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Suchergebnisse Wildtierschutz Deutschland - Hobbyjagd abschaffen

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  • Hubertusmessen: Auftakt zur Tierquälerei

    Bundesweit werden von den Kirchen Ende Oktober, Anfang November die Hubertusmessen zelebriert. Gesegnet werden Jäger - auf dem Land häufig auch ihre Waffen und die eigens gelegte Strecke von toten Rehen, Wildschweinen, Feldhasen, Fasanen und Füchsen. Für viele Jäger ist die Hubertusmesse der Auftakt zu tierquälerischen Gesellschaftsjagden. Großflächige Jagden - gerade in den Wintermonaten, oft noch im Februar - zehren in der nahrungsarmen Zeit die überlebenswichtigen Energiereserven der Tiere auf, was häufig auch zur Zunahme von Wildschäden führt. Zudem besteht die Gefahr, Bachen von ihrem unselbstständigen Nachwuchs zu trennen. Das kann zum leidvollen Erfrieren der Frischlinge führen. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) weist darauf hin, dass bei Bewegungsjagden tödliche Treffer viel schwieriger sind, weil Wildschweine und Rehe häufig auf der Flucht vor Treibern und Hunden sind. Viele Wildtiere würden angeschossen und schwer verletzt. So zeigte z.B. eine Studie aus Hessen auf, dass bei Drückjagden auf Schwarzwild nur etwa ein Drittel der Tiere mit Blattschuss erlegt wurde, die meisten Tiere wiesen Bauch- oder Rückenschüsse, Schüsse in die Gliedmaßen oder gar ins Gesicht auf. Hubertusmesse - Auftakt zu Drück- und Treibjagden Die Hubertuslegende Der Legende nach erschien dem leidenschaftlichen Jäger Hubertus während der Jagd in den Ardennen ein prächtiger Hirsch, der ein strahlendes Kruzifix zwischen seinem Geweih trug. In Gestalt des Hirsches sprach Christus zu ihm: "Hubertus, warum verfolgst Du mich?" Er wurde vor die Wahl gestellt: entweder er tötet den Hirsch - dann tötet er auch Christus, oder er lässt das Tier leben und bekennt sich zu Christus. Hubertus traf die richtige Entscheidung, er entsagte der Jagd. Die Kirche , die sich trotz der Umwelt-Enzyklika von ex-Papst Franziskus der Tierwelt häufig nicht verpflichtet fühlt, missbraucht Hubertus und verkehrt die Geschichte einer Umkehr in ihr Gegenteil: In alljährlichen Hubertusmessen segnen Pfarrer und Priester Jäger und ihre Waffen. Der Legende hätte es entsprochen Hubertus zum Schutzpatron der Tiere zu machen, die Kirche ernannte ihn aber zum Patron der Jäger. Sechs Millionen tote Tiere – mit dem Segen der Kirche „Bisher hat die christliche Moral ihre Vorschriften ganz auf den Menschen beschränkt und die gesamte Tierwelt rechtlos gelassen“. Dieses Zitat aus dem 19. Jahrhundert des deutschen Philosophen Schopenhauer hat bis heute kaum an Wahrheit verloren. In seiner Laudatio Si, der Enzyklika, schreibt Franziskus, dass es falsch sei aus der "Tatsache, als Abbild Gottes erschaffen zu sein, und dem Auftrag, die Erde zu beherrschen, eine absolute Herrschaft über die anderen Geschöpfe" zu folgern. Jede Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf widerspreche der Würde des Menschen. Die Kirche und ihre Vertreter in Deutschland gehören nicht nur zu den Besitzern großer Eigenjagden, sie jagen selbst und verklären die Jagd zur Pflege von Tradition und Naturverbundenheit. Sie verkennen das Leid und das Elend, welches Tiere durch die Jagd erfahren. Von den etwa sechs Millionen pro Jahr erlegten Tieren, werden nur etwa zwei bis drei Millionen als Lebensmittel verwertet, vier Millionen Tiere sterben – viele davon qualvoll, weil Jäger ihren Jagdspaß haben wollen. +++

  • Drückjagden: Wo sich der Hessische Jagdminister irrt

    Ende Oktober, Anfang November erteilt die Kirche im Rahmen von Hubertusmessen  den Segen für die alljährliche Tötungsorgie in Deutschlands Wäldern: Sie sind der Auftakt zu Drückjagden, die bis in den Hochwinter durchgeführt werden. Drückjagden  sind Bewegungsjagden, die mit vielen Dutzend, manchmal mit über einhundert meist ortsfremden Jägern und mit Treibern veranstaltet werden. Häufig werden dabei, was nicht weidgerecht ist, hochläufige (langbeinige) Hunde eingesetzt, die dazu neigen sich zu Meuten zusammenzutun, das Wild zu hetzen und zu reißen. Zwar muss man bei den von staatlichen Forsten veranstalteten Jagden auf Wildschwein, Reh und Hirsch Schießübungsnachweise erbringen, nicht aber Schießleistungsnachweise. Ob ein Schütze überhaupt in der Lage ist, ein stehendes oder gar flüchtendes Wildtier zu treffen, steht in den Sternen – zumal bei Drückjagden häufig revierlose Gelegenheitsjäger gegen Gebühr teilnehmen. Bei privat veranstalteten Drückjagden werden häufig nicht einmal die Übungsnachweise abgefragt. Ende einer Drückjagd im Hessenforst Auf Facebook veröffentlicht das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Hessen  nun einen Post, der diejenigen Menschen, die sich bisher nicht näher mit der Jagd beschäftigt haben, wissentlich in die Irre führt: Das von Jagdminister Jung (CDU) geführte Ministerium behauptet: a) „Bei Drückjagden wird das Wild von Treibern und speziell ausgebildeten Hunden langsam in Bewegung gebracht („gedrückt“).“ Diese Aussage ist falsch . Es wird lediglich die „Brauchbarkeit“ von Jagdhunden geprüft, und zwar in den Disziplinen Wasserarbeit (mit der lebenden Ente), Stöberarbeit (während der Brut- und Setzzeit auf den Feldern), Bauarbeit (mit nicht tierschutzkonform gehaltenen Füchsen in Schliefanlagen) und Nachsuche (Suche z.B. nach von Jägern angeschossenen Wildtieren). Für das Jagdhundetraining auf Wildschweine in Hessen gibt es Angebote, die sich an Jäger richten. Letztere sind keine Voraussetzung für die Teilnahme an Drückjagden. Speziell für Drückjagden finden keine Gebrauchshundeprüfungen statt. b) Falsch  ist in den meisten Fällen auch, dass „das Wild langsam in Bewegung gebracht wird.“ Nur bei sehr wenigen Drückjagden werden ausschließlich kurzbeinige Hunderassen für das Drücken des Wildes eingesetzt. Hundemeuten und hochläufige Hunde oder gar stumm jagende Hunde hetzen das Wild und reißen z.B. Rehe. Hundemeuten sind nicht rückrufbar und können nicht gelenkt werden. Ihnen fallen auch Schafe oder selbst Rinder zum Opfer. Immer öfter werden auch – was u.E. nicht gesetzeskonform ist – lautlos jagende Hunderassen bei Bewegungsjagden eingesetzt. Die Chance der Wildtiere diesen Hundemeuten zu entkommen ist noch einmal geringer als der schon nicht weidgerechte Einsatz hochläufiger Hunde. c) „Die Jägerinnen und Jäger stehen fest an ihren Plätzen und schießen nur, wenn sie das Tier eindeutig erkennen und sicher treffen können.“ Auch diese Aussage kann man so nicht stehen lassen . Bei Drückjagden, insbesondere, wenn hochläufige Hunde eingesetzt werden, sind Rehe, Hirsche, Wildschweine häufig auf der Flucht. Es ist nur ganz wenigen Jagdausübungsberechtigten vorbehalten, eine Wildsau, die mit 20, 30 km/h in einer Rotte die Schussrichtung des Schützen quert, „anzusprechen“ und dann auch noch mit sofort tödlichem Blattschuss zu erlegen. „Ansprechen“ heißt , zu beurteilen, ob z.B. das Wildschwein ein Keiler oder eine Sau ist, welches Alter das Tier hat oder ob es Zitzen hat und somit abhängige Jungtiere hinterlässt. Gerade in den kalten Monaten ist letzteres aufgrund des dichten Haarkleides der Wildschweine oft nicht möglich. Geschossen wird trotzdem. Fehlendes oder fehlerhaftes Ansprechen ist nicht weidgerecht , wird in der Praxis aber so gut wie nicht geahndet. Es kann dazu führen, dass das Muttertier eines abhängigen Jungtieres getötet wird, was das Verhungern des Jungtieres oder das soziale und körperliche Verkümmern bei Hirschkälbern und damit erhebliches Leiden zur Folge hat. Rehe sind laut der TVT – Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz – in der Bewegung aufgrund ihres arttypischen Bogensprungs überhaupt nicht tierschutzkonform mit der Waffe zu töten (Merkblatt 123, 2011).   d) „Ziel ist die tierschutzgerechte und sichere Bejagung.“ Wir haben keinen Einwand gegen die Zieldefinition, wenn man unter „tierschutzgerecht“ den sofort tötenden Kammerschuss („Blattschuss“) versteht. Allerdings sieht die Realität anders aus : Im Merkblatt „Tierschutz und Bewegungsjagden“ [1] führt die TVT aus, dass bei Drückjagden auf Schwarzwild in Hessen nur etwa ein Drittel mit Blattschuss erlegt wurde, der Rest der Strecke wies Waidwund-, Keulen- oder Laufschüsse auf. Rehwild wies bei ca. 30 % der männlichen und ca. 60 % der weiblichen Tiere Bauchschüsse auf (Krug, unveröffentlicht). Nicht weidgerecht  sind spätestens ab Weihnachten auch die vom Hessenforst durchgeführten Drückjagden auf Schalenwild, d.h. Huftiere wie Hirsche, Rehe und Damwild. Aufgrund des in der Regel knappen Futterangebots kann das Wild deutlich weniger Nahrung und darüber hinaus nur solche von geringerer Qualität aufnehmen als während des restlichen Jahres. Zur Energieeinsparung reagiert das Wild mit physiologischen und anatomischen Anpassungen. [2] Um im Winter Energie zu sparen, reduziert das Rotwild (Hirsche) seine Bewegungsaktivität um bis zu 40 Prozent, die Körpertemperatur kann dabei durch die geringere Durchblutung der Körperteile auf bis zu 15 Grad sinken, die Herzfrequenz fällt um bis zu 60 Prozent und damit auch die Stoffwechselrate. Die Verringerung der Körpertemperatur reduziert zugleich die Bewegungsfähigkeit der Gliedmaßen des Wildes. [3] In dieser Situation die Tiere durch großangelegte Bewegungsjagden zu beunruhigen ist nicht tierschutzkonform und nicht einmal weidgerecht. e) Ein Witz ist die nachfolgende Behauptung des Hessischen Landwirtschaftsministeriums : „Durch Drückjagden gibt es weniger Jagddruck im Rest des Jahres und weniger Stress für das Wild durch kürzere Jagdzeiten.“ Drückjagden werden nicht anstelle von Ansitzjagden und Treibjagden (auf Fasane, Feldhasen, Füchse u.a.) durchgeführt, sondern zusätzlich zu diesen Jagdformen. Wildschweine haben in Hessen und anderen Bundesländern überhaupt keine Schonzeit , sie werden ganzjährig bejagt – Tag und Nacht, mit Scheinwerfern und mit Nachtsichttechnik. Hirsche und Rehe werden je nach Alter vom 1. April bis zum 31. Januar gejagt. Das sind die längsten Jagdzeiten für diese Tierarten in Europa. Das bedeutet nicht nur für die jagdbaren Tiere großen, mit erheblichem Stress verbundenen Jagddruck, sondern für alle in den Jagdrevieren lebenden Tiere. Aktuell plant der hessische Jagdminister Ingmar Jung zusätzlich die bestehenden Schonzeiten während der Aufzuchtzeiten von Jungtieren aufzuheben und damit die Jagdzeiten und den Tier- und Artenschutz auf ein Niveau von 1952 zu senken - ohne jegliche wissenschaftlich fundierte Argumentation. Alarmierend und zugleich exemplarisch ist die beabsichtigte Wiedereinführung einer Jagdzeit für den Baummarder, einer Tierart, die in Hessen seit etwa zehn Jahren nicht mehr bejagt wird und seit 2023 auf der Roten Liste des Bundeslandes steht. +++   Quellen, weiterführende Links/Literatur: [1] Tierschutz und Bewegungsjagden , Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT), Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6), 2011 [2]/[3] Walter Arnold, Thomas Ruf, Susanne Reimoser, Frieda Tataruch, Kurt Onderscheka, and Franz Schober (2004), Nocturnal hypometabolism as an overwintering strategy of red deer (Cervus elaphus)  Hubertusmessen : Auftakt zur Tierquälerei Staatsforste: Jagd außerhalb der Gesetze

