone naturnah gestaltet sind, liegt genau hier ein enormes Potenzial. Jeder einzelne Garten, jeder Balkon kann Teil eines großen Netzwerks werden, das Lebensräume verbindet und Artenvielfalt ermöglicht. Es braucht dafür keine Perfektion, sondern Bewusstsein. Jeder Schritt zählt. Jede Blume, die Nahrung bietet. Jeder Quadratmeter, der nicht versiegelt wird. Jeder Moment, in dem wir uns entscheiden hinzusehen, statt wegzuschauen. Fazit: Glück ist eine Haltung – und ein lebendiger Garten Vielleicht entsteht Glück genau dort, wo wir beginnen, über uns hinauszudenken, wo Mitgefühl und Achtsamkeit nicht abstrakte Begriffe bleiben, sondern unser Handeln prägen. Der Frühling erinnert uns jedes Jahr daran, dass Leben sich entfalten will. Die Frage ist, ob wir ihm Raum geben. Ein Garten, in dem es summt, raschelt und zwitschert, ist mehr als ein schöner Ort. Er zeigt, dass wir verstanden haben, dass unser Handeln darüber entscheidet, ob es still wird oder lebendig bleibt. Schnellcheck: 4 Schritte zum Wildtier-Paradies auf Balkon & Garten Heimische Nahrungspflanzen wählen: Ersetze sterile Zierpflanzen durch echte Insekten-Magneten. Die Wilde Möhre, die Kornblume oder Sträucher wie die Kornelkirsche bieten reichlich Pollen, Nektar und Beeren. Eine Wildtier-Tränke aufstellen: Eine flache Schale mit frischem Wasser rettet an warmen Tagen Leben. Wichtig: Lege ein paar Steine als Ausstiegshilfe hinein, damit Biene, Käfer & Co. nicht ertrinken. Wilde Ecken & Totholz erlauben: Ein kleiner Haufen aus abgeschnittenen Ästen und Laub in einer ruhigen Ecke ist das perfekte Versteck und die Kinderstube für Igel und nützliche Erdkröten. Mähfreie Zonen einrichten: Lass einen Teil des Rasens im Frühjahr und Sommer einfach mal wachsen. Jedes stehengelassene Wildkraut ist ein Mini-Lebensraum für Schmetterlinge und Wildbienen. +++ Weiterführende Links für Inspirationen Naturgärten haben eine Menge zu bieten Vom Englischen Garten zum Naturgarten

  • Wunder der Brutzeit: Ein Blick ins Nest der Kohlmeise & Tipps zum Schutz von Singvögeln

    Hör mal rein |Wenn im Frühjahr die Natur erwacht und die Tage länger werden, beginnt für unsere heimischen Vögel eine der intensivsten und zugleich verletzlichsten Zeiten des Jahres: die Brutzeit. Was für uns oft nur als Gesang wahrnehmbar ist, bedeutet für sie höchste Anstrengung, Präzision und unermüdliche Fürsorge. Diese Zeit verlangt von den Vögeln alles. Und sie verlangt von uns vor allem eines: Respekt. Vom Ei zum Ästling: Der Brutverlauf am Beispiel der Kohlmeise Ein Nest entsteht nicht zufällig. Es wird sorgfältig gebaut, geschützt angelegt und mit großer Ausdauer zusammengesetzt. Jeder Halm, jedes Blatt, jede Feder hat seinen Platz. Es ist ein Ort des Lebens, der Wärme und der Hoffnung und zugleich ein Ort, der auf Ruhe und Sicherheit angewiesen ist. Am Beispiel der Kohlmeise lässt sich besonders eindrücklich erkennen, welche Leistung hinter einer Brut steckt. Kohlmeisen | Bild: Maximilian Dorsch Nach dem Nestbau beginnt das Weibchen, täglich ein Ei zu legen, meist im Abstand von etwa 24 Stunden. Ein Gelege umfasst in der Regel 5 bis 12 Eier. Erst wenn das Gelege vollständig ist, beginnt das eigentliche Brüten, damit alle Küken möglichst gleichzeitig schlüpfen. Vorher ist das Weibchen zwar im Nest, bebrütet die Eier jedoch nicht intensiv. Die Brutdauer beträgt etwa 12 bis 15 Tage. In dieser Zeit sitzt das Weibchen überwiegend auf den Eiern und sorgt für die notwendige