top of page
  • Gabi Joormann / Dr. Martin Steverding

Sei ein Fuchs - Mut zur Veränderung

Hören -Veränderung fällt oft schwer. Neues zu wagen oder alte Gewohnheiten aufzugeben kann zunächst unbequem sein oder gar Angst machen. Jeder Neuanfang ist nun mal mit Risiken verbunden. Allerdings kann es ebenso riskant sein, in alten Strukturen zu verharren. Wer im starren Geist am Gewohnten festhält, während sich die Welt um ihn herum verändert, wird vom Lauf der Dinge überrannt und bleibt auf der Strecke“, schreibt Daniel Peller in seinem Buch „Die Weisheit der Füchse“.


Füchse sind bei aller Vorsicht sehr mutig und zeigen uns wie es geht. Auf geradezu erstaunliche Weise erschließen sie sich immer wieder neue Lebensräume. Um ihr Überleben zu sichern sind Füchse in der Lage, neue Situationen richtig zu deuten, sinnvoll damit umzugehen und Probleme schnell zu lösen. Darin sind sie wahre Meister, was insbesondere bei Stadtfüchsen zu beobachten ist.

Als direkte Nachbarn haben sie sich längst mit dem städtischen Verkehrslärm, den vielen Menschen, neuen Unterschlupfmöglichkeiten und dem schier endlosen Angebot an Nahrungsquellen arrangiert. Dieser Mut und die Flexibilität gepaart mit Leichtfüßigkeit im Umgang mit dem stetigen Wandel zeigt uns doch wie inspirierend und hilfreich es sein kann, die ausgetretenen Pfade und Gewohnheiten zu verlassen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, doch weiter kommt er ohne ihr – da ist was Wahres dran.


Die Jagd auf Füchse gehört zu den Gewohnheiten eines Teils unserer Gesellschaft, die Fuchsjagd hat bei uns eine lange Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben und aufrechterhalten wird. Wenn etwas lange genug dauert, neigen wir dazu, es als richtig anzusehen. Es wird zur Normalität und wird leider von vielen Menschen zu wenig hinterfragt. Normalität, Natürlichkeit und Notwendigkeit werden angeführt, um das Töten zu rechtfertigen. Längst hat die Wissenschaft die Behauptungen der Jäger zur Notwendigkeit der Fuchsjagd widerlegt. Trotzdem halten sich diese Mythen hartnäckig und werden offensiv und öffentlichkeitswirksam vertreten:


Wollen wir denn, dass sich alles selbst regelt? (…) …dass es vielleicht doch besser ist, den Fuchs zu bejagen um den Hasen selber essen zu können, den Wolf nicht hochkommen zu lassen, um Reh, Gams usw. selber essen zu können. Um nicht zu sagen, es regelt sich doch alles selber, aber wollen wir denn, dass sich alles selbst regelt, dass uns der Fuchs das ganze Wildbret wegfrisst? (…) Wir sind Menschen, wir können nicht von Luft und Liebe allein leben. Es ist zwar hin und wieder mal ganz schön (…)“ (Aus den Grußworten von Hubert Aiwanger, stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident, zum Landesjägertag Bayern, Hof 11.03.2023).


Die Fuchsjagd ist nicht sinnlos, sondern ein unersetzlicher Beitrag für den Bestandsschutz von Bodenbrütern wie Brachvogel, Rebhuhn, Kiebitz etc. Wenn die Fuchsbejagung eingestellt würde, würden damit alle Artenschutzprogramme für Bodenbrüter sinnlos. Füchse sind für den Verzehr nicht geeignet. Ihre Bälge werden vielfach für heimische Pelzprodukte verwertet, was nachhaltiger ist, als Importpelz. Außerdem dienen sie als Präparate für pädagogische Programme wie der „Rollenden Waldschule“, mit denen die Kreisjägerschaften Kindern heimische Wildarten nahebringen.“ (Carsten Krystofiak, Obmann für Öffentlichkeitsarbeit der Kreisjägerschaft Münster anlässlich des Landesparteitags der Tierschutzpartei in NRW am 05.03.2023 mit dem Schwerpunktthema Fuchsjagd)


Diesen ganz aktuellen Rechtfertigungen des hunderttausendfachen Tötens von Füchsen ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Tierschutz und Ethik wichtiger denn je sind. Gemäß einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2020 befürworten weniger als 10 Prozent der Deutschen die Jagd auf Füchse. Wie ist es möglich, dass jährlich mehr als 400.000 Füchse von Jägern getötet werden, obwohl die Gesellschaft dies verabscheut? Es ist eine Mischung aus Unwissenheit, Gewohnheit und der Hartnäckigkeit der oben genannten Narrative.


Leider werden letztere von großen Naturschutzverbänden wie dem NABU oder im Rahmen von Projekten zum Schutz von Bodenbrütern wie dem Life-Projekt zum Wiesenvogelschutz aufrechterhalten und gefördert. Dies geht so weit, dass Berufsjäger mit öffentlichen Mitteln bezahlt werden, um Füchse und andere Beutegreifer zu töten und/oder die Freizeit- und Hobbyjäger beim Töten zu unterstützen und zu beraten. Die Unwissenheit der Bevölkerung spielt den Fuchsjägern in die Hände. Sie sind nicht an Transparenz interessiert, denn sie fürchten nichts mehr als die Aufklärung der Gesellschaft über ihr Tun.


In Großbritannien hatte die Fuchsjagd zu Pferde mit einer Hundemeute über Jahrhunderte Tradition und wurde von vielen Menschen als erhaltenswerter Sport angesehen. Im Januar dieses Jahres hat das Parlament ein neues Gesetz verabschiedet, das die Jagd und das Töten von Wildtieren mit Hunden verbietet. Für ein endgültiges Aus hatten die zahlreichen Proteste aus der Bevölkerung gesorgt. Mutige Menschen, die nicht lockerließen und sich über Jahrzehnte unermüdlich einsetzten, haben diesen Erfolg erwirkt.


Lassen Sie uns gemeinsam die sinnlose Tradition der Fuchsjagd beenden. Seien Sie ein Fuchs, haben Sie Mut und werden Sie Teil der Veränderung.

Comments


bottom of page