  • Deutschlandweit unkoordinierter Wiesenbrüterschutz

    Hör doch mal rein | Im Rahmen unserer Recherche wandten wir uns deutschlandweit stichprobenartig an Behörden und Gebietsbetreuer von Wiesenbrüterschutzgebieten und wollten wissen: Wie haben sich die Bestände der Wiesenvögel in den vergangenen Jahren entwickelt? Welche Maßnahmen zum Schutz der Wiesenbrüter wurden vor Ort umgesetzt? Wie haben sich die Maßnahmen zum Wiesenvogelschutz auf den Bruterfolg ausgewirkt? Unser Fokus lag dabei auf der Frage, ob ein aktives Prädatorenmanagement (= Töten von Füchsen, Marderartigen u.a.) stattfindet und wie sich die Zusammenarbeit mit den Jägern gestaltet. Rotschenkel brüten vorwiegend in Küstenbereichen, aber auch in Sumpfgebieten oder auf Feuchtwiesen | Bild: Martin Steverding Keine Koordination zwischen Naturschutz und Jägerschaft Das Ergebnis war ernüchternd. Konkrete Zahlen zur Bestandsentwicklung konnte oder wollte man uns in der Regel nicht nennen. Vor Ort wurde meist eine Vielzahl unterschiedlicher Maßnahmen umgesetzt, es fehlte jedoch durchgehend eine Auswertung, welche Maßnahme welchen Anteil am Bruterfolg hat. Und die vielbeschworene „enge und vertrauensvolle“ Zusammenarbeit mit den örtlichen Jägern erwies sich bei genauerem Hinsehen durchweg als Luftnummer. In Ingolstadt (Bayern) teilte uns die Untere Naturschutzbehörde mit, dass das einzige Wiesenbrüterschutzgebiet von einem ehrenamtlichen Naturschutzwächter betreut wird. Die letzte Zählung fand im Jahr 2019 statt, die Ergebnisse einer aktuell laufenden Zählung werden Mitte 2026 erwartet. Ob ein aktives Prädatorenmanagement stattfindet, wusste man bei der Naturschutzbehörde nicht, dies sollten wir entweder bei der Jägervereinigung oder der Unteren Jagdbehörde selbst erfragen. Förderung von Betonrohrfallen ohne naturschutzfachliche Expertise Auch im Naturschutzgebiet Leinepolder im Landkreis Northeim (Niedersachsen) fand bisher kein aussagekräftiges Monitoring statt. Zwar gehe der Trend beim Wachtelkönig derzeit nach oben, ob dies jedoch am Management vor Ort, dem Geschehen auf den Zugwegen oder den feuchteren Jahren liegt, sei reine Spekulation und auch vom zuständigen Gutachter nicht zu beantworten. Auch wenn es keinen Hinweis darauf gibt, dass die Bejagung von Beutegreifern einen positiven Einfluss auf die Bestandsentwicklung hat, hat der Landkreis für die Jäger Röhrenfallen angeschafft. Doch obwohl die Fallen vom Kreis bezahlt wurden, liegen der unteren Naturschutzbehörde keine Streckenzahlen im Leinepolder vor, Vorgaben seitens des Naturschutzes gibt es für die Jäger nicht . Auch hier weiß also niemand, wie viele Füchse, Waschbären und andere Beutegreifer getötet werden, geschweige denn, welche Auswirkungen diese Maßnahme auf den Bruterfolg hat. Den Behörden sind unsere Fragen unbequem Im Landkreis Neuburg/Donau (Bayern) betreut der LBV (Landesbund für Vogel- und Naturschutz, Bayerisches Pendant zum NABU) in enger Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde ein Wiesenbrüterschutzgebiet. Konkrete Zahlen zur Bestandsentwicklung konnte oder wollte uns die Behörde nicht nennen, betonte aber mehrfach die enge Zusammenarbeit mit der Jägerschaft. Ein aktives Prädatorenmanagement hält man für unerlässlich. Weitere Nachfragen ergaben dann, dass die Jäger auch in diesem Wiesenbrüterschutzgebiet ihrer Tätigkeit eigenverantwortlich nachgehen und die Naturschutzbehörde den Jägern gegenüber nicht weisungsbefugt ist. Trotz der angeblich so engen Abstimmung zwischen Naturschutz und Jägerschaft, lagen der Naturschutzbehörde keine Streckenzahlen über die getöteten Beutegreifer vor. Zusätzlich hatte man die Gebietsbetreuung des LBV vorgewarnt, dass hier jemand unbequeme Fragen stellt und die Antworten im Vorfeld abgesprochen. Einfluss der Jagd auf den Bruterfolg der Vögel unbekannt Auch der Landkreis Osterholz (Niedersachsen) unterstützt im Namen des Wiesenbrüterschutzes die Beschaffung von Lebendfallen und Meldesystemen zur Bejagung „invasiver Arten und Prädatoren“. Er muss aber gleichzeitig zugeben, dass aussagekräftige Streckenzahlen nicht vorliegen und somit nicht abgeleitet werden kann, welchen Einfluss die Prädatorenbejagung auf den Bruterfolg der Vögel hat. Also auch hier mehr Bauchgefühl als belastbare Daten. Im Landkreis Pfaffenhofen/Ilm (Bayern) gibt es insgesamt 12 Schutzgebiete für Wiesenbrüter. Seit Anfang März versuchen wir gemeinsam mit der Tierschutzpartei Ingolstadt, Zahlen zur Bestandsentwicklung zu erhalten. Die Behörde gibt offen zu, dass man aufgrund von Personalmangel auf keine Datenlage zurückgreifen kann, die „den Anspruch der Vollständigkeit erfüllt“. Auch den Einfluss der einzelnen Maßnahmen interpretiert man äußerst kreativ: in einem der Schutzgebiete ist es wohl in den vergangenen Jahren zu einer regelrechten Bestandsexplosion gekommen. Und zwar im Jahr 2022, als erste lebensraumverbessernde Maßnahmen umgesetzt wurden. Einen Zusammenhang zwischen Lebensraumverbesserung und Bruterfolg will man aber nicht sehen, den Erfolg führt man hauptsächlich auf ein in der Bevölkerung äußerst umstrittenes Betretungsverbot zurück. Fragen nach weiteren durchgeführten Maßnahmen in diesem Gebiet, wie etwa Absprachen mit Landwirten bzgl. Mahdzeiten oder Düngemittel- und Pestizideinsatz schmettert man mit dem Hinweis ab, dass die Antworten auf diese Fragen „keinen erkennbaren Mehrwert“ bringen würden. Man weist uns noch darauf hin, dass bisher kein aktives Prädatorenmanagement in den betreuten Schutzgebieten stattfinden würde, dass man diesbezüglich aber gerade mit den Jägern in engem Austausch sei. Man fragt sich, auf welcher Datengrundlage dieses Prädatorenmanagement aufgebaut werden soll, aber da uns die Behörde gebeten hat, von weiteren unbequemen Fragen Abstand zu nehmen und die Kommunikation offiziell für beendet erklärt hat, werden wir auf diese Frage wohl keine Antwort mehr bekommen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die angefragten Behörden trotz fehlender Datenlage einem aktiven Prädatorenmanagement sehr unkritisch gegenüberstehen. Im nächsten Beitrag werden wir zeigen, dass die Naturschützer vor Ort die Bejagung von Beutegreifern oft sehr viel kritischer sehen. +++   Lesen Sie hier weitere Beiträge zum Thema Wiesenvogelschutz: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Vorrang für den Lebensraumschutz Wiesenbrüterschutz: Schöner Schein - ernüchternde Realität Scheitern eines Großprojekt zum Wiesenbrüterschutz