Wärme, was als Inkubation bezeichnet wird. Es zupft und rupft am Nestrand, so dass alle Eier bestens gewärmt werden. Die Eier werden regelmäßig gewendet, um zu verhindern, dass der Embryo an der Schalenhaut festklebt. Ebenso putzt sich der Vogel hin und wieder das Gefieder, um Parasiten fernzuhalten. Da das Brüten auch anstrengend ist, ruht und schläft der Vogel viel. Das Männchen versorgt es währenddessen mit Nahrung. Dennoch verlässt das Weibchen das Nest kurzzeitig, um selbst zu fressen und um Kot abzusetzen, was für die Hygiene im Nest unerlässlich ist. Sinken die Temperaturen, kann sich der Brutbeginn leicht verzögern oder die Entwicklung der Eier verlangsamen, da Wärme ein entscheidender Faktor ist. Nach dem Schlüpfen beginnt die Phase der sogenannten Nestlinge. Die Küken sind nackt, blind und vollkommen auf ihre Eltern angewiesen. Beide Elternteile sind nun unermüdlich im Einsatz und versorgen ihre Jungen mit eiweißreicher Nahrung, vor allem mit Insekten. Diese Phase dauert etwa 16 bis 22 Tage. Nach dem Verlassen des Nestes spricht man von Ästlingen. Diese Jungvögel sind befiedert, noch nicht selbstständig und werden außerhalb des Nestes weiterhin ein bis zwei Wochen von den Eltern gefüttert und begleitet. In dieser Zeit lernen sie, sich in ihrer Umgebung zurechtzufinden, Nahrung zu suchen und Gefahren zu erkennen. Insektenmangel: Warum die Nahrung im Frühjahr zum Problem für Jungvögel wird Und genau hier liegt eines der größten Probleme unserer Zeit. Der massive Rückgang von Insekten führt dazu, dass vielen Vögeln schlicht die Nahrungsgrundlage fehlt. Besonders für die Aufzucht der Jungen sind Insekten unverzichtbar. Gerade während der Brutzeit ist der Bedarf an Nahrung enorm. Ein Vogelpaar fliegt hunderte Male am Tag, um genügend Insekten für seine Jungen zu finden. Deshalb ist es sinnvoll und wichtig, Vögel während der Brutzeit zu unterstützen. Hochwertiges, artgerechtes Futter kann helfen, Engpässe auszugleichen. Ebenso wichtig ist das Bereitstellen von Wasser, egal zu welcher Jahreszeit. Oft wird diskutiert, ob durch zusätzliches Füttern mehr Vögel entstehen und dadurch mehr Insekten gefressen werden. Meiner Meinung nach greift diese Sicht zu kurz. Die Antwort kann nicht sein, Vögel zu reduzieren, indem wir ihnen kein zusätzliches Futter mehr anbieten. Vielmehr muss sich grundsätzlich etwas bei uns Menschen verändern: In der konventionellen Landwirtschaft, in der Politik, in der Gestaltung unserer Gärten und Lebensräume und in unserem Denken. Denn wir sind alle berechtigte Bewohner dieses Planeten. Wenn die Nahrungsversorgung knapp wird, hat dies für alle Lebewesen tiefgreifende Auswirkungen und Verhaltensänderungen. Dies ist bei Tieren nicht anders als bei uns Menschen. Der wohl bekannteste Ornithologe und Verhaltensforscher, Professor Dr. Peter Berthold, betont immer wieder, wie wichtig es ist, Vögel aktiv zu unterstützen und vor allem Lebensräume wiederherzustellen. Vogelfreundlicher Garten: Praktische Tipps zum Schutz von Singvögeln Gerade im eigenen Garten oder auf dem Balkon liegt eine große Chance. Auch kleine Flächen können zu wertvollen Lebensräumen werden. Ein naturnaher Garten bietet Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten. Heimische Pflanzen fördern Insekten, die wiederum die Grundlage für die Vogelernährung bilden. Wilde Ecken, Hecken, Sträucher, Laub und Totholz schaffen wichtige Strukturen. Besonders entscheidend ist der Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger. Ein ökologisches Gleichgewicht kann nur entstehen, wenn wir diese Eingriffe vermeiden. Was wir als „Schädlinge“ bezeichnen, etwa Blattläuse, ist für viele Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle und sollte nicht bekämpft werden. Nistkästen können natürliche Brutplätze ersetzen, die durch den Verlust alter Bäume immer seltener werden. Ein Garten darf leben. Und Leben bedeutet Vielfalt, nicht Kontrolle. Brutzeit & Gesetz: Wie Sie Störungen im Alltag vermeiden Neben aktiver Unterstützung ist es ebenso wichtig, Störungen zu vermeiden. Nester sollten niemals berührt oder umgesetzt werden. Jungvögel, die scheinbar hilflos am Boden sitzen, sind oft Ästlinge und werden weiterhin von ihren Eltern versorgt. Beobachten (1–2 Stunden) ist zunächst die beste Art zu handeln. Allerdings sollte man in bedrohten Situationen sofort handeln. Diese können vorliegen, wenn es sich um einen Nestling handelt, der kaum Federn hat, wenn eine Katze oder ein anderes Tier in der Nähe ist, wenn er auf einer Straße sitzt oder verletzt ist. In solchen Situationen sollte immer professionelle Hilfe gesucht werden. Das Küken sichern, wärmen und niemals Wasser in den Schnabel träufeln. Häufiges Aufscheuchen, etwa durch Gartenarbeit, kann dazu führen, dass Nester aufgegeben werden. Auch Eingriffe wie das Schneiden von Hecken oder das Entfernen von Sträuchern können fatale Folgen haben. Aus gutem Grund ist die Brutzeit gesetzlich geschützt. Zwischen dem 1. März und dem 30. September ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten, Hecken, Gebüsche oder Bäume stark zurückzuschneiden oder zu entfernen. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden. Leider sieht man immer wieder Menschen, selbst Mitarbeiter von Ortsgemeinden, die sich nicht an diese Regelung halten und die sogenannte schonende Pflege durchführen. Auch die Sonderregelungen im Stadtgebiet sind des Öfteren kritisch zu betrachten. Dies kontrolliert kaum jemand, und die wenigsten bringen es zur Anzeige oder sprechen es an. Diese Regelung schützt nicht nur einzelne Tiere, sondern ganze Generationen. Ein achtsamer Umgang bedeutet, Rückzugsorte zu respektieren und Ruhe zuzulassen. Artenschutz beginnt im Kopf: Das große Ganze verstehen Die Brutzeit zeigt, wie eng alles miteinander verbunden ist. Vögel, Insekten, Pflanzen, sie bilden ein fein abgestimmtes System. Und sie alle sorgen für Nachwuchs. Wenn dieses Gleichgewicht gestört ist, liegt die Ursache nicht in der Natur selbst, sondern in den Bedingungen, die wir geschaffen haben. Die Brutzeit ist eine Zeit des Lebens, der Fürsorge und der Verletzlichkeit. Vögel leisten in diesen Wochen Unglaubliches, oft unbemerkt. Vielleicht liegt unsere Aufgabe darin, ihnen Raum zu geben, sie zu schützen und sie zu unterstützen, wo wir können. Denn ihr Überleben ist nicht getrennt von unserem. Es ist Teil derselben Welt. +++ FAQ zur Kohlmeise Wie lange brüten Kohlmeisen? Die Brutdauer beträgt etwa 12 bis 15 Tage, gefolgt von einer Nestlingsphase von 16 bis 22 Tagen. Wie viele Eier legt eine Kohlmeise? Ein Gelege umfasst in der Regel zwischen 5 und 12 Eier. Wann gilt das Schnittverbot für Hecken? Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist das starke Zurückschneiden von Hecken und Gebüschen vom 1. März bis zum 30. September verboten. Hier ein Beitrag zu mehr Lebensraum im Naturgarten

  • Feuerwanze im Garten: Gefährlicher Schädling oder nützlicher Helfer?

