• Lovis Kauertz

Naturschutz: Keine Jagd auf Waschbär und Nilgans

Eine intensive Bejagung der als invasiv bzw. potentiell invasiv eingestuften Arten Waschbär und Nilgans (potentiell) ist auch aus Sicht der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON) keine Lösung, ...

  • weil die Jagd angesichts der Problemlage nicht nötig ist und stattdessen sogar von den eigentlichen Ursachen *) der Abnahme der Artenvielfalt ablenkt

  • weil die Jagd selbst bei intensiver Bejagung der Bestände nicht zu einer Abnahme der bejagten Arten führt (s. z.B. Fuchs, Waschbär, Wildschwein)

  • weil die Jagd zum Teil massive Störungen anderer Arten als Kollateralschäden bewirkt (z. B. die Wasservogel- und Offenlandarten bei der Bejagung der Nilgans) und mit steigender Fluchtdistanz der betroffenen Arten auch die für sie in unserer durch intensive Freizeitnutzung geprägten Landschaft zur Verfügung stehenden Lebensräume minimiert werden

  • weil die Jagd zu einer Zunahme der Reproduktionsleistung der betroffenen Arten führt und Verluste so zunächst ausgeglichen werden; eine Bejagung müsste daher in ganz erheblichem Umfang durchgeführt werden, um tatsächlich eine Abnahme zu erzielen

  • weil die Jagd somit nur in einer Dimension zielführend wäre, wie sie sowohl vom Aufwand als auch von den einhergehenden Nebenwirkungen (Störung anderer Arten) nicht akzeptabel ist.

Die Behauptung der Jagdverbände, die Jagd auf Nilgans und Waschbär sei notwendig, um deren weitere Ausbreitung zu verhindern, ist falsch - denn, wie die Vergangenheit zeigt, funktioniert die Bestandsreduzierung mit der Flinte nicht. Bild: josupewo_pixelio.de

*) Als Ursachen lassen sich gemäß der HGON drei Faktoren nennen, die eine ernsthafte Bedrohung für heimische Vogelarten oder allgemein die Biodiversität darstellen:

  • Die der Vergangenheit angehörende, massive, direkte Verfolgung von Tierarten durch den Menschen (Beispiele dafür sind unter anderem Schwarzstorch, Greifvögel, Uhu, Kormoran, Biber, Fischotter)

  • Stoffeinträge, wie der Einsatz von Pestiziden (in den 1970er Jahren vor allem chlorierte Kohlenwasserstoffe, DDT und aktuell Neonicotinoide), die Eutrophierung durch Stickstoffeintrag oder Gewässerverschmutzung

  • Landschaftsveränderung, zum Beispiel durch Versiegelung einhergehend mit einer Zunahme von Störungen im Außenbereich oder die Intensivierung der Landbewirtschaftung

Auch der NABU bestätigt, dass die reguläre Jagd mit dem Ziel der Bestandsreduzierung bei sich dynamisch ausbreitenden Neozoen wie Nilgans oder Waschbär kaum einen Effekt auf die weitere Bestandsentwicklung hat. Das Statement des Deutschen Jagdverbands, die Jagd sei notwendig, um eine weitere Ausbreitung der Nilgans zu verhindern, betrachtet der NABU als fadenscheiniges Vehikel für die Forderung nach einer bundesweiten Bejagung der Art.

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