  • Wiesenbrüterschutz mit Schrot und Kugel? Ministerien antworten unwissend bis ablehnend.

    Hör doch mal rein | Im Rahmen unserer Recherche zum Wiesenbrüterschutz baten wir auch die Umweltministerien der verschiedenen Bundesländer um eine Einschätzung, welche Rolle ein aktives Prädatorenmanagement (Töten von Füchsen, Mardern und anderen jagdbaren Beutegreifern) durch die Jäger für den Bruterfolg der Vögel spielt und auf welchen Daten diese Einschätzung beruht. Saarland: Prädatorenmanagement entstammt einem längst überholten statischen Ansatz, wonach nur wenige Arten im Vordergrund stehen und verschiedene Arten(gruppen) gegeneinander ausgespielt werden | Bekassine, Bild: beecook68, Pixabay Im  Landesamt für Umwelt (LfU) in Brandenburg  setzt man vorwiegend auf Lebensraumgestaltung und passives Prädationsmanagement. Den Einfluss eines aktiven Prädatorenmanagements durch die Jäger könne man nicht beurteilen, denn: „Hier sind Jagdstrecken nur innerhalb der Jagdstrukturen zu melden. Gegenüber den Naturschutzbehörden, besteht weder auf Landes- noch auf Kreisebene eine Meldepflicht. Dafür wird eine räumlich nur grob auflösende Jagdstatistik veröffentlicht. Umgekehrt kann der Naturschutz weder ehrenamtlich noch behördlich auf die Intensität der Jagdausübung hinwirken oder den zeitlichen Ablauf der Jagd im Jahresverlauf beeinflussen. Jeder Jagdausübungsberechtigte hat es letztlich selbst in der Hand, ob, wann und wie intensiv er Raubsäuger bejagt. In der Folge dürfte ein Mosaik unterschiedlichster Jagdintensitäten und –strategien bestehen. Das erklärt, weshalb es wissenschaftlichen Kriterien standhaltende Nachweise des Zusammenhangs zwischen Bejagung und Bruterfolg häufig nicht gibt.  Das Handeln nach eigenem Ermessen des Jägers ist auch nicht für eine echte Bestandsregulierung geeignet.“ Ganz anders sieht man es in Mecklenburg-Vorpommern . Hier bezeichnet man erfolgreiche Lebensraumgestaltung als „ökologische Falle“ und beklagt, dass durch fehlende Anreize für die Jäger in der Fläche Prädatoren zu wenig bejagt werden. Belegen konnte man diese Außenseitermeinung nicht, stattdessen erklärte  man die Kommunikation für beendet . Aus Thüringen  teilt man uns folgendes mit: “Die Bejagung von Prädatoren wird einzelfallspezifisch und erfolgreich zum Schutz von Wiesenbrütern angewendet. Sie wird i.d.R. von lokalen Jägern/Berufsjägern betrieben. Insbesondere in größeren Schutzgebieten mit einer konsequenten und nachhaltigen Bejagung ist davon auszugehen, dass der Bruterfolg bodenbrütender Vögel steigt.“     Auch hier viel Bauchgefühl ohne belastbare Daten , es wird nicht zwischen sinnvollem passiven Prädationsmanagement und fragwürdigem aktivem Prädatorenmanagement unterschieden und die Behauptung einer „einzelfallspezifischen Bejagung“ wurde durch unsere Recherche eindeutig widerlegt. In Nordrhein-Westfalen  holt sich das Referat für Biodiversität Unterstützung von den für „Jagdkunde“ zuständigen Kollegen aus dem Landwirtschaftsministerium – und genau so liest sich dieses Schreiben auch: Zäune seien nicht praktikabel, die Streckenzahlen würden den zuständigen Behörden gemeldet, die Jagd erfolge unter strikter Einhaltung rechtlicher Vorgaben … bla, bla. Völlig absurd wird es in Bayern . Hier arbeitet das LfU im Moment an einem Leitfaden „Prädationsmanagement“ und verweist dabei als Grundlage auf die Zahlen aus der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen. Doch laut Auskunft der Vogelschutzwarte habe man zwar eine beratende Funktion beim Wiesenbrüterschutz, es gebe aber keine Verpflichtung, die Vogelschutzwarte hinzuzuziehen. Somit erfolgt hier keine flächendeckende Erfassung der Brutbestände, ebenso wenig liegen dem LfU oder der VSW die Zahlen der im Namen des Artenschutzes getöteten Beutegreifer vor. Wie man ohne diese Daten einen Leitfaden erstellen möchte, bleibt ein Rätsel. In Sachsen  ist der Aufbau eines überregionalen Kompetenznetzes zum Wiesenbrüterschutz geplant. Die Landesdirektion Sachsen betont die Notwendigkeit eines aktiven Prädatorenmanagements und behauptet: „Bevor Prädatoren entnommen werden, erfolgt stets eine Analyse, welche Prädatorenart den Brutausfall verursacht.“ Da dies, wie wir mittlerweile wissen, nicht der Wahrheit entsprechen kann, da auch in Sachsen die Jäger nicht dem Naturschutz unterstellt sind und eigenverantwortlich handeln, stellt sich die Frage, ob hier bewusst die Unwahrheit gesagt wird oder ob man es wirklich nicht besser weiß. Die Aussage der Landesdirektion, dass Prädation durch Störche, Reiher, Kranich oder andere Vogelarten nicht bekannt und bei Wiesenbrütern auch unwahrscheinlich seien, weist auf jeden Fall auf eklatante Wissenslücken hin. In Baden-Württemberg steht man dem aktiven Prädatorenmanagement wieder deutlich kritischer gegenüber: “Grundsätzlich ist ein wirksames (!) aktives Prädatorenmanagement mit einem sehr großen Aufwand verbunden … Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es eines fundierten Bejagungskonzeptes bedarf, um einen positiven Effekt zu erzielen. Dies ist nur mit Berufsjägern und in eng umgrenzten Gebieten realistisch umsetzbar. Allein aus diesen Gründen sollten zunächst alle anderen Säulen im Artenschutz umgesetzt und ausgeschöpft werden, bevor nach einer fundierten fachlichen Analyse ein hoher Aufwand in ein aktives Prädatorenmanagement gesteckt wird.“ Zum Schluss noch ein deutliches Statement aus dem Saarland : „Ein sog. „Prädatorenmanagement“ lehnen wir im ZfB (Zentrum für Biodokumentation) klar ab. Denn erstens entstammt ein solcher Ansatz einem eigentlich längst überholten statischen Ansatz, wonach nur eine bzw. wenige Arten im Vordergrund stehen und verschiedene Arten(gruppen) gegeneinander ausgespielt werden. Das ist ökosystemar nicht angemessen. Zweitens würde es auch wenig bringen, weil z.B. Füchse ständig nachrücken und als natürlich revierbildende Art gar keine Überpopulation bilden können. Und würde man sie weiträumig stark dezimieren, können sie ihre vielfältigen ebenso wichtigen Funktionen weniger wahrnehmen.  Dass „Prädationsmanagement“ dennoch öfter genannt wird, entspringt dem Einfluss der Jagdlobby mit teils anderen Interessen oder es wird veraltet und traditionsbehaftet „falsch“ nachgeredet.“ +++ Lesen Sie hier weitere Beiträge zum Thema Wiesenvogelschutz: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Vorrang für den Lebensraumschutz Wiesenbrüterschutz: Schöner Schein - ernüchternde Realität Scheitern eines Großprojekt zum Wiesenbrüterschutz Deutschlandweit unkoordinierter Wiesenvogelschutz Wiesenschutz braucht Lebensraum verbessernde Maßnahmen - keine Jagd

