Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen
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- Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen
Petition: Tierquälerische Baujagd und Jagdhundeausbildung mit lebenden Füchsen Anlässlich der bundesweiten Mahnwache am 23. Juni 2023 für ein Verbot der (Bau-)Jagd auf Füchse sowie der Abrichtung von Jagdhunden an lebenden Füchsen in "Schliefanlagen" hat der Autor, Mitbegründer des Aktionsbündnisses Fuchs und Gründer der Fuchs-Hilfe Daniel Peller dieses ausführliche Video-Statement verfasst. Ohne dabei blutige Fotos zu verwenden, erklärt Peller, was in Schliefanlagen vor sich geht und warum die Baujagd eine besonders grausame Jagdmethode ist. "Wir dürfen nicht wegsehen, wenn eine jagende Minderheit sich über die moralischen und ethischen Grundsätze des Großteils unserer Gesellschaft hinwegsetzt. Die Politik muss aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen, dem Willen der Bevölkerung nachkommen, sich gegen die Abschussinteressen der Jägerschaft durchsetzen und endlich handeln: Die Jagdhundeausbildung an lebenden Füchsen, die Baujagd und letztlich die gesamte Hobby-Jagd auf Füchse muss verboten werden." (Daniel Peller) Weitere Informationen und Termine: Baujagd und Schliefanlagen: Erlaubt aber rechtswidrig
- Worum geht es bei der Jagd? Klartext von Raubwildjäger Paul Rößler
Hören - Mut zur Ehrlichkeit beweist der Niederwild- und Raubwildjäger Paul Rößler in seinem aktuellen Bericht vom 28.10.2023 in der Online-Ausgabe der Jagdzeitschrift „Pirsch“: „Treibjagd: Nachhaltig Niederwild bejagen – so klappt´s“ Rößler propagiert die intensive Raubwildbejagung und spricht vom Lohn der Mühen bei der herbstlichen Treibjagd: „Mit dem Herbst kommt traditionell die Erntezeit im gut gehegten Niederwildrevier“. Er gibt ohne Umschweife zu, dass es um die Freude an der Niederwildjagd in der Gesellschaft guter Freunde geht: „Nachhaltig hohe Strecken sind dabei, wenn man mal ehrlich ist, das Ziel eines jeden Revierinhabers mit Passion.“ Er bringt jährlich Hunderte von Füchsen, Mardern und Waschbären in seinem „Niederwild-Testrevier“ zur Strecke: „Jede Stunde, die man nachts auf Raubwild gesessen hat, die tägliche Betreuung der Fallen, die Pflege der Hecken und dergleichen wird im Herbst bei der Jagd [Anm.: auf Feldhasen, Rebhühner, Fasane] belohnt.“ „Auch wenn in Zeiten moralischer Überheblichkeit es nicht mehr „in“ ist, zuzugeben, dass man etwas aus Eigennutz tut, so ist die Jagd für die meisten eine Freizeitbeschäftigung, an der sie Freude haben wollen“, so Paul Rößler. In seiner Wahrnehmung ist es also moralisch überheblich, wenn wir Tieren ein Recht auf Leben zusprechen, wenn wir endlich anerkennen, was wissenschaftlich schon lange gut belegt ist, wenn wir uns dem seit über 20 Jahren bestehenden Staatsziel Tierschutz zuwenden und Gerechtigkeit für die Stimmlosen einfordern, wenn ethische Aspekte in unserer Gesellschaft endlich mehr Raum einnehmen. Stattdessen hält Rößler weiterhin an Traditionen fest, die einen gesellschaftlichen Wandel behindern. Er entreißt die schöne Fassade des Jägers als Natur- und Tierschützer und reduziert ihn auf das was er tatsächlich ist, jemand der Beute machen will: „Der andere Vorwurf, wir würden Raubwild als Konkurrenten sehen und es deshalb bejagen, ist bei genauer Betrachtung absolut richtig. Diese Ehrlichkeit fehlt der Jägerschaft aber gerade in der politischen Diskussion. Aus Angst vor der moralischen Überheblichkeit der Gesellschaft versuchen wir uns zu rechtfertigen und schwafeln von Artenschutz.“ Der „Artenschutz“ der Jäger lässt sich wohl treffender als Hege vor der Ernte beschreiben. Rößler drückt dies am Beispiel des Rebhuhns so aus: „Kein Revierinhaber wird Zeit und Geld investieren, wenn nicht die Aussicht besteht, die Rebhühner langfristig wieder nachhaltig bejagen zu können“. „Verlieren Rebhühner, Schnepfen, Feldhasen ihre Jagdzeit, verlieren diese Arten die intensive Unterstützung durch Jäger.“ Mit diesem Satz sagt Rößler, dass diese Arten dann für den Jäger uninteressant werden und keine Unterstützung mehr verdienen, mit anderen Worten: Artenschutz geht den Jägern am Allerwertesten vorbei. „Um die Niederwildjagd zu erhalten, brauchen wir für die Zukunft stichhaltige und belastbare Argumente und keine Phrasen“, so Rößler. In diesem Sinne wünschen wir uns mehr Jäger mit dem Mut zur Ehrlichkeit, Jäger die ebenfalls eingestehen, um was es ihnen geht, die sich nicht länger hinter der unehrlichen Fassade des Natur- und Artenschutzes verstecken. Die leicht durchschaubare Imageverbesserung auf Teufel komm raus kostet nicht nur viel Geld, sie kostet der Jagd vor allem Glaubwürdigkeit. Vielen Dank Herr Rößler für Ihre verblüffend ehrliche Bestätigung unserer Kritik an der Jagd. Wir sehen uns in der Pflicht, diese ehrlichen Worte weiterzutragen, damit die Gesellschaft endlich über die wahren Motive der Jagd Bescheid weiß. +++ Hier erfahren Sie mehr über Füchse und die Fuchsjagd Fragen und Antwort zu Themen der Jagd
- Das Mauswiesel - Hermännchen ist der Kleinste der Marderartigen
Hören - Großartige Erlebnisse spielen sich manchmal direkt vorm Fenster ab, so auch an einem Vormittag im Juli, als ich aus den Augenwinkeln etwas am Geländer meiner Dachterrasse vorbeihuschen sah. Üblicherweise sind dies Eichhörnchen, die sich an den ausgelegten Nüssen bedienen, um diese in den Gärten der Nachbarn zu verstecken. Ein Eichhörnchen war es jedoch nicht, das braune Etwas hatte einen langgestreckten Körper und mit den enganliegenden Ohren und dem kurzen Schwanz erinnerte mich sein Anblick an eine Knackwurst auf kurzen Beinen, die über die Terrasse fegte. Ich brauchte einen Moment, um es zu identifizieren. Kurzum: Es war ein Hermännchen, ein Mauswiesel! Merkwürdig, was machte es auf meiner Terrasse? Diesen besonderen Moment wollte ich mit der Kamera, die glücklicherweise ganz in der Nähe lag, festhalten. So schoss ich das einzige Bild vom flinken Wiesel, bevor es die Eibe hinunterkletterte und in Nachbars