    Hör mal rein| Die Feuerwanze, wissenschaftlich Pyrrhocoris apterus, gehört zu den bekanntesten Insekten in unseren Gärten und Städten. Weltweit gibt es rund 300 Arten von Feuerwanzen, die meisten davon leben in tropischen Regionen, während bei uns vor allem diese eine Art verbreitet ist. Mit ihrer leuchtend roten Färbung und den markanten schwarzen Zeichnungen fällt sie sofort ins Auge. Gerade im Frühjahr und an warmen Tagen im Jahr sieht man sie häufig in größeren Gruppen an sonnigen Hauswänden, auf Wegen oder am Fuß von Bäumen. Die Feuerwanze ist so auffällig, dass sich Menschen wahrscheinlich genau deshalb so oft eine Meinung über sie bilden. Was sichtbar ist, entzieht sich unserer Aufmerksamkeit nicht, doch es wird selten wirklich verstanden. Die Feuerwanze ist so auffällig, dass sich Menschen wahrscheinlich genau deshalb so oft eine Meinung über sie bilden. Was sichtbar ist, entzieht sich unserer Aufmerksamkeit nicht, doch es wird selten wirklich verstanden. Bild: AdobeStock Lebensweise der Feuerwanze: Ernährung, Fortpflanzung und Habitat Die Feuerwanze ist in weiten Teilen Europas verbreitet und bevorzugt warme, geschützte Lebensräume. Besonders häufig findet man sie in der Nähe von Lindenbäumen oder Malvengewächsen, deren Samen eine wichtige Nahrungsquelle darstellen. Sie gehört zu den Insekten mit unvollständiger Metamorphose. Aus den Eiern, von denen ein Weibchen etwa 40 bis 60 ablegt, schlüpfen Larven, die den erwachsenen Tieren bereits ähneln, jedoch noch nicht vollständig entwickelt sind. Diese Larven durchlaufen in der Regel fünf Häutungen, bevor sie das adulte Stadium erreichen. Das faszinierende Paarungsverhalten der roten Wanzen Ein besonders auffälliges Verhalten zeigt sich bei der Paarung. Dabei sind Männchen und Weibchen über mehrere Stunden, teilweise sogar bis zu mehreren Tagen, miteinander verbunden. Diese Verbindung wirkt wie ein „Aneinandergekettetsein“, erfüllt jedoch einen wichtigen Zweck. Sie dient dazu, die erfolgreiche Übertragung der Spermien zu sichern und gleichzeitig zu verhindern, dass sich das Weibchen unmittelbar mit weiteren Männchen paart. Dieses Verhalten ist in der Insektenwelt nicht ungewöhnlich, wird bei der Feuerwanze jedoch besonders sichtbar. Ein besonders auffälliges Verhalten zeigt sich bei der Paarung. Dabei sind Männchen und Weibchen über mehrere Stunden, teilweise sogar bis zu mehreren Tagen, miteinander verbunden. Bild: AdobeStock Was fressen Feuerwanzen? Auch ihre Ernährungsweise ist bemerkenswert. Feuerwanzen besitzen einen Saugrüssel, mit dem sie Nahrung aufnehmen. Diese muss stets flüssig sein, da sie feste Bestandteile nicht verwerten können. Dazu geben sie ein Sekret ab, das die Nahrung außerhalb ihres Körpers verflüssigt, sodass sie diese anschließend aufnehmen können. Sie ernähren sich vorwiegend von Pflanzensäften und Samen, nutzen aber auch andere Quellen wie abgestorbene Insekten oder organisches Material. Neben ihrer pflanzlichen Nahrung zeigen Feuerwanzen ein vielseitigeres Verhalten, als oft angenommen wird. Sie können an verletzten oder geschwächten Insekten saugen und nehmen auch Schneckeneier auf. Damit sind sie Teil eines natürlichen Regulationssystems im Garten. Auch wenn sie nicht zu den klassischen Bestäubern zählen, tragen sie durch ihre Bewegung zwischen Pflanzen dazu bei, dass Pollen übertragen werden können. Ihre Rolle ist leise, aber eingebettet in ein größeres ökologisches Gefüge. Feuerwanzen bekämpfen? Warum sie keine Pflanzenschädlinge sind Ein häufiges Missverständnis besteht darin, dass Feuerwanzen Pflanzen schädigen. Zwar stechen sie mit ihrem Saugrüssel Pflanzenteile an, doch entsteht dadurch kein relevanter Schaden für gesunde Pflanzen. Sie gelten nicht als Schädlinge im gärtnerischen oder landwirtschaftlichen Sinne. Feuerwanzen sind ein unauffälliger, aber wichtiger Bestandteil unseres Lebensraums. Sie tragen dazu bei, organisches Material zu verwerten, regulieren auf ihre Weise andere Populationen und fügen sich in ein komplexes Netz von Beziehungen ein. Sie stechen nicht, sie beißen