• Lovis Kauertz

Corona: Was ist wichtiger, Frau Staatsministerin?

Offenes Schreiben von TierfreundLich e.V. an die hessische Staatsministerin Priska Hinz (B90/Die Grünen) u.a.:


Was ist wichtiger? Mit dieser Frage in unserem Schreiben vom 05.11.2020 hatten wir Ihre Entscheidung hinterfragt, Gesellschaftsjagden in Corona-Zeiten trotz steigender Infektionszahlen erlauben zu wollen. Leider haben Sie uns bis heute nicht geantwortet – wohl aber dem Landesjagdverband Hessen mitteilen lassen, dass „die Durchführung von Bewegungsjagden … auf Schalenwild … weiterhin dringend geboten“ und „… Bewegungsjagd in Form von Gesellschaftsjagden eine wichtige Maßnahme zur Prävention der Tierseuche ASP [Anm.: Afrikanische Schweinepest] ...“ sei.


Gesellschaftsjagden wichtiger als Gesundheitsschutz? Bild: Stefan Suittenpointner

Wir hatten zwar in unserem Schreiben vom 05.11.2020 (wie schon zuvor in unserem Schreiben vom 18.03.2018 zur Aufhebung der Schonzeit für adulte Wildschweine, Anlage) darauf hingewiesen, dass das ASP-Virus nur mäßig kontagiös [Anm.: "ansteckend"] und die Ansteckungsgefahr unter (Wild)Schweinen gering ist – allerdings scheinen die Verantwortlichen in der Obersten Jagdbehörde diese Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bis heute zu ignorieren.

Stattdessen wurde die ASP – trotz wissenschaftlich evaluierbarer Daten – genutzt, um den in- und ausländischen Freizeitjägern eine uneingeschränkte ganzjährige Wildschweinjagd und den (bisher verbotenen) Einsatz von Nachtsichtgeräten, Schalldämpfern und Saufängen zu ermöglichen. Und nun auch noch die Gesellschaftsjagd in Corona-Zeiten – Kontaktvermeidung gilt offensichtlich nur für Andere. Die Hessische Landesregierung ist nämlich der Auffassung, dass das „Interesse der Allgemeinheit“ an der Durchführung von Gesellschaftsjagden größer ist, als das Interesse der Allgemeinheit an einem „wirksamen Schutz von Leben und Gesundheit“ der Bevölkerung (nachzulesen in den Auslegungshinweisen zur CoKoBeV, Seite 7).

Wer ist diese „Allgemeinheit“, die ihr Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2, Abs. 2 GG) zugunsten einer Gesellschaftsjagd aufgibt? Wer hat hier für „die Allgemeinheit“ entschieden? Das Sozialministerium? Das Umweltministerium? Die Oberste Jagdbehörde? Eigentlich war unsere Frage „Was ist wichtiger?“ mehr rhetorischer Natur. Wir waren daher sehr überrascht, dass sich die Hessische Landesregierung tatsächlich für die Durchführung von Gesellschaftsjagden und gegen die Bekämpfung der 2. Corona-Welle durch strikte Kontaktbeschränkungen entschieden hat – trotz hoher Inzidenzen, Zunahme der schweren Krankheitsverläufe mit intensivmedizinischer Versorgung und der Todesfälle!

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Zum Thema: Über die Systemrelevanz der Jagd


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