Über den bewussten Entschluss Wildtiere nicht zu übersehen
- Susanne Schüßler
- vor 29 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
Ein neues Jahr beginnt oft mit Erwartungen, Wünschen und der Hoffnung, dass es ein gutes, vielleicht sogar ein glückliches Jahr werden möge. Doch was ist Glück eigentlich? Für jeden Menschen bedeutet es etwas anderes. Manche verbinden Glück mit Sicherheit, Erfolg oder Gesundheit, andere mit innerer Ruhe, Sinn und Verbundenheit. Glück lässt sich nicht festhalten, es zeigt sich in Momenten, in Haltungen und in der Art, wie wir der Welt begegnen.
Eine besonders tiefe Form von Glück kann dort entstehen, wo wir uns nicht nur auf uns selbst konzentrieren, sondern uns als Teil eines großen, lebendigen Ganzen verstehen. Dort, wo wir begreifen, dass unser Leben untrennbar mit dem Leben anderer verbunden ist.
Die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten
Unser Planet ist ein Ort von überwältigender Vielfalt. Unzählige Tierarten bevölkern Wälder, Meere, Flüsse, Wiesen und sogar unsere Städte. Viele dieser Lebewesen führen ein stilles, verborgenes Dasein, andere leben direkt neben uns, ohne dass wir ihnen viel Aufmerksamkeit schenken. Wildtiere sind keine Fremden, sie sind Mitbewohner dieser Erde, mit eigenen Bedürfnissen, Fähigkeiten und Lebensweisen.
Jedes Tier, ob groß oder klein, trägt seinen eigenen Wert in sich. Es lebt nicht für uns, sondern für sich selbst. Diese Würde des Tieres besteht unabhängig davon, ob wir es nützlich, schön oder schützenswert finden. Sie ergibt sich allein daraus, dass es lebt, fühlt, leidet und nach seinem eigenen Maßstab existiert. Wer Wildtiere als Träger einer eigenen Würde anerkennt, kann ihnen nicht gleichgültig gegenüberstehen.
Gerade im Winter wird deutlich, wie verletzlich viele Wildtiere sind. Kälte, Schnee und gefrorene Böden erschweren die Nahrungssuche. Hinzu kommt der fortschreitende Verlust natürlicher Lebensräume, der es den Tieren immer schwerer macht, geeignete Rückzugsorte und Nahrung zu finden. Hecken verschwinden, Gärten werden versiegelt, Wälder zerschnitten. Wildtiere müssen sich anpassen, oft bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.

Hilfe im Winter als Ausdruck von Mitgefühl
In dieser Zeit brauchen viele Wildtiere unsere Unterstützung. Achtsamkeit, Rücksichtnahme und gezielte Hilfe können über Leben und Tod entscheiden. Besonders verletzte oder geschwächte Tiere sind auf menschliche Hilfe angewiesen. Ein angefahrenes Tier, ein entkräfteter Vogel oder ein Igel, der seine Fettreserven nicht aufbauen konnte, sollte nicht einfach dem Schicksal überlassen werden.
Helfen bedeutet in diesen Momenten nicht, die Natur zu stören, sondern Verantwortung zu übernehmen. Denn viele Gefahren, denen Wildtiere heute ausgesetzt sind, sind menschengemacht. Die Würde des Tieres zu achten, heißt auch, sein Leid nicht zu ignorieren, wenn wir die Möglichkeit haben, es zu lindern. Wer hilft, erkennt das Tier an, als fühlendes Wesen mit einem Recht auf Leben und Unversehrtheit.
Viele Menschen erleben, dass gerade dieses Helfen sie selbst bereichert. Es entsteht ein Gefühl von Sinn, von Verbundenheit und von innerem Glück, das nicht aus Konsum oder Erfolg erwächst, sondern aus Mitgefühl und Respekt. Selbst die eigene Würde wächst in solchen Ereignissen.
Albert Schweitzer und die Ehrfurcht vor dem Leben
Albert Schweitzer hat diese Haltung in seiner Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben eindrucksvoll beschrieben. Sein Satz „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will“ bringt eine tiefe Wahrheit zum Ausdruck. Er erinnert uns daran, dass alles Leben denselben grundlegenden Wunsch teilt, zu existieren, sich zu entfalten und nicht zu leiden.
Diese Sichtweise hebt die künstlichen Grenzen auf, die wir zwischen den Lebewesen ziehen. Sie stellt den Menschen nicht über das Tier, sondern mitten hinein in das Netz des Lebens. Aus dieser Perspektive ergibt sich eine ethische Verpflichtung, die Würde jedes Lebewesens zu achten und verantwortungsvoll mit ihm umzugehen.
Wenn wir diese Philosophie ernst nehmen, verändert sich unser Verständnis von Glück. Glück wird dann nicht mehr allein als persönlicher Zustand verstanden, sondern als Folge einer Haltung, die von Respekt, Mitgefühl und Achtsamkeit geprägt ist. Die Liebe, die wir oft nur auf uns selbst, unsere Nächsten oder unsere Haustiere richten, kann sich ausweiten auf alles Leben, das uns umgibt.
Ein neues Jahr im Zeichen von Würde und Verantwortung
Ein glückliches, wildes neues Jahr könnte genau hier beginnen, mit dem bewussten Entschluss, Wildtiere nicht zu übersehen, sondern sie als gleichwertige Mitgeschöpfe wahrzunehmen. Indem wir ihre Würde achten, ihnen im Winter beistehen und verletzten Tieren helfen, tragen wir dazu bei, Leid zu mindern und Leben zu schützen.
Dieses Handeln verändert nicht nur die Situation der Tiere, sondern auch uns selbst. Es schärft unseren Blick für das Wesentliche und verbindet uns mit etwas Größerem als dem eigenen Alltag. In der Achtung vor der Vielfalt des Lebens und in der Verantwortung für die Schwächsten liegt eine tiefe Quelle des Glücks.
Möge das neue Jahr von diesem Gedanken getragen sein. Von der Hoffnung, dass Mitgefühl, Respekt und der Schutz der Wildtiere nicht nur ihr Überleben sichern, sondern auch unser eigenes Glück wachsen lassen.
+++