nicht, sie zerstören keine Pflanzen. Ihr Dasein ist weder bedrohlich noch schädlich, sondern schlicht Teil eines lebendigen Systems. Ihre Anwesenheit ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass ein Lebensraum vorhanden ist, der verschiedene Organismen trägt. Feuerwanzen-Plage im Frühjahr? Warum die Insekten in Gruppen auftreten Feuerwanzen treten häufig in Gruppen auf. Dieses Verhalten dient unter anderem dem Schutz vor Fressfeinden, der Fortpflanzung, der Wärmespeicherung, der Suche nach Nahrung und Lebensraum. Gerade im Frühjahr, wenn sie aus ihren Winterverstecken kommen, können größere Ansammlungen entstehen. In solchen Momenten fällt schnell der Begriff „Plage“. Doch dieser Begriff beschreibt keine biologische Realität, sondern eine menschliche Wahrnehmung. Eine Beurteilung, die oft aus Gewohnheit oder Unsicherheit heraus entsteht. Eine Ansammlung von Feuerwanzen ist kein Hinweis auf ein Problem, sondern auf geeignete Lebensbedingungen. Umdenken im Garten: Vom „Ungeziefer“ zum nützlichen Ökosystem Bezeichnungen wie „Schädling“ oder „Ungeziefer“ haben sich über lange Zeit in unserer Sprache verankert. Sie vereinfachen komplexe Zusammenhänge und führen dazu, dass wir Lebewesen vorschnell einordnen. Dabei sind Tiere keine störenden Elemente, sondern Teil eines funktionierenden Systems. Wenn wir beginnen, unsere Sprache bewusster zu wählen, verändert sich auch unser Blick auf die Natur. Aus Ablehnung kann Verständnis entstehen. +++ Lesen Sie auch: Mehr Lebensraum im Naturgarten

  • Artenschutz ausgehebelt: Fünf weitere Jahre Feuerwerk im Natura 2000-Gebiet Nonnenau in Ginsheim/Hessen

    Hör mal rein| Heute startet das Altrheinfest in der hessischen Kleinstadt Ginsheim. Seinen Abschluss wird es – nach Beschluss der Stadt Ginsheim-Gustavsburg – mit einem großen Feuerwerk im Natura 2000- und Vogelschutzgebiet feiern. Während viele Städte und Gemeinden bereits auf Alternativen wie Laser oder Drohnenshows zurückgreifen, soll es in Ginsheim zunächst für die kommenden fünf Jahre beim klassischen Feuerwerk bleiben. Naturschutzbehörde lenkt nach Einwand zunächst ein Über Jahrzehnte wurde das Feuerwerk auf der Insel Nonnenau gezündet – mitten im FFH- und Vogelschutzgebiet Ginsheimer Altrhein. Dafür wurde sogar eine Fläche auf der Insel freigemäht, damit die Abschussanlage innerhalb des Schutzgebietes aufgebaut werden konnte. Dies geschah Jahr für Jahr während der Brut- und Setzzeit, also genau in jener Zeit, in der Wildtiere besonders störungsempfindlich sind. In direkter Nachbarschaft zum Ginsheimer Altrheinfest. Weißstorch mit einem Jungtier. Bild: Claudia Ward Erst im vergangenen Jahr wurde die Untere Naturschutzbehörde durch uns auf diesen Sachverhalt aufmerksam gemacht. Im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest und den errichteten Wildschutzzäunen wurde auch die Frage gestellt, ob für das Feuerwerk in einem Natura 2000-Gebiet eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt wurde. Kurz darauf wurde das Vorhaben auf der Naturschutz-Insel Nonnenau gestoppt. Die Behörde teilte damals schriftlich mit, dass das Feuerwerk aufgrund der Kurzfristigkeit einmalig noch am Steinkreis neben dem Festgelände, aber nach wie vor im Schutzgebiet, stattfinden dürfe. Gleichzeitig wurde erklärt, die Veranstalter und das Ordnungsamt Ginsheim-Gustavsburg müssten künftig einen Platz außerhalb des Schutzgebietes finden. Eine weitere Genehmigung könne nicht in Aussicht gestellt werden. Umso erstaunlicher ist die aktuelle Entwicklung. Statt einer Verlagerung aus dem Schutzgebiet heraus wurde das Feuerwerk nun für weitere fünf Jahre am sog. Steinkreis genehmigt. Zwar erfolgt der Abschuss nun nicht mehr auf der Insel Nonnenau selbst, jedoch weiterhin innerhalb des europäischen Vogelschutzgebietes – und weiterhin während der Brut- und der Aufzuchtzeit vieler geschützter Vogelarten. Kinderstube störungssensibler Vogelarten wie Uhu, Eisvogel, Baumfalke Der Ginsheimer Altrhein und die Mainmündung bei Gustavsburg gehören zu den ökologisch wertvollsten Gebieten Hessens und sind Teil