  • Weite Reise in die Nacht

    Hör doch mal rein | Nachts ist es dunkel – diese Aussage ist nicht so banal, wie sie klingt. Deutschland ist in weiten Teilen derart mit künstlichem Licht überzogen, dass es mitnichten nachts wirklich dunkel ist. Auch in mondlosen Nächten kann man sich an den meisten Orten ohne Lampe zurechtfinden, vielerorts ist es gar nachts so hell, dass ganze Landschaften visuell wahrnehmbar sind. Die meisten Bewohner Deutschlands haben vergessen oder noch nie erlebt, wie dunkel es nachts sein kann. Echte nächtliche Dunkelheit ist kaum noch erlebbar, zu dicht ist das Land mit beleuchteten Städten, Dörfern und Straßen überzogen. Für die Dunkelheit echter Nächte muss man weit reisen | Martin Steverding Das Erlebnis echter ungestörter Nacht gehörte zu den beeindruckendsten Momenten meiner diesjährigen Litauenreise. Das Dorf Marcinkonys liegt in einer äußerst dünn besiedelten Region im Dzukija-Nationalpark im Südosten Litauens nahe der Grenze zu Belarus. Es ist eine große Streusiedlung mit weit auseinanderliegenden Häusern, die durch unbefestigte Sandpisten erschlossen sind, Straßenbeleuchtung ist nicht vorhanden. Meine Unterkunft war eine weit außerhalb dieses ohnehin schon dunklen Dorfs gelegene Waldhütte. Ich erlebte dort fünf mondlose Septembernächte. Etwa eineinhalb bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang war es so dunkel, dass sich gerade noch die Bäume gegen den Himmel abzeichneten, der Boden oder die eigenen Füße waren auch außerhalb des Waldes nicht mehr erkennbar und die Wege konnte ich nicht mehr sehen. Ich konnte nur auf den Einsatz der störenden Lampe verzichten, weil die Wege durch die Wärmebildkamera leidlich erkennbar waren. Der Sternenhimmel mit der sich von Horizont zu Horizont erstreckenden Milchstraße war überwältigend. Hinzu kam die Stille, zeitweise eine völlige Abwesenheit wahrnehmbarer Geräusche, die nur hin und wieder von Hundebellen oder einem einzelnen Auto durchbrochen wurde – letzteres unter diesen Bedingungen kilometerweit hörbar. Mir wurde bewusst, wie weit man reisen muss, um eine echte Nacht zu erleben. Mir wurde ebenso bewusst, wie hilflos wir Menschen in einer natürlichen und ungestörten mondlosen Nacht sind. Umso faszinierender ist es, dass vielen Tieren das minimale und für uns Menschen kaum noch wahrnehmbare Licht zur Orientierung ausreicht. Eulen und viele Säugetiere können sich problemlos fortbewegen oder auch Nahrung finden bzw. Beute machen, wenn wir Menschen praktisch nichts mehr erkennen. Wir haben aufgrund unserer naturgegebenen Nachtblindheit unser Umfeld so sehr mit Beleuchtung aller Art überzogen, dass die echte Nacht in Mitteleuropa kaum noch existiert. Dieser Zustand wird mit vollem Recht als Lichtverschmutzung bezeichnet, denn das künstliche Licht ist ebenso wie Abgase, Gifte und auch Lärm eine massive Form der Umweltverschmutzung mit weitreichenden Folgen. Milliarden von Insekten werden von Lampen angelockt und gehen dort zugrunde. Viele Fledermausarten meiden die Nähe jeglicher Beleuchtung, ein natürliches Verhalten, um nicht von Eulen und Greifvögeln erwischt zu werden. Beleuchtete Straßen können für sie unüberwindbare Barrieren sein. Zugvögel werden insbesondere bei schlechter Sicht von Licht angelockt und können massenhaft auf Straßen oder an Gebäuden verunglücken. In den Städten beeinflusst die Beleuchtung den Hormonhaushalt von Tieren, beispielsweise singen viele Vögel dort mitten im Winter und beginnen früher mit der Brut. Deutliche Lichtverschmutzung über der Universitätsstadt Jena. Die tiefen Wolken über der Stadt leuchten im Streulicht und verstärken den visuellen Effekt. Im Zentrum des Bildes befindet sich das Stadtzentrum von Jena, nach rechts erstreckend die südlichen Ausläufer der Stadt (Winzerla, Lobeda). Hinter den Büschen rechts befindet sich zum Zeitpunkt des Fotos die Baustelle zur Verlegung der Bundesautobahn A4 (2010, Wikipedia) Wir haben in Mitteleuropa die Nacht weitgehend verdrängt. Sie ist zu einem bedrohten Gut geworden, für das man weit reisen muss, um es zu erleben. Die stille und tiefschwarze Nacht unter dem überwältigenden Sternenhimmel in der Abgeschiedenheit des litauischen Waldes wird unvergessen bleiben.

  • Wiesenvogelschutz braucht Lebensraum verbessernde Maßnahmen – keine Jagd

    Vorbemerkung: „ Passives Prädatorenmanagement“  beinhaltet Methoden der Prädatorenabwehr, ohne den Prädatoren (z.B. Füchsen) nachzustellen. „ Aktives Prädatorenmanagement“ bedeutet hingegen die gezielte Tötung von Beutegreifern (z.B. Füchsen) mit dem Ziel ihrer Bestandreduktion. Hör doch mal rein | Im letzten Beitrag zum Wiesenvogelschutz konnten wir zeigen, dass eine echte und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Behörden und Jägerschaft in der Regel nicht stattfindet, dass viele Naturschutzbehörden aber trotz fehlender Datenlage einem aktiven Prädatorenmanagement erstaunlich unkritisch gegenüberstehen und die Jäger bei der Anschaffung von Fallen gerne finanziell unterstützen. Doch wie sieht es nun mit der Zusammenarbeit zwischen Jägern und Artenschützern  aus? Stimmt man hier die Maßnahmen miteinander ab? Welchen Anteil hat das Prädatorenmanagement durch die Jägerschaft nach Einschätzung der Fachleute vor Ort am Bruterfolg der Vögel? Kleinere Wiesenbrüterschutzgebiete werden oft von einer Handvoll Ehrenamtlicher betreut, Berührungspunkte zur örtlichen Jägerschaft gibt es kaum, eine Abstimmung der Maßnahmen fand in keinem einzigen der von uns angefragten Gebiete statt. In der Regel sah man sich außerstande, eine Einschätzung zur Sinnhaftigkeit eines aktiven Prädatorenmanagements zu geben und verwies uns diesbezüglich an die zuständige Naturschutzbehörde oder die örtliche Jägervereinigung. In größeren, von entsprechenden Fachleuten geführten Wiesenbrüterschutzgebieten wurde man deutlicher. Man setzt auf passives Prädationsmanagement und Lebensraumgestaltung, eine Zusammenarbeit mit den Jägern findet in aller Regel nicht statt: Wiesenweihen-Schutzgebiet in Brandenburg: Fuchsjagd kontraproduktiv Aus einem Wiesenweihen-Schutzgebiet in Brandenburg kam folgende Einschätzung: „Bitte unterscheiden zwischen Prädationsmanagement und Prädatorenmanagement. Prädatoren zu bekämpfen, bringt trotz hohem Aufwand meist nichts.  Außer vielleicht bei Insellagen. Allgemeine Prädatorenjagd wie beim Fuchs erhöht die Reproduktion und ist kontraproduktiv…“ Wiesenpieper sind stark gefährdet. Die intensive Grünlandnutzung beraubt sie ihrer Brutplätze | Bild: Stephan Sprinz Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee: Elektrozaun schützt Wiesenbrüter Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee teilt uns zum Wiesenbrüterschutz im Kreis Konstanz folgendes mit: „Prädationsmanagement findet insofern statt, dass in zwei von vier Haupt-Brutgebieten im Landkreis ein Elektrozaun zum Schutz vor dem Fuchs um den Brutbereich angebracht wurde. Wir begleiten die Projekte mit einem Monitoring, so dass wir einschätzen können, wie der Schlupf- und der Bruterfolg ist.“  Zugleich bestätigt man uns, dass keine Zusammenarbeit mit den Jägern  stattfindet, man keine Kenntnis darüber hat, wie viele Beutegreifer im betreuten Gebiet getötet werden und welchen Einfluss das möglicherweise auf den Bruterfolg hat. Berlin-Brandenburgischer Ornithologen beim NABU: Absprache mit Landwirten  Die Arbeitsgemeinschaft Berlin-Brandenburgischer Ornithologen beim NABU äußert sich so: „Es spielt dabei das Aufsuchen der Gelege und deren Markierung sowie nachfolgende Absprachen mit Landwirten eine zentrale Rolle. Daneben werden Flächen mit besonderen Brutkonzentrationen mit einem mobilen Prädatorenschutzzaun abgezäunt. Mit Solarpumpen werden Feuchtflächen vor Austrocknung bewahrt…. Eine spezifische Bejagung erfolgt hier nicht .“ Stiftung NordWest Natur: Lebensraumverbesserung statt Prädatorenmanagement Auch die Stiftung NordWest Natur, welche unter anderem das Naturschutzgebiet Borgfelder Wümmewiesen (Bremen) betreut, setzt auf Lebensraumverbesserung durch ein gesteuertes Wassermanagement und steht einem aktiven Prädatorenmanagement kritisch gegenüber: „Ein auf die Belange des Vogelschutzes ausgelegtes Prädatorenmanagement gibt es nicht. Die Wiesenvogelbestände werden im Rahmen eines Monitorings genau erfasst. Über Zusammenhänge von Prädationsstrecken und Bruterfolgen kann in diesem Gebiet keine Aussage getroffen werden . Dafür müsste auch der Bestand an Prädatoren über ein Monitoring erhoben werden.“ BUND Sachsen-Anhalt: Nestschutz durch passive Maßnahmen Eine Gebietsbetreuung des BUND in Sachsen-Anhalt teilt uns folgendes mit: „Wie sie richtig erkannt haben, wird das Nest durch passive Maßnahmen, durch Zäunung, vor Prädation geschützt. Dies funktioniert sehr gut. Eine begleitende Bejagung findet nicht statt.  Dies wäre auch schwierig umzusetzen, da die Brutvorkommen sich auf einen großen Raum verteilen und eine solche begleitende Jagd sehr aufwändig wäre.“ Im nächsten Beitrag werden wir zeigen, wie die Umweltministerien der einzelnen Bundesländer als übergeordnete Behörden zum aktiven Prädatorenmanagement stehen. +++ Lesen Sie hier weitere Beiträge zum Thema Wiesenvogelschutz: Kiebitze – gefiederte Luftverteidigung Prädationsmanagement mit der Waffe nicht zielführend Vorrang für den Lebensraumschutz Wiesenbrüterschutz: Schöner Schein - ernüchternde Realität Scheitern eines Großprojekt zum Wiesenbrüterschutz Deutschlandweit unkoordinierter Wiesenvogelschutz

