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  • Dr. Martin Steverding

Was sind eigentlich Schliefenanlagen? Was haben Jäger und ihre Jagdhunde damit zu tun?

Hören | Schliefanlagen oder Schliefenanlagen (beide Schreibweisen sind gebräuchlich) sind künstliche Gangsysteme, die einen Fuchsbau nachempfinden sollen. Sie dienen dem Training von Dackeln (Teckeln) oder kleinen Terriern für die Baujagd. Bei dieser Form der Jagd soll der Hund den Fuchs aus seinem Bau treiben, damit er von den dort wartenden Jägern erschossen wird („Fuchs sprengen“). Wie die Baujagd funktioniert und mit welchen Grausamkeiten für Hund und Fuchs sie verbunden ist, erfahren Sie hier:


Karte der Schliefenanlagen für das Baujagdtraining in Deutschland

Über 100 Schliefenanlagen sind uns in Deutschland bekannt (s. Karte). Sicherlich gibt es aber noch deutlich mehr, denn diese Anlagen liegen meistens abseits der Blicke der Öffentlichkeit hinter hohen Zäunen oder an abgelegenen Orten. Mit Absicht werden sie vor der Bevölkerung geheim gehalten – sie soll nicht erfahren, dass dort Füchse eingesperrt und gequält werden.


In dem künstlichen Bausystem muss der Hund dem Fuchs anhand seiner Fährte folgen, in einem Drehkessel stellen und ihn dort minutenlang verbellen. Fuchs und Hund sind zwar durch einen Schieber voneinander getrennt, dennoch erlebt der Fuchs laut Gutachten [1] eine Situation extremer Angst, an die er sich aus stressphysiologischen Gründen nicht gewöhnen kann.


Nicht artgerechte Haltung von Füchsen in Schliefenanlagen

Zudem werden die Füchse oftmals nicht artgerecht in viel zu kleinen Gehegen bzw. Zwingern lebenslang eingesperrt, wo sie ein stark eingeschränktes Leben in Gefangenschaft verbringen. Nachweislich zeigen Schliefenfüchse häufig pathologische Verhaltensstörungen, wie beispielsweise Bewegungsstereotypen (u. a. ständiges Umherlaufen im Kreis, extreme Nervosität).


Die Schliefenanlagen werden überwiegend von Hundeclubs wie dem Deutschen Teckelclub oder dem Deutschen Jagdterrier-Club betrieben. Hunde, die in Schliefenanlagen ihre Bauprüfung absolviert haben, haben einen höheren Wert – hinter den Schliefenanlagen stehen handfeste wirtschaftliche Interessen.



Netzwerk Fuchs SOS Schliefenfuchs

Schliefenanlagen und Baujagd existieren im Verborgenen. Wir klären mit unserer Serie „SOS Schliefenfuchs“ über das Leid durch Schliefenanlagen und Baujagd auf, damit beides endlich verboten wird. Die Bevölkerung soll und wird erfahren, was den Füchsen in Schliefenanlagen und durch die Baujagd angetan wird. Wir fordern ein Verbot der Baujagd, die Schließung aller Schliefenanlagen und die artgerechte Unterbringung bzw. wenn möglich, die fachgerechte Auswilderung der Schliefenfüchse.


Schliefenanlagen verbergen sich meistens auf den Grundstücken von Teckel- oder Terrierclubs. Oftmals sind diese von hohen Zäunen oder Sichtschutzwänden vor Blicken der Öffentlichkeit geschützt oder liegen an abgelegenen Orten (z. B. in Wäldern). Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob es sich um eine solche Anlage handeln könnte, schicken Sie uns gerne den Standort an ms@wildtierschutz-deutschland.de. Wir überprüfen ihn auf unserer deutschlandweiten Karte. Ihre Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt.

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[1] Gutachterlichen Stellungnahmen von Robin Jähne vom 15.10.2019 sowie von Dr. Claudia Stommel, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) vom 25.02.2019


Schliefenanlage: In der Mitte das Tunnelsystem, rechts der Fuchszwinger.
Schliefenanlage: In der Mitte das Tunnelsystem, rechts der Fuchszwinger. Bild: Netzwerk Fuchs

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