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  • Gabi Joormann

Im Mai am Fuchsbau: Überwältigendes Erlebnis, nicht nur für die Fuchswelpen

Hören | Für uns Fuchsfreunde ist nun die schönste Zeit des Jahres. Jetzt kommen die Fuchswelpen aus ihrem Bau und wagen die ersten unsicheren Schritte hinaus in die große weite Welt. Ihre feinen sensiblen Fuchsnasen erschnüffeln einen wahren Geruchskosmos, den wir mit unseren eingeschränkten Riechkolben-Fähigkeiten gar nicht in der Lage sind wahrzunehmen. Mit ihren beweglichen Superohren hören sie jedes noch so feine Geräusch, lange bevor wir überhaupt etwas bemerken. Wie gerne wären wir einmal Füchse. Wir stellen es uns atemberaubend vor, die Welt einmal auf füchsische Weise zu betrachten. Sie wäre um ein Vielfaches intensiver, zumindest was Gerüche und Geräusche angeht.



Vermutlich würde es uns schlichtweg überfordern, wenn wir mit diesen Supersinnen ausgestattet wären.

Auch für Jungfüchse muss es überwältigend sein, wenn sie das erste Mal aus ihrer dunklen stillen Höhle in die reizvolle Welt tapsen. An diesem Abend, es ist kurz vor 22 Uhr, purzeln fünf kleine Racker im Schutz der Dunkelheit aus ihrem Bau und zeigen uns leider nur in Schwarzweiß ganz großes Fuchskino. Sie werden nicht müde, sie toben, raufen und spielen was das Zeug hält; wie spielende Kinder, die ihre Mitspieler nicht aus den Augen lassen, um begehrte Beute kämpfen oder zeigen wollen, wer der oder die Stärkste ist. Fantastisch, sie machen die Nacht zum Tag und sind wahre Energiebündel. Wir können uns nicht sattsehen und wollen nicht einen Moment verpassen.


Erst nach Stunden werden ihre Bewegungen langsamer, die Spielpausen länger und sie kriechen in ihre Höhle zurück, noch bevor der Tag anbricht. Todmüde schlafen sie sicher augenblicklich ein und träumen von surrenden Maikäfern, köstlichen Gerüchen und wundersamen nächtlichen Geräuschen. Das einzigartige Welpenspiel legen wir in unsere innere Schatzkiste, die mittlerweile gut gefüllt mit weiteren besonderen Momenten ist. Sie dienen uns als Kraftspender in schwierigen Zeiten.


Für Füchse sind die Zeiten schon immer schwierig und trotz dieser Feindlichkeit, die für sie vom Menschen ausgeht, haben sie es geschafft, zu überleben. Füchse versuchen aus jeder Situation das Beste zu machen und sind anpassungsfähig und flexibel, leben im Augenblick und können diesen oftmals auch genießen.


Dies gelingt uns leider nicht gut. Wann immer wir Füchse wahrnehmen, was viel zu selten der Fall ist, freuen wir uns unbändig, aber beinahe gleichzeitig schieben sich traurige Gedanken wie ein Schleier über den Glücksmoment und dämpfen ihn. Es ist unsere große Sorge, dass sie den nächsten Tag nicht überleben werden. Überall lauern Fuchsjäger, die Böses im Schilde führen, das haben wir leider schon häufiger in unseren Wäldern erleben müssen. Für uns ist es nach wie vor unbegreiflich, wie es möglich ist, diese kleinen quirligen, voller Leben pulsierenden Wesen, die gerade erst ihre Weltentdeckertour beginnen, zu töten. Wie kann es überhaupt erlaubt sein, wo es für ihre Tötung nicht einen vernünftigen Grund gibt?

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Portrait eines Fuchswelpen
Fuchswelpe, Bild: Olaf Liesche

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