des europaweiten Natura 2000-Netzwerks. Das Gebiet wurde ausgewiesen, um besonders störungsempfindliche und bedrohte Vogelarten dauerhaft zu schützen. Die Insel Nonnenau im Altheinarm bei Ginsheim liegt wie das Festgelände im Natura 2000- und Vogelschutzgebiet. Bild: Claudia Ward Zu den geschützten Arten zählen unter anderem Uhu, Eisvogel, Weißstorch, Rohrweihe, Rotmilan, Schwarzmilan, Grauspecht, Mittelspecht und Neuntöter. Hinzu kommen Pirol, Nachtigal, Turteltaube, Baumfalke, Beutelmeise, Graureiher, Kormoran, Höckerschwäne und zahlreiche weitere Brut- und Rastvögel. Erst seit Kurzem brüten auch wieder Störche in unmittelbarer Nähe des Festgeländes Altrhein. Zweierlei Maß: Rücksichtnahme durch Bürger, Freifahrtschein fürs Großfeuerwerk Gleichzeitig wird Bürgern an anderer Stelle regelmäßig erklärt, wie wichtig Rücksichtnahme auf Wildtiere sei. Spaziergänger mögen während der Brut- und Setzzeit ihre Hunde anleinen. Wege werden gesperrt. Freizeitnutzungen werden eingeschränkt. Unter Hinweis auf den Artenschutz werden richtigerweise teils weitreichende Maßnahmen angeordnet. Wenn aber ein großes Feuerwerk mit tausenden Besuchern, lauten Detonationen, Lichtblitzen und Rauchentwicklung in einem europäischen Schutzgebiet stattfindet, sollen plötzlich keine erheblichen Beeinträchtigungen zu erwarten sein. Genau zu diesem Ergebnis kommt eine Vorverträglichkeitsprüfung, die im Auftrag der Naturschutzbehörde erstellt wurde. Zahlreiche Studien und Fachzeitschriften zeigen ein anderes Bild vom Störungspotenzial eines Feuerwerks. Diese Schlussfolgerung wirft Fragen auf. Die Zielsetzung eines Vogelschutzgebietes besteht darin, störungsempfindlichen Arten Rückzugsräume zu sichern. Wenn selbst während der sensiblen Brut- und Aufzuchtzeit Feuerwerke in einem solchen Areal als unproblematisch gelten, stellt sich die grundsätzliche Frage nach dem Stellenwert des europäischen Naturschutzrechts. Der Ginsheimer Altrhein ist nicht irgendeine Kulisse für ein Feuerwerk. Er ist ein nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richlinie (FFH_RL) unter Schutz gestellter Lebensraum für seltene und störungsempfindliche Arten. Die Frage, ob ein Feuerwerk während der Brutzeit an diesem Ort wirklich notwendig ist, wird seitens der Veranstalter damit gerechtfertigt, dass mehr Besucher kommen und die Kassen klingeln. Die Genehmigung der Naturschutzbehörde wurde auch damit begründet, dass der Veranstalter keine alternative Fläche außerhalb des Vogelschutzgebietes finden konnte. +++ Lesen Sie auch: Willich: Feuerwerk versetzt Vögel in Todespanik

  • Fuchsjagd in der Kritik: Die ganze Brutalität der Jungfuchsfallen

    Hören - Über Bilder, die Welpenfallen für Füchse zeigen, welche direkt in die Eingänge der Baue montiert sind, empören sich Tier- und Naturfreunde aus gutem Grund. Diese Art der Jagd ist in unseren Augen weder waidgerecht noch tierschutzkonform, ist aber nach wie vor zulässig.*) Jagdliche Nutzung des Feldhasen: Qualvolles Leid für Fuchswelpen Dabei vermittelt das Bild noch nicht einmal ansatzweise das volle Ausmaß des Leidens, das Jagdausübende beim Einsatz solcher Methoden bereitwillig in Kauf nehmen. In einer Abschlussarbeit zum Jagdwirt beschreibt Christoph Hildebrandt – heute Leiter der Landesjagdakademie des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz – wie man seiner Meinung nach eine Besatzsteigerung im Wesentlichen zur eigenen „jagdlichen Nutzung des Feldhasen“ erreichen könne. Beim Einsatz von Jungfuchsfallen wird den noch im Bau befindlichen Welpen die Versorgung durch die Elterntiere verwehrt. Die Welpen leiden bis zu sechs Tage lang an Hunger, Durst und Vernachlässigung. Dann sind sie verhungert oder sie werden vom Killer liquidiert. Wie funktionieren Jungfuchsfallen? Zitate aus der Jagdpraxis Zum Thema Jungfuchsfallen heißt es dort auf den Seiten 40-41: "Die darin gefangenen Jungfüchse sind mit einem gezielten Kleinkaliber-Schuss zu erlegen. Nachdem einige Jungfüchse gefangen sind, sollte man mindestens nach dem Fang des letzten Jungfuchses die Falle noch weitere fünf Tage eingebaut lassen und kontrollieren. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass selbst nach sechs Tagen noch der aller letzte Jungfuchs in die Falle läuft." Hildebrand berichtet weiter, dass sämtliche weiteren Zugänge zum Bau verschlossen werden: „Die Jungfuchsfallen müssen fast komplett in die Röhren eingebaut werden und am noch herausstehenden Teil nach oben hin gegen schlechte Witterung geschützt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, diese Fallen mit einem stabilen Hering aus Draht zu verankern. Ist die Falle eingebaut, kontrolliert man noch die Beweglichkeit der Fangklappen, um auszuschließen, dass die nach oben gedrückte Klappe zum Beispiel durch Wurzeln oben gehalten wird und so die Jungfüchse wieder aus der Falle in den Bau zurück laufen können. Alle anderen Röhren, die noch zu dem Fuchsbau gehören, aber nicht sehr stark belaufen sind, sind abzusuchen und gegen Ein- und Auslaufen zu verstopfen. Hierzu empfiehlt es sich, ca. 50 cm bis 100 cm lange Fichtenstangen o.ä. dabei zu haben, um die Röhren massiv zu verkeilen. Nach Einbau der Fallen ist es ratsam, den Jungfuchsbau mit menschlicher Witterung zu verwittern. Hierfür kann man das verschwitzte, grüne Hemd oder T-Shirt in die darüber liegenden Sträucher hängen oder um den Jungfuchsbau herum „nässen“. Damit wird verhindert, dass Altfüchse von außen die Röhren freigraben und ihre Jungfüchse befreien.“ Das grausame Prinzip der Welpenfalle: Tagelanges Verhungern im Fuchsbau Zurückgebliebene Welpen bleiben so ohne Nahrung ... bis das Killerkommando kommt oder sie verhungert sind. Im Klartext bedeutet das, dass beim Einsatz von Jungfuchsfallen den noch im Bau befindlichen Welpen die Versorgung durch die Elterntiere verwehrt wird und die Welpen bis zu sechs Tage lang an Hunger, Durst und Vernachlässigung leiden. Sie erleben währenddessen, wie ihre Geschwister in die Falle tappen und erschossen werden und haben selbst schließlich nur die Wahl, im Bau zu sterben oder sich mit letzter Kraft auch in die Falle zu schleppen, wo ebenfalls der sichere Tod auf sie wartet. Jagd auf trächtige Füchse: Grausamkeit mit System Der Autor spricht sich in derselben Arbeit auf Seite 49 übrigens auch völlig ungeniert für die intensive Bejagung trächtiger Fuchsfähen im Rahmen von revierübergreifenden Fuchsjagdwochenenden im Januar/Februar aus. Er zeigt zum Beweis sogar ein eigenes Foto, auf dem der aufgeschlitzte Bauch einer trächtigen Fähe zu sehen ist. Fazit: Warum Welpen- und Fuchsfallen verboten werden müssen Wer also denkt, "Jäger machen sowas nicht", irrt sich gewaltig: Die Skrupellosigkeit solcher Handlungen sowie die Selbstverständlichkeit und Kälte, mit der Befürworter der Fuchsjagd nicht nur darüber berichten, sondern Gleichgesinnte auch zu entsprechenden Handlungen anleiten, lassen tief blicken. Und dennoch sind diese Praktiken weit verbreitet und meist sogar legal. Das muss sich ändern! +++ Bitte zeichnen Sie unsere Petitionen +++ *) Melden Sie sich bei uns, wenn Sie aktuell Jungfuchsfallen entdecken. Quellenangabe: „Möglichkeiten der Besatzsteigerung und Bewirtschaften von Feldhasenbesätzen“, 2011, von Christoph Hildebrandt, heute Landesjagdakademie Rheinland-Pfalz (Landesjagdverband Rheinland-Pfalz) +++ Rechtliche Stellungnahme zur Fallenjagd, Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht

  • Unterschätzte Gefahr im Garten: Bundestag berät über Mähroboter-Verbot zum Schutz von Igeln

    Hör mal rein |Klein aber oho! Igel sind nicht nur niedliche Gesellen, sondern als fleißige „Gartenpolizei“ überaus nützliche Gefährten, die ganz ohne Chemiekeule auf ihren nächtlichen Streifzügen eine Vielzahl von Larven und Insekten einsammeln. Doch der sympathische „Stachler“ schlägt seit einiger Zeit lautstark Alarm: Der Westeuropäische Igel steht mittlerweile offiziell auf der Vorwarnliste der Roten Liste bedrohter Arten. In manchen Regionen wie Bayern hat sich sein Bestand in den letzten zwanzig Jahren sogar dramatisch halbiert. Die Sensoren der Mähroboter sind nicht verlässlich darauf getrimmt, kleine