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  • Lovis Kauertz

Baujagd des Dachshund-Clubs Nordbayern nicht tierschutzkonform


Hören | An diesem Wochenende  – Fuchsfähen sind hochtragend oder haben bereits Welpen – bläst die Sektion Nürnberg des Dachshund-Clubs Nordbayern zu einer Jagdform, die in Deutschland – obwohl nicht tierschutzkonform und nach Meinung von Juristen auch nicht weidgerecht – immer noch erlaubt ist: Die sogenannte Baujagd. [1]


So sieht das auch Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland e.V.: „Nichts, was mit der Baujagd zu tun hat, ist tierschutzkonform. Weder das Jagdhunde-Training mit lebenden Füchsen in den Tunnelsystemen der sogenannten Schliefenanlagen, noch die Unterbringung der Übungsfüchse in nicht artgerechten, viel zu kleinen Zwingern. In Bayern gibt es über 20 dieser vom Dachshund-Club Nordbayern (DCN) und anderen Teckel- oder Foxterrier-Clubs betriebenen Anlagen. Bei der Jagdausübung selber werden die kurzbeinigen Hunde in den Fuchs- oder Dachsbau geschickt, um die dort verweilenden Tiere den Jägern vor die Flinten zu jagen – und das zu einer Zeit, in der die dort Zuflucht suchenden weiblichen Füchse (Fähen) hochträchtig sind oder gar schon Welpen haben.“


eingesperrter Fuchs in der Schliefenanlage
In der Schliefenanlage gefangener Fuchs | Bild: Peter Lloyd, Unsplash

Die Baujagd ist u.a. aus den folgenden Gründen weder tierschutz- noch weidgerecht:


  • Bei der Baujagd sowohl am Naturbau als auch am Kunstbau werden bisweilen erhebliche Verletzungen [2] also Schmerzen und Leiden sowohl bei dem Fuchs oder Dachs, als auch bei dem in den Bau vordringenden Hund in Kauf genommen.  Das tierschutzrechtliche Gebot zur größtmöglichen Schmerzvermeidung ist demnach nicht erfüllt. Ein jägerisches Verhalten, welches unnötige, vermeidbare Schmerzen und Leiden zulässt, ist nach allgemein anerkannter Ansicht jagdethisch abzulehnen und damit nicht weidgerecht. [3] [4]

  • Ein weiterer Grundsatz der Weidgerechtigkeit, gegen den die Baujagd verstößt, ist der, dem bejagten Tier im Rahmen des Zwecks und Zieles der Jagd ein Maximum an Chancen zu lassen. [5] Das ist aus mehreren Gründen nicht gegeben, zum einen werden in der Regel sämtliche (offenen) Ausgänge des Fuchsbaus bei der Baujagd von den mit Flinten wartenden Jägern kontrolliert, so dass die Chance des flüchtenden Fuchses, nicht erlegt zu werden, ausgesprochen gering ist. Zum anderen hat eine hochträchtige Fähe aufgrund ihrer Physiognomie gar nicht die Chance, den Jägern zu entkommen.

  • Die Baujagd ist für die betroffenen Füchse mit langanhaltenden, erheblichen Ängsten und somit Leid verbunden, weil sie an dem Ort attackiert werden, wo sie ihre Jungen zur Welt bringen, an den sie sich zurückziehen und in den kein natürlicher Feind eindringt. [6]



Jagd auf Fuchs & Co. hilft gefährdeten Arten nicht

Dabei ist die Baujagd auch ökologisch betrachtet völlig ineffizient. Im Rahmen dieser Jagdart werden ähnlich wie in NRW gerade mal 1,4 bis 2,8 Prozent aller Füchse erlegt [7], das sind in ganz Bayern etwa 1.400 bis 2.800 von über 100.000 Rotfüchsen, die jedes Jahr dort getötet werden. Ein Wert, der alleine durch verunfallte Füchse (sog. Fallwild) um ein Vielfaches übertroffen wird.

„Aussagen der Jagdseite wie „der Kiebitz partizipiere durch die effektive Prädatorenbejagung“ sind völlig haltlos. Dabei handelt es sich um Meinungen, die von Verbänden und selbst von Behörden immer und immer wieder ins Feld geführt werden, nicht jedoch um belastbare wissenschaftliche Daten,“ so Kauertz weiter. Ein Blick in die Jagdstatistiken [8] zeigt, dass nicht einmal die jagdbaren Arten wie Rebhuhn (Rote Liste), Feldhase (RL) oder Fasan von der seit jeher intensiven Jagd auf Fuchs & Co. profitieren. Die Zahl der Rebhühner ist zwischen 2003 und 2013 um etwa 60 Prozent zurückgegangen, in den letzten 10 Jahren ist die Streckenliste auf niedrigem Niveau in Bayern um weitere 70 Prozent eingebrochen. Bei den in der Streckenstatistik bayernweit gerade noch 625 ausgewiesenen Rebhühnern dürfte es sich fast ausschließlich um Fallwild handeln, was demnach ein verlässlicher Indikator für die negative Bestandsentwicklung ist. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Entwicklung der Bestände von Feldhasen und von Fasanen.


Dachshund-Club Nordbayern wegen tierschutzwidriger Haltung von Füchsen aufgefallen

Öffentlichkeitswirksam wurde der Fall der Schliefenanlage Kasendorf in der Nähe von Kulmbach. [9]  Seit 42 Jahren soll man dort Jagdhunde an lebenden Füchsen trainiert haben. Die Ermittlungen richteten sich gegen den Betreiber, den Dachshund-Club Nordbayern e.V. - Sektion Coburg. Wegen der tierschutzwidrigen Haltung der Füchse in der Anlage hatte das Veterinäramt Kulmbach dem Betreiber eine freiwillige Herausgabe der Füchse nahegelegt. Die Anlage ist inzwischen geschlossen.

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Nachweise / Literaturquellen:

[1] Alles über die Baujagd, Schliefenanlagen und die Haltung von Füchsen in den Teckel-  und Terrier-Clubs

[2] Schott F., Der Dachshund oder Teckel, in: Schmid Gottfried (Hrsg.), Die Jagd in der Schweiz – Band II, Genf/Winterthur 1952 75-80

[3] DJV-Position zur Weidgerechtigkeit 2000

[4] OLG Koblenz RdL 1984, 94; Mitzschler/Schäfer BJagdG § 1 Rdnr 45

[5] OLG Koblenz Fn 3

[6] SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation: Eine Beurteilung der Baujagd aus wildtierbiologischer und verhaltensbiologischer Sicht (2009)

[7] „Erläuterungen zur Jagdstrecke“, Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW, jährlich erscheinend

[8] DJV, Jagdstrecken 2022/2023

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