Garten verschwand. Die wenigen Sekunden reichten aus, um mich für dieses erstaunliche und hübsche Tier zu begeistern. Das Mauswiesel Mustela nivalis ist eine Raubtierart aus der Familie der Marder. Ich mag den Begriff „Raubtier“ nicht. Die Tiere handeln ihrer Art entsprechend, das hat so gar nichts mit dem Raub, der eine gesetzeswidrige Handlung ist, zu tun. Warum dieser Begriff noch immer verwendet wird erschließt sich mir nicht. Neben dem größeren Hermelin ist es die zweite in Mitteleuropa heimische Wieselart. Sie fühlen sich in unterschiedlichen Lebensräumen wohl, zum Beispiel im Grünland, an Waldrändern, in Wiesen und Weiden, in landwirtschaftlichen Gebieten oder eben in einem Garten, der nicht ganz so aufgeräumt ist. Nur in tiefen Wäldern, Wüsten oder im Gebirge über 3.000 m Höhe findet man sie nicht. Mauswiesel sind nahezu in der gesamten paläarktischen Region sowie in Nordamerika beheimatet. Im großen Verbreitungsgebiet gibt es erhebliche Schwankungen in Größe und Gewicht. Die Kopf-Rumpf-Länge liegt zwischen 11 und 26 cm, das Gewicht zwischen 25 und 250 g. Hierzulande sind Mauswiesel etwas größer als beispielsweise in Nordamerika. Die Weibchen sind im Durchschnitt leichter als die Männchen. Das Mauswiesel ist etwa halb so groß wie das Hermelin, sein Schwanz ist kurz und hat keine schwarze Spitze. Dieser kleine Actionheld wohnt in Baumhöhlen, Mauerritzen, in Stein- und Holzhaufen, in Maulwurfsgängen, Hamster- und Rattenbauen. Im Winter kann man ihn auch in stillen Kellern und auf Dachböden entdecken. Das quirlige Energiebündel verspeist problemlos fünf Mäuse am Tag, kommt aber auch mit ausgewachsenen Ratten und jungen Kaninchen klar, die es mit einem Genickbiss tötet. Seine Hauptnahrung sind allerdings Mäuse. Dort wo die Mäusevorkommen hoch sind, sind auch die flinken Jäger unterwegs. Dabei liefert es sich Verfolgungsjagden bis tief in die Mäusebaue hinein. Es verlässt sich ganz auf seine hervorragenden Sinne. Seine Fortpflanzung ist vom Nahrungsangebot abhängig. Die Paarungszeit ist ganzjährig, aber vorwiegend im Frühjahr, im Februar/März. Nach fünf bis sechs Wochen kommen die nur 1,5 g schweren Winzlinge zur Welt, die etwa 10 Wochen gesäugt werden und im Alter von zwei bis drei Monaten den Familienverband verlassen. Geschlechtsreif sind sie nach fünf bis sechs Monaten. Sie gebären im Durchschnitt vier bis sieben Junge bis zu zweimal im Jahr. Obwohl tag- und dämmerungsaktiv bekommt man den kleinen „Vielfraß“ nur selten zu Gesicht, weil dieser mit ständiger Nahrungssuche in unterirdischen Gängen beschäftigt ist. Hin und wieder taucht er für kurze Augenblicke an der Erdoberfläche auf, um dann wieder ins nächste Gangsystem abzutauchen. Ich habe also großes Glück gehabt, dass ich ihn einmal so nah erleben durfte. Das Mauswiesel ist nach Meinung vieler Menschen ein echter Sympathieträger, schon deshalb, weil es bereits durch seine Anwesenheit die Mäuse- und Rattenpopulation beeinflusst. Ebenso wie Fuchs, Hermelin und weitere Marderartige erbringen Mauswiesel wertvolle Ökosystemleistungen. Dennoch stehen sie in den meisten Bundesländern immer noch auf der Abschussliste. In wenigen Bundesländern (z.B. Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg) darf das Mauswiesel seit geraumer Zeit nicht mehr bejagt werden. +++ Hermännchens großer Bruder ist der Dachs: Welche hanebüchene Begründung für seine Bejagung aus dem zuständigen Mainzer Ministerium kommt, lesen Sie hier.
- Küssen verboten – auf der Suche nach König Laubfrosch
Hören - Auf dem Weg in die Dingdener Heide genießen Martin und ich die in Oktober noch spätsommerlichen Temperaturen und wollen unsere Energiereserven auftanken. Wir radeln ins ca. 9 km entfernte Naturschutzgebiet in der Hoffnung, dass wir den kleinen Sonnenkönig Laubfrosch ein letztes Mal begegnen, bevor sich dieser zur Winterruhe verabschiedet. Mit etwas Glück können wir ihn in den Gehölzen, vornehmlich Brombeerbüschen entdecken, so unsere Hoffnung. Er sieht schon etwas spacig aus, wie eine kleine glänzende Plastikfigur aus einer Spielzeugkiste. Selbst geübte Augen müssen oftmals lange schauen, bis sich dieses grüne Wunder der Natur zeigt. Dieser Frosch ist ein nur wenige Zentimeter großer Verwandlungskünstler, der je nach Umgebung und Struktur seine Farbe ändert. Nicht so krass wie das Chamäleon, doch sein Grünspektrum ist groß, von gelblich, bläulich, gräulich, grasgrün bis dunkelgrün. Die Umgebungstemperatur scheint bei der Ausfärbung ebenfalls eine Rolle zu spielen. Grundsätzlich gilt: Je höher die Temperatur, desto heller der Frosch. Laubfrösche sind dank den Haftscheiben an den Enden der Zehen hervorragende Kletterkünstler, selbst an Glasscheiben heften sie sich mühelos an. Nach der Winterruhe beginnt im Frühling die Partnersuche. Mit lautem Gequake versuchen die Männchen die Weibchen zu beeindrucken und ins Laichgewässer zu locken. Ein solches Froschkonzert ist für viele Menschen, so auch für uns, ein einzigartiger Hörgenuss. Jetzt im Frühherbst sind nur noch vereinzelt an sonnigen Tagen knarzende und krächzende Rufe zu hören. Der Europäische Laubfrosch Hyla arborea ist nach der FFH-Richtlinie und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Dank vieler umfangreicher Hilfsmaßnahmen geht es dem Laubfrosch etwas besser und seine Bestände entwickeln sich besonders in Naturschutzgebieten recht gut. Ein Schwerpunkt dieser Schutzbemühungen liegt dabei im Raum der Münsterländischen Parklandschaft, also direkt vor unserer Haustür. Die Lebensräume dieser Froschart sind Mitte der Neunzigerjahre stark zurückgegangen. Ursächlich war und ist die Intensivierung der Landwirtschaft und der massive Pestizideinsatz, der das Nahrungsangebot des Laubfrosches schmälert. Bereits 1997 hat der NABU NRW das Modellprojekt „Ein König sucht sein Reich“ gestartet, wo verschiedene Naturschutzorganisationen, Biologische Stationen, Institute, Behörden, Kommunen und Grundstückseigentümer miteinander kooperieren. Ohne Schutzmaßnahmen können die bestehenden Laubfroschpopulationen