Tiere zu erkennen. Bild: Igelpflege Rotenburg Wümme e.V., Um auf diese alarmierende Entwicklung zu reagieren, liegt nun ein neuer, konkreter Vorstoß in der Bundespolitik vor: Ein aktueller Antrag der Bundestagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (Bundestagsdrucksache 21/6011) fordert wirksame Schutzmaßnahmen, um das Überleben der bedrohten Tiere langfristig zu sichern. Vom Schwinden der Lebensräume und dem großen Hungern Warum schwinden die Bestände unserer Igel so rasant? Die Ursachen für den Rückgang der Igel-Populationen sind vielschichtig und fast ausnahmslos menschengemacht: Das fortschreitende Insektensterben: Durch den massiven Einsatz von Pestiziden und Herbiziden in der konventionellen Landwirtschaft, aber leider auch in privaten Gärten, wird den Tieren buchstäblich die Nahrungsgrundlage entzogen. Wo keine Käfer, Spinnen oder Larven mehr leben, verhungern vor allem die Jungigel im Herbst. Verlust natürlicher Lebensräume: Unsere Landschaften werden immer unbarmherziger aufgeräumt. Es fehlen dichte Hecken, Totholzhaufen und naturbelassene Waldränder. Leblose Gärten: In Wohngebieten breiten sich sterile Schottergärten und monotone Rasenflächen aus, auf denen kaum ein Wildtier mehr Unterschlupf oder Nistmaterial findet. Klimawandel & Verkehr: Hinzu kommen der dichte Straßenverkehr, der jährlich unzählige Opfer fordert, sowie der Klimawandel, dessen anhaltende Trockenperioden die Nahrungssuche im steinharten Boden zusätzlich erschweren. Aufgeräumter Rasen, tödliche Falle: Mähroboter im Fokus Im Tierreich haben Igel nur wenige natürliche Feinde, wie den Uhu oder den Dachs. Droht Gefahr, flüchten sie nicht, sondern rollen sich blitzschnell zur wehrhaften Stachelkugel zusammen. Gegen herannahende Autos schützt diese Taktik bekanntermaßen nicht – und auch nicht gegen die messerscharfen, rotierenden Klingen moderner Mähroboter. Da diese autonomen Geräte vom Igel oft unbemerkt in den Abendstunden, in der Dämmerung oder sogar mitten in der Nacht laufen, trifft es die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere besonders hart. Sie werden durch unzureichende Sensoren von den Geräten schlicht überrollt. Die Folgen zeigen sich täglich in den Wildtierstationen: Igel mit tiefen Schnittwunden im Gesicht, abgetrennten Gliedmaßen und grausamen Verstümmelungen. Viele Pflegestellen arbeiten bundesweit weit über ihrer Belastungsgrenze und müssen wegen akuter Überlastung regelmäßige Aufnahmestopps verhängen. Politik handelt: Der Antrag zum Mähroboter-Verbot Der Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN nimmt nun genau diese technologische Gefahrenquelle ins Visier. Die zentralen Forderungen wären ein echter Meilenstein für den lokalen Artenschutz: Nächtliches Betriebsverbot: Gefordert wird ein striktes Betriebsverbot für Mähroboter während der Nacht- und Dämmerungsstunden in privaten Gärten. Verbindliche Sicherheitszertifikate: Bis zum Jahr 2030 soll ein Zertifikat zur Pflicht für den Marktzugang in Deutschland werden. Zukünftig dürften nur noch zertifizierte, „igelsichere“ Geräte verkauft werden, die kleinere Wildtiere per hochentwickelter Sensorik zuverlässig erkennen und umfahren. Technische Koppelung: Optimal wäre außerdem eine Verknüpfung an einen Tageslichtsensor, sodass die Mäher mit Einbruch der Dämmerung automatisch stoppen. Fazit: Artenschutz fängt vor der eigenen Haustür an Wir von Wildtierschutz Deutschland e.V. begrüßen diesen politischen Vorstoß ausdrücklich! Ein nächtliches Fahrverbot ist ein hocheffektiver und längst überfälliger Schritt. Doch niemand muss auf Gesetze warten, um ein Herz für unsere nützlichen Freunde zu zeigen. Bitte programmieren Sie Ihren Roboter schon heute so, dass er ausschließlich tagsüber läuft, wenn Igel schlafen. Lassen Sie zudem wilde Ecken mit Laub, Ästen und Unterholz im Garten zu. So schaffen wir gemeinsam sichere Lebensräume für unsere stacheligen Nachbarn. +++ Quelle: Bundestagsdrucksache 21/6011 vom 19.05.2026 Lesen Sie auch: Mehr Lebensraum im Naturgarten

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