  • Der Igel im Herbst – zwischen Vorbereitung, Gefahren und Klimawandel

    Ein stacheliger Überlebenskünstler vor großen Herausforderungen Hör doch mal rein | Der Herbst ist für den Igel die wichtigste Jahreszeit. In den Wochen, in denen die Tage kürzer werden und die Temperaturen sinken, muss er seine Fettreserven aufbauen, damit er den langen Winterschlaf übersteht. Nur wenn ein Jungigel bis Anfang November mindestens 500 Gramm erreicht, während ausgewachsene Tiere um die 1.000 Gramm wiegen sollten, hat er eine realistische Chance, die kalten Monate zu überstehen. Doch immer mehr Igeln gelingt das nicht. Der Rückgang der Insektenvielfalt hat dafür gesorgt, dass das Nahrungsangebot für sie vielerorts stark eingeschränkt ist. Ursache sind nicht nur Landwirtschaft, Pestizide, Versiegelung und Klimawandel, sondern auch private Gärten, die nicht naturnah gestaltet werden und in denen geeignete Pflanzen, Unterschlupfmöglichkeiten oder Insekten kaum vorhanden sind. Igel im Herbst | Bild: AdobeStock_668141360 Susanne Schüßler Klimawandel verändert den Jahresrhythmus der Igel Hinzu kommen die milden Winter. Immer häufiger gehen Igel zu spät in den Winterschlaf oder sie wachen zwischendurch auf, weil die Temperaturen zu hoch sind. Jede Aktivität verbraucht Fettreserven, die im Winter nicht ersetzt werden können. Für Tiere, die ohnehin zu wenig Gewicht haben, bedeutet dies oft den Tod. Die Situation ist so ernst, dass die Weltnaturschutzunion IUCN den West-Europäischen Braunbrustigel 2024 erstmals auf die Rote Liste gesetzt hat. Er gilt nun als „potenziell gefährdet“. Das ist ein deutliches Warnsignal, denn die Bestände sind in manchen Regionen Europas in den letzten zehn Jahren um bis zu fünfzig Prozent eingebrochen. Unterschiedliche Meinungen rund um den Igel Rund um die Frage, wie der Igel zu schützen ist, gibt es seit jeher unterschiedliche Meinungen, nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch unter Fachleuten und in Igelstationen. Soll man Wildtiere überhaupt zufüttern, soll man ihnen ganzjährig Futter zur Verfügung stellen? Ab wann ist es gerechtfertigt, einen Igel aus der Natur zu entnehmen, um ihn zu pflegen? Was ist mit Tieren, die eine Behinderung haben, können sie in der Natur überleben oder sollte man sie euthanasieren? Selbst die Folgen des Insektensterbens werden nicht immer einheitlich betrachtet. Manche sehen das Problem isoliert bei den Insekten, andere betonen, dass auch Bodentiere betroffen sind und damit die Nahrungsgrundlage des Igels insgesamt schwindet. Ein weiteres Thema: Igel gelten als Tiere, die es sich leicht machen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. An einer Futterstelle bedienen sie sich oft lieber, als dass sie mühsam Insekten suchen. Folglich sammeln sich an solchen Stellen schnell viele Igel und dort kann es dann zu Stress oder zu Erkrankungen kommen. Igel: Beobachten, verstehen, handeln Die wichtigste Grundlage bleibt, dem Igel einen naturnahen Lebensraum zu schaffen. Futterpflanzen, die Insekten, Käfer und andere anziehen, und damit für ein natürlich gedecktes Buffet sorgen, sind überlebenswichtig für den Igel. Das zweite Prinzip lautet: beobachten. Da Igel dämmerungs- und nachtaktiv sind, bekommt man sie selten direkt zu Gesicht. Hier helfen Wildtierkameras, die inzwischen für kleines Geld erhältlich sind. Sie zeigen, ob ein Tier regelmäßig erscheint, ob es gesund wirkt oder ob es zu leicht ist. Entdeckt man im Spätherbst ein Jungtier, das noch nicht schwer genug scheint, kann eine Futterstelle eine sinnvolle Unterstützung sein. Zum Zufüttern eignet sich Katzenfutter (nass oder trocken, ohne Soße oder Gelee), ungewürztes Rührei oder gekochtes Ei. Trockenes Futter sollte man mit etwas Wasser anfeuchten, damit die Tiere es leichter aufnehmen können. Milch ist ungeeignet, da Igel sie nicht vertragen. Wichtig ist immer eine flache Schale mit frischem Wasser bereitzustellen, da Igel besonders im Herbst und bei Trockenheit viel Flüssigkeit brauchen.   Gartenarbeit im Herbst: Gefahren für den Igel und Tipps Nicht nur Nahrungsknappheit, auch der Mensch selbst kann dem Igel gefährlich werden. Besonders riskant sind Mähroboter, Laubsauger, Laubbläser. aber auch Freischneider und Harken. Diese Geräte verursachen oft schwere Verletzungen. Hinzu kommt, dass viele Menschen im Herbst ihre Gärten gründlich „aufräumen“. Was für den Menschen ordentlich aussieht, bedeutet für den Igel und viele andere Wildtiere den Verlust von lebenswichtigen Verstecken. Laub- und Reisighaufen sind natürliche Winterquartiere, die dringend gebraucht werden. Wer sie entfernt, nimmt dem Igel die Chance, sicher in den Winterschlaf zu gehen. Petition zum Nachfahrverbot von Mährobotern (für Niedersachsen) Schnecken im Herbst – kein Fall für Gift Gerade im Herbst sind viele Schnecken aktiv. Immer noch greifen viele Menschen zu Schneckenkorn, doch das ist fatal. Es ist nicht nur für den Igel gefährlich, sondern auch für viele andere Wildtiere und sogar für den Menschen selbst. Schnecken gehören in ein ökologisches Gleichgewicht und haben ebenfalls ihren Platz. Statt sie zu bekämpfen, sollten sie, wenn nötig, an Orte gebracht werden, wo sie sein dürfen. Viele Tiere, von Kröten bis Vögeln, fressen Schnecken. Der Igel greift nur im Notfall darauf zurück, wenn er nichts anderes findet, seine Leibspeise sind sie nicht. Kleine Maßnahmen, große Wirkung Zum Glück kann jeder helfen. Wer Laub und Reisig liegen lässt, auf Laubbläser verzichtet, offene Durchgänge zwischen Gärten schafft oder schützende Unterschlüpfe anbietet, leistet bereits viel. Es muss nicht unbedingt ein teuer gekauftes Igelhaus sein, es gibt sehr viele Möglichkeiten: alte Paletten, Ziegelsteine, Reisighaufen, Totholzecken, Tontöpfe, alles geschützt und wintertauglich anbieten. Und wer unsicher ist, ob ein Igel Hilfe braucht, sollte fachkundigen Rat bei einer Igelstation einholen. Igel sind Botschafter für Artenvielfalt Der Igel ist mehr als nur ein Sympathieträger. Er steht stellvertretend für den Rückgang von Lebensräumen und für die Folgen des Klimawandels. Sein Rückgang zeigt, wie wichtig es ist, dass Lebensräume für Wildtiere erhalten bleiben. Jeder, der im Herbst Laubhaufen liegen lässt oder Kinder für die Natur begeistert, trägt dazu bei, dass der Igel eine Zukunft hat. +++ Lesen Sie auch: Igel - Freund und Helfer im Garten Mehr Informationen über Igel finden Sie hier: Netzwerk Igel Wuppertal