nicht überleben. Deshalb wird der Frosch in der aktuellen Roten Liste für NRW auch als von Naturschutzmaßnahmen abhängige Art geführt. Seit dieser Zeit wurden unzählige Biotope saniert oder neu angelegt. Der kleine Sympathieträger kann dank der Hilfe vieler Freiwilliger wieder etwas aufatmen. Eine schöne Erfolgsgeschichte für den Laubfrosch. Ich wünsche mir, dass der NABU NRW auch gegenüber den Beutegreifern wie Fuchs, Dachs und Marder Respekt zeigt und sich für ihren Schutz einsetzt. Aber nun zurück zu unserer ganz persönlichen Laubfroschtour in die Dingdener Heide. Dort angekommen suchen Martin und ich vornehmlich die Brombeerbüsche an den Wegrändern ab, denn auf ihren Blättern fühlen sich die „Laubkleber“ besonders wohl. Es ist wie die sprichwörtliche Suche im Heuhaufen, irgendwie lassen sich die Sonnenanbeter nicht blicken. Liegt es am Wind, den mögen sie nämlich nicht und gerade weht ein ordentliches Lüftchen. Aber dann entdeckt Martin zu unserer Freude doch noch einen Frosch ganz nah am Boden festgeklebt an einem Ast. Martin schießt mehrere Fotos vom Schönling mit seiner Kamera, während ich anschließend mit meinem Handy ebenfalls noch schnell ein Bild machen möchte. Ich konzentriere mich ganz auf den Froschkönig, nähere mich vorsichtig, denn ich will ihn keinesfalls verscheuchen. Als ich mich vorbeuge, rutsche ich an der Graskante ab und falle in den Graben. Dort liege ich glücklicherweise unversehrt zu seinen Füßen und sehe den König vor Schreck im hohen Bogen wegspringen. Martin und ich sind uns einig, dass man ihm ganz anders auf die Sprünge helfen muss. +++ Auch interessant: Skorpion im Keller: Das rät die Reptilienstation
- Akrobat und Verteidiger – der Kiebitz
Hören - Der Luftraum über dem nassen Feld ist in Kiebitzhand. Keine Krähe, kein Graureiher und kein Bussard kann ihn überfliegen, jeder Beutegreifer wird von einer ganzen Schar Kiebitze heftig attackiert und vertrieben. Wer einmal Erfahrung mit den Luftattacken der Flugakrobaten gemacht hat, der fliegt künftig einen weiten Bogen um diesen Ort. Es ist eine kleine Ackerparzelle mit Maisstoppeln aus dem Vorjahr, die wegen defekter Drainage und einem regenreichen Frühjahr nicht bestellt werden konnte. Eine ganze Kolonie von 17 Kiebitzpaaren hat sich hier zum Brüten eingefunden und bildet eine überlegene Verteidigungsgemeinschaft. Auch Beutegreifer auf dem Boden, wie Fuchs und Marder, dürften Schwierigkeiten haben, diesen Acker zu betreten. Leider liegt diese Beobachtung weit über 20 Jahre zurück. Damals brüteten in der weiträumig offenen Feldflur in der Niederung der Bocholter Aa im Kreis Borken (NRW) dreistellige Zahlen von Kiebitzen auf wenigen Quadratkilometern. Sie bildeten viele kleine Kolonien mit jeweils mehreren Brutpaaren. Durch ihr enormes Fluggeschick, ihre kaum zu überbietende Wendigkeit und durch ihre Anzahl waren sie äußerst effektive Verteidiger ihrer Bruten, die ansonsten auf dem kahlen Ackerboden schutzlos gewesen wären. In der Verteidigung ihrer Bruten sind Kiebitze so erfolgreich, dass auch andere Bodenbrüter davon profitieren. In Feuchtwiesengebieten der Niederlande wurde mehrfach nachgewiesen, dass die Brutverluste der Bodenbrüter insgesamt niedriger sind, je größer die Siedlungsdichte der Kiebitze in einem Gebiet ist [1]. Dies gilt sowohl für fliegende Beutegreifer wie Rabenvögel, Greifvögel, Reiher, Störche oder Möwen als auch für Bodenprädatoren wie Fuchs und Marder. Von großem Vorteil ist dabei, dass Kiebitze ebenso nacht- wie tagaktiv sind und auch während der Nacht Beutegreifer wahrnehmen können. Der hübsche Vogel mit der Federhaube und dem grünen Metallglanz war bis vor wenigen Jahren im westlichen Münsterland noch häufig. 2004 zählte die NABU-Ortsgruppe auf dem knapp 80 km² großen Stadtgebiet von Rhede (Kreis Borken) noch etwa 400 Brutpaare, obwohl bereits damals der Bestand schon deutlich zurückgegangen war. Im Jahr 2020 waren es bereits unter 50 Paare und heute liegt der Bestand noch deutlich niedriger. Der ehemalige Charaktervogel der münsterländischen Kulturlandschaft steht vor dem Aussterben. Allzu gern werden Krähen, Füchse und andere Beutegreifer für die Misere verantwortlich gemacht. In der oben beschriebenen Niederung wird mit maximaler Intensität gejagt: Betonrohrfallen für Füchse, Luderplätze in angrenzenden Feldgehölzen, mehrere Treibjagden in jedem Herbst und Winter, Krähen-Lockjagd mit Attrappen sowie Ansitzjagden auf den in jeder Hecke und jedem Feldgehölz vorhandenen Hochsitzen konnten und können den rasanten Niedergang des Kiebitzbestandes in der Niederung nicht aufhalten. Aus den oben genannten Gründen spielt die Prädation in vitalen Kiebitzvorkommen ohnehin keine große Rolle. Die Gründe für den Bestandseinbruch sind völlig andere: Ein Großteil der Gelege wird durch landwirtschaftliche Arbeiten zerstört. Kommen Küken zum Schlüpfen, haben diese nur geringe Chancen, erwachsen zu werden. Ihre Nahrung sind Insekten – diese sind durch die extrem intensive Nutzung mit Gülle, Kunstdünger und mehreren Spritzgängen mit verschiedenen Pestiziden kaum noch vorhanden. Ebenso wie Rebhuhn, Feldlerche, Großer Brachvogel und Uferschnepfe haben Kiebitze unter der heutigen Landwirtschaft keine Chance und die exzessive Jagd auf Krähen und Füchse ändert an der Situation nichts. Nur tiefgreifende Änderungen der Agrarpolitik, z. B. eine an ökologischen Gesichtspunkten orientierte Subventionierung und ebenso tiefgreifende Änderungen des Konsumverhaltens der Bevölkerung wären imstande, den Kiebitz vor dem Aussterben zu bewahren. Die beschriebene Bewirtschaftungsform dient in erster Linie der Produktion von Viehfutter für unseren enormen Fleischkonsum. Es bleibt abzuwarten, ob die vom NABU durchgeführte Abstimmung zum Vogel des Jahres 2024 daran etwas ändern wird. +++ [1] Teunissen, W., C. Kampichler, F. Majoor, M. Roodbergen & E. Kleyhaag (2020): Predatieproblematiek bij weidevogels. Sovon-rapport 2020/41. Lesen Sie auch: Jagd im Wiesenvogelschutz
- Spielen heißt lernen – auch für Füchse ...
