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  • Gabi Joormann / Dr. Martin Steverding

Wie Jagd Wildtierkrankheiten fördert

Hören - Raubwildjäger leisten einen großen Beitrag zur Verbreitung von Krankheiten der Wildtiere in ihren Revieren. Wildkrankheiten und Parasiten haben durch die Jagd leichtes Spiel, sich auszubreiten. Dies gilt insbesondere für die Fuchsjagd.


In einem aktuellen Bericht vom 10.09.2023 unter dem Titel „Krankheitsrisiko Fuchs“ auf www.pirsch.de ist zu lesen, dass in Niedersachsen im Jahr 2020 die Fuchsstrecke mit 65.611 getöteten Füchsen ihren bisherigen Höchststand erreicht hat. Dieses Ergebnis wird als gut für das Niederwild und für bedrohte Arten bezeichnet, weil der Prädationsdruck auf Bodenbrüter und Hasen dadurch geringer sei. Wahrscheinlich weiß der Schreiber selbst, dass der Fuchs als Prädator des Hasen kaum Bedeutung hat und bestenfalls hin und wieder Junghasen und kranke Tiere erbeutet.


Weiter geht es in dem Text mit einem angeblich hohen Krankheitsrisiko durch die Füchse: Durch die infolge der Jagd verringerten Begegnungswahrscheinlichkeit zwischen den Füchsen würde die Ausbreitung von Krankheiten eingedämmt. Stabile hohe Besätze würden Krankheiten begünstigen, da sich die Individuen dann häufiger begegneten. „Wer intensiv Füchse bejagt, leistet in doppelter Hinsicht etwas Gutes“, heißt es. Als Beispiel wird die Tollwut genannt. Zwar wird eingeräumt, dass Deutschland seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut ist, aber es wird die Fledermaustollwut aufgeführt, obwohl sie für Füchse keine Relevanz hat. Nicht einmal die angegebene Zahl von jährlich 20 Fällen der Fledermaustollwut ist korrekt. Im Jahr 2020 waren es sechs Fälle in Deutschland (laut Radar Bulletin des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und des Friedrich-Löffler-Institutes). Auch die Krankheiten Staupe und Räude werden genüsslich und detailliert beschrieben, um den Lesern den Sinn der Fuchsjagd als Erlösung von diesen höllischen Qualen glaubhaft zu machen.


Natürlich darf der Fuchsbandwurm nicht fehlen: Um seine Verbreitung zurückzudrängen, müsste nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Fuchsdichte auf ein Individuum je 350 ha herabgesetzt werden. Auf welche wissenschaftlichen Untersuchungen sich diese Aussage beruft, wird leider nicht erwähnt. Ein Link führt zu einem Artikel über die Gefahren durch Wildfrüchte. Demnach bestehe selbst beim Abkochen noch ein Restrisiko, sich mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren. Fakt ist aber, dass kein Beleg für eine Infektion mit dem Parasiten über Wildfrüchte existiert und dass die meisten Infektionen des Menschen über Hunde, insbesondere Jagdhunde, erfolgen.


Jagd hemmt nicht die Ausbreitung von Krankheiten, sondern fördert sie. Am Beispiel Fuchs lässt sich dies leicht erklären: Füchse reagieren auf die Bejagung mit steigender Reproduktion – es gibt also mehr Jungtiere. Durch die Jagd werden Fuchsreviere frei und warten darauf, von Jungfüchsen neu besetzt zu werden. In der Folge gibt es also viele Jungfüchse, die auf der Suche nach freien Revieren weiträumig umherwandern. Jungfüchse sind empfänglicher für Krankheitserreger und Parasiten als Alttiere und können sie dadurch schnell und großflächig verteilen.


Ohne Bejagung bekommen die Füchse dagegen weniger Junge und die Sterblichkeit der Erwachsenen ist geringer. Damit wandern weniger Jungtiere umher, es gibt also weniger Bewegungen, das Reviergefüge ist ziemlich stabil. Parasiten und Krankheitserreger werden weniger schnell und weiträumig verteilt. Wer das nicht glaubt, muss nur nach Luxemburg schauen: Seit 2015 ist die Fuchsjagd dort verboten und seitdem hat sich die Befallsrate der Füchse mit dem Fuchsbandwurm halbiert (Ganser 2020). Dieser Effekt wurde auch von Comte et al. (2017) belegt.


Wir empfehlen dem Schreiber bzw. der Redaktion der „Pirsch“, doch bei den Fakten zu bleiben und längst widerlegtes Jägerlatein zu unterlassen, um wenigstens einen Rest an Glaubwürdigkeit zu bewahren. Bei der Fuchsjagd geht es um nichts anderes als Spaß, Nervenkitzel und Herausforderung, um Freude am Töten. Um diese niederen Absichten zu verbergen, werden mit Lügen und Halbwahrheiten Ängste geschürt.

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Quellen:

Comte, S., G. Umhang, V. Raton, F. Raoul, P. Giraudoux, B. Combes & F. Boue (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: An inappropriate paradigm. Preventive Veterinary Medicine, Volume 147: 178-185.

Ganser, J. (2020): Fuchsjagd bleibt verboten in Luxemburger Wort. Luxembourg. https://www.wort.lu/de/lokales/fuchsjagd-bleibt-verboten-5f104fa3da2cc1784e361c08, Abrufdatum 21.02.2022


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