  • Mauersegler – Artenschutz am Gebäude | Vorzeigeprojekt im Westmünsterland

    Hör doch mal rein | Mauersegler sind Meisterflieger: Ihr erster Flug endet erst nach zehn Monaten und legt rund 150.000 Kilometer zurück. Der Verlust von Brutplätzen drängt die Akrobaten der Luft nach und nach zurück. Ein Bauprojekt in Rhede in Nordrhein-Westfalen zeigt, dass Artenschutz, Abriss und Neubau Hand in Hand gehen können. Der erste Flug eines Jungvogels ist zumeist unbeholfen und endet häufig nach wenigen Metern, mit einer Bruchlandung. Beim Mauersegler ist es ganz anders:  Der erste Flug dauert etwa 10 Monate – meistens ohne Pause, ohne Landung. Der junge Mauersegler lässt sich aus der Brutnische an einem hohen Stadtgebäude fallen, breitet seine Flügel aus und fliegt ab jetzt ununterbrochen, Tag und Nacht. Er ernährt sich sofort selbständig von fliegenden Insekten und er verbringt die Nächte im Flug in großer Höhe. Er zieht nach Afrika und zurück und besetzt im Mai zum ersten Mal eine mögliche Brutnische bzw. Bruthöhle – zumeist die erste Landung in seinem Leben. Die erste Brut erfolgt in der Regel ein Jahr später. Adulter Mauersegler: 150.000 Flugkilometer am Stück | Bild: Jochen Gerlachj Mauersegler sind Hyper-Marathonsegler Die Durchschnittsgeschwindigkeit  eines fliegenden Mauerseglers ist nicht hinreichend bekannt. Relativ niedrig angesetzt kann von 500 Flugkilometern pro Tag ausgegangen werden, das würde knapp 21 km/h entsprechen. Bis zur ersten Landung in seinem Leben hätte der junge Mauersegler dann bereits rund 150.000 km bzw. fast vier Erdumrundungen hinter sich. Die Hochleistungsflieger können bis zu 20 Jahre alt werden, die zurückgelegten Kilometer gehen dann in die Millionen. Vom Waldbewohner zum Stadtvogel In Mitteleuropa brüten Mauersegler heute fast ausschließlich in Nischen und Spalten an Gebäuden. Ursprünglich waren sie aber überwiegend Baumbrüter, heute gibt es baumbrütende Mauersegler nur noch in wenigen sehr alten Waldbeständen. Die Flugakrobaten sind äußerst brutplatztreu. Im Wald benötigen ein konstant hohes Höhlenangebot in hohen alten Bäumen, das in wirtschaftlich genutzten Wäldern nicht gegeben ist. Sie sind daher auf langfristig verfügbare Brutplätze an Gebäuden  angewiesen und sind in Mitteleuropa fast reine Stadtvögel. Durch Abbruch oder Sanierung von Altbauten verlieren sie jedoch immer mehr Brutmöglichkeiten. Noch sind sie zwar nicht akut in ihren Beständen gefährdet, aber der Brutplatzverlust schreitet schnell voran. Erfolgreiches Artenschutzprojekt für Mauersegler in Rhede im Westmünsterland Neubau und Sanierung müssen dem Schutz der Mauersegler aber nicht entgegenstehen, im Gegenteil können die Meisterflieger sogar am Ende profitieren: In Rhede im Kreis Borken stand in den Jahren 2021 und 2022 der Abbruch einer Häuserreihe aus den 1950er-Jahren mit der größten Mauerseglerkolonie der Stadt an. In den sechs Häuserblocks brüteten rund 50 Paare. Gemeinsam mit dem Eigentümer und Bauherrn, der Wohnungsbaugesellschaft Bocholter Heimbau e. G. wurde erfolgreich ein Konzept umgesetzt, das am Ende zu einer Vergrößerung der Brutkolonie führte: Vor der Rückkehr der Mauersegler aus den Winterquartieren im Frühling 2021 wurden die beiden westlichen und die beiden östlichen Blocks abgebrochen, die beiden mittleren blieben stehen. Durch Einziehen von Brettern innen parallel zur Dachkante, konnte der dort vorhandene Brutraum erweitert werden. Rund 35 Paare brüteten 2021 in diesen beiden Häuserblocks. Zwei junge Mauersegler im Nistklinker in Rhede Bis zur Rückkehr der Mauersegler im Frühling 2022 waren die Neubauten im Westen und im Osten fertig errichtet und mit Nistklinkern versehen, die von der Hagemeister GmbH & Co. KG in Nottuln im Kreis Coesfeld angefertigt worden waren. An jedem der beiden neu gebauten Blocks sind 20 Nistklinker verbaut, so dass den Mauerseglern in dem Jahr 80 Nistplätze zur Verfügung standen. Die Nistklinker bestehen aus einem Mauerseglerkasten üblicher Größe mit individuell der Fassade angepasster Vorderseite. Sie sind vor der Isolierung eingebaut und bieten daher keine thermischen Nachteile. Die mittleren Blocks waren inzwischen abgebrochen und der Neubau war bereits in Arbeit. Da im Vorjahr ausschließlich in den mittleren Blocks gebrütet werden konnte, konzentrierten sich die Mauersegler nach ihrer Rückkehr zunächst stark auf den dort stehenden eingerüsteten Neubau und flogen tagelang immer wieder die Baugerüste an. Schließlich aber bezogen sie die fertigen Nistplätze in den äußeren Blocks. Der Brutbestand lag 2022 bei etwa 30 Paaren und erreichte damit den Tiefpunkt. Seit 2023 stehen den Mauerseglern jeweils 20 Nistklinker in allen sechs Neubauten, insgesamt also 120 Nistplätze zur Verfügung. Der Bestand wächst seitdem an und erreichte im Sommer 2025 die erfreuliche Größe von mindestens rund 70 Brutpaaren. 65 Bruten mit Jungen konnten durch den typischen Kot unter dem Kasten oder durch herausschauende Jungvögel nachgewiesen werden. Zahlreiche weitere Kästen wurden von Mauerseglern beflogen. Die Brutkolonie hat somit ihre ursprüngliche Größe deutlich überschritten und könnte sogar noch weiter anwachsen. Neben der Schaffung des neuen Nistplatzangebots war es wichtig, dass den Mauerseglern in allen Jahren Nistplätze zur Verfügung standen – wenn auch im Jahr 2021 deutlich weniger als zuvor und danach. Schlüssel zum Erfolg war die Kooperationsbereitschaft  des Bauherrn und die gute Zusammenarbeit aller Akteure einschließlich des Herstellers der Nistklinker, der Unteren Naturschutzbehörde und den Artenschutzgutachtern. Das Beispiel zeigt, dass der Schutz von Gebäudebrütern sich mit Neubau oder Sanierung vereinbaren lässt, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Ein besonders positives Beispiel ist auch die Biologische Station in Hagen in NRW, die auf diese Weise sehr viel für den Schutz von Gebäudebrütern im Ruhrgebiet erreicht hat. Darüber berichten wir ein andermal. +++ Mehr aus Nordrhein-Westfalen gibt es hier

  • Biber im Maisfeld – wie groß ist der Schaden wirklich?

    Hör doch mal rein | Es ist laut an dem niederrheinischen Baggersee an diesem warmen Augustabend. Gruppen von Anglern sitzen am Ufer, reden und lachen. Wir warten zwischen See und Maisacker - nicht auf Fische, sondern auf Biber. Es ist schon dämmerig, als der erste auftaucht. Ganz unauffällig, nur der Kopf ist sichtbar, bewegt er sich parallel zum Ufer auf uns zu. Bald erscheinen weitere, verteilen sich entlang des Ufers, schwimmen auf und ab, prüfen die Situation. Familie Biber ist auf Patrouille, die Angler und wir sind unter ihrer Beobachtung. Diese Biber sind an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt, aber dennoch sind sie vorsichtig. Sie wissen, dass sie an Land schwerfällig und damit angreifbar und verletzlich sind. Vor dem Landgang wird die Situation deshalb aus dem sicheren Wasser eingehend geprüft. Nun ist es aber so weit: Einer nach dem anderen steigen sie aus dem See und watscheln zum Maisfeld, in typischem Bibertempo – langsam und gemächlich. Kurz sind kräftige Bisse zu hören, die Maispflanze fällt. Der Biber zieht sie aus dem Acker und legt sie ab, dreht sich um, geht wieder ins Feld und holt die zweite Pflanze. Er legt sie neben die erste, nimmt beide zugleich mit den Zähnen, zieht sie ins Wasser und lässt sich dort die Kolben schmecken. Maisernte auf Biberart Es herrscht nun reger Verkehr zwischen Wasser und Maisfeld, fünf Biber ernten, ziehen die Pflanzen zum See und knabbern. Das Geräusch der knuspernden Biber mischt sich mit dem leichten Plätschern der kleinen Wellen im abendlichen Wind. Mit der Wärmebildkamera lassen die Biber sich beim Festschmaus herrlich beobachten, zum Teil sind sie kaum 10 Meter von uns entfernt. Das Elternpaar und die drei Vorjährigen ernten, die beiden Kleinen von diesem Jahr warten im Wasser auf die Großen, um bei ihnen mitzufuttern. Auch ein oder zwei Nutrias fressen mit und werden von den Bibern in direkter Nähe geduldet. Die zutrauliche Biberfamilie gewährt uns wunderbare Einblicke in ihr Familienleben. Das meiste spielt sich in Dämmerung und Dunkelheit ab, aber wir hatten einmal auch das Glück, die Bibermutter in gutem Tageslicht bei der Maisernte zu beobachten und zu filmen. Biber sind sehr soziale Familienwesen, die zumeist freundlich und oft verspielt miteinander interagieren. Sie dulden sogar die Nutrias zwischen sich und ihrem Nachwuchs. Der landwirtschaftliche Schaden im Maisfeld ist gering Wir haben uns das Maisfeld und das Seeufer bei Tageslicht angeschaut. Hunderte von Maispflanzen ohne Kolben treiben im ufernahen Wasser, Trampelpfade der Biber führen vom See ins Feld, die mit Teilen von Maispflanzen gesäumt sind. Wir sehen Kahlstellen im Maisfeld, der größte ist geschätzt 60 bis 80 Quadratmeter groß. Alle zusammen machen einige 100 Quadratmeter aus, eine genaue Schätzung ist aufgrund vieler sehr kleiner Kahlstellen schwierig. Die Biber entnehmen die Pflanzen komplett, sie beißen sie bodennah mit ihren messerscharfen Zähnen sauber ab und ziehen sie als Ganzes aus dem Feld. Sie fällen nur die Pflanzen, die sie auch verwerten: Kolben und zum Teil auch andere Pflanzenteile werden verspeist. Eine sehr große Biberfamilie mit sieben Tieren und ein äußerst günstig gelegenes Maisfeld nah am Wasser in geringer Entfernung zum Bau – hier liegt der maximale durch Biberfraß denkbare Ernteschaden vor. Dennoch begrenzt sich dieser auf einen Verlust von wenigen 100 Quadratmetern. Die gesamte Parzelle ist rund 35.000 qm (3,5 ha) groß, so dass die Biber etwa ein bis maximal zwei Prozent des Feldes abernten. Der Fall zeigt, dass selbst die maximal denkbaren Fraßschäden durch Biber relativ gering ausfallen und dass die Schäden durch Biberfraß in der Landwirtschaft oftmals überschätzt werden. +++ Tolle Bilder und viele Informationen rund um den Baumeister der Biodiversität gibt es hier.