von Burgspielen und von Mäuseburgen. Hören - Das Burgspiel ist bei Jungtieren verschiedener Säugetierarten beliebt. Dabei wird ein erhöhter Platz, beispielsweise ein Baumstamm, ein Grashaufen, ein kleiner Erdhügel, eine Baumwurzel oder ein Baumstumpf als „Burg“ genutzt und von jungen Füchsen gern erobert. Diese erhöhten Stellen üben eine magische Anziehungskraft auf die Tiere aus. Jeder der Welpen möchte sich eine vorteilhafte Position verschaffen und so beginnt das eigentliche Spiel um den begehrten Platz. Das Gerangel geht los, es wird herumgetollt, geschubst, gezogen, bis der Eroberer der Burg feststeht. Das kann dauern und sich immer wieder ändern. Spielen ist wichtig für die Entwicklung und eine wertvolle Lernzeit, die gelegentlich von den Eltern initiiert wird. Hier werden alle Praktiken geübt, die für das Fuchsleben und -überleben wichtig sind: Reaktionsvermögen und Kraft, Suchen und Beutefang, Sozialverhalten, Kommunikation, Interaktion, Sinnesentwicklung, … Dabei spielen ihre Eltern eine wichtige Rolle als Bindungspartner, Vorbild und Lehrmeister. Sie geben ihren Fuchskindern die Sicherheit, um zu explorieren und den eigenen Weg zu finden. Daniel Peller schreibt in seinem Buch „Die Weisheit der Füchse“: „Der letzte Schritt zur Selbständigkeit ist es, sich selbst versorgen zu können. Vieles schauen sich die Jungfüchse von ihren Eltern ab, durch Wiederholen, Erfolg und Misserfolg perfektionieren sie spielerisch ihre Fähigkeiten. Bei gemeinsamen Streifzügen mit den Eltern durch das Familienrevier lernen sie, was ein Fuchs so alles tun muss. Zum Unterrichtsstoff gehören die Grenzen des Reviers, das Markieren, das Verhalten fremden Füchsen, Tieren und Menschen gegenüber, sowie das Wissen über die besten Verstecke und Jagdgründe. Die Jungfüchse beobachten auch genau, mit welchen Techniken ihre Eltern erfolgreich Beute machen. Zum Teil sind die Jagdstrategien angeboren – wie etwa der Mäusesprung – und müssen lediglich geübt werden. Wie man jedoch Regenwürmer erfolgreich jagt, will von Grund auf erlernt werden.“ Dieses sichere Lernumfeld wird den Füchsen unsererseits kaum ermöglicht. Sie werden ganzjährig bejagt von Fuchsjägern, die neben weiteren „Spielarten“ ein etwas anderes Burgspiel betreiben. Dabei machen sie sich die Hauptnahrung der Füchse zunutze und errichten eigens für sie eine Mäuseburg. Laut Wikipedia ist dies in der Jägersprache eine bauliche Konstruktion, die möglichst gute Bedingungen zum Aufenthalt und der Vermehrung von Mäusen bietet und als Lockstelle für Füchse bei der Bejagung errichtet wird. Unter einem geschützten Holzdach oder ähnlichem werden Stroh und Steine für den Nestbau geschichtet und mit Getreide als Futter für die Nager aufgefüllt. Idealerweise liegt die Mäuseburg in Schussweite des Jägers. Der hungrige Fuchs spaziert zur Burg, um sich am Buffet zu bedienen, bevor er selbst Fuchsjägers Beute wird. Ob Alt- oder Jungfuchs, Fähe, Rüde oder Welpe, dies ist dem Jäger in der Regel wurscht, denn „Fuchs kann immer kommen“. So werden eben auch ältere erfahrene Füchse geschossen, die für stabile Sozialverbände so wichtig sind, geben sie doch ihr Wissen an nachfolgende Generationen weiter. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Füchse im Schnitt nur eineinhalb Jahre leben - bei einer Lebenserwartung von etwa 13 Jahren. Als Natur- und Tierschützerin bereitet mir Sorgen, dass es kaum noch erfahrene Altfüchse gibt, denn ältere Füchse sind in der Regel kräftiger als Tiere vom Vorjahr. Wie in einem Schriftwechsel in einem Jagdforum von Juli dieses Jahres zu lesen ist, „bedauern“ dies auch einige Jäger: „Meiner Erfahrung nach, und ich mache schon ein paar Jahre Baujagd und schieße jeden Fuchs, den ich kriegen kann, wiegen die Fähen vom Vorjahr im Schnitt 4,5 bis 5 kg, erwachsene Fähen etwa 7 kg, manchmal auch 8.“ „Danke, dann habe ich bestimmt seit drei oder vier Jahren keine mehrjährige Fähe erlegt, die haben alle immer maximal 5 kg.“ „Ich habe sehr viele Füchse erlegt oder war dabei, bei über 2.000 waren nur zehn über 9 kg und einer über 10 kg. Nur bei wenigen Füchsen war deutlich das Alter erkennbar, meistens war es Vermutung. Allerdings dürfte die Aussage „der ist wohl vom letzten Jahr“ oft gestimmt haben.“ „Auch wenn die Sterberate bei den adulten Füchsen deutlich sinkt, werden von den 100 Welpen nur zwei Füchse am Ende fünf Jahre alt," so der der Wildbiologe Dr. Konstantin Börner. "Statistisch gesehen, erreicht keiner unserer Welpen dieses Alter. Der namhafte Raubwildforscher Prof. Michael Stubbe errechnete einst, dass unter 1.000 Füchsen nur vier das Alter von zehn Jahren erreichen.“ (aus der Onlineversion der Jagdzeitschrift Pirsch, 20. März 2021 „Fuchswelpen im Frühjahr …“). In seiner Dissertation schreibt Börner: „In einer Reihe verschiedener Studien wurde das Alter von insgesamt über 16.000 Füchsen untersucht, wobei nur 66 Tiere ein Alter von 10 Jahren hatten“. +++ Schöne Bilder eines spielenden Fuchses in unserem Beitrag: Die mit dem Fuchs spielt
- Novellierung Jagdgesetz Rheinland-Pfalz - Stellungnahme Wildtierschutz Deutschland
Hören - Der Regierungsentwurf zum Landesjagdgesetz wurde von Anbeginn sehr kontrovers diskutiert. Für die Jägerschaft gehört er "in die Tonne", denn sie sehen ihre Felle davonschwimmen. Der Entwurf setzt ansatzweise eine Forderung der Tierschutzseite um, nämlich die Jagd öffentlich‐rechtlich auszugestalten. Allerdings geschieht das weniger im Sinne gesellschaftlich übergeordneter Ziele des Tier- und Naturschutzrechts, als vielmehr im Hinblick auf Kosteneinsparungen im Bereich der Landesforsten und anderer Waldbesitzer. Der Tierschutz auf der anderen Seite - völlig unterrepräsentiert und politisch und öffentlich kaum gehört - fordert für die Jagd auf Tiere zumindest einen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes. Bei den Evaluierungsgesprächen, die der Erstellung des Entwurfs zur Gesetzesnovellierung vorangingen, waren neun Verbände der Jagd-, Forst- oder Landwirtschaftspartie vertreten, drei kommunale Interessen vertretende Verbände, gerade mal zwei Naturschutzverbände und nicht ein Tierschutzverband. Zur Anhörung wurden eingeladen: 16 Organisationen aus dem Umfeld von Jägern, Forst und Landwirtschaft, vier Naturschutzorganisationen, 4 weitere eher jagdaffine Organisationen und der Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbundes. Das nur, damit mal die Verhältnisse transparent sind. Im Nachfolgenden unsere Stellungnahme vom 11. Oktober d.J. zur Novellierung des Landesjagdgesetzes Rheinland-Pfalz: Sehr geehrte Frau Ministerin, wir bedauern insbesondere, dass dieses vermeintlich „moderne“ Jagdgesetz in vielen Aspekten offensichtlich weder auf aktuellem und belastbarem Wissensstand beruht, noch dem Staatziel Tierschutz gerecht wird, sondern vielmehr von Partikularinteressen geleitet ist. Zum vorliegenden Regierungsentwurf, Stand 23. Juni 2023, nehmen wir wie folgt Stellung: Wir begrüßen, dass in der vorliegenden Novelle überhaupt Verbesserungen im Hinblick auf Wildtiere im Rahmen der Jagd vorgenommen wurden: Totschlagfallen wurden bereits in mehreren Bundesländern verboten, zuletzt in Hessen. Es ist nie auszuschließen, dass Nicht-Zielarten in diesen Fallen getötet oder verletzt werden. Ebenfalls ist das Verbot von Wippbrettfallen aus der Sicht des Tierschutzes positiv zu bewerten. Verbot der Baujagd am