• Lovis Kauertz

Hessische Jäger wollen Feldhasen weiterhin bejagen

Es ist schon interessant, welche Argumente der Hessische Landesjagdverband vorgibt, um den gemäß der Roten Liste der Säugetiere Deutschlands 2020 als im Bestand gefährdeten Feldhasen weiterhin bejagen zu wollen:


Sollte die schwarz-grüne Landesregierung die Jagdzeit für den Feldhasen streichen, wie es aus dem aktuellen Entwurf zur Jagdverordnung hervorgeht, könne man viele Reviere nicht mehr verpachten oder der Pachtpreis würde sich deutlich reduzieren. Wahrscheinlich würden auch viele Holländer nicht mehr zur Treibjagd anrücken. Denn die in den Niederlanden schon lange geschonten Langohren wären auch in Hessen nicht mehr jagdbar. Und überhaupt, würde die Jägerschaft jeglichen Anreiz verlieren, künftig Feldhasen zu hegen oder gar zu zählen. Und dann ist da noch das Eigentumsrecht der Jägerschaft, welches nach Auffassung eines einschlägig bekannten Juristen zu Unrecht beschnitten würde.


In Hessen gibt es schon lange kaum noch Feldhasen. Durch den Einsatz von Pestiziden, die Ausweitung von Maisanbau und anderer Energiepflanzen haben sich die Lebensbedingungen im Offenland in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Feldhasen finden einfach keine ausgewogene Nahrung mehr. Der Lebensraum wird kontinuierlich kleiner und dort, wo sie noch leben könnten, wird der Nachwuchs von intensiv eingesetzten Landmaschinen überfahren.


Während Anfang der 2000er Jahre immerhin noch über 11.000 Feldhasen auf den Streckenlisten Hessens ausgewiesen wurden (in NRW waren es seinerzeit noch um die 200.000 Tiere), waren es zuletzt gerade noch 4.294 Hasen in Hessen, etwa die Hälfte davon wurde als Unfallwild aufgefunden.


Während der Hessischen Landesjagdverband von „eindeutig“ steigenden bzw. stabilen Feldhasenbeständen fabuliert – schließlich hat man die selber gezählt –, zeigen von Wildtierschutz Deutschland vorgelegte Daten vielmehr einen eindeutigen Rückgang der Feldhasenbestände. Dazu wurden auf der Basis der vom Land Hessen ausgewiesenen Jahresstrecken die Durchschnittswerte über die jeweils letzten fünf Jagdjahre betrachtet:


Die Zahl der Feldhasen geht in Hessen zurück
Während im Jagdjahr 2007/08 im Durchschnitt der letzten 5 Jahre noch etwa 11.000 Feldhasen pro Jahr auf der Strecke lagen, waren es im Jagdjahr 2021/22 keine 4.000 mehr.

Da ist es auch unerheblich, wenn der Landesjagdverband behauptet, Feldhasen nur „schonend“ oder „verantwortungsvoll“ zu bejagen. Diese Aussagen gab es bereits vor über einem Jahrzehnt, als die Streckenliste noch drei- bis viermal so viele Feldhasen auswies, wie heute.


Bei einer insgesamt kritischen Bestandssituation ist die Zahl der Feldhasen in Hessen seit Jahrzehnten kontinuierlich rückläufig. Eine Verbesserung der Situation ist aufgrund der landwirtschaftlichen Entwicklung auf absehbare Zeit nicht zu erwarten. Jagdliche Hegemaßnahmen haben in der Vergangenheit nicht einmal dazu beigetragen, die Zahl der Hasen mittelfristig zu stabilisieren.


Gefährdete Arten wie den Feldhasen oder auch das Rebhuhn zum Abschuss freizugeben, ist aus Sicht des Tier-, des Arten- und Naturschutzes nicht nachvollziehbar. Wildtierschutz Deutschland begrüßt daher, dass der Feldhase in der vorliegenden Neufassung der Hessischen Landesjagdverordnung mit einer ganzjährigen Schonzeit vor diesen Naturnutzern geschützt wird.

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