  • Scheitern eines Großprojekts zum Wiesenbrüterschutz im Fränkischen Seenland

    Hör doch mal rein | Am Beispiel des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen wird deutlich, wie Lobbyinteressen die Umsetzung selbst jahrelang geplanter Naturschutzprojekte im letzten Moment verhindern können und auf welcher dünnen Grundlage aktives Prädatorenmanagement durchgeführt wird. Auch die Feldlerche ist ein Wiesenbrüter | Bild Harry Schulz Landrat bläst vier Millionen Euro für ein Wiesenbrüter-Großprojekt in den Wind Ursprünglich war vorgesehen, dass der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen an einem Natur-Großprojekt zum Schutz von Wiesenbrütern teilnimmt. Das Projekt war eigentlich in trockenen Tüchern, der Kreis hätte sich mit 45.000 Euro beteiligt und dafür eine Fördersumme in Höhe von vier Millionen Euro abrufen können. Doch plötzlich dämmerte es den betroffenen Landwirten und Jägern, dass es das Geld nicht umsonst geben würde. Der Landrat von Gunzenhausen , der selbst landwirtschaftliche Grundstücke im betreffenden Gebiet besitzt, fing an, massiv Stimmung gegen das Projekt zu machen, Landwirte und Jäger bliesen plötzlich in das gleiche Horn. Obwohl die Teilnahme am geplanten Projekt für die einzelnen Grundstückseigentümer und Jagdpächter freiwillig gewesen wäre, wuchs der Widerstand. Landrat Manuel Westphal äußerte sich kurz vor der Entscheidung gegen das Großprojekt dem BR gegenüber folgendermaßen :  "Wie soll man so ein Großprojekt umsetzen, wenn direkt betroffene Landwirte, Fischer und Jäger Einwände haben?" Letztlich stieg der Landkreis Gunzenhausen aus dem Projekt aus. Mit den frei gewordenen 45.000 Euro will man dennoch Maßnahmen zum Wiesenbrüterschutz vor Ort fördern. Doch wer entscheidet nun, welche Maßnahmen zum Schutz der Wiesenbrüter umgesetzt werden sollen? Auf Anfrage teilt uns das Landratsamt Gunzenhausen mit, dass die Maßnahmen mit dem LBV (Landesbund für Vogelschutz Bayern), der Jägervereinigung Gunzenhausen, der Jägervereinigung Weißenburg, dem Bauernverband, dem Landschaftspflegeverband und den Kommunen abgesprochen werden. Wenn man sich diese illustre Runde anschaut, verwundert es nicht, dass die umgesetzten Maßnahmen nicht viel mehr sind als ein paar Schönheitskorrekturen hier und da: ein bisschen Wassermanagement, ein bisschen Lebensraumverbesserung, aber kein überzeugendes Gesamtkonzept. Finanzierung von Fuchsfallen statt effektivem Wiesenvogelschutz In einem Punkt aber sind sich alle einig:  Zu retten sind die Wiesenbrüter nur durch eine intensive Bejagung von Fuchs und Co. Mit einem Teil der frei gewordenen 45.000 Euro finanziert der Landkreis Gunzenhausen den Jägern mehrere Betonrohrfallen – Jäger, Lokalpolitiker und Vertreter des LBV treten gemeinsam vor die Presse und loben das von den Jägern durchgeführte Prädatorenmanagement  in den höchsten Tönen. Der Gebietsbetreuer des LBV äußert sich den Nürnberger Nachrichten gegenüber folgendermaßen :  „So können wir mit der Jagd auf der einen Seite und den weiteren Schutzbemühungen seitens des LBV auf der anderen Seite gemeinsam an besseren Voraussetzungen für das Heranwachsen von Jungtieren in unserer Heimat arbeiten.“ Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) versucht sich herauszureden Bezugnehmend auf diese Äußerung wandten wir uns an den LBV und fragten nach, wie sich das Töten von Fuchs und Co. auf den Bruterfolg der Bodenbrüter vor Ort auswirkt. Das erste Antwortschreiben war noch sehr neutral, man versuchte, uns mit den üblichen Narrativen ruhigzustellen (1): „Die Entscheidung zur gezielten Bejagung bestimmter Prädatoren erfolgt nicht willkürlich, sondern auf Basis wissenschaftlicher Studien und Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten.“ Wir ließen nicht locker, wollten wissen, welche lebensraumverbessernden Maßnahmen vor Ort umgesetzt werden , fragten nochmal nach der Zahl der getöteten Beutegreifer und wollten wissen, wie ausgewertet wird, welchen Einfluss diese Maßnahme auf den Bruterfolg der Vögel hat . Darauf reagierte man schon etwas verschnupft und antwortete (2): „Gleichzeitig ist es selbstverständlich legitim, wenn jemand andere Prioritäten setzt und Generalisten wie den Fuchs über seltene Arten stellt – Naturschutz ist immer auch eine Frage der Werte und gesellschaftlichen Abwägungen.“ Unsere eigentliche Frage wurde wieder nicht beantwortet und so baten wir ein drittes Mal darum, uns die Zahl der getöteten Füchse und die daraus resultierenden Auswirkungen auf den Bruterfolg der Wiesenbrüter zu nennen. Die Antwort hat uns dann doch ziemlich überrascht (3):  „Leider liegen uns in der Gebietsbetreuung keine Informationen zu den Jagdstrecken der Reviere vor. Die Jagd ist auch nicht explizit Teil eines Projekts, da die Entscheidung, wer, wo und wie viel jagt, in der Verantwortung der Jäger selbst liegt. Allerdings wird die Jagd durch die Gelder des Landkreises, insbesondere für den Fallenkauf, unterstützt.“ Da bleibt am Ende nicht viel übrig vom „zielgerichteten, nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichteten Prädatorenmanagement“. Von der Unteren Naturschutzbehörde Gunzenhausen, der wir die gleichen Fragen gestellt haben, haben wir bis heute keine Antwort erhalten. Ist Gunzenhausen ein Einzelfall? Leider nicht, wie weitere Beispiele zeigen werden. +++ Zitierte Presse: Vorsicht Betonrohrfalle: Wiesenbrüter im Altmühltal sollen vor Raubwild geschützt werden Vogelschutzprojekt gekippt: Wer rettet nun die Wiesenbrüter? | BR24 Weißenburg-Gunzenhausen stimmt gegen Vogelschutzprojekt | BR24 Streit um Wiesenbrüter-Schutzgebiet | BR24 Lesen Sie auch: Wiesenbrüterschutz in Deutschland: Schöner Schein und ernüchternde Realität

  • Wolfsjagd in Brandenburg: Staatssekretär Beyer ignoriert Faktenlage und Expertenmeinungen