Naturbau, wenngleich aus Tierschutzsicht ein völliges Verbot dieser nicht tierschutzkonformen und quantitativ irrelevanten Jagd gefordert wird (vgl. https://www.wildtierschutz-deutschland.de/single-post/baujagd-kunstbau) Vereinfachung der Nachsuche über Jagdbezirksgrenzen hinaus. Verbot, Jagdhunde an lebenden, flugunfähig gemachten Enten auszubilden, gemäß bestehendem OVG Urteil. Schießübungsnachweis bei Bewegungsjagden. Aufhebung der Bewirtschaftungsbezirke für das Rotwild Wir sind allerdings nicht der Meinung, dass dieser Entwurf den tatsächlichen Anforderungen an ein gesellschaftlich akzeptiertes, ethisch vertretbares, modernes und in die Zukunft gerichtetes Jagdrecht gerecht wird. Dazu sind unseres Erachtens die nachfolgenden Änderungen erforderlich: - Ein Jagdrecht, welches dem „Zukunftsvertrag Rheinland-Pfalz 2021 – 2026“, in dem es heißt, dass der „Tierschutz in Rheinland-Pfalz eine herausragende Bedeutung hat und daher einen festen Platz in der rheinland-pfälzischen Landesverfassung“, sollte eine ausdrückliche Verankerung des vernünftigen Grunds i.S. des Tierschutzgesetzes für die Tötung eines Tieres als grundlegende Voraussetzung vorsehen. Ein vernünftiger Grund liegt vor, wenn er einsichtig und nachvollziehbar erscheint und im konkreten Fall schwerer wiegt als das Interesse des Tieres an seiner Unversehrtheit. Deshalb sollte die Tötung von Tieren im Rahmen des Jagdrechtes an konkrete Kriterien angeknüpft werden, wie dies aktuell in Baden‐Württemberg bereits der Fall ist. - Kürzung der Liste der jagdbaren Arten nach klaren nachvollziehbaren wild‐ und waldökologischen Kriterien. Entlassung von Arten, die bereits ganzjährig geschont sind, deren Bestände rückläufig oder bereits bedroht sind, Vollschonung aller Tierarten, die i.d.R. nicht der Ernährung dienen oder die nur aus jagdlicher Leidenschaft geschossen werden, inklusive aller Beutegreiferarten und Vogelarten wie Tauben, Wildenten, Wildgänsen, Waldschnepfen und Rabenvögeln. Konkrete Mensch-Wildtierkonflikte könnten im Rahmen eines lokalen Wildtiermanagements gelöst werden, das unter der Aufsicht der obersten Naturschutzbehörde definiert und evaluiert wird. Die Jagd kann dazu eine von mehreren Maßnahmen zur Zielerreichung sein, vorausgesetzt mildere, non-letale Möglichkeiten wurden in Betracht gezogen. - „Ökosystemfremde Arten“: Waschbären, Nutria oder Nilgans, Sikawild oder Mufflons sind keine ökosystemfremden Arten. Alle genannten Arten sind lange in Deutschland etabliert und galten bis vor wenigen Jahren gem. des Bundesnaturschutzgesetzes noch als heimisch. Wir sprechen uns dagegen aus, die als invasiv diskreditierten Arten in das Jagdrecht aufzunehmen und in der Breite willkürlich bejagen zu lassen. Die freiheitliche, vergnügungsorientiere Jagd ist – wie die Ergebnisse seit inzwischen Jahrzehnten deutlich zeigen – völlig ineffektiv: Der Bestandsentwicklung dieser Arten wird nicht einmal Einhalt geboten. Vielmehr sollten ausschließlich in konkreten Konfliktfällen Maßnahmen mit klaren Zielvorgaben definiert und evaluiert werden. Die Jagd kann dabei unterstützen – in vielen Fällen dürften auch non-letale Maßnahmen ausreichen. - Angepasste Jagdmethoden. Die Jagdmethoden müssen effektiv und tierschutzkonform sein, d.h. sie müssen möglichst sofort und schmerzfrei töten. Deshalb fordern wir das Verbot … o des Einsatzes von blanken Waffen zum „Abnicken“ von Wild, o des Schrotschusses auf Vogelschwärme, o des Einsatzes aller Fallenarten im Rahmen der Jagd, o der Baujagd auch am Kunstbau, o der Beizjagd, o Wir fordern konkrete Vorgaben hinsichtlich des Einsatzes und der Ausbildung von Jagdhunden: z.B. kein Einsatz von hochläufigen Hunden im Rahmen von Drückjagden, Verbot von Hundemeuten, Verbot von lautlos jagenden Hunden. o Drückjagden während der nahrungsarmen Zeit ab Mitte Dezember eines Jahres sollten aus Tierschutzgründen untersagt sein. - Verkürzung der Jagdzeiten. Jagdzeiten müssen sich an den biologischen Ansprüchen der Tiere orientieren und sollten so kurz wie möglich sein, um Störungen zum Schutz auch nicht jagdbarer Wildtierarten so gering wie möglich zu halten. Ziel sollte unter anderem sein, eine mehrmonatige jagdfreie Zeit für alle Wildarten einzuführen. Die aktuellen – im europäischen Vergleich – extrem langen Jagdzeiten, insbesondere für das Schalenwild, machen das Wild scheu und für Bürger nicht erlebbar und forcieren den unerwünschten Verbiss, vor allen Dingen dann, wenn während der nahrungsarmen Monate gejagt wird. - Generelles Verbot der Nachtjagd. Egal, welche Tierart während der Nacht bejagt wird, sie ist immer mit enormen Störungen für alle Tiere, auch die nicht bejagten oder gar streng geschützten Tiere, verbunden. Die Nacht könnte zeitlich betrachtet ein letzter Rückzugsort vor Störung und Nachstellung sein. Unabhängig davon gibt es keinerlei belastbare Belege dafür, dass die Jagd zur Nachtzeit tatsächlich effizient im Hinblick auf die Reduzierung von Mensch-Wildtier-Konflikten ist. - Missachtung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes zwischen den Staatszielen Eigentum, Umwelt und Tierschutz zulasten des letztgenannten. Der Regierungsentwurf offenbart, dass zu den unterschiedlichen Konfliktfeldern, sei es den Forst betreffend, den Einfluss von als invasiv bezeichneten Arten, der Seuchenprävention oder den Artenschutz, nicht in einem Fall mildere, non-letale Maßnahmen zu einer Zielerreichung ernsthaft auch nur in Erwägung gezogen wurden. Während es in der aktuellen Fassung des Gesetzes noch heißt: „Erhaltung eines gesunden Wildbestandes und seiner natürlichen Lebensgrundlagen“, „die wildlebenden Tierarten als wesentlichen Bestandteil der biologischen Vielfalt und des Naturhaushaltes in ihrer Vielfalt zu bewahren“ und „die Belange des Tierschutzes in allen Bereichen der Jagdausübung zu berücksichtigen“, fehlen diese Werte in der vorgelegten Entwurfsfassung. Stattdessen liegt der Fokus auf „im öffentlichen Interesse liegenden Zielsetzungen“. - Professionalisierung in der jagdlichen Ausbildung. Bessere und längere Ausbildung inklusive obligatorischer „Praxissemester“ zur Erlangung des Jagdscheins mit dem Ziel, das notwendige wildökologische Wissen und einen verantwortungsvollen Umgang beim Ansprechen und Töten diverser Wildtierarten hinreichend zu vermitteln. Da sich die Erkenntnisse der Wildbiologie ständig erweitern, sollten zudem regelmäßige Weiterbildungen verpflichtend sein. Da gerade das rasche und tierschutzgerechte Töten von Wildtieren eine äußerst anspruchsvolle jagdliche Verpflichtung darstellt, die viel praktische Erfahrung erfordert, sollte jährlich eine ausreichende Schießleistung zur Verlängerung des Jagdscheines nachgewiesen werden. Es ist ein Unding, dass die Politik – auch in Rheinland-Pfalz – es zulässt, dass Jagdausübungsberechtigte, die keine ausreichende Schießleistung nachweisen können, auf Tiere schießen, die häufig dabei auch noch im Fluchtmodus sind. - Befriedete Flächen. Schaffung einfacher und unbürokratischer Möglichkeiten für Grundstückseigentümer – Privatpersonen und juristische Personen – ihre Flächen jagdrechtlich zu befrieden. Mit freundlichen Grüßen Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland e.V. +++ Weitere Informationen zur Novellierung des Landesjagdgesetzes finden Sie auf unserer regionalen Seite Rheinland-Pfalz oder über das Suchfenster oben auf dieser Seite.
- Das erste Mal: Ein Fuchswelpe am helllichten Tag
Hören - Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag, als Martin mir den zwischen Gras und Brombeerbüschen versteckten Fuchsbau zeigte. Unweit der Fuchswohnung steht ein Hochsitz am Rand einer Wiese. Wir hatten gleich ein mulmiges Gefühl, denn der Jäger hatte es auf Füchse abgesehen, das bezeugen zwei Fuchsfallen in seinem Revier. Uns war bewusst, dass er nur solange warten würde, bis die Welpen aus ihrer Kinderstube heraus ihre Entdeckungsreise zur nahegelegenen Wiese machen. Vom Bau war das ein Katzensprung und der Hochsitz am Wiesenrand eine bequeme Abschussrampe. Unsere Befürchtung wurde zur Gewissheit: Ein frisch bestückter Luderplatz auf freigemähter Schneise sollte die Sichtung und den Abschuss erleichtern. Wir versuchten, die Tötung zu verhindern und nahmen Kontakt zum Besitzer der Eigenjagd auf, der daraufhin mit dem Jagdpächter sprach. Der schien einsichtig und wir atmeten erleichtert auf. Wenigstens diese Familie durfte leben. Wir freuten uns wie Bolle auf schöne Beobachtungen und stellten mit Einverständnis des Jägers eine Wildkamera in der Nähe des Fuchsbaus auf. Man muss wissen, Füchse sind in unserer Gegend selten anzutreffen. Aufgrund des Jagddrucks sind sie unglaublich scheu und kommen erst bei absoluter Dunkelheit aus ihrem Rückzugsort, dem Fuchsbau, heraus. Bisher hatten wir spielende Fuchswelpen leider ausschließlich mit einer Wärmebildkamera beobachten können. Wann immer es ging, besuchten wir dieses Waldstück und richteten uns ein Versteck hinter einem Gebüsch aus jungen Fichten ein. Die Wildkamera zeigte zunächst Aufnahmen eines Welpen, oder waren es mehrere? – und zwei Bilder der Fuchsmutter. Anhand der Größe der Welpen ahnten wir, dass ein Ausflug zur nahegelegenen Wiese unmittelbar bevorstand. Die Vorfreude war groß. Wie viele Jungfüchse waren es wohl? Das Gras vor dem Fuchsbau war von Spielen plattgetreten, und dass dort mitten in der Nacht die Post abging, bezeugten viele Kameraaufnahmen. Nun wussten wir, es waren insgesamt vier quietschfidele Energiebündel, die übereinander hersprangen oder sich einer rasanten Verfolgungsjagd hingaben, das alles im Schutz der Dunkelheit. Würden sie sich auch einmal bei Tageslicht zeigen? Martin und ich hätten nicht daran geglaubt, dass unser innigster Wunsch sich einige Tage später erfüllen sollte. Es war am 18. Mai 2023, einem Feiertag, als wir uns am Morgen die Räder schnappten und zum Waldstück radelten. Dort angekommen schlichen wir, wie schon einige Male zuvor, mit größter Vorsicht zu unserem Versteck. Kein Knacken oder Räuspern sollte uns verraten. Immer wieder hielten wir inne. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir das Gebüsch und nahmen mit unseren Ferngläsern die Wiese in Augenschein. Im satten Grün sahen wir urplötzlich etwas fuchsrotes aufspringen und hielten den Atem an. Es war tatsächlich ein Fuchswelpe, am helllichten Tag. Mein Herz pochte vor Freude, mit zitterten Händen umschloss ich das Fernglas. Während vor uns deutlich erkennbar ein Fuchs den Mäusesprung übte, tauchten aus dem Nichts die Fuchsmutter und weitere Welpen auf. Wir hielten die Luft an, jetzt bloß nicht bewegen. Angespannt bis in die Haarspitzen beobachteten wir die Familienszenerie, soweit wie das mit dem hochgewachsenen Gras möglich war. Wir sahen ein ausgelassenes Miteinander. Die Welpen fegten über die Wiese, während die Füchsin die Nase in den Wind hielt und ihre Ohren zu allen Seiten hin ausrichtete. Eine achtsame Mutter, die stets ihre Kinder im Blick hatte. Wir schätzten ihr Alter auf drei Jahre – älter als der Durchschnitt, denn bei uns leben Füchse aufgrund des Jagddrucks im Mittel nur 11 Monate. Die vier Welpen schienen ihre Mutter aufzufordern und Mama ließ sich für kurze Zeit auf das turbulente Spiel ihrer Racker ein. Ein Welpe sprang der Füchsin zum wiederholten Mal freudig auf den Rücken, um an ihrem Hinterteil wieder herab zu rutschen. Es war eine große Freude zu sehen, wie gern und ausgelassen auch Füchse miteinander spielen. Vier Energiebündel, die voller Leben stecken und nichts weiter als Spaß miteinander haben. Ihre Mutter war bereitwillig Klettergerüst und Rutschbahn für ihre Kleinen. Hin und wieder schloss sie die Augen, sie schien die gemeinsamen Momente ebenfalls zu genießen, vielleicht waren es aber auch die wärmenden Strahlen der Morgensonne. Uns beiden wurde jedenfalls warm uns Herz, war uns doch die Kostbarkeit dieses einzigartigen Erlebnisses bewusst. Mit Glücksgefühl und großer Dankbarkeit erinnern wir uns auch heute noch an diesen Moment zurück. Wir wünschen uns daher sehr, dass viele Menschen solche glücksbringenden Fuchserlebnisse mit uns teilen und diese Tiere so kennenlernen, wie sie wirklich sind: liebenswert, faszinierend, scharfsinnig und sehr sozial. Aber wie geht es nun mit Familie Fuchs weiter? Lässt der Jäger sie auch weiterhin leben, oder hat er ganz andere Pläne? Das erfahrt ihr im 2.Teil. +++ Das erste Mal - Teil 2 Mehr über Füchse gibt es hier
- Jagd im Dunkeln: Strafanzeige gegen 33 Jäger in Bayern