    Update 5. September: Wegen der Vortäuschung falscher Zahlen zum Wolfsbestand in Brandenburg und wegen Vertrauensbruchs gegenüber seiner Umweltministerin ist Staatssekretär Gregor Beyer entlassen worden. +++ Hör doch mal rein | Wir verurteilen die in Brandenburg geplante Einführung der Wolfsjagd als einen wissenschaftlich unbegründeten und politisch motivierten Alleingang. Die jüngsten Äußerungen von Staatssekretär Gregor Beyer [1], der eine Abschussquote von 330 Wölfen ankündigt, werden von Wildtierschutz Deutschland als eklatanter Verstoß gegen den Artenschutz  und als Missachtung der Expertise von Biologen und Wolfsfachleuten gewertet. Es ist seit langem bekannt, dass durch die Jagd auf Wölfe weder die illegalen Abschüsse noch die Wolfsübergriffe abnehmen. | Bild: Michael Hamann Beyer widerspricht hinsichtlich der Wolfspopulation den eigenen Experten Die vom Beyer in Aussicht gestellte Abschussquote von 330 Wölfen  beruht auf einer willkürlichen und nachweislich falschen Schätzung des Wolfsbestands in Brandenburg. Beyer geht von einer absurden Zahl von „mindestens tausend“ Wölfen aus. Diese Schätzung steht in direktem Widerspruch zu den offiziellen Zahlen des Brandenburger Landesamtes für Umwelt, das im vergangenen Jahr 58 Rudel sowie weitere Wolfspaare und Einzeltiere gezählt hat und von einem Bestand von 600 bis 700 Wölfen ausgeht. Experten, darunter Wildbiologen, bestätigten diese Einschätzung. Die Aussage von Staatssekretär Beyer, „Das Zählverfahren ist lächerlich. Am Ende entscheide ich!“ , offenbart ein besorgniserregendes Verständnis von Politik, bei dem persönliche Meinungen über wissenschaftliche Fakten gestellt werden. Eine derart faktenresistente Politik ist inakzeptabel und gefährdet den Artenschutz in Deutschland. Keine Rechtsgrundlage für die Bejagung von Wölfen Der Wolf ist in Anhang V der der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) gelistet und entsprechend in Europa geschützt. Die von Beyer angekündigte Politik ignoriert die Schutzverantwortung Deutschlands und die Bemühungen, den Wolf nach seiner Rückkehr in Mitteleuropa wieder zu etablieren. Für die Quotenjagd auf Wölfe gibt es keine Rechtsgrundlage, sie ist auch ethisch und ökologisch mehr als fragwürdig.   Es entbehrt jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, dass durch die Jagd auf Wölfe Konflikte mit Nutztieren abnehmen. Ein unkoordiniertes Vorgehen könnte junge, unerfahrene Wölfe oder Einzelgänger dazu bringen, sich auf leichte Beute wie Schafe oder Ziegen zu konzentrieren, statt die Jagd auf Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine zu lernen. Die einzige effektive Methode, Nutztierrisse zu minimieren, ist der Herdenschutz, wie er seit Jahren von Experten gefordert wird. Schon heute ist in den Bundesländern mit dem größten Wolfsvorkommen – dazu gehört Brandenburg – zu beobachten, dass Herdenschutz funktioniert  und Übergriffe durch Wölfe auf Weidetiere zurückgehen. Populistische Politik stoppen - Herdenschutz stärken Wildtierschutz Deutschland fordert die Brandenburger Landesregierung auf, die geplante Wolfsjagd sofort zu stoppen. Statt einer populistischen und wissenschaftsfeindlichen Politik muss sich das Land auf die Stärkung des Herdenschutzes konzentrieren und die Koexistenz von Mensch und Wolf fördern. Die Diskussion über eine sinnlose Jagd lenkt von den eigentlichen Problemen ab und schürt unnötig Ängste in der Bevölkerung. Es ist an der Zeit, dass die Politik Verantwortung übernimmt und nicht der Jagd-Lobby nachgibt. Damit noch nicht genug, denn ab 2026 möchte Beyer auch den Abschuss von Bibern erleichtern. Der Biber ist aber im Gegensatz zum Wolf nach wie vor gemäß der Berner Konvention und der FFH-Richtlinie streng geschützt – auch wenn zu befürchten ist, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte. „Dieses Problem kann man verspeisen“, sagte er laut Berliner Zeitung zum Thema Biber. Herr Beyer möchte also Biberfleisch essen, das früher als Delikatesse galt, bevor der Biber wegen des Fleisches, des Pelzes und des Bibergeils nahezu ausgerottet wurde. +++ [1] BZ Berlin vom 10. August 2025: Brandenburg will 330 Wölfe schießen Landwirtschaftsministerium Brandenburg: Passionierter Jäger als Staatssekretär   Rechtswidrige Biberabschüsse im Oderbruch

  • Angriff auf Sechsjährigen in den Niederlanden: Wie gefährlich sind Wölfe?

    Hör doch mal rein | Neben der Weidetierproblematik ist die häufigste Frage im Zusammenhang mit Wölfen: Wie gefährlich sind sie für Menschen? Die nahezu einhellige Auffassung aus Forschung und Wissenschaft ist: Die Gefahr für Menschen durch Wölfe ist extrem gering , es gibt in Europa in jüngerer Zeit so gut wie keine Vorfälle. Nun aber ist in den Niederlanden offensichtlich ein sechsjähriger Junge von einem Wolf angegriffen worden. Muss die bisherige Einschätzung jetzt überdacht werden? Um dies zu beurteilen, ist es wichtig, den Fall und seine Vorgeschichte genauer anzuschauen: Werden Wölfe nicht von Menschen angefüttert, bleiben sie scheu. Bild: Michael Hamann Chronik der Vorfälle mit dem Wolf Bram Im Bereich des Utrechtse Heuvelrug (Utrechter Höhenrücken oder -hügelrücken) in den Niederlanden gab es eine Serie von Vorfällen mit dem Wolf GW3237, bekannt unter dem Namen „Bram“ . Anfang 2024 zeigte dieser sich sehr an Hunden interessiert und nahm sogar direkten Kontakt mit ihnen auf. Anwesende Menschen ignorierte er und war ihnen gegenüber kaum scheu. Am 06.07.2024 ergriff und verschleppte ein Wolf, wahrscheinlich „Bram“, einen Hund direkt vor den Augen seines Besitzers. Der Hund wurde nicht mehr gefunden. Am 16.07.2024 gab es einen Vorfall mit einem fünfjährigen Mädchen. Es ist unklar, ob dieses vom Wolf „nur“ umgestoßen oder auch gebissen wurde. Sicher ist aber, dass der Wolf direkten Kontakt mit dem Kind hatte, denn es konnte Wolfs-DNA an der Kleidung nachgewiesen werden, die aber keine Individualisierung zuließ. Die Wahrscheinlichkeit, dass es „Bram“ war, ist auch hier sehr hoch. Beim nächsten Vorfall wurde „Bram“ anhand der DNA nachgewiesen: am 31.07.2024 wurde ein Kind von ihm umgeworfen, es blieb glücklicherweise unverletzt. Am 07.08.2024 gab es eine weitere Konfrontation dieses Wolfs mit einem Hund, der leicht verletzt wurde. Im selben Monat wurde eine Genehmigung zum Fang und zur Besenderung von „Bram“ erteilt, jedoch klagten „De Faunabescherming“ und andere Tierschutzorganisationen erfolgreich dagegen. Es blieb einige Zeit ruhig, bis am 19.05.2025 eine Spaziergängerin in den Oberschenkel gebissen und verletzt wurde, der Wolf GW3237 („Bram“) konnte durch DNA nachgewiesen werden. Am 09.07.2025 wurde eine Abschussgenehmigung erteilt. „De Faunabescherming“ klagte, das Gericht lehnte im Eilverfahren den Antrag auf eine einstweilige aber Verfügung ab. Die Ausnahmegenehmigung zur Tötung des Wolfs ist somit rechtskräftig. Am 30.07.2025 ereignete sich der gefährlichste Vorfall: Ein sechsjähriger Junge wurde an der Schulter gefasst und über eine Distanz von 20 bis 30 Metern geschleppt. Einer der anwesenden Erwachsenen vertrieb das Tier mit einem Stock. Der Junge wurde zwar nicht schwer, aber dennoch erheblich verletzt. Die Ergebnisse der Genanalyse liegen noch nicht vor, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es sich auch bei diesem Vorfall um den Wolf „Bram“ handelte, ist sehr hoch. Ursache des Verhaltens des Wolfes ist menschliches Versagen Wäre es ein entschlossener, prädatorischer Angriff [= Fälle, in denen Wölfe Menschen angreifen, um sie zu fressen ] gewesen, hätte der Junge diesen wahrscheinlich nicht überlebt. Der Wolf hätte ihn schnell getötet und vielleicht an seine Welpen verfüttert. Allerdings ist auch diese halbherzige Attacke schlimm genug und hätte niemals passieren dürfen. Der Wolf „Bram“ stammt aus dem Wald- und Heidegebiet Veluwe, wo es Hinweise gibt, dass Wölfe von Menschen aktiv gefüttert wurden. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass dieser Wolf früh durch Futter an Menschen gewöhnt  wurde und deshalb kaum bis kein Ausweichverhalten entwickelt hatte. Der hochgradig gefährliche Angriff auf den Sechsjährigen ist der Gipfel einer mehr als einjährigen Entwicklung, in der die Möglichkeit zu handeln nicht wahrgenommen wurde. Leider haben Tierschützer mit ihrer Klage gegen die Besenderung des Wolfs zur Überwachung seines Verhaltens ein effizientes Vorgehen verhindert. Vorausgesetzt, das Einfangen des Wolfs wäre gelungen, hätte er permanent überwacht und bei Aufenthalt in kritischen Bereichen gezielt vergrämt werden können. Durch unangenehme Erfahrungen hätte dieser Wolf mit hoher Wahrscheinlichkeit sein Verhalten gegenüber Menschen ändern und weiterleben können. Nun aber ist seine Tötung unausweichlich, denn dieser Wolf ist jetzt definitiv gefährlich. Mehr über Wölfe und den Umgang mit ihnen

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