Hören - Wie berichtet wurde am 15. September an den Schlafgewässern des Vogelschutzgebietes Plessenteich im bayerischen Landkreis Neu-Ulm am frühen Morgen eine Gesellschaftsjagd durchgeführt. 33 Jagdausübungsberechtigte sind dazu mit etwa 15 Hunden gegen 6 Uhr in dem Fauna-Flora-Gebiet (FFH-Gebiet), das Teil des geschützten Landschaftsbestandteils „Illerschleife nördlich von Gerlenhofen“ ist, zusammengekommen. Anwohner aus nahegelegenen Ortschaften sind durch den Lärm von vermutlich hunderten Schüssen um etwa 6 Uhr 07 aus den Betten gefallen. Vögel flogen schreiend über ihre Häuser. Wildtierschutz Deutschland hat die Jagdgesellschaft nun bei der zuständigen Staatsanwaltschaft angezeigt. Zwar ist die Jagd in dem FFH- und Vogelschutzgebiet nicht grundsätzlich verboten, sie hat aber ordnungsgemäß und rechtmäßig zu erfolgen. Das war allerdings nicht der Fall. Das entscheidende Fehlverhalten der gesamten Jägerschaft ist der Beginn der Jagd zu einem Zeitpunkt, zu dem das korrekte Ansprechen der auffliegenden Vögel insbesondere aufgrund der Sichtverhältnisse nicht möglich war. Die jagdbare Graugans war z.B. von der nicht jagdbaren Nonnengans nicht zu unterscheiden. Das Ansprechen ist aber – wie der Deutsche Jagdverband in seiner Position zur Weidgerechtigkeit feststellt – eine unabdingbare Voraussetzung für die ordnungsgemäße Ausübung der Jagd. Die Jagd hätte gem. der im Internet abrufbaren Büchsenlichtkalender wegen der Dunkelheit frühestens zwischen 6 Uhr 20 und 6 Uhr 25 beginnen dürfen. Da war die Jagd aber schon vorbei. Das Ergebnis von 33 Jägern, 15 Hunden und hunderten Schuss Schrotmunition: 10 Wildgänse – und ein riesiger Schaden für die Tierwelt, die Umwelt, und last but not least … die Jägerschaft selbst. Wildtierschutz Deutschland liegen verlässliche Zeugenaussagen sowohl zum Beginn der Jagd als auch zum Zeitpunkt des Abzugs der Jäger vor. Die Tötung eines Wirbeltieres stellt das Tierschutzgesetz für den Fall unter Strafe, dass die Tötung ohne vernünftigen Grund erfolgt. Ein solcher wird allgemein dann angenommen, wenn ein Tier im Rahmen der Jagd getötet wird, da die jagdrechtliche Tötung eines Tieres eben den vom Gesetz verlangten vernünftigen Grund für die Tötung darstelle. Dies gilt jedoch nur dann, wenn hierbei sämtliche jagdrechtlichen Vorschriften eingehalten werden und die Jagd insbesondere weidgerecht erfolgt. Diesem gesetzlichen Anspruch wurde die oben beschriebene Jagd offensichtlich nicht gerecht. Die Tötung von 10 Graugänsen verstieß gegen die anerkannten Grundsätze deutscher Weidgerechtigkeit und damit auch gegen das Bundesjagd- und das Tierschutzgesetz. Schon um verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen empfehlen wir den zuständigen Behörden und Verbänden darauf hinzuwirken, die rechtlichen Konsequenzen durchzusetzen und allen Teilnehmern der Jagd am Plessenteich die Jagdscheine zu entziehen. +++ Lesen Sie auch: Neu-Ulm: Jagd im Natura 2000-Vogelschutzgebiet bringt Bürger auf die Barrikaden Bayern: Tierquälerei durch das zuständige Staatsministerium Borken (NRW): Jagd im Wiesenvogelschutz Weitere Themen aus Bayern
- Ende der Schonzeit für Füchse. Das erste Mal, Teil 2
Hören - Die Beobachtung unserer Fuchsfamilie am helllichten Tag gehört für Martin und mich zu den Sternstunden unserer Erlebnisse in der Natur. Wir waren zu stillen Zeugen einer Szenerie geworden, die uns Einblicke ins füchsische Familienleben gegeben hat. Tief berührt und sehr dankbar schauten wir uns die Kameraaufnahmen vom Spiel der Racker unzählige Male an. Wie unbeschwert sie in diesem Alter noch sind und wie schön wäre es doch, wenn sie sich diese Leichtigkeit bis ins hohe Alter bewahren könnten. Jungfüchse bleiben häufig auch dann noch im Familienrevier, wenn sie selbständig und damit auf eigenen Beinen stehen können. Die Beziehungen untereinander und auch zu den Eltern bleiben lange Zeit erhalten. Gemeinsames Spiel oder gegenseitige Fellpflege fördern bzw. stärken den Kontakt. Erst wenn das Revier keine ausreichenden Ressourcen in Form von Platz und Nahrung bietet, wandern die Jungfüchse ab. Unsere Füchse waren noch zu jung, um abzuwandern. Wir versuchten in den darauffolgenden Tagen immer wieder unser Glück in der Hoffnung, wir könnten die Familienbande noch einmal im Sonnenschein erleben. Leider Fehlanzeige, es sollte bei diesem einmaligen Ereignis bleiben. Wir sind nicht traurig, wissen wir doch, dass dieser Glücksmoment Einzug in unsere Herzen genommen hat. Wir hofften einfach, dass es Familie Fuchs gut ging und der Jäger sein Wort, die Füchse nicht zu jagen, hält. Wir bemerkten zu unserem Entsetzen, dass auf der Wiese nahe dem Fuchsbau und auf einer weiteren Wiese im selben Revier Luderplätze errichtet und frisch bestückt waren. Die Tierteile, das sogenannte Luder, waren etwas eingegraben. Der Fuchs sollte sich lange damit beschäftigen, damit der Jäger ihn möglichst vom Hochsitz aus sicher ansprechen und erlegen konnte. In den Wiesen hatte er Schussschneisen gemäht. Die Fichten vor dem Hochsitz, die die freie Sicht versperrten, waren großzügig geköpft. Der Ärger stieg in uns hoch, wussten wir doch, was das bedeutete. Die Schonzeit auf Altfüchse in NRW war beinahe vorüber, der Spaß der Fuchsjagd sollte also doch beginnen. Auf das Wort eines Jägers kann man offenbar nicht zählen. Wir waren stinksauer, sind wir doch wohl an der Nase herumgeführt worden. Unsere Fuchsfamilie war im Visier des Jägers und damit in akuter Lebensgefahr. Unsere Kameraaufnahmen zeigten, was bis zum 08.08. geschah. Bis zum 16.07. konnte wir beinahe täglich einen Fuchs zum Teil mit Beute sehen, danach hatten wir kein einziges Fuchsfoto mehr. Was geschehen war, war offensichtlich. In unserem Ärger kontaktierten wir den Waldbesitzer, der zögerlich und etwas ungehalten auf unsere Vermutung reagierte. Klar, die fehlenden Füchse auf der Kamera sind kein Beweis, dass sie getötet wurden. Leider sprechen aber viele Indizien dafür: Die Schonzeit auf Altfüchse endet am 15.07., viele Jäger beginnen dann mit der „Sommerfuchsjagd“ – in der Nacht zum 16.07. hatten wir die letzte Fuchsaufnahme auf der Kamera. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt… Bis heute haben wir die Füchse nicht wiedergesehen. Das macht uns traurig, dennoch bestärkt es unseren Willen, dieses sinnlose und grausame Töten aus Freude endlich zu beenden. In unserem Netzwerk Fuchs gibt es viele Menschen, die ähnlich traurige Erfahrungen machen. Vielleicht kennt ihr diese Erlebnisse auch, die alle Bemühungen ins Bodenlose stürzen und daran zweifeln lassen, dass sich etwas zugunsten der Tiere bewegt. Wir geben die Hoffnung nicht auf. Wir können nicht anders, als Stimme für Tiere zu sein, die völlig zu Unrecht gehasst und verfolgt werden. +++ Hier geht es zu Teil 1 Mehr über Füchse
- Fuchsjagd im Jagdgesetz Rheinland-Pfalz: Offener Brief an Umweltministerin Eder
Hören - In Rheinland-Pfalz soll es ab 2025 ein neues Jagdgesetz geben. Der Regierungsentwurf dazu ist bei den unterschiedlichen Interessengruppen heftig umstritten. Im Interview mit einer Jagdzeitschrift äußert sich Katrin Eder, Umweltministerin in Rheinland-Pfalz, hinsichtlich der Fuchsjagd verstörend. Ein Anlass, uns dazu in einem offenen Brief an die Ministerin zu wenden. „Als Tier- und Naturschutzorganisation kritisieren wir vor allen Dingen, dass in der Vorlage zum neuen Jagdgesetz immer noch nicht klargestellt wird, dass die Jagd, die überwiegend als Freizeitbeschäftigung betrieben wird, per se keinen vernünftigen Grund zum Töten von Tieren im Sinne des Tierschutzgesetzes darstellt. Dass die zuständige Umweltministerin sich nun in einem Interview mit einer Jagdzeitung dahingehend äußert, dass sie die Jagd und insbesondere die Jagd auf Fuchs und Co. für erforderlich halte, „um Ökosysteme zu unterstützen“, zeugt von einem Naturschutzverständnis, welches so weder von der Fachliteratur noch von den meisten Tier- und Naturschutzorganisationen getragen wird,“ erklärt Lovis Kauertz, Wildtierschutz Deutschland. Die Jagd auf Füchse und andere Prädatoren taugt offensichtlich nicht einmal im Hinblick auf die Entwicklung der jagdbaren Tierarten Rebhuhn oder Feldhase. Ein Blick auf die Streckenstatistik der letzten 11 Jahre entlarvt: Die Zahl Rebhühner ist in diesem Zeitraum in Rheinland-Pfalz um fast 80 Prozent auf 160 Tiere zurückgegangen, die der erlegten oder tot aufgefundenen Feldhasen um 45 Prozent. „Diese Entwicklung ist ein klares Indiz dafür, dass die Bestände dieser beiden auf den Roten Listen geführten Tierarten trotz intensiver Jagd kontinuierlich weiter sinken. Im gleichen Zeitraum sind dafür allein in Rheinland-Pfalz über 300.000 Füchse erlegt worden, dazu Dachse, Marder und weitere Beutegreifer“, heißt es in dem offenen Brief, und weiter: „Das ist auch ethisch nicht tragbar und alles andere als eine wirksame Unterstützung von Ökosystemen.“ Der „Zukunftsvertrag Rheinland-Pfalz 2021–2026“ bescheinigt dem Tierschutz in Rheinland-Pfalz noch eine herausragende Bedeutung und daher habe er einen festen Platz in der Landesverfassung. „Es nutzt dem Tierschutz nichts, wenn selbst die Umweltministerin duldet, dass im Rahmen der Jagd permanent dagegen verstoßen wird,“ so Lovis Kauertz, „schon deshalb, weil nicht einmal ein vernünftiger Grund für die Bejagung vieler Tierarten besteht.“ Hier lesen Sie mehr zur Novellierung des Landesjagdgesetzes und zu Themen in Rheinland-Pfalz
- Der Luchs und die Faunenverfälschung durch Jäger
Hören - Im Artikel „Immer mehr Luchse in Hessen“ auf pirsch.de vom 16.09.2023 ist zu lesen, dass das Muffelwild durch den Luchs bedroht sei. Der Luchsbestand im Harz sei „außer Kontrolle geraten“, das Muffelwild sieht sich „der eigenen Ausrottung gegenüber“. Mufflons können in den Wäldern Mitteleuropas durchaus von Luchsen ausgerottet werden. Man muss aber wissen: Mufflons sind hierzulande nicht heimisch, sondern sie wurden als Jagdwild hier ausgesetzt und leben hierzulande in völlig artfremden Lebensräumen. Mufflons sind Wildschafe, von denen unsere Hausschafe entweder direkt abstammen oder die den Ahnen der Hausschafe sehr nahestehen. Sie stammen aus felsigen Landschaften des Mittelmeerraumes. Dort ist es für sie ein Leichtes, Beutegreifer in den steilen und steinigen Hängen abzuschütteln. Die Wälder Deutschlands, in denen Mufflons ausgesetzt wurden, haben mit ihren natürlichen Lebensräumen wenig gemeinsam. Sie sind Luchs und Wolf schutzlos ausgeliefert, weil es keine Steilhänge gibt, in denen die gut kletternden Wildschafe sich vor den Beutegreifern in Sicherheit bringen könnten. Sie sind in den hiesigen Wäldern nicht in der Lage, ein artgerechtes Leben zu führen. Sie haben nur deshalb einige Zeit überlebt, weil Luchs und Wolf als natürliche Bestandteile der heimischen Ökosysteme weiträumig ausgerottet waren. Jetzt kehren mit der Rückkehr der großen Beutegreifer allmählich wieder natürliche Verhältnisse ein und es werden die Folgen der gezielten Faunenverfälschung durch die Jäger sichtbar. Es ist unverantwortlich, fremde Tierarten für das Jagdvergnügen einzuschleppen, insbesondere dann, wenn sie hierzulande nicht in der Lage sind, ein artgerechtes Leben zu führen. Noch unverantwortlicher ist es, deswegen gegen den Luchs zu wettern. Diese Stimmungsmache dürfte den Nährboden für eine weitere illegale Verfolgung des nach wie vor hochgradig bedrohten Beutegreifers bereiten. Sie ist Grund zu ernster Sorge, dass die positive Entwicklung des Luchsbestandes im Harz schnell wieder ins Gegenteil verkehrt wird. Die zahlreichen Abschüsse von Luchsen im Bayerischen Wald und in anderen Gebieten zeigen, wie stark die Bedrohung für die größte europäische Wildkatzenart nach wie vor ist. Wahrscheinlich werden Luchs und Wolf das Muffelwild in den hiesigen Wäldern früher oder später ausrotten. Makaber ausgedrückt korrigieren sie damit nur die Faunenverfälschung und sorgen für die Wiederherstellung natürlicher Verhältnisse. In dieser Phase werden die Mufflons unter dem zahlreichen Verlust ihrer Sozialpartner, unter der Dezimierung ihrer Gruppen leiden und vielleicht sogar ihre Ausweglosigkeit realisieren. Für dieses Leid sind aber nicht die heimischen Beutegreifer verantwortlich, sondern diejenigen, die die Wildschafe als lebendige Zielscheiben für ihr tödliches Freizeitvergnügen in völlig artfremden Lebensräumen ausgesetzt haben. Die Jäger sollten jetzt lieber auf die Jagd auf Muffelwild verzichten, um ihnen noch mehr Leid zu ersparen. +++ Über den Einfluss von Luchsen und Wölfen auf den